Die Arbeit enthält eine Morphemanalyse des durch eine Gewährsperson auf Kurdisch erzählten Märchens "Rotkäppchen". Der Dialekt der Gewährsperon entspricht dem im Nord-Irak gesprochenen Kurdisch-Dialekt des Kurmanci.
Dabei werden im Anschluss an die interlineare Morphemübersetzung (ohne phonetische/phonemische Ebene!) einige Frage aufgeworfen, die sich im Zusammenhang mit den elizitierten Daten der Gewährsperson ergeben.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Morphemanalyse
III. Erläuterungen
1. Hinweis
2. Markierung von Substantiven
a. Formen
b. Verwendung
(1) Kasus-Markierung
(2) Linker
3. Formeln
4. Komparativ
5. Nominalisierung
6. Präpositionen
7. Plusquamperfekt und Partizipien
a. Form
b. Verwendung
(1) PQP
(2) Partizipien
8. Verbimmanente Addressierung
9. Antwortpartikel
IV. Weiterführende Arbeiten
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, eine fundierte Morphemanalyse des im Kurmanci-Dialekt erzählten Märchens "Rotkäppchen" durchzuführen, um grammatische Strukturen auf Basis der direkten Erzählung eines Informanten zu identifizieren und zu normieren.
- Strukturelle Analyse der Kasusmarkierung und des Linkers bei Substantiven.
- Untersuchung von Verbformen im Kontext von Plusquamperfekt und Partizipien.
- Analyse syntaktischer Besonderheiten wie der verbimmanenten Addressierung.
- Methodische Aufarbeitung von Datenmaterial aus der Feldforschung zur kurdischen Sprache.
Auszug aus dem Buch
8. Verbimmanente Addressierung
In Satz (15) begegnet uns die Form gotê. Dies kann auf den ersten Blick irritieren, da die Endung ~ê bei den Verbformen bisher keine Rolle gespielt hat. Bekannt ist das Suffix bisher vor allem als Obliquus-Markierung für feminin Singular. Um so erstaunlicher ist das Auftreten an dieser Stelle, als es der Wolf ist, der spricht. Wie ist nun also mit dieser Form zu verfahren?
Die einzige sinnvoll erscheinende Lösung ist, dass es sich tatsächlich um eine Obliquus-Markierung handelt, auch wenn sie in diesem Fall am Verb erscheint. Wir haben ein Agens, den Wolf, zu dem diese Form so gar nicht passen will. Aber wir haben auch ein Verb der direkten Kommunikation: 'sagen'. Die Frage danach, was der Wolf sagt bringt uns in diesem Fall nicht weiter, da dafür kein direktes Objekt im Satz existiert. Aber die Frage, wem er etwas sagt, bringt uns voran. Der Addressat in diesem Satz ist das Rotkäppchen, also eine weibliche Person, die alleine, grammatisch gesprochen: im Singular, ist. Nun macht es wenig Sinn, an eine Verbform eine Obliquus-Markierung, die nur für Substantive bestimmt ist, zu hängen. Doch wenn man sich die Pronomina im Kurmanci anschaut, dann fällt die Form wê (3SG.OBL.F) ins Auge. Ohne den Anlaut würde diese Form perfekt passen.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Beschreibt den methodischen Ansatz und die Herkunft des verwendeten Datenmaterials zur Analyse des Märchens.
II. Morphemanalyse: Präsentiert die segmentierten Sätze des Märchens mit einer detaillierten grammatischen Annotation.
III. Erläuterungen: Analysiert spezifische grammatikalische Phänomene wie Substantivmarkierung, Komparation, Nominalisierung und Verbformen tiefergehend.
IV. Weiterführende Arbeiten: Bietet einen Überblick über parallel im Seminar entstandene linguistische Forschungsarbeiten zu verwandten Themen.
Schlüsselwörter
Kurmanci, Morphemanalyse, Feldforschung, Kasusmarkierung, Obliquus, Linker, Verbalkomplex, Plusquamperfekt, Partizipien, Verbimmanente Addressierung, Syntax, Substantive, Nominalsierung, Sprachwissenschaft, Märchenanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die morphologischen Strukturen des Kurmanci anhand einer spezifischen, durch einen Informanten aufgezeichneten Erzählung des Märchens "Rotkäppchen".
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse der nominalen Markierung (Kasus und Linker) sowie der Untersuchung komplexer Verbformen und spezieller syntaktischer Phänomene.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist eine präzise Morphemanalyse, die durch eine Normierung der Daten ein besseres Verständnis der grammatikalischen Strukturen im Kurmanci ermöglichen soll.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine direkte Datenerhebung (Elizitierung) angewandt, gefolgt von einer linguistischen Segmentierung und morphosyntaktischen Analyse der resultierenden Beispielsätze.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine direkte Morphemanalyse der Erzählung und einen ausführlichen Erläuterungsteil, der linguistische Besonderheiten diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Kurmanci, Morphemanalyse, Kasusmarkierung, Verbalkomplex und linguistische Feldforschung beschreiben.
Was ist unter der "verbimmanenten Addressierung" zu verstehen?
Dabei handelt es sich um das Phänomen, dass ein Pronomen enklitisch mit einer Verbform verschmilzt, um den Addressaten innerhalb der Verbform auszudrücken.
Warum spielt das Plusquamperfekt eine wichtige Rolle in der Analyse?
Das Plusquamperfekt wird genutzt, um Ereignisse zu beschreiben, die zeitlich vor dem Haupterzählzeitpunkt in der Vergangenheit liegen, was für die korrekte Interpretation der Satzfolgen entscheidend ist.
Welche Funktion hat der Linker im Kurmanci?
Der Linker dient dazu, Attributverhältnisse zwischen Substantiven anzuzeigen, wobei er in eine gebundene und eine ungebundene Form unterteilt werden kann.
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- Ralv Wohlgethan (Author), 2006, Morphemanalyse des Kurmanci am Beispiel des Märchens Rotkäppchen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93185