Immobilien als Kapitalanlage. Chancen und Risiken für private Anleger


Hausarbeit, 2020

17 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Grundlagen der Immobilie als Wirtschaftsgut
2.1 Begriffserklärung der Immobilie als Wirtschaftsgut
2.2 Besonderheiten der Immobilie als Wirtschaftsgut
2.3 Besonderheiten des Immobilienmarktes

3. Der Direkterwerb einer Immobilie als Kapitalanlage
3.1 Selbstnutzung der Immobilie
3.2 Fremdnutzung der Immobilie

4. Finanzierung

5. Fazit

Quellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Eigenschaften der Immobilie

Abbildung 2: Der Immobilienmarkt als unvollkommener Markt

1. Einleitung

Eine Niedrigzinspolitik, besonders niedrige Inflationsraten, und Finanzkrisen in der Europäischen Union bereiten vielen Deutschen Sorgen um Ihre privaten Anlagen.1 Vor allem Sparer stehen dabei im Fokus. Bisher galt die Anlage des Geldes in Sparbüchern, Tagesgeldkonten, Festgeldkonten oder ähnlichen Anlageformen als sicher und gewinnbringend. Aktuell zeigen sich diese jedoch als gering renditeorientiert. Zudem gilt bei konventionellen Geldanlagen, wozu ebenfalls Aktien und Aktienfonds gehören, dass die Höhe der Zinsen und Erträge abhängig von der Höhe der Geldeinlage ist. Wird wenig Geld angelegt, fallen die Erträge dementsprechend gering aus. Dies würde ebenfalls den Fall darstellen, wenn Zinsen, Dividenden und Kurshochsprünge sehr hoch wären.

Das niedrige Zinsniveau motiviert viele Anleger dazu, über alternative Investitionsmöglichkeiten nachzudenken. Kapitalanleger suchen folglich nach Möglichkeiten, um Profite aus der Niedrigzinspolitik zu ziehen. Die Anlagealternative sollte dabei wertstabil und kosteneffizient sein. Vor allem Immobilien gewinnen in den letzten Jahren im Hinblick auf die genannten Faktoren an Bedeutung. Da Immobilien gegenständliche Sachwerte darstellen, unterscheiden sich Immobilieninvestitionen durchaus von konventionellen Geldanlagen.

Die Bandbreite an Möglichkeiten der Immobilieninvestitionen ist überaus vielfältig. Dabei wird zunächst zwischen direkten und indirekten Immobilienanlagen unterschieden. Das Feld der indirekten Immobilienbeteiligungen umfasst offene und geschlossene Immobilienfonds sowie den Erwerb von Immobilienaktien. Bei direkten Immobilienanlagen erfolgt die Unterscheidung zwischen der Eigennutzung sowie der Fremdnutzung einer Immobilie. Auf Letzteres wird in dieser Studienarbeit Bezug genommen.

Das Ziel der vorliegenden Ausarbeitung bildet die Analyse der Chancen und Risiken einer direkten Immobilieninvestition für private Anleger. Dabei wird in diesem Zusammenhang explizit Bezug auf die Investition in Eigentumswohnungen genommen. Es soll ermittelt werden, ob entweder die Fremd- oder die Eigennutzung einer Eigentumswohnung im Hinblick auf eine positive Renditeentwicklung empfehlenswert ist.

Grundlage der Analyse bildet die Erläuterung maßgebender Begriffe und Informationen, die zum Verständnis der Abhandlung benötigt werden. Es erfolgen die Thematisierung theoretischer Grundlagen und Abgrenzungen der Immobilie als Wirtschaftsgut (s. Kapitel zwei). Dies umfasst ebenfalls die Nennung von Besonderheiten der Immobilien als Wirtschaftsgut sowie des Immobilienmarktes. Daraufhin wird im dritten Kapitel auf den Direkterwerb einer Immobilie als Kapitalanlage eingegangen. Hierbei werden die Möglichkeiten der Selbst- und Fremdnutzung einer Immobilie in Betracht gezogen. Diese werden im Einzelnen näher erläutert, einhergehend mit der Bewertung der Chancen und Risiken der jeweiligen Möglichkeiten. Im darauffolgenden vierten Kapitel wird das Annuitätendarlehen als klassisches Finanzierungsmodell im Bereich der Immobilieninvestition erläutert. Das fünfte Kapitel dient der kritischen Betrachtung der genannten Erkenntnisse aus den vorangegangenen Kapiteln, woraus die Formulierung des Fazits hinsichtlich Empfehlungen für angehende Kapitalanleger erfolgt.

