In Zeiten der zunehmenden Digitalisierung des Fernsehens und der damit einhergehenden Vervielfältigung des Programmangebots wächst zunehmend die Frage, welche Auswirkungen das Fernsehen auf den Menschen hat. Als eine Art Third-Person-Effect wird jedoch selten das eigene Rezeptionsverhalten in Frage angezweifelt, das Interesse gilt dann im Besonderen dem Fernsehkonsum von Kindern und Jugendlichen. Sie gilt es vor gefährdenden Medieninhalten zu schützen und darüber hinaus im Umgang mit den Medien zu erziehen. Erstes wird durch zahlreiche gesetzliche Maßnahmen erreicht, deren Einhaltung durch verschiedenste Institutionen gewährleistet wird, die Medieninhalte überprüfen, überwachen und gegebenenfalls beanstanden. Zweites, nämlich ein präventiver, erzieherischer Jugendmedienschutz, ist gerade in Zeiten der Programmverfielfältigung wichtiger geworden als je zuvor. Diskussionen um vermeintlich gefährdende Medieninhalte sind immer auch Diskussionen um die Wirkung der Medien angekoppelt. Daher stellt die Medienwirkungsforschung gerade auch im Hinblick auf den Jugendmedienschutz ein wichtiges Forschungsgebiet dar, das immer wieder Einzug in aktuelle medienkritische Debatten hält.
In dieser Arbeit soll nun aber nicht die Frage gestellt werden, wie nah die Theorie der Praxis kommt und Ansätze und Modelle der Wirkungsforschung auf ihre Praxistauglichkeit überprüft werden. Dies wurde bereits hinlänglich in zahlreichen empirischen Studien für jeden einzelnen Ansatz und jedes einzelne Modell mehr oder weniger erfolgreich versucht. Es soll im Nachfolgenden vielmehr untersucht werden, inwieweit Annahmen aus der Praxis heraus auf Theorien übertragbar sind, oder anders gesagt, wie tauglich praktische Entscheidungsprozesse und deren Rechtfertigung für das Untermauern von theoretischen Ideen sind. Das Ziel dieser Arbeit ist letztendlich, herauszufinden, wie sich die subjektiven Vorstellungen der Medienmacher mit den theoretischen Überlegungen der Forscher, die alle mehr oder weniger den Anspruch auf Objektivität erheben, vereinbaren lassen, wo Schnittpunkte entstehen, wo aber auch eine Diskrepanz zwischen Theorie und praktischer Anwendung klafft.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der dynamisch-transaktionale Ansatz als Bezugssystem der Untersuchung
3. Gegenstand der Untersuchung
3.1. Das Genre: Kindernachrichten im Fernsehen
3.2. Das Format: ‘logo!’
4. Analyse und Interpretation des Gesprächs
4.1. Selbstverständnis der ‘logo!’-Redakteure
4.2. Annahmen zum Rezipienten von ‚logo!‘
4.3. Annahmen zur Wirkung von ‚logo!‘
4.4. Hinweise auf den dynamisch-transaktionalen Ansatz
5. Abschließende Bemerkung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht, inwieweit Annahmen aus der medienpraktischen Arbeit – am Beispiel der Redaktion der Kindernachrichtensendung 'logo!' – auf medienwissenschaftliche Theorien, insbesondere den dynamisch-transaktionalen Ansatz, übertragbar sind. Ziel ist es, die Schnittpunkte und Diskrepanzen zwischen den subjektiven Vorstellungen der Medienmacher und theoretischen Wirkungsmodellen herauszuarbeiten.
- Analyse des Selbstverständnisses von Redakteuren einer Kindernachrichtensendung
- Untersuchung der Annahmen über das Rezeptionsverhalten und Bedürfnisse von Kindern
- Evaluierung von Medienwirkungsannahmen im Kontext von Jugendmedienschutz
- Anwendung des dynamisch-transaktionalen Ansatzes auf praktische Entscheidungsprozesse
- Analyse der redaktionellen Gestaltung unter dem Aspekt der Zielgruppenorientierung
Auszug aus dem Buch
3.2. Das Format: ‘logo!’
Dieses bereits 1969 von Hertha Sturm geforderte Recht auf Information für Kinder wurde schließlich 1989 im §17 der UN-Kinderrechtskonvention verbrieft und auch durch die Bundesrepublik Deutschland ratifiziert. Kurz zuvor, im Januare 1987 strahlte das ZDF das erste Mal die bis heute im deutschen Fernsehen bekannteste und erfolgreichste Kindernachrichtensendung ‘logo!’ aus. Mittlerweile beschränkt sich ‘logo!’ im ZDF-Programm auf eine Wochenendausgabe, samstags um 08.50 Uhr. Die tägliche, ca. 5 bis 10minütige Sendung wird seit 1997 in dem von ZDF und ARD gemeinsam geführten Kinderkanal KI.KA um 16.50 Uhr ausgestrahlt. Dazu kam seit Anfang 2003 montags bis donnerstags eine Live-Sendung um 19.50 Uhr. ‘logo!’ ist damit die einzige wochentägliche Nachrichtensendung für Kinder im deutschen Fernsehen.
