Kontrastive Phonetik. Ausspracheschwierigkeiten beim Erlernen der deutschen Sprache


Hausarbeit, 2019

17 Seiten, Note: 1,7

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Hinführung zum Thema
1.2 Aufbau der Arbeit

2 Einführung: Deutsch als Zweitsprache

3 Kontrastsprache: Arabisch
3.1 Einführung
3.2 Suprasegmentales
3.2.1 Prosodische Merkmale
3.2.1.1 Sprechmelodie
3.2.1.2 Lautheit
3.2.1.3 Dauer
3.2.1.4 Sprechtempo
3.2.1.5 Sprechspannung
3.2.1.6 Pausen
3.2.1.7 Stimmqualität
3.2.2 Realisierung der Merkmale
3.2.2.1 Akzentuierung
3.2.2.2 Gliederung
3.2.2.3 Rhythmisierung
3.3 Segmentales
3.3.1 Vokalsysteme
3.3.1.1 Grad der Zungenhebung
3.3.1.2 Richtung der Zungenhebung
3.3.1.3 Lippentätigkeit
3.3.1.4 Quantität
3.3.1.5 Qualität
3.3.2 Konsonantensysteme
3.3.2.1 Artikulationsstelle
3.3.2.2 Artikulationsart
3.3.2.3 Stimmbeteiligung
3.3.2.4 Pressartikulation
3.3.2.5 Germination

4 Schwierigkeiten beim Erlernen des Deutschen als Zweitsprache
4.1 Vorstellung Hamid
4.2 Aufbau des Sprachtestes
4.3 Fehlerprognose
4.4 Fehleranalyse

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

7 Anhang

1 Einleitung

1.1 Hinführung zum Thema

In Deutschland leben rund 82,5 Millionen Menschen (vgl. Bundeszentrale für politische Bildung, 2016, S.11). Davon haben 19,3 Millionen Menschen einen Migrationshintergrund (vgl. Bundeszentrale für politische Bildung, 2016, S.28). In den letzten Jahrzenten gab es eine andauernde Zuwanderung. Das führte zu einem steigenden Anteil der Bevölkerung mit ausländischen Wurzeln (vgl. Bundeszentrale für politische Bildung, 2016, S.30). In den Medien wird mehr und mehr von einer Flüchtlingskrise gesprochen. Dabei werden zahlreiche Problematiken thematisiert und Lösungsansätze gesucht. Doch was bedeutet Migrationshintergrund eigentlich? Und welche Auswirkungen hat das wirklich? Menschen mit einem Migrationshintergrund wurden entweder nicht mit deutscher Staatsangehörigkeit geboren oder haben mindestens ein Elternteil, welches ohne deutsche Staatsangehörigkeit geboren wurde (vgl. Bundeszentrale für politische Bildung, 2016, S.29). Laut Datenerhebungen der Bundeszentrale für politische Bildung sind 13,2 Millionen Menschen selbst im Ausland geboren (vgl. Bundeszentrale für politische Bildung, 2016, S.28). Also haben ca. 16% der deutschen Bevölkerung eigene Migrationserfahrungen gesammelt. Das hat Auswirkungen auf ihre Sprachkenntnisse. Das statistische Bundesamt hat keine Daten der sprachlichen Integration erhoben. Allerdings gibt es verschiedene Studien, die Daten zu den Sprachkenntnissen von Migranten enthalten (vgl. Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, 2008, S.11). Insgesamt liegen die Deutschkenntnisse der ausländischen Bevölkerung auf einem relativ hohen Niveau. Migrantenkinder haben allerdings Defizite in mündlichen Sprachfertigkeiten (vgl. Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, 2008, S.5). Insgesamt leben in Deutschland 13,4 Millionen Kinder, die unter 18 Jahre alt sind. 4,9 Millionen Kinder haben einen Migrationshintergrund (vgl. Bundeszentrale für politische Bildung, 2006, S.33). Das statistische Bundesamt für politische Bildung hat Daten zu den Herkunftsländern erhoben. Rund 1,2 Millionen Kinder kommen aus Afrika, Asien und dem Mittleren und Nahen Osten (vgl. Bundeszentrale für politische Bildung, 2006, S.34). In vielen Ländern dieser Regionen ist die Amtssprache Arabisch (vgl. El Baghdadi, 2013, S.1). Es lässt sich also sagen, dass viele Kinder in Deutschland Arabisch als Muttersprache haben. In den Schulen müssen Lehrer und Lehrerinnen darauf vorbereitet sein. Sie benötigen Kenntnisse über die Phonetik der arabischen Sprache. Eine kontrastive Analyse hilft bei der Fehlerdiagnose der Aussprache arabischer Schülerinnen und Schüler und bietet eine Grundlage für eine optimale Förderung in den Schulen.