2. Theoretische Grundlagen der Immobilie als Wirtschaftsgut

Zum Verständnis des Immobilienmarktes und explizit der Immobilie als Wirtschaftsgut, wird im Folgenden der Begriff Immobilie im wirtschaftlichen Kontext definiert und die Besonderheiten von Immobilien und des Immobilienmarktes werden näher erläutert.

2.1 Begriffserklärung der Immobilie als Wirtschaftsgut

Immobilien bestehen aus insgesamt vier Dimensionen, diese unterteilen sich in räumliche Dimensionen, wie Länge, Breite und Höhe, und der Dimension für den Besitz und den Nutzen.2 Im Bezug zu den räumlichen Dimensionen stellt die Immobilie als Wirtschaftsgut einen von einem Individuum abgetrennten Raum dar.3 Konkret ist hiermit das Grundstück inklusive der damit zusammenhängenden Sachanlagen, die ebenfalls als physische Güter bezeichnet werden, gemeint. Dazu gehören beispielsweise die sich auf dem Grundstück befindlichen Bauwerke. Hierbei ist hinzuzufügen, dass auf dem Grundstück kein Bauwerk vorhanden sein muss, damit es als Immobilie bezeichnet werden kann. Ein weiteres Merkmal stellt dar, dass die technischen Gegebenheiten bei Immobilien ab einem gewissen Punkt begrenzt sind.4 Ein Beispiel dafür ist, dass die Tragfähigkeit eines Gebäudes einen Grenzzustand erreichen kann.5 Ebenfalls stehen spezifische Rechte im Zusammenhang mit dem Grundbesitz.6

Die Bezeichnung der Immobilie als Wirtschaftsgut ergibt sich weiterhin aus dem vorgesehenen Zweck der Immobilie. Dieser stellt den Aspekt der Nutzung und des Besitzes dar. Somit sind Privathaushalte oder Unternehmen „im Rahmen physisch-technischer, rechtlicher, wirtschaftlicher und zeitlicher Grenzen“7 für diverse Zwecke wie die Herstellung, den Warenverkehr, allgemeine Arbeitsleistungen und den Verbrauch Nutzer von Immobilien.8 Es wird hierbei das „Raum-Zeit-Konzept“9 genutzt. Um jenes Konzept im Zusammenhang mit Immobilien zu exemplifizieren, kann das Szenario der Wohnungsmietung verwendet werden. Dabei gilt, dass die Miete pro Monat gezahlt oder bei Buchung eines Hotelzimmers der Preis pro Nacht bezahlt wird. Aus diesen Beispielen lässt sich erkennen, dass ein Raum für eine bestimmt Zeit zu einem expliziten Preis angeboten wird. Wesentlich ist hierbei, dass hinter jeder dieser Einheiten ein bestimmter Geldbetrag steht.

2.2 Besonderheiten der Immobilie als Wirtschaftsgut

Wie bereits zu Beginn erwähnt, unterscheiden sich Immobilien maßgebend von konventionellen Geldanlagen. Eingangs sollte beachtet werden, dass die Immobilie ebenfalls als Sozialgut identifiziert werden kann. Vornämlich in Deutschland steht eine Immobilie für mehr als ein alleiniges Wirtschaftsgut.10 Als Sozialstaat wird dafür Sorge getragen, dass einkommensschwache Familien bei ihrer Wohnungssuche in diversen Formen unterstützt werden.11 Im weiteren Verlauf erfolgt die Bezugnahme der Immobilie als Wirtschaftsgut. Die folgende Abbildung stellt hierzu eine Übersicht zu den besonderen Eigenschaften einer Immobilie dar. Die jeweiligen Eigenschaften werden im Folgenden näher erläutert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Eigenschaften der Immobilie12

Zu einer der bekanntesten charakteristischen Merkmale einer Immobilie gehört die Immobilität. Wie der Name bereits verbirgt, ist die Immobilität einer Immobilie ausschlaggebend. Sobald der Standort eines Gebäudes in der Phase der Planung festgelegt wurde, können keine Modifizierungen vorgenommen werden.13

