Unternehmen sind in der heutigen Zeit einem permanenten Wandel ausgesetzt. Aufgrund der fortschreitenden Internationalisierung und dem daraus folgenden Kostendruck ertönt der Ruf nach Flexibilität ständig lauter1. Dies verändert auch das Verhalten der Firmen bei der Personalbeschaffung. Sie sind heute auf der Suche nach zusätzlichen leistungsfähigen Mitarbeitern, um schnell auf Veränderungen am Markt oder besonderen Situationen im Unternehmen reagieren zu können2.
Eine Form der externen Personalbeschaffung gewinnt in diesem Zusammenhang seit geraumer Zeit an Bedeutung, die Zeitarbeit.
Bei der Zeitarbeit stellt ein selbständiges Unternehmen einem anderen Unternehmen Arbeitnehmer zur Verfügung, mit denen es zuvor einen Arbeitsvertrag geschlossen hat. Der Arbeitnehmer erbringt die Arbeitsleistung im Betrieb des Entleihers ohne selbst an ihn arbeitsvertraglich gebunden zu sein. Den Lohn erhält er weiter von dem verleihenden Unternehmen.
Weite Teile der Bevölkerung können die Zeitarbeit nicht eindeutig definieren3. Dies liegt unter anderem an den vielfältigen, synonymisch verwendeten, Begriffen.
Inhaltsverzeichnis
1. Veränderte Anforderungen an Unternehmen
2. Grundlagen der Zeitarbeit
2.1. Synonyme
2.2. Rechtsgrundlage
2.2.1. Entwicklung in Deutschland
2.2.2. Heutiges Recht
2.3. Statistische Daten
2.3.1. Branchendaten
2.3.1.1. Zeitarbeitsunternehmen
2.3.1.2. Zeitarbeitnehmer
2.3.2. Arbeitnehmerdaten
2.3.2.1. Geschlecht
2.3.2.2. Altersstruktur
2.3.2.3. Vorbeschäftigung
2.3.2.4. Berufsgruppen
3. Beziehungsgeflecht der Zeitarbeit
3.1. Beziehung zwischen der Erlaubnisbehörde und dem Verleiher
3.2. Beziehung zwischen dem Verleiher und dem Entleiher
3.3. Beziehung zwischen dem Verleiher und dem Zeitarbeitnehmer
3.4. Beziehung zwischen dem Zeitarbeitnehmer und dem Entleiher
3.5. Beziehung zwischen dem Entleiher und der Krankenkasse
4. Abgrenzungen
4.1. Abgrenzung zur nicht gewerbsmäßigen Arbeitnehmerüberlassung
4.2. Abgrenzung zur Arbeitsvermittlung
5. Zeitarbeit im Unternehmen
5.1. Vorüberlegungen
5.1.1. Betriebsrat
5.1.2. Informationen über die Zeitarbeitsfirma
5.2. Gründe für den Einsatz von Zeitarbeitern
5.2.1. Personalengpass
5.2.1.1. Unternehmensinterne Ursachen
5.2.1.2. Unternehmensexterne Ursachen
5.2.2. Zeitarbeit als verlängerte Probezeit
5.2.3. Kosten
5.2.3.1. Unmittelbare Kosten
5.2.3.2. Mittelbare Kosten
5.2.3.3. Minderleistungskosten
5.2.3.4. Fazit
5.2.4. Arbeitnehmerschutzgesetze
5.2.5. Veränderungskompetenz
5.3. Qualifikation der Leiharbeiter
5.3.1. Vorbild USA
5.3.2. Beispiel: Siemens
5.4. Disposition mit der Zeitarbeitsfirma
5.5. Der erste Einsatztag
5.6. Der letzte Einsatztag
6. Zeitarbeit aus Arbeitnehmersicht
6.1. Motivation zur Zeitarbeit
6.2. Risiken
6.2.1. Lohn
6.2.2. Arbeitsschutz
6.2.3. Soziale/ Psychologische Betrachtung
7. Gewerkschaften
8. Volkswirtschaftliche Bedeutung
8.1. Wirkung auf den Arbeitsmarkt
8.1.1. Zeitarbeit als Wirtschaftsmotor
8.1.2. Zeitarbeit als Arbeitsumverteilungsmaschine
8.2. Schwarzarbeit
9. Blick in die Zukunft
9.1. Deregulierung
9.2. Tarifverträge
9.3. Unfallkosten
9.4. Euroraum
10. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Möglichkeiten und Grenzen der Zeitarbeit als Instrument der Personalbeschaffung unter Berücksichtigung rechtlicher, wirtschaftlicher und sozialer Aspekte.
