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Sprachpurismus im 17. Jahrhundert - Das Stammwortprinzip von Justus Georg Schottelius

Title: Sprachpurismus im 17. Jahrhundert - Das Stammwortprinzip von Justus Georg Schottelius

Term Paper , 2008 , 13 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Lisa Schlönvogt (Author)

Didactics for the subject German - Pedagogy, Linguistics
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Summary Excerpt Details

Ein anonymer Satiriker des 17. Jahrhunderts ermahnt die Deutschen: „Ihr bösen Teutschen, man sollt euch peitschen, dass ihr die Muttersprach so weinig acht.“
Die Muttersprache nicht achten? Was bedeutet das im 17. Jahrhundert? Ein alter redlicher Deutscher berichtet, wie es ihm unter eigenen Landsleuten erging:
Wann die einander eines zutrinken / da heisset es / Salus, bon pro face Monsieur, per toutl Compagnie, á la Sente Vostre Maistresse, vnd so fortan ich alter Mann, sitze da vnter gebohrnen Teutschen / vnd muß also reden hoeren / Kommet etwas Gefluegel auff dem Tisch da sagt einer zu dem andern / er solle es trenchieren, mich nam es sehr Wunder / was man mit dem Gefluegel anfangen wuerde / wann man es trenchieren, ich wartete lang / aber sahe coh endlich nichts / als dass es zerschnitten und zerlegt / eigendlich mit zehen Fingern zerzerret worden. Vnd solches schien so unhoefflich als es in meiner Jugend bey vns Teutschen nicht mag gesehen seyn.
Dieses Zitat zeigt ganz deutlich, was mit der oben erwähnten ,Missachtung´ gemeint ist. Fremdwörter durchziehen die deutsche Sprache im 17. Jahrhundert, sodass eigentlich Deutsche ihre eigene Sprache nicht mehr verstehen können. Eine solche „Fremdwortmengerei“ zu verhindern, war Aufgabe der Puristen bzw. der Sprachpfleger des 17. Jahrhunderts. Und mehr noch: sie waren ebenfalls bestrebt dialektale, alte, anstößige und zweideutige Wörter zu verdrängen. Sie forderten des weiteren eine Richtigkeit in der Formen- und auch in der Satzlehre.
Diese Arbeit soll nun klären, wie die Situation der Sprache im 17. Jahrhundert genau aussah und was man unter Spracharbeit im 17. Jahrhundert verstehen muss. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht die Arbeit Justus Georg Schottelius, der sich ausführlich mit dem Stammwortprinzip auseinander setzte und damit eine hochdeutsche Muttersprache etablieren wollte. Dazu werden vornehmlich zwei seiner Werke betrachtet, die in der Literatur gut erforscht sind: „Ausführliche Arbeit von der teutschen HauptSprache“ (1663) und „Horrendum Bellum Grammaticale“ (1673). Anhand dieser Arbeiten soll Schottelius Auffassung zur damaligen deutschen Sprache sichtbar und seine Vorschläge zur Verbesserung der Sprache dargelegt werden.

Excerpt


Gliederung

1. Einleitung

2. Begriffsklärung „Purismus“

3. Situation der Sprache im 17. Jahrhundert

4. Spracharbeit im 17. Jahrhundert

4.1 Wesentliche Ziele der bedeutendsten Puristen

4.2 Das Stammwortprinzip von Justus Georg Schottelius

5. Zusammenfassung und Schlusswort

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen des Sprachpurismus im 17. Jahrhundert mit einem besonderen Fokus auf die Spracharbeit von Justus Georg Schottelius. Ziel ist es, die historischen Hintergründe der damaligen Sprachsituation zu beleuchten und zu klären, wie Schottelius durch sein Stammwortprinzip versuchte, die deutsche Sprache zu normieren und als eigenständige, hochdeutsche Muttersprache zu etablieren.

  • Die sprachliche Situation und Überfremdung im 17. Jahrhundert
  • Begriffliche Einordnung und Ziele des barocken Sprachpurismus
  • Die theoretischen Grundlagen der Spracharbeit von Justus Georg Schottelius
  • Analyse des Stammwortprinzips als zentrales Instrument der Sprachnormierung

Auszug aus dem Buch

4. 2 Das Stammwortprinzip von Justus Georg Schottelius

Das sprachliche Ziel eine literatursprachliche Norm herauszubilden, die dem Ostmitteldeutschen ähneln sollte, verfolgten auch Grammatiker wie Justus Georg Schottelius. Zwei seiner Werke, die eben dieses Ziel verfolgten, waren die „Ausführliche Arbeit von der deutschen HauptSprache“ (1663) und „Horrendum Bellum Grammaticale“ (1673). Das letztere gilt oftmals auch als Kurzfassung des ersteren Werkes. Es ist eine in Form eines Kriegsberichtes geschriebene Allegorie auf die deutsche Sprache. Das Verhältnis von Mensch und Wort wird auf den Kopf gestellt: Handelnde sind Wörter selbst, der Mensch steht referierend am Rande. Wörter formieren sich zu Königreichen oder zu Fürstentümern. Es regieren zwei Könige, der des „Nennwortes“ und der des „Zeitwortes“, wobei Auseinandersetzungen unausweichlich scheinen. Das Werk erzählt also den Krieg zwischen sämtlichen Wörtern und Wortarten, wobei der Dreißigjährige Krieg sicherlich einen bedeutenden Eindruck bei dem Autor hinterlassen hat.

Schottelius ließ in beiden Werken die Grundrichtigkeit des Deutschen zur Geltung kommen. Diese beruhe auf einer beschränkten Anzahl von Wurzel- und Stammwörtern, die die Grundlage für den gesetzmäßigen, richtigen Ausbau des Wortschatzes durch Ableitung und Zusammensetzung bilden.