Die ausgewählte Lage sollte dahingehend an die geplanten Nutzungsmöglichkeiten angepasst werden. Dieser Faktor hängt unmittelbar mit der Heterogenität von Immobilien zusammen. Es gibt in dieser Hinsicht keine Immobilie, die einer anderen gleicht. Vor allem Eigenschaften wie die Lage, die Bauart sowie die Arten der Nutzung einer Immobilie sind in ihrer Kombination bei jedem Objekt individuell. Die Heterogenität bezieht sich ebenfalls auf Wohneinheiten, in einem Gebäudekomplex, die einen kongruenten Schnitt vorweisen. Dabei können sich die Lichtverhältnisse oder die Intensität der Beschallung zwischen den einzelnen Wohnungen unterscheiden. Diese Aspekte begrenzen eine Immobilie in ihrer Austauschbarkeit.14 Da jede Immobilie ein Unikum darstellt, unterscheiden sich ebenfalls die Nutzer und deren Bedürfnisse nach der Fläche. Diese variieren je nach Nutzungswünschen des Individuums. Hinsichtlich ihrer Anpassungsfähigkeit am Bedarf nach Flächen gelten die Nutzer als inflexibel, was einen Raum zu einem begrenzt substituierbaren Gut macht. Des Weiteren gilt in erster Linie bei Neubauten, dass sich der Zeitraum bis zur Fertigstellung über einige Jahre hinweg ziehen kann. Die exakte Dauer ist von der Art und Größe des Projektes abhängig. Dasselbe gilt für den Vermarktungs- und Vermietungsprozess des Objektes. Einem divergenten Nachfrageverhalten kann der Immobilienmarkt demzufolge lediglich temporal verspätet entgegnen. Abbildung 1 hebt zudem die besonderen Kostenfaktoren einer Immobilie hervor. Dazu gehören die Investitions- sowie die Transaktionskosten. Im Vordergrund einer Immobilieninvestition stehen zunächst die hohen Investitionskosten. Da Immobilien häufig zu einem großen Teil fremdfinanziert werden, ist ein langfristiger Kapitaleinsatz notwendig. Die Transaktionskosten beinhalten monetäre sowie zeitliche Aufwendungen, die im Zusammenhang mit einem Eigentumsübergang stehen. Dies umfasst die Aufwendungen von der Recherche und Vermittlung einer Immobilie bis hin zur Übertragung des Eigentums.15 Zusammenfassend fällt demnach eine hohe Summe an Kosten für den Erwerb von Immobilien an. Ebenfalls hebt die lange Lebensdauer die Immobilie als Wirtschaftsgut von anderen Wirtschaftsgütern ab. Unterschieden wird dabei die Lebensdauer des Bodens, die zeitlich unbegrenzt ist, und die Lebensdauer des Gebäudes. Letzteres ist mit dem Zeitpunkt begrenzt, an dem die Kosten der Immobilie keine Deckung der Erträge mehr bewirken. Auch würden Revitalisierungs- oder Modernisierungsmaßnahmen in einem solchen Fall die Rendite nicht erhöhen.16

2.3 Besonderheiten des Immobilienmarktes

Die individuellen Eigenschaften einer Immobilie als Wirtschaftsgut üben einen unmittelbaren Einfluss auf die Einzigartigkeit des Immobilienmarktes aus. Im Wesentlichen lässt sich der Immobilienmarkt mit seinen diversen Teilnehmern in vier Sektoren unterleiten. Vornholz unterscheidet die Märkte nach Nutzungs- und Objektart, Lage, und Marktteilnehmer. Die Strukturierung der einzelnen Marktsegmente wird vorgenommen, da dadurch relevante Einflüsse erkannt und in ihrer Wirksamkeit bewertet werden können.17