1.2 Aufbau der Arbeit

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich genauer mit dieser kontrastiven Phonetik. Im zweiten Kapitel folgt dazu zunächst eine Einführung in die Thematik. Dabei werden die Ausdrücke „Deutsch als Zweitsprache“ und „Deutsch als Fremdsprache“ voneinander abgegrenzt und grundlegende Begriffe definiert. Im dritten Kapitel folgt dann eine detaillierte Auseinandersetzung mit der arabischen Sprache. Im Vordergrund stehen dabei die Unterschiede der arabischen und deutschen Phonetik in Bezug auf die suprasegmentalen und segmentalen Merkmale. Das vierte Kapitel beschäftigt sich mit den Schwierigkeiten, die bei arabischen Schülerinnen und Schülern beim Erlernen der deutschen Sprache auftreten können. Anhand eines Fallbeispiels werden typische Fehler in der Aussprache gezeigt. Dabei wird zwischen Akzent und Aussprachefehler unterschieden. Während mit dem Akzent eine individuelle Ausspracheeigenheit gemeint ist, die die Kommunikation nicht stört, sind Aussprachefehler sprachliche Abweichungen von der Standartsprache (vgl. Pazan, S.11). Diese Fehler werden unter anderem durch Kriterien wie Korrektheit, Verständlichkeit und Situationsangemessenheit diagnostiziert und sind relevant, um Ausspracheschwierigkeiten zu erkennen und durch passende Übungsempfehlungen zu vermeiden (vgl. Pazan, S.6). Das fünfte Kapitel fasst die Ergebnisse der Hausarbeit zusammen. Danach folgen Literaturverzeichnis und der Anhang.

2 Einführung: Deutsch als Zweitsprache

Eine Sprache wird als Muttersprache bezeichnet, wenn sie vom Kind als erste Sprache erworben wird. In der Regel ist es die Sprache der Mutter bzw. der Familie. „Deutsch als Muttersprache“ (DaM) bezeichnet also das Erlernen der deutschen Sprache als Erstsprache. Wird Deutsch nicht als Erstsprache erworben, so gibt es verschiedene Varianten, wie die deutsche Sprache erlernt werden kann. Dabei gibt es die Unterscheidung zwischen dem Erlernen innerhalb und außerhalb eines deutschsprachigen Raumes (vgl. Rösler, 2012, S.1). Die Fachbegriffe dafür sind „Deutsch als Fremdsprache“ (DaF) und „Deutsch als Zweitsprache“ (DaZ). DaF wird meist im Ausland geleert, wodurch die deutsche Kultur keinen großen Einfluss hat. Die Ausgangslage ist dabei in der Regel eine homogene Lerngruppe, die durch gesteuerten Unterricht die deutsche Sprache erlernt. Beim Erlernen von DaZ hingegen findet der Spracherwerb in der Zielkultur statt. Hierbei ist die Ausgangslage meist heterogen und Deutsch wird durch natürliche Kommunikation im Alltag angeeignet, kann aber durch Unterricht unterstützt werden (vgl. Pädagogische Hochschule Freiburg, 2016).