Neben den tagesaktuellen Meldungen, die in Form einer Textmeldung oder eines kurzen Filmbeitrags zwar in der Sprache der Kinder verfaßt sind, äußerlich dennoch noch sehr den Nachrichtensendungen für Erwachsene ähneln, gibt es mit dem ‚Erklärstück‘ und der ‚Redezeit‘ aber zwei wesentliche Bestandteile der Sendung, die eindeutig auf die Bedürfnisse der Zielgruppe zugeschnitten sind. In den ‚Erklärstücken‘ wird Kompliziertes, meistens mittels gezeichneten Grafiken, so einfach erklärt, daß auch komplexere Themen und Zusammenhänge verstanden werden können. Die zentrale Frage für die Macher des ‚Erklärstücks‘ lautet deshalb „Was kann ich weglassen, ohne daß die Erklärung falsch wird?“, wie das ‚logo!’-Presseheft verrät.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die wachsende Bedeutung des Jugendmedienschutzes in Zeiten der Programmvielfalt dar und definiert das Ziel der Arbeit, praktische Entscheidungsprozesse im Kontext wissenschaftlicher Wirkungsmodelle zu untersuchen.
2. Der dynamisch-transaktionale Ansatz als Bezugssystem der Untersuchung: Dieses Kapitel erläutert den dynamisch-transaktionalen Ansatz als theoretisches Modell, das den Kommunikationsprozess als wechselseitige Interdependenz zwischen Kommunikator und Rezipient begreift.
3. Gegenstand der Untersuchung: Hier wird der historische Kontext von Kindernachrichten in Deutschland beleuchtet und die Entstehung sowie Struktur des Formats 'logo!' detailliert beschrieben.
4. Analyse und Interpretation des Gesprächs: Der Hauptteil analysiert die Aussagen der Redakteurin Verena Egbringhoff und ordnet diese im Hinblick auf das Selbstverständnis der Redaktion, die Annahmen über Rezipienten sowie den dynamisch-transaktionalen Ansatz ein.
5. Abschließende Bemerkung: Das Fazit resümiert die Ergebnisse der Untersuchung und reflektiert kritisch die Eignung des gewählten Fragekatalogs in Bezug auf die medienwissenschaftlichen Zielsetzungen.
Schlüsselwörter
Kindernachrichten, logo!, Medienwirkung, dynamisch-transaktionaler Ansatz, Jugendmedienschutz, Medienpädagogik, Rezipientenforschung, Kommunikationsprozess, Fernsehformate, journalistische Praxis, Redaktionsarbeit, Medienkompetenz, Zielgruppenorientierung, Interdependenz, Wirkungsforschung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie subjektive Annahmen von Redakteuren der Kindernachrichtensendung 'logo!' mit theoretischen Modellen der Medienwirkungsforschung, konkret dem dynamisch-transaktionalen Ansatz, korrespondieren.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit deckt die Bereiche Medienpraxis in Kindernachrichten, theoretische Wirkungsmodelle, jugendmedienschutzrelevante Aspekte und die Interaktion zwischen Medienmachern und kindlichen Rezipienten ab.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, herauszufinden, ob und inwieweit praktische Entscheidungsstrukturen bei 'logo!' theoretische Annahmen eines multikausalen Wirkungsprozesses bestätigen oder widerspiegeln.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert primär auf der qualitativen Analyse und Interpretation eines Experteninterviews mit der verantwortlichen Redakteurin von 'logo!', welches mittels eines an der Laswell-Formel orientierten Fragekatalogs geführt wurde.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse des Selbstverständnisses der Redaktion, die Untersuchung von Annahmen über das kindliche Publikum, Wirkungsannahmen bezüglich des Formats sowie eine theoretische Einordnung dieser Befunde in den dynamisch-transaktionalen Ansatz.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Arbeit ist zentral durch Begriffe wie 'Kindernachrichten', 'dynamisch-transaktionaler Ansatz', 'Jugendmedienschutz' und 'Medienwirkung' geprägt.
Wie geht die Redaktion von 'logo!' mit der Vermittlung komplexer Nachrichten für Kinder um?
Die Redaktion nutzt spezielle Formate wie das 'Erklärstück', arbeitet stark grafisch-vereinfacht und orientiert sich an der Lebenswelt der Kinder, wobei sie versucht, eine Balance zwischen Information und Unterhaltung zu halten.
Welchen Stellenwert nimmt die Zielgruppe im Produktionsprozess ein?
Die Zielgruppe steht im Zentrum, wobei die Redaktion aktiv Feedback durch Internetforen, Schulbesuche und eigene Befragungen einholt, um die Bedürfnisse der Kinder bei der Themenauswahl und -aufbereitung zu berücksichtigen.
Wie bewertet die Redaktion die Wirkung von Gewaltdarstellungen auf Kinder?
Die Redaktion wählt Bildmaterial sorgfältig aus, um Schockeffekte zu vermeiden, die den Informationsfluss stören könnten, und setzt auf eine sachliche, nicht-emotionale Darstellung, die sich auf die Folgen statt auf die aktive Gewalthandlung konzentriert.
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- Diplom-Medienwirt Martin Stachel (Author), 2004, Die Kindernachrichtensendung ‚logo!‘. Medienwirkungsforschung und Jugendmedienschutz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93235