„Die Stammwörter in den Sprachen (dass ich endlich schliesse und meine Meynung kürtzlich sage) sind das Fundament / die Ekk = und Grundsteine / reisset man die weg / oder machet sie nicht recht und gehöriges Ortes stehen / so wakkelt das Gebäude und fält hier und dar durch einander: Die Stammwörter sind das erste und letzte im Sprachwesen / von welchen / so man ein Wort recht verstehen will / muß man anfangen / und in welchen / so man einem Worte nachsinnet / man muß bestehen bleiben: Sie sind das Ziel und der Zwekk.“

Den Stammwörtern misst Schottelius in seiner „Ausführlichen Arbeit“ also eine erhebliche Bedeutung zu (das ganze Werk wird mit der Stammwort – Thematik durchzogen). In „Horrendum Bellum Grammaticale“ beschreibt er die Stammwörter als „die Erstgeborene und die Haubterben in dem gantzen Sprachthum“.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die sprachliche Verunsicherung im 17. Jahrhundert durch ein satirisches Zitat und definiert die Zielsetzung der Arbeit bezüglich der Sprachpflege durch Justus Georg Schottelius.

2. Begriffsklärung „Purismus“: Dieses Kapitel erläutert den etymologischen Ursprung des Begriffs und unterscheidet zwischen der historischen Reinigung des 17. Jahrhunderts und späteren, radikaleren Formen des Fremdwortpurismus.

3. Situation der Sprache im 17. Jahrhundert: Es wird dargelegt, wie der Dreißigjährige Krieg und der kulturelle Einfluss Frankreichs zur Überfremdung des Deutschen führten und warum daraus der Wunsch nach einer einheitlichen Literatursprache entstand.

4. Spracharbeit im 17. Jahrhundert: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die Bemühungen der Sprachpfleger, wobei insbesondere die Ziele Harsdörffers und die Rolle der Sprachgesellschaften wie der „Fruchtbringenden Gesellschaft“ thematisiert werden.

4.1 Wesentliche Ziele der bedeutendsten Puristen: Die Abschnitte beschreiben die Bestrebungen, das Deutsche als Dichtungssprache zu erheben und die grammatische Richtigkeit sowie Reinheit der Sprache zu fördern.

4.2 Das Stammwortprinzip von Justus Georg Schottelius: Das Kapitel führt in das Herzstück der Untersuchung ein, indem es Schottelius' Theorie der Stammwörter als Fundament einer korrekten deutschen Sprache detailliert erläutert.

5. Zusammenfassung und Schlusswort: Das Fazit resümiert die Bedeutung der barocken Sprachpflege und betont, dass Schottelius' Arbeiten den Grundstein für eine einheitliche deutsche Muttersprache legten.

Schlüsselwörter

Sprachpurismus, Justus Georg Schottelius, Stammwortprinzip, Sprachpflege, 17. Jahrhundert, Sprachgeschichte, Sprachreinheit, Fremdwortkritik, Barock, Ausführliche Arbeit von der teutschen HauptSprache, Horrendum Bellum Grammaticale, Sprachgesellschaft, Sprachnormierung, Literaturgeschichte, Muttersprache.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Bemühungen barocker Sprachpfleger, insbesondere von Justus Georg Schottelius, die deutsche Sprache durch eine Bereinigung und Normierung auf eine wissenschaftliche Grundlage zu stellen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Mittelpunkt stehen die Sprachsituation des 17. Jahrhunderts, das Phänomen des Purismus und die Bedeutung der Stammwörter für die deutsche Sprachstruktur.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, das Stammwortprinzip von Schottelius zu erklären und aufzuzeigen, wie er mit diesem Ansatz die deutsche Literatursprache formen wollte.

Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer philologischen Analyse primärer Werke von Schottelius sowie auf einer Auswertung zeitgenössischer sekundärwissenschaftlicher Literatur zur Sprachgeschichte.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil widmet sich der Definition des Purismus, der historischen Ausgangslage und der detaillierten Untersuchung des Stammwortprinzips als zentralem Mittel zur Vermeidung von „Fremdwortmengerei“.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Sprachpurismus, Stammwortprinzip, Sprachpflege, Barock und Sprachnormierung bestimmt.

Warum sah Schottelius die „Fremdmengerei“ als Gefahr an?

Für Schottelius war der unkontrollierte Gebrauch von Fremdwörtern eine Naturwidrigkeit, die das Sprachgefüge schwächte und letztlich zum Verlust der rein deutschen Stammwörter führte.

Welche Rolle spielten die Sprachgesellschaften in diesem Prozess?

Sprachgesellschaften wie die „Fruchtbringende Gesellschaft“ boten den notwendigen Rahmen, um Dichtungstheorien zu diskutieren und eine überregionale Hochsprache systematisch zu fördern.

Was versteht man unter dem Begriff „Kunstgebäu“ bei Schottelius?

Schottelius verwendet diese Metapher, um die Struktur der deutschen Sprache als ein durch Stammwörter und deren Ableitungen geordnetes, reiches System zu beschreiben.

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Details

Title
Sprachpurismus im 17. Jahrhundert - Das Stammwortprinzip von Justus Georg Schottelius
College
University of Potsdam
Course
Geschichte der deutschen Sprache II
Grade
2,0
Author
Lisa Schlönvogt (Author)
Publication Year
2008
Pages
13
Catalog Number
V93172
ISBN (eBook)
9783638064200
Language
German
Tags
Sprachpurismus Jahrhundert Stammwortprinzip Justus Georg Schottelius Geschichte Sprache
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Lisa Schlönvogt (Author), 2008, Sprachpurismus im 17. Jahrhundert - Das Stammwortprinzip von Justus Georg Schottelius, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93172
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