Zunächst kann der Immobilienmarkt nach der Nutzungs- und Objektart von Immobilien differenziert werden. Im Fokus stehen dabei Büro-, Einzelhandels-, und Wohnimmobilien. Hinzu kommen weitere Immobilienarten wie Logistik-, Betreiber- und Management sowie Sozialimmobilien. Letztere Immobilienarten erfordern spezialisierte Kenntnisse in den einzelnen Fachbereichen. Bei den Büro- und Einzelhandelsimmobilien stellt unter anderem die Lage ein relevantes Kriterium dar. Diese sollte mit der Nutzungsplanung der Immobilie korrelieren. Wohnimmobilien dienen, wie der Ausdruck bereits impliziert, den Wohnzwecken eines Individuums. Hierbei erfolgt die Unterscheidung nach dem Kriterium, ob eine Immobilie zu eigenen Zwecken, oder fremd genutzt wird. Letzteres ist gegeben, wenn beispielsweise die Eigentumswohnung vermietet wird. Innerhalb der einzelnen Sektoren erfolgt zusätzlich die untergliederte Unterscheidung nach spezifischen Kriterien wie die Größe oder Ausstattung der Immobilie. Weiterhin wird der Immobilienmarkt in Lage und Standort unterteilt. Jeder Standort weist dahingehend signifikante Unterschiede im Zusammenhang mit den Marktbedingungen auf. Ein Beispiel für veränderte Marktbedingungen stellt die Bildung von Metropolregionen dar.18 Zur Differenzierung der Immobilienmärkte verwendet Vornholz ebenfalls den Lebenszyklus einer Immobilie, der in den Phasen der Projektentwicklung, Vermietung und Verwertung unterteilt wird. Umfasst werden diese drei Phasen von der Immobilieninvestition.19 Zuletzt grenzt Vornholz den Markt anhand von Marktteilnehmern ab. Zu den Marktteilnehmern in der Immobilienbranche gehören unter anderem hauptsächlich Privathaushalte, Firmen und der Staat. Die einzelnen Teilnehmer untergliedern sich zudem in Anbieter und Nachfrager.20

Der Grund für die Unterschiede der Immobilienmärkte zu anderen Märkten liegt bei den Besonderheiten der Immobilie als Wirtschaftsgut. Im Wesentlichen ist dabei die Heterogenität von Immobilien zu beachten. Daraus resultierend ergibt sich ein unvollkommener Immobilienmarkt. In Kohärenz zum Immobilienmarkt stellt die Unvollkommenheit ebenfalls eine Besonderheit dar. Die folgende Grafik bietet einen Überblick über Einflussfaktoren, die als Indiz für einen unvollkommenen Immobilienmarkt gelten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Der Immobilienmarkt als unvollkommener Markt21

In Abbildung 2 wird zunächst ersichtlich, dass ein unvollkommener Markt lediglich über eine geringe Angebotselastizität verfügt. Dies hängt unmittelbar damit zusammen, dass der Immobilienmarkt aufgrund langer Fertigstellungszeiten verzögert auf den Markt reagiert. Die einzelnen Teilmärkte verfügen über eine limitierte Anzahl an Anbieter und Nachfrager. Angesichts der zahlreichen Teilmärkte, die im Vorfeld näher erläutert wurden, wird eine mangelnde Markttransparenz aufgrund der Anwendung diverser Formen des Immobilienmarketings kritisiert.22 Zusammenfassend ist somit festzustellen, dass zu den Besonderheiten des Immobilienmarktes zählt, dass eine Betrachtung der einzelnen Teilmärkte notwendig ist und der Markt zudem als unvollständig anzusehen ist.

3. Der Direkterwerb einer Immobilie als Kapitalanlage

Unter dem Direkterwerb einer Immobilie versteht sich der Erwerb einer Immobilie zum Eigentum oder Miteigentum. Im Bereich des Vermögensaufbaus mit Immobilien ist dies die am häufigsten verwendete Anlageform.23 Es wird eine Unterscheidung zwischen der direkten Anlage im Zuge der Fremdnutzung und der Selbstnutzung einer Eigentumswohnung vorgenommen. „Das Risiko ist immer die Kehrseite einer Chance – und vice versa.“24 Trotz der Besonderheiten und Einzigartigkeit von Immobilien als Kapitalanlage tangiert diese Aussage diverse Bereiche des Wirtschaftsmarktes. Es ist dabei jedoch eminent, die gegebenen Umstände zu beachten. Ein erhöhtes Risiko impliziert nicht in jedem Fall einen Anstieg der Chance. Folglich ist eine hinreichende Reflexion der vorhandenen Chancen und Risiken notwendig.25