3 Kontrastsprache: Arabisch

3.1 Einführung

Wie bereits erwähnt ist Arabisch eine weit verbreitete Sprache. In Deutschland haben einige Migranten Arabisch als Muttersprache. Dabei unterschiedet man zwischen dem klassischen Arabisch und dem modernen Hocharabisch, wobei beides zur arabischen Standartsprache gezählt wird. Das klassische Arabisch wurde erstmals im 8. Jahrhundert n.Chr. aufgezeichnet. Es ist die Sprache des Korans und hat damit einen Heiligkeitsstatus. Das moderne Hocharabisch ist aus dem klassischen Arabisch entstanden. Das morphematische System blieb dabei unverändert (vgl. Omar Mahmood, 2014, S.39). Lediglich der Wortschatz wurde erweitert, da die Sprache im Alltag eine zunehmende Verwendung in schriftlicher und mündlicher Kommunikation bekam (vgl. Omar Mahmood, 2014, S.40). Das moderne Hocharabisch gilt heute als einheitliche Schriftsprache. Eine einheitliche Standartaussprache gibt es nicht (vgl. Omar Mahmood, 2014, S.41). Dennoch lassen sich grundsätzlich einige phonetische Besonderheiten der arabischen Sprache im Vergleich zum Deutschen nennen.

3.2 Suprasegmentales

Bei der Beschreibung der suprasegmentalen Merkmale gibt es eine vielfältige Anzahl an Termini. Die vorliegende Arbeit folgt der Einteilung in prosodische Merkmale. Suprasegmentalia wird dabei als ein multiparametrisches Merkmalskomplex verstanden, welches sprachliche Lauteigenschaften wie Sprechmelodie, Lautheit, Dauer, Sprechtempo, Sprechspannung, Pausen und Stimmqualität erfasst (vgl. Omar Mahmood, 2014, S.62). In der Arbeit werden die prosodischen Merkmale zunächst lediglich kurz beschrieben. Danach folgt eine genauere Erläuterung der Realisierung der Merkmale, wobei auf die Unterschiede der arabischen und der deutschen Sprache eingegangen wird.

3.2.1 Prosodische Merkmale

3.2.1.1 Sprechmelodie

Die Sprechmelodie bezieht sich auf die Tonhöhenbewegung in sprachlichen Äußerungen. Durch das variieren der Tonhöhen wird eine Melodie geschaffen, was der Akzentuierung und dem Rhythmus dient. Außerdem wird durch die Anpassung der Tonhöhe das Ende einer sprachlichen Äußerung markiert (vgl. Omar Mahmood, 2014, S.63).

3.2.1.2 Lautheit

Die Lautheit wird durch einen gesteigerten Atemdruck erzeugt und dient ebenfalls der Akzentuierung in einer sprachlichen Äußerung (vgl. Omar Mahmood, 2014, S.63).

3.2.1.3 Dauer

Die Dauer bezieht sich darauf, wie ein Vokal ausgesprochen wird. Unterschieden wird dabei zwischen Lang- und Kurzvokalen. Wörter können durch das Variieren der Dauer hervorgehoben werden, was der Akzentuierung dient. Es kann dadurch aber auch zu Bedeutungsunterschieden kommen, wie z.B. bei den Wörtern „Staat“ und „Stadt“ (vgl. Omar Mahmood, 2014, S.63).

3.2.1.4 Sprechtempo

Das Sprechtempo bezieht sich auf die Schnelligkeit des Sprechens und resultiert aus gesteigerten Artikulationsbewegungen (vgl. Omar Mahmood, 2014, S.63).

3.2.1.5 Sprechspannung

Die Sprechspannung entsteht durch eine Spannung im Kehlkopf und einem gesteigerten Atemdruck und ist in der Entstehung aufeinanderfolgender Laute und allen prosodischen Eigenschaften vorhanden (vgl. Omar Mahmood, 2014, S.63).

3.2.1.6 Pausen

Pausen grenzen rhythmisch-melodische Gestalten voneinander ab und dienen damit der Gliederung und Strukturierung sprachlicher Äußerungen (vgl. Omar Mahmood, 2014, S.63).

3.2.1.7 Stimmqualität

Die Stimmqualität ist ein individualspezifisches Merkmal der Sprechweise. Sie liefert Informationen über physikalische, psychologische und soziale Merkmale des Sprechers und hat ebenfalls eine bedeutungsdifferenzierende Funktion (vgl. Omar Mahmood, 2014, S.64).

3.2.2 Realisierung der Merkmale

3.2.2.1 Akzentuierung

Bei der Akzentuierung wird zwischen der Wort-/ Wortgruppen- und Satzakzentuierung unterschieden. Dabei werden Vokale oder Silben hervorgehoben (vgl. Omar Mahmood, 2014, S.64). Im Arabischen sowie im Deutschen geschieht das durch Veränderungen der Sprechmelodie. Während im Arabischen zudem die Lautstärke verändert wird, wird in der deutschen Sprache die Sprechspannung verändert (vgl. Hirschfeld/ Seddikt, 2006, S.4).

