In den vergangenen Jahrzehnten, vor allem in den neunziger Jahren, ereigneten sich weltweit zahlreiche Währungs- und Finanzkrisen, die zu verheerenden Auswirkungen auf die entsprechenden Ökonomien führten. So ereigneten sich Krisen in Finnland (1991-1994), in Mexiko (1994/1995), in Asien (1997/1998), in Russland (1998), in der Türkei (2001/2002) und in Argentinien (2001/2002). Der Asienkrise –mit der Abwertung des thailändischen Baht beginnend- fällt hierbei eine besondere Bedeutung zu, da sie erstmals sowohl eine Währungs-, als auch eine Finanzkrise in sich vereinte und nicht nur eine einzelne Region betraf. Sie stellte die betroffenen südost- und ostasiatischen Länder und später auch weitere Volkswirtschaften völlig unerwartet und unvorbereitet vor ein noch nie da gewesenes Problem: eine Zwillingskrise (im Folgenden Twin-Crisis genannt). Weder die betroffenen Länder, noch der Internationale Währungsfond (IWF), die Weltbank oder Ratingagenturen vermochten diese Entwicklung vorherzusagen.
„Was zunächst wie eine kleinere Wirtschaftskrise aussah, hat sich in kurzer Zeit zu einem die Stabilität der Weltwirtschaft bedrohenden Problem entwickelt: die Asienkrise.“
Laut Dieter (1999) war die Asienkrise eines der bedeutendsten Ereignisse der internationalen Politik der vergangenen Dekade und das wichtigste weltpolitische Ereignis des Jahres 1997. Sie zum Anlass nehmend, forderten viele Politiker, Ökonomen und Wissenschaftler eine Neustrukturierung des nationalen und internationalen Finanzsystems , um eine erneute Krise solchen Ausmaßes zu verhindern. Vorschläge wie die Einrichtung einer Weltzentralbank -eines internationalem „lender-of-last-resort“ - oder einer Neuorientierung im Aufgabenbe-reich des IWF blieben jedoch ohne vorzeigbare Ergebnisse. Die vorliegende Arbeit soll einen Überblick über die Krise in Südost- und Ostasien geben und die durch sie entstandene dritte Generation von Twin-Crises-Erklärungsmodellen erläutern. Im folgenden Kapitel der Arbeit werden hierzu die wichtigsten Ereignisse im Verlauf der Asienkrise aufgegriffen und beschrieben. Anschließend finden die Auslöser der Krise nähere Betrachtung. Hierbei kann zwischen nationalen und internationalen Auslösern unterschieden werden. Im vierten Kapitel der Arbeit wird das Modell der dritten Generation vorgestellt. Dieses beinhaltet die Erklärung von Währungs- und Finanzkrisen. ...
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Verlauf der Asienkrise
2.1 Die Situation vor der Krise
2.2 Die Krise
3. Die Auslöser der Asienkrise
3.1 Nationale Auslöser
3.2 Internationale Auslöser
4. Das Modell der dritten Generation
4.1 Die Währungskrise
4.2 Die Finanzkrise
4.3 Die Zwillingskrise
4.4 Das Ansteckungs-Phänomen
5. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Ursachen und den Verlauf der Asienkrise der 1990er Jahre sowie die daraus resultierenden Twin-Crises-Erklärungsmodelle der dritten Generation, um ein besseres Verständnis für die Entstehung und Verbreitung solcher Krisenphänomene in einer vernetzten Weltwirtschaft zu erlangen.
- Analyse des zeitlichen Verlaufs und der nationalen sowie internationalen Auslöser der Asienkrise.
- Einführung und Erläuterung der theoretischen Modelle der dritten Generation zur Erklärung von Währungs- und Finanzkrisen.
- Untersuchung des Phänomens der Zwillingskrise (Twin-Crisis) und deren Auswirkungen auf die Regenerationsdauer von Volkswirtschaften.
- Betrachtung von Ansteckungs-Effekten (Contagion) und deren Bedeutung für die globale Finanzmarktstabilität.
Auszug aus dem Buch
2.2 Die Krise
Der Kapitalabzug sorgte auf dem thailändischen Finanzmarkt für eine Panik und leitete so die Krise in Südost- und Ostasien ein.