Gebäude gehören zu den realen Gütern. Es ist möglich, diese anzufassen, zu vermieten oder selbst darin zu wohnen. Unabhängig von der wirtschaftlichen Lage wird Wohnraum stets nachgefragt, da Wohnen zu einem der Grundbedürfnisse des Menschen zählt.26 Dahingehend sollte beachtet werden, dass der Erwerb und die Haltung einer Immobilie stets einen hohen Zeit- und Verwaltungsaufwand mit sich bringen. Gegebenenfalls ist hier die Delegation der Aufgaben an externe Dienstleister möglich. Grundsätzlich gilt bei dem Direkterwerb einer Immobilie, dass die Finanzierung weitgehend über Fremdkapital erfolgt und dabei bereits ein geringer Betrag an Eigenkapital ausreichend ist. Dabei sollten mindestens die Kaufnebenkosten aus dem Eigenkapital finanziert werden. Dies stellt eine Chance für Menschen mit niedrigem Einkommen dar. Zudem ermöglicht der Leverage-Effekt durch seine Hebelwirkung die Generierung einer hohen Rendite. Ein Nachteil stellt hierbei jedoch die langfristige Bindung an Verträge, die mit einer Kreditaufnahme begleitet werden, dar. Anpassungen dieser Verträge gehen grundsätzlich mit Verlusten einher; die Veräußerung einer Immobilie wird nicht so schnell von statten gehen können, wie der Verkauf einer Aktie, denn es muss einerseits ein qualifizierter Käufer gefunden werden und andererseits erfordert ebenfalls der bürokratische Teil die Inanspruchnahme von Zeit. Für eine erfolgreiche Investition in Immobilien ist ausschlaggebend, dass der Investor mindestens Grundkenntnisse über Themen wie Vermietung, Steuern und anfallende Verwaltungsaufgaben besitzt. Hervorzuheben ist, dass eine Immobilie als Kapitalanlage nach ihrem Erwerb vermietet oder selbst genutzt werden kann. Auf die damit einhergehenden Chancen und Risiken der einzelnen Möglichkeiten wird im weiteren Verlauf dieser Studienarbeit näher eingegangen.

3.1 Selbstnutzung der Immobilie

Ein Großteil der deutschen Bürger strebt den Wunsch eines Eigenheims zur Selbstnutzung an. Die Investition in eine Immobilie als Kapitalanlage zur Eigennutzung kann diverse Motive mit sich führen. Unter anderem sind die Alterssicherung, das Bedürfnis nach der Entfaltung eigener Gestaltungsvorstellungen, das Streben nach einer sicheren und beständigen Geldanlage oder der Profit aus staatlichen Förderungen Gründe für die Investition.27 Bei dem Erwerb einer Immobilie für den Eigengebrauch werden vor allem der Standort, der Typ und das Ausmaß der Immobilie als Entscheidungskriterien für den Kauf verwendet.28

Der Kauf einer Immobilie zur Selbstnutzung wird oftmals von persönlichen und emotionalen Werten bestimmt. Der präferierte Standort, Typ oder die Größe der Immobilie werden ohne Hinblick auf eine mögliche Renditeerhöhung ausgewählt. Die Renditeerhöhung würde freilich erst zu dem Zeitpunkt eine Rolle spielen, an dem die einst eigengenutzte Immobilie veräußert oder zu einem späteren Zeitpunkt vermietet wird. Oftmals führen auch unerwartete Vorkommnisse dazu, dass eine Immobilie verkauft oder vermietet werden muss. Dazu zählen beispielsweise Familienzuwachs, Trennung des Partners oder aus berufsbedingten Gründen. Insbesondere aufgrund der Ortsgebundenheit von Immobilien kann die Eigennutzung einer Wohnung bei veränderten Lebensverhältnissen eine Einschränkung darstellen. Erfolgt somit der Erwerb einer Immobilie als Kapitalanlage, die zunächst der Eigennutzung unterliegt und zu einem späteren Zeitpunkt veräußert oder vermietet wird, sollten persönliche Präferenzen, beispielsweise hinsichtlich der Lage an die Marktgegebenheiten, angepasst werden.