3.2.2.2 Gliederung

Die Gliederung dient der Abgrenzung von sprachlichen Äußerungen oder Teiläußerungen. Das geschieht zum Beispiel durch Sprechtempo, Sprechmelodie, Sprechspannung, Lautheit und Pausen (vgl. Omar Mahmood, 2014, S.64). Im Arabischen ist die Melodie beispielsweise nicht so variationsreich wie im Deutschen (vgl. Hirschfeld/ Seddikt, 2006, S.5).

3.2.2.3 Rhythmisierung

Sowohl die arabische als auch die deutsche Sprache gehören zu den akzentzählenden Sprachen. Dennoch gibt es rhythmische Unterschiede. Im Arabischen gibt es beispielsweise keinen Spannungswechsel und die Veränderung des Sprechtempos und die Artikulationsgenauigkeit fehlt (vgl. Hirschfeld/ Seddikt, 2006, S.5).

3.3 Segmentales

Die segmentalen Merkmale einer Sprache sind die Vokale und Konsonanten. Während die deutsche Sprache ein größeres Vokalinserat hat, zeichnet die arabische Sprache eine hohe Anzahl an Konsonanten aus. Demnach wird die bedeutungsdifferenzierende Funktion vor allem von den Konsonanten getragen (vgl. Omar Mahmood, 2014, S.68). Des Weiteren gibt es Unterschiede in der Entstehung der Laute. In diesem Kapitel werden die Vokal- und Konsonantensysteme detailliert erläutert und die Systeme der beiden Sprachen Deutsch und Arabisch miteinander verglichen. Dies erfolgt anhand der distinktiven Merkmale, also der Eigenschaften, durch die Phoneme voneinander differenziert werden (vgl. Omar Mahmood, 2014, S.68).

3.3.1 Vokalsysteme

Vokale werden durch einen ungehinderten Luftstrom aus der Lunge herausgebildet (vgl. Omar Mahmood, 2014, S.68). Das deutsche Vokalsystem besteht aus 16 Vokalphonemen, mit dem vokalisierten R sogar aus 17. Das arabische Vokalsystem hingegen umfasst sechs Vokalsysteme (siehe Anhang 1).

3.3.1.1 Grad der Zungenhebung

In der deutschen Sprache ist der Grad der Zungenhebung ein relevantes Merkmal. Dabei wird nach der vertikalen Zungenlage zwischen der hohen, mittelhohen und der niedrigen Zungenlage unterschieden. Im Arabischen ist diese Unterteilung irrelevant. Es gibt lediglich die vertikale Zungenhebung (vgl. Omar Mahmood, 2014, S.69).

3.3.1.2 Richtung der Zungenhebung

Die Richtung der Zungenhebung beschreibt die horizontale Zungenstellung. Dabei wird zwischen der vorderen, mittleren und hinteren Reihe unterschieden. Dieses Merkmal ist sowohl in der arabischen als auch in der deutschen Sprache von Bedeutung (vgl. Omar Mahmood, 2014, S.70).

3.3.1.3 Lippentätigkeit

Bei der Lippentätigkeit wird zwischen gerundeten und ungerundeten Vokalen unterschieden. Gerundete Vokale werden durch eine stärkere Lippenrundung gebildet. Während in der deutschen Sprache gerundete Vokale in den Vorderzungen- und Hinterzungenvokalen vorkommen, existieren im Arabischen keine vorderen gerundeten Vokale (vgl. Omar Mahmood, 2014, S.70).

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Kontrastive Phonetik. Ausspracheschwierigkeiten beim Erlernen der deutschen Sprache
Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung)
Note
1,7
Jahr
2019
Seiten
17
Katalognummer
V932706
ISBN (eBook)
9783346258939
ISBN (Buch)
9783346258946
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Arabisch, DaZ, DaF, Fremdsprache, Zweitsprache, Ausspracheschwierigkeiten, Phonetik, kontrastive Phonetik
Arbeit zitieren
Anonym, 2019, Kontrastive Phonetik. Ausspracheschwierigkeiten beim Erlernen der deutschen Sprache, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/932706

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