Währungs- und Finanzkrisen: Die dritte Generation


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008

23 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Verlauf der Asienkrise
2.1 Die Situation vor der Krise
2.2 Die Krise

3. Die Auslöser der Asienkrise
3.1 Nationale Auslöser
3.2 Internationale Auslöser

4. Das Modell der dritten Generation
4.1 Die Währungskrise
4.2 Die Finanzkrise
4.3 Die Zwillingskrise
4.4 Das Ansteckungs-Phänomen

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In den vergangenen Jahrzehnten, vor allem in den neunziger Jahren, ereigneten sich weltweit zahlreiche Währungs- und Finanzkrisen, die zu verheerenden Auswirkungen auf die entsprechenden Ökonomien führten. So ereigneten sich Krisen in Finnland (1991-1994), in Mexiko (1994/1995), in Asien (1997/1998), in Russland (1998), in der Türkei (2001/2002) und in Argentinien (2001/2002).[1] Der Asienkrise –mit der Abwertung des thailändischen Baht beginnend- fällt hierbei eine besondere Bedeutung zu, da sie erstmals sowohl eine Währungs-, als auch eine Finanzkrise in sich vereinte[2] und nicht nur eine einzelne Region betraf. Sie stellte die betroffenen südost- und ostasiatischen Länder und später auch weitere Volkswirtschaften völlig unerwartet und unvorbereitet vor ein noch nie da gewesenes Problem: eine Zwillingskrise (im Folgenden Twin-Crisis genannt). Weder die betroffenen Länder, noch der Internationale Währungsfond (IWF), die Weltbank oder Ratingagenturen vermochten diese Entwicklung vorherzusagen.[3]

„Was zunächst wie eine kleinere Wirtschaftskrise aussah, hat sich in kurzer Zeit zu einem die Stabilität der Weltwirtschaft bedrohenden Problem entwickelt: die Asienkrise.“[4]

Laut Dieter (1999) war die Asienkrise eines der bedeutendsten Ereignisse der internationalen Politik der vergangenen Dekade[5] und das wichtigste weltpolitische Ereignis des Jahres 1997[6]. Sie zum Anlass nehmend, forderten viele Politiker, Ökonomen und Wissenschaftler eine Neustrukturierung des nationalen und internationalen Finanzsystems[7], um eine erneute Krise solchen Ausmaßes zu verhindern. Vorschläge wie die Einrichtung einer Weltzentralbank -eines internationalem „lender-of-last-resort“[8] - oder einer Neuorientierung im Aufgabenbereich des IWF blieben jedoch ohne vorzeigbare Ergebnisse.

Die vorliegende Arbeit soll einen Überblick über die Krise in Südost- und Ostasien geben und die durch sie entstandene dritte Generation von Twin-Crises-Erklärungsmodellen erläutern. Im folgenden Kapitel der Arbeit werden hierzu die wichtigsten Ereignisse im Verlauf der Asienkrise aufgegriffen und beschrieben. Anschließend finden die Auslöser der Krise nähere Betrachtung. Hierbei kann zwischen nationalen und internationalen Auslösern unterschieden werden. Im vierten Kapitel der Arbeit wird das Modell der dritten Generation vorgestellt. Dieses beinhaltet die Erklärung von Währungs- und Finanzkrisen. Aber auch das gemeinsame Auftreten in Form einer Zwillingskrise, ausgelöst durch das Ansteckungs-Phänomen, wird dargestellt.

2. Der Verlauf der Asienkrise

Die Asienkrise fand ihren offiziellen Anfang 1997 in Thailand[9], griff aber auch recht rasch auf einige Nachbarländer wie Indonesien, Malaysia, Südkorea und die Philippinen über.[10] Andere asiatische Länder wie etwa China, Singapur, Vietnam und Hong Kong sahen sich relativ milden Effekten der Krise ausgesetzt.[11] In der Folgezeit musste die gesamte Weltwirtschaft mit den Auswirkungen der Krise kämpfen. Noch heute, knapp zehn Jahre nach ihrem Auftreten, sind die Folgen für einige der betroffenen Länder spürbar.

2.1 Die Situation vor der Krise

Die südost- und ostasiatischen Länder erlebten ihren wirtschaftlichen Aufschwung innerhalb kürzester Zeit, einhergehend mit einem Anstieg der Einkommen, steigenden Lebensstandards und sinkender Armut. Trotz der guten wirtschaftlichen Ausgangslage, welche bereits Ende der sechziger Jahre begann und sich bis zum Ausbruch der Krise in den neunziger Jahren fortsetzte, war es den betroffenen Ökonomien nicht möglich, erfolgreich einer Situation wie dieser entgegenzutreten. Auch die Unterstützung des IWF vermochte nicht zu helfen; viele Autoren gehen sogar so weit, dass sie dem IWF eine Teilschuld an der Zuspitzung der entstandenen Probleme zuweisen.[12]

Südostasien wurde speziell in den achtziger Jahren durch Investitionen aus Japan und anderen Schwellenländern wie Taiwan vom ausländischen Kapital abhängig. Japan investierte in diese Region, da es hier noch möglich war, billig zu produzieren; dies war im Heimatmarkt durch die Aufwertung des Yen gegenüber dem US-Dollar nicht mehr realisierbar.[13]