Die Abgrenzung einer direkten Investition in Immobilien zwischen der Selbst- und der Fremdnutzung besteht darin, dass bei der Selbstnutzung einer Immobilie zunächst keine Rendite im klassischen Sinne erzielt wird. Dieser Fall ist aus der Fremdnutzung einer Immobilie bekannt, bei der beispielsweise monatliche Mieteinnahmen entweder der Deckung des laufenden Kredits dienen oder bei Wohnungen mit einem bereits abgezahlten Kredit zu Gewinnausschüttungen führen. Der Eigentümer einer selbstgenutzten Immobilie kann aus finanzieller Betrachtungsweise daraus einen Vorteil ziehen, dass keine Mietkosten anfallen. Wenn die monatliche Tilgung des Kredites geringer ausfällt als die im Normalfall zu zahlende Miete, ergibt sich hierbei für den Eigentümer aus kurzfristiger Sicht ein erster finanzieller Vorteil. Weiterhin muss der Eigentümer, sobald der Kredit abgezahlt wurde, monatlich lediglich für die anfallenden Nebenkosten aufkommen. Somit ergibt sich aus langfristiger Sicht ein größerer finanzieller Vorteil. Es darf dabei jedoch nicht außer Acht gelassen werden, dass im Laufe der Zeit gegebenenfalls größere Reparatur-, Modernisierungs- oder Instandhaltungsmaßnahmen und damit hohe Kosten auf den Eigentümer zukommen werden.

Durch die aktuell niedrigen Zinssätze und die damit verbundenen gesunkenen Finanzierungskosten ergibt sich für potentielle Anleger die Chance, eine Wohnung zu anhaltend günstigen Konditionen zu erwerben. Häufig machen jedoch vordergründig Privatinvestoren den Fehler, lediglich ihren niedrigen Zinssatz in die Kalkulation der Kosten einzuberechnen. Ist die Laufzeit des Vertrages auf einen bestimmten Zeitraum begrenzt, können sich die Zinsen nach Ablauf des Vertrages potenzieren und in Folge dessen zu erhöhten Kosten führen.

Zum Anfangszeitpunkt des Investitionszeitraumes tragen die Käufer hohe finanzielle Belastungen. Zunächst muss eine bestimmte Summe an Eigenkapital für den Kauf vorgelegt werden, auch wenn die Finanzierung größtenteils über Fremdkapital durch Banken erfolgt. Ein weiterer Kostenfaktor stellt die fehlende Möglichkeit dar, eine selbstgenutzte Immobilie steuerlich absetzen zu können. Eine Chance ergibt sich hierbei mit der Option einer staatlichen Förderung durch Riester-Verträge.29 Zu den Berechtigten eines solchen Vertrages gehören Arbeitnehmer, die rentenversicherungspflichtig sind.30 Ziel der Förderung ist die schnellere Tilgung des Immobilienkredites.

Als Selbstnutzer einer Eigentumswohnung kann nicht mit Mieterhöhungen oder einem Kündigungsrisiko gerechnet werden. Angesichts der aktuellen Lage in vielen Städten, die von Immobilienknappheit und damit steigenden Mieten gekennzeichnet sind, stellt dies einen der wichtigsten Vorteile für zahlreiche Eigentümer dar. Aufgrund dieser Situation kommt es ebenfalls häufig vor, dass Mieter gezwungen werden, ihre Wohnungen zu verlassen, da durch eine Neuvermietung höhere Mieteinnahmen erzielt werden können. Insbesondere junge Familien mit Kindern oder ältere Menschen wollen solch ein Risiko nicht eingehen und streben in Bezug auf ihre Wohnsituation ein höheres Maß an Sicherheit an. Hinsichtlich der Altersvorsorge legt eine Eigentumswohnung einen elementaren Grundstein für die finanzielle Freiheit im Alter. Nach vollständiger Abzahlung der Immobilie entfällt die monatliche Miete. Es sind jedoch weiterhin die Haushalts- sowie Instandhaltungskosten zu berücksichtigen. Dafür sollten stets finanzielle Rücklagen gebildet werden. Auch der Verkauf einer Immobilie kann im Hinblick auf die Altersvorsorge eine positive Wirkung erzielen, wenn sich das Objekt in einer guten Lage befindet.

[...]