Erstmals im Februar 1997 kam ein thailändisches Unternehmen in Zahlungsschwierigkeiten gegenüber ausländischen Gläubigern; kurz darauf geriet der thailändische Baht durch spekulative Angriffe unter Abwertungsdruck. Anfang Mai sorgte die Andeutung japanischer Ministerialbeamter, in Korea eine Zinserhöhung zur Yen-Unterstützung durchführen zu wollen – welche aber nie stattfand- für einen Abverkauf südost- und ostasiatischer Aktien und Währungsmittel. Mitte Mai sah sich Thailand dazu gezwungen, den Wechselkurs des Baht zu verteidigen und seine Kopplung an den US-Dollar (durch einen fixen Wechselkurs) zu halten. Hierzu investierte der thailändische Staat ungefähr 8 Mrd. US-Dollar in die in Not geratenen Finanzinstitute und Unternehmen. Was zu diesem Zeitpunkt gelang, war am 02. Juli 1997 nicht mehr möglich. Die thailändische Zentralbank gab den Wechselkurs frei; von nun an war er flexibel. Prompt verlor der Baht 20 % seines Wertes und sank auf seinen bisherigen Tiefststand. Durch diese Vorkommnisse gerieten nun auch Nachbarländer durch Spill-over Effekte in Schwierigkeiten, so etwa die Philippinen, die ihrerseits den Peso zu verteidigen versuchten. Knappe zwei Wochen später geriet Malaysia in Bedrängnis und gab den Wechselkurs des Ringit frei. Der IWF unterstützte Thailand, nachdem die Regierung um Hilfe gebeten hatte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik globaler Währungs- und Finanzkrisen der neunziger Jahre ein und erläutert die Bedeutung der Asienkrise als Zwillingskrise.
2. Der Verlauf der Asienkrise: Dieses Kapitel beschreibt den wirtschaftlichen Aufschwung vor der Krise sowie die zeitliche Abfolge des krisenhaften Zusammenbruchs in Thailand und weiteren asiatischen Ländern.
3. Die Auslöser der Asienkrise: Hier werden nationale Ursachen wie eine unangemessene Wirtschaftspolitik sowie internationale Auslöser wie spekulative Kapitalbewegungen und Anlegerpanik analysiert.
4. Das Modell der dritten Generation: Dieses Kapitel stellt die theoretischen Ansätze der dritten Generation vor, welche Währungs-, Finanz- und Zwillingskrisen sowie Ansteckungsphänomene erklären.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse über Krisenmodelle zusammen und reflektiert die Übertragbarkeit auf aktuelle globale Finanzmarktphänomene.
Schlüsselwörter
Asienkrise, Währungskrise, Finanzkrise, Zwillingskrise, Twin-Crisis, Ansteckungseffekt, Contagion, Spill-over-Effekt, Kapitalflucht, Internationale Währungsfonds, IWF, Wechselkurs, Fremdwährungskredite, Moral-Hazard, Bank-run.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entstehung und den Auswirkungen der Asienkrise in den neunziger Jahren und ordnet diese Ereignisse in den theoretischen Kontext der sogenannten Krisenmodelle der dritten Generation ein.
Welche sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind der Verlauf der Krise, die Identifikation interner und externer Auslöser sowie das Konzept der Zwillingskrise (Twin-Crisis) und deren statistische sowie ökonomische Implikationen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage dieser Arbeit?
Das Ziel ist es, einen Überblick über die Asienkrise zu geben und die durch sie entstandene dritte Generation von Erklärungsmodellen zu erläutern, die das Zusammenspiel von Währungs- und Finanzkrisen beschreiben.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse bestehender theoretischer Ansätze und empirischer Studien, um die Ursachen und Wirkmechanismen der untersuchten Krisen aufzuarbeiten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?
Der Hauptteil behandelt den Verlauf der Asienkrise, die Unterscheidung zwischen nationalen und internationalen Krisenauslösern sowie eine detaillierte Erläuterung der Modelle zur Währungs-, Finanz- und Zwillingskrise.
Welche Begriffe sind essenziell für das Verständnis dieser Arbeit?
Besonders Begriffe wie Twin-Crisis, Contagion, Moral-Hazard, Bank-run und der Washington Consensus sind fundamental, um die wissenschaftliche Argumentation der Arbeit nachzuvollziehen.
Warum wird die Asienkrise als "Zwillingskrise" bezeichnet?
Die Arbeit erklärt, dass die Asienkrise erstmals sowohl eine Währungs- als auch eine Finanzkrise vereinte, was zur Bildung des Begriffs Twin-Crisis führte.
Welche Rolle spielte der IWF im Kontext der Krise laut der Analyse?
Die Analyse zeigt, dass der IWF einerseits als beratende und finanzierende Instanz agierte, wobei jedoch kontrovers diskutiert wird, ob seine Maßnahmenkataloge die Krise teilweise eher verschärft als gelöst haben.
- Citation du texte
- Steffen Meyer-Feldmann (Auteur), 2008, Währungs- und Finanzkrisen: Die dritte Generation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93261