Als dann Anfang der neunziger Jahre die ausländischen Investitionen zunächst abnahmen -die japanischen im Besonderen- mussten sich die südostasiatischen Volkswirtschaften nach neuen Investoren umschauen, um ihr angestrebtes Wirtschaftswachstum beibehalten zu können. Die vorhandenen inländischen Ersparnisse waren hierfür nicht ausreichend, und so wurde durch die entsprechenden Regierungschefs ein günstigeres Investitionsklima für ausländische Anleger geschaffen. Durch die Liberalisierung der Finanzmärkte wurden Devisenbeschränkungen und Hemmnisse zur Kapitalmobilisierung aus dem Ausland abgeschafft. Die Zinsen wurden künstlich hochgehalten, um Investoren zu motivieren[14], und Wechselkurse wurden fixiert, um Wechselkursschwankungen für Spekulanten zu minimieren bzw. gänzlich auszuschalten. Zunehmende Globalisierungsbestrebungen westlicher Ökonomien und deren Vertreter machten einen grenzüberschreitenden Kapitalfluss noch einfacher und schneller. Als Ergebnis der erwähnten Maßnahmen war der Investitionsboom in den darauf folgenden Jahren zu sehen. Damit einhergehende mögliche Spekulationsblasen machten dieses Vorgehen aber auch sehr riskant und die Länder anfällig für externe Einflüsse.[15]

Durch das in die Staaten Südostasiens gesetzte Vertrauen -entstanden durch hohe Wirtschaftswachstumsraten, relativ niedrige Inflationsraten, niedrige Staatsverschuldung und zunehmende Liberalisierung[16] - war es dem asiatischen Kontinent möglich, 1995 einen 25 prozentigen Anteil an der Weltgesamtproduktion zu erwirtschaften.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Schaubild 1: Kapitalflüsse in die asiatischen Krisenländer [Quelle: IWF (2000), S.65]

Ein großer Teil des in den entsprechenden asiatischen Markt fließenden Kapitals wurde allerdings nicht in die Industrie oder in die Landwirtschaft investiert sondern in spekulative Sektoren wie den rasant wachsenden Immobilienbereich. Die Mehrzahl der entstandenen Komplexe wurde über kurzfristige Fremdwährungskredite aus der westlichen Bankenwelt finanziert. Nachdem es -wie schon zuvor in Japan geschehen- zu Überangeboten auf dem Markt kam, gerieten zahlreiche Banken in Zahlungsbedrängnis. Durch das entstandene Überangebot auf den Märkten mussten nun die Renditen gesenkt werden. Dies wiederum veranlasste eine Vielzahl von Anlegern, über die von ihnen gewählte Strategie –in die Märkte der südost- und ostasiatischen Volkswirtschaften zu investieren- nachzudenken. Hinzu kamen Erinnerungen an die erst vor kurzer Zeit stattgefundene Mexikokrise (1994 / 1995) und die damit verbundene Neueinstufung von emerging markets.

Als Folge wurde Kapital aus dem thailändischen Markt abgezogen.

[...]


[1] Vgl. Mishkin / Eakins(2006), S.528 ff. und Aschinger (2001 b), S.1.

[2] Vgl. Gans et al. (1999), S.5.

Die Frage ist, welche Krise von der jeweils anderen ausgelöst wird.

[3] Vgl. Steinwand (2002), S.1.

[4] Dieter (1999 a), S.11.

[5] Vgl. Dieter (1999 a), S.12.

[6] Vgl. Dieter (1998), S.3.

[7] Vgl. Dieter (1999 b), S.43 ff. und Dieter (2000), S.3.

[8] Vgl. Eichengreen (2002), S.158.

[9] Vgl. Crockett (2000).

[10] Vgl. Pesenti / Tille (2000), S.8.

Das Ansteckungs-Phänomen (contagion-phenomenon) wird hier beschrieben. Die einzelnen Länderkrisen

breiten sich rasch aus und stecken andere Länder an.

[11] Vgl. Lee (1998), S.10 und Queisser (2005), S.21.

[12] Vgl. Dieter (1998), S.36.

[13] Insgesamt flossen rund 15 Mrd. US-Dollar in den Jahren von 1986-1990 von Japan nach Südostasien.

[14] Durch die Rezession in vielen Industriestaaten (wie den USA und Japan) und das damit einhergehende

niedrige Zinsniveau waren diese Maßnahmen sehr erfolgreich.

[15] Vgl. Park (1996), S.357.

[16] Vgl. Aschinger (2001 a), S.219; Diehl / Schweikert (1998), S.3 und Dieter (1998), S.7.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Währungs- und Finanzkrisen: Die dritte Generation
Hochschule
Universität Duisburg-Essen  (Mercator School of Management)
Veranstaltung
Monetäre Ökonomik und internationale Kapitalmärkte
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
23
Katalognummer
V93261
ISBN (eBook)
9783638066327
ISBN (Buch)
9783638953047
Dateigröße
547 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Währungs-, Finanzkrisen, Generation, Monetäre, Kapitalmärkte
Arbeit zitieren
Steffen Meyer-Feldmann (Autor), 2008, Währungs- und Finanzkrisen: Die dritte Generation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93261

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