1 Lane, P.: Niedriginflation: makroökonomische Risiken und geldpolitischer Kurs unter: https://www.ecb.europa.eu/press/key/date/2020/html/ecb.sp200211_2~eae18c54ff.de.html, Aufruf am: 15.03.2020

2 Graaskamp, J.: Fundamentals of Real Estate Development. Development Component Series unter: http://morris.marginalq.com/GREM_RE720_MoreFiles/Urban%20Econ%-20Graaskamp%20ULI.PDF, Aufruf am 18.03.2020

3 Graaskamp, J., a. a. O., S. 1

4 Schulte, K.-W.: Immobilienökonomie I, 1. Auflage, München 2008, S. 16

5 Bahram, A.: Tragwerksplanung eines Gebäudes in Massivbauweise, 1. Auflage, Hamburg 2013, S. 198

6 Heller, U.: Immobilienmanagement in Non-Profit Organisationen, 1. Auflage, Wiesbaden 2010, S. 28

7 Schulte, K.-W., a. a. O., S. 16

8 Schulte, K.-W., a. a. O., S. 16

9 Graaskamp, J., a. a. O., S. 1

10 Gondring, H.: Immobilienwirtschaft, 1. Auflage, München 2004, S. 35

11 Jenkis, H. W.: Kompendium der Wohnungswirtschaft, 3. Auflage, Oldenburg 1996, S. 87

12 Gondring, H. (2004), S. 36

13 Gondring, H.: a. a. O., S. 35

14 Gondring, H.: a. a. O., S. 36

15 Houtrouw, G.: Internationaler Vergleich von Kosten und Dienstleistungseffizienz bei der Transaktion von Wohneigentum – Optionen für Deutschland unter: https://d-nb.info/985144459/34, Aufruf am 30.03.2020

16 Georgi, A.: Besonderheiten des Immobilienmarktes. Immobilienmarkt-Research. Deutscher Universitätsverlag, 1. Auflage, Wiesbaden 2002, S. 21 f.

17 Vornholz, G.: Volkswirtschaftslehre für die Immobilienwirtschaft: Studientexte Real Estate Management, 1. Auflage, München 2013, S. 11

18 Rottke, N., Voigtländer, M.: Immobilienwirtschaftslehre – Ökonomie, 1.Auflage, Köln 2012, S. 261

19 Vornholz, G.: a. a. O., S. 11

20 Vornholz, G.: a. a. O., S. 11

21 Gondring, H. (2004), S. 42

22 Gondring, H., a. a. O., S. 41 f.

23 Rehkugler, H.: Die Immobilie als Kapitalmarktprodukt, 1. Auflage, Oldenburg 2009, S. 42

24 Brunner, M.: Immobilien Investment, 1. Auflage, Wiesbaden 1997, S. 158

25 Brunner, M., a. a. O., S. 158

26 Wagner, I.: Wohnungspolitische Maßnahmen der Bundesregierung unter: https://www.bmi.bund.de/DE/themen/bauen-wohnen/stadt-wohnen/wohnungswirtschaft/wohnungspolitik/wohnungspolitik-artikel.html, Aufruf am 25.03.2020

27 Sartor, F. J.; Keller, H.: Wohnwirtschaftliche Immobilienfinanzierung, 1. Auflage, Oldenburg 2017, S. 33

28 Lindmayer, K.H.: Geldanlage und Steuer 2010: So vermeiden Sie Ihre persönliche Finanzkrise, 1. Auflage, Wiesbaden 2010, S. 23

29 O.V.: Wohn-Riester für Ihr Eigenheim unter: https://riester.deutsche-rentenversicherung.de/DE/Lohnt-sich-Riester/Riester-fuer-Ihr-Eigenheim/riester-fuer-ihr-eigenheim_node.html, Aufruf am 28.03.2020

30 O.V.: DIE VOR- UND NACHTEILE DER RIESTER-RENTE IM ÜBERBLICK unter: https://www.riester-rente.net/vor-und-nachteile/, Aufruf am 28.03.2020

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Immobilien als Kapitalanlage. Chancen und Risiken für private Anleger
Hochschule
bbw Hochschule
Note
1,0
Autor
Jahr
2020
Seiten
17
Katalognummer
V932028
ISBN (eBook)
9783346247612
ISBN (Buch)
9783346247629
Sprache
Deutsch
Schlagworte
immobilien, kapitalanlage, chancen, risiken, anleger
Arbeit zitieren
Emma Casadei (Autor), 2020, Immobilien als Kapitalanlage. Chancen und Risiken für private Anleger, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/932028

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