- Rechtliche Grundlagen und das komplexe Beziehungsgeflecht der Arbeitnehmerüberlassung
- Strategische Gründe und Kostendifferenzierung beim Einsatz von Zeitarbeitnehmern
- Risiken und Herausforderungen für den Entleiher sowie die Perspektive der Zeitarbeitnehmer
- Gewerkschaftliche Positionen und volkswirtschaftliche Auswirkungen der Branche
- Zukunftsperspektiven, einschließlich Deregulierung und europäischer Harmonisierung
Auszug aus dem Buch
5.2.3.1. „Unmittelbare Kosten“
Zu ihnen sind die Löhne und Gehälter zu zählen. Zeitarbeiter werden nach einem vorher festgesetzten Stundensatz bezahlt. Da die Zahlung des Entleihers den Lohn für den Zeitarbeiter, die Lohnnebenkosten, die Risiken und den Gewinnzuschlag des Verleihers umfasst, liegen diese über denen vergleichbarer fest angestellter Mitarbeiter. In diesem Zusammenhang erscheint aber als beachtenswert, dass die Löhne der Zeitarbeiter im Schnitt nur 68% der Löhne der vergleichbaren Stammbelegschaft betragen. Dies kommt durch die Möglichkeit der nicht tarifgebundenen Entlohnung der Zeitarbeiter. Es wäre also möglich, dass der Risiko- und Gewinnzuschlag durch die geringeren Löhne kompensiert wird. Das dies in der Praxis auch so geschehen kann, wurde durch folgende Aussage bestätigt.: „Zeitarbeitnehmer sind für unser Unternehmen kostengünstiger als fest angestellte Mitarbeiter.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Veränderte Anforderungen an Unternehmen: Beschreibt den wachsenden Flexibilisierungsdruck auf Unternehmen durch Globalisierung und Kostendruck.
2. Grundlagen der Zeitarbeit: Definiert die Begriffe, die Rechtslage und liefert statistische Daten zur Branche und zu den Zeitarbeitnehmern.
3. Beziehungsgeflecht der Zeitarbeit: Analysiert die komplexen rechtlichen und vertraglichen Beziehungen zwischen Behörden, Verleihern, Entleihern und Zeitarbeitnehmern.
4. Abgrenzungen: Grenzt die gewerbsmäßige Zeitarbeit von der privaten Arbeitsvermittlung und der nicht gewerbsmäßigen Überlassung ab.
5. Zeitarbeit im Unternehmen: Behandelt die praktische Planung, Kostenfaktoren und Gründe für den Einsatz sowie die notwendige Sorgfalt bei der Auswahl der Zeitarbeitsfirma.
6. Zeitarbeit aus Arbeitnehmersicht: Beleuchtet die Motivation der Betroffenen sowie die psychologischen und sozialen Belastungen in der Zeitarbeit.
7. Gewerkschaften: Erläutert die kritische Haltung der Gewerkschaften gegenüber Zeitarbeit und deren Befürchtungen hinsichtlich Tarifumgehungen.
8. Volkswirtschaftliche Bedeutung: Diskutiert die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und die Rolle der Branche hinsichtlich der Schwarzarbeit.
9. Blick in die Zukunft: Skizziert aktuelle Forderungen wie Deregulierung und die Notwendigkeit für Tarifverträge im Kontext des europäischen Zusammenwachsens.
10. Zusammenfassung: Fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Zeitarbeit als wachsendes, aber nicht als allumfassendes Instrument der Personalpolitik.
Schlüsselwörter
Zeitarbeit, Personalbeschaffung, Arbeitnehmerüberlassung, Personalleasing, AÜG, Flexibilität, Stammpersonal, Lohnkosten, Rechtssicherheit, Beschäftigungspolitik, Arbeitnehmerschutz, Betriebsrat, Arbeitsmarkt, Deregulierung, Tarifverträge.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Instrument der Zeitarbeit als Mittel der modernen Personalbeschaffung und beleuchtet dabei sowohl die unternehmerische Perspektive als auch die Auswirkungen auf die Zeitarbeitnehmer und den Arbeitsmarkt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen rechtliche Rahmenbedingungen (AÜG), Kostenstrukturen, operative Einsatzplanung, Arbeitnehmerinteressen, gewerkschaftliche Kritikpunkte sowie volkswirtschaftliche Auswirkungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Analyse der Möglichkeiten und Grenzen der Zeitarbeit, um Entscheidungshilfen für Unternehmen bei der Personalplanung zu bieten und die Vor- und Nachteile differenziert aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie auf der Auswertung statistischer Daten und ergänzenden Informationen aus Fachgesprächen mit Vertretern der Zeitarbeitsbranche.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die rechtliche Einordnung, die Kostenfaktoren, den Prozess der Personalauswahl, die Rolle des Betriebsrats, die Risiken aus Arbeitnehmersicht und die volkswirtschaftliche Bedeutung der Zeitarbeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Zeitarbeit, Personalbeschaffung, Arbeitnehmerüberlassung, Kosteneffizienz, Flexibilität und arbeitsrechtliche Rahmenbedingungen.
Warum ist die Haftung für Unfallkosten ein diskussionswürdiges Thema?
Da die Berufsgenossenschaft des Verleihers haftet, sehen einige Kritiker dies als Anreiz für den Entleiher, notwendige Arbeitsschutzbelehrungen im eigenen Betrieb zu vernachlässigen.
Warum wird Zeitarbeit oft als "Sprungbrett" bezeichnet?
Zeitarbeit wird von vielen Arbeitnehmern genutzt, um trotz Arbeitslosigkeit in den Beruf einzusteigen, mit der Hoffnung auf eine spätere Übernahme in ein reguläres, festes Arbeitsverhältnis beim Entleiher.
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- Nico Neumann (Author), 2002, Möglichkeiten und Grenzen der Zeitarbeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9327