Bibliodrama zu Markus 9, 14-29


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007

17 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Allgemeine Informationen zum Bibliodrama
2.1 Was ist Bibliodrama?
2.2 Entstehung des Bibliodramas und Quellen
2.3 Konkrete Durchführung des Bibliodramas

3. Bibliodrama zum neutestamentlichen Text Mk 9, 14-29
3.1 Bibelübersetzung
3.2 Allgemeine Hinführung zum Text
3.3 Exegese
3.4 Hinführung zu meinem Bibliodrama
3.5 Vorschlag für ein Bibliodrama

4. Bibliodrama und Schule

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit Bibliodrama. Sie schließt an ein viertägiges Blockseminar zu diesem Thema an. Zunächst werde ich allgemeine Informationen geben, die eine Annäherung an den Terminus Bibliodrama, eine Darlegung der Entwicklungsgeschichte und der Quellen, die zugrunde liegen, und einen konkreten Vorschlag für eine phasengeleitete Durchführung des Bibliodramas beinhalten.

Anschließend werde ich den neutestamentlichen Text Mk 9,14-29 exegetisch erschließen und versuchen, ihn für ein Bibliodrama in der gymnasialen Mittelstufe vorzubereiten. Der zuvor behandelte Vorschlag zur phasengeleiteten Durchführung des Bibliodramas wird dabei Anhaltspunkt für meine Arbeit am biblischen Text sein. Als reales Klassenvorbild dient mir für meine Überlegungen eine zehnte Klasse. Der Lehrplan sieht für diese Klassenstufe ohnehin das Thema „Theologie im Neuen Testament“ vor und zielt dabei auch darauf, dass die Schüler die Bibeltexte auf ihre persönlichen Erfahrungen und Erlebnisse beziehen. Bibliodramatische Elemente zu verwenden ist im Curriculum bei dieser Unterrichtseinheit sogar als gezielter Vorschlag angegeben und daher fand ich es sehr sinnvoll, mein Bibliodrama in diesem Zeitraum anzusetzen.

Die Herausarbeitung des Unterschieds zwischen dem damaligen und heutigen Textverständnis, aber auch die Relevanz und der Lebensbezug für jeden einzelnen Schüler, sollen dabei im Mittelpunkt meiner Arbeit stehen. Die je eigenen Lebensgeschichten und Vorverständnisse der Texte und die persönlichen Interessen lenken natürlich die Fragestellungen der Teilnehmer, hier der Schüler, an die biblischen Texte. Daraus folgt, dass die Botschaft und der Ertrag des Textes nicht fest vorbestimmt sind, sondern sich erst durch das Erleben der Menschen mit dem Text entwickeln. Daher würde das Bibliodrama vermutlich mit verschiedenen Gruppen verschieden verlaufen und eine Offenheit der Leitperson ist sicherlich ein wichtiger Faktor zum Gelingen eines Bibliodramas.

Zum Abschluss dieser Arbeit folgen ein generelles Fazit zu dem Thema, ob und wie Bibliodrama Eingang in die Schule finden kann und eine Stellungnahme meinerseits zum Thema Bibliodrama allgemein.

2. Allgemeine Informationen zum Bibliodrama

2.1 Was ist Bibliodrama?

„Bibliodrama ist eine angeleitete Form prozessorientierter Inszenierung biblischer Texte in Gruppen mit dem Ziel, den Text und die Biographie der Teilnehmer/innen im Vollzug ganzheitlicher Begegnungen wechselseitig zu erschließen.“[1] Zunächst ist zu dieser Definition von Bibliodrama zu sagen, dass es nicht das Bibliodrama gibt. Jeder Definition liegt daher nur ein Verständnis von Bibliodrama, also der Inszenierung biblischer Texte, zugrunde.

Bibliodrama meint allgemein erfahrungsorientiertes, spielerisch-kreatives Handeln innerhalb eines biblischen Textraumes. In der Identifikation mit dem biblischen Geschehen, den handelnden und erfahrenden Personen, den Bildern und Symbolen geht es darum, die darin angesprochenen menschlichen Grunderfahrungen selbst handelnd zu ergründen und sich ähnlicher Erfahrungen bewusster zu werden. Man kann und sollte sich durch die Texte herausfordern lassen sein Inneres zu entdecken, zu wecken und sich dessen bewusst zu werden. Sich mit seinen eigenen Wahrnehmungen und Erfahrungen zu konfrontieren kann helfen, den eigenen Lebens- und Glaubensprozess zu fördern. Aufgabe der Leitungsperson ist es beim Bibliodrama, immer neu den Ausgleich zwischen den drei Polen Bibeltext, Gruppe und Individuum zu schaffen.[2]

Eine Möglichkeit beim Bibliodrama ist, dass die Teilnehmer/innen biblische Texte wie beim Theater selbst spielen und aufeinander beziehen. Jede und jeder erfährt dabei mehr über den biblischen Text, das eigene Verhalten und die Motive seines und ihres Handelns. An jede Spielphase schließt sich eine ausführliche Reflexion an, in der ein Austausch über die mit sich selbst und dem biblischen Text gemachten Erfahrungen stattfindet. Jeder hat dabei selbst die Freiheit zu entscheiden, wie viel er oder sie einbringen möchte.[3]

Die Bibliodrama-Teilnehmer/innen bewegen sich im Raum, den der Text anbietet - der historische Zeitpunkt tritt dabei in den Hintergrund. Der Text wird unter Berücksichtigung ästhetischer, ethischer und moralischer Dimensionen wahrgenommen, verkörpert und gedeutet. Das gemeinsame Spiel sensibilisiert jeden Teilnehmer gemäß seiner individuellen Situation, der eigenen Spiritualität und Biographie. Die eigene Rolle stellt dabei einen Schutz für die Teilnehmer dar. Das heißt, dass alle Gefühle, auch unbewusste und triebhafte Aspekte der eigenen Persönlichkeit, die häufiger im Alltagsleben keinen Ausdruck finden, im Spiel ohne eine kontrollierende oder korrigierende Einflussnahme von außen umgesetzt werden können.[4]

Die Methode des Bibliodramas beinhaltet nicht die szenische Aufführung vor einem Publikum, wie der Name es vielleicht andeuten könnte, sondern dass die Teilnehmer durch die Identifikation mit einer biblischen Rolle mit sich selbst und mit der heilenden und wegweisenden Dynamik des Wortes Gottes in Berührung kommen.Das Ziel ist also eher ein inneres Erleben als eine äußere Darstellung.[5]

2.2 Entstehung des Bibliodramas und Quellen

Das Bibliodrama entstand vor 20 bis 30 Jahren in der kirchlichen Erwachsenenbildung. Vorherrschend war schon damals die historisch-kritische Exegese und Vermittlungswege, bei denen Ergebnisse in Vorträgen dargeboten worden. Gewissermaßen als Gegenbewegung dazu erwachte an mehreren Orten der Welt gleichzeitig das Bedürfnis nach intensiver, erfahrbarer Begegnung mit der biblischen Botschaft. Unter der Bezeichnung "Bibliodrama" entwickelte sich daraufhin ein prozesshafter und ganzheitlicher Zugang zur Bibel, der allerdings je nach Entstehungshintergrund und angewandter Methodik sehr unterschiedlich ausfiel.[6]

Grundsätzlich verläuft Bibliodrama trotz unterschiedliche Ansätze und Schulen so, dass sich eine Gruppe durch szenisches Gestalten in biblische Texte einzufühlen versucht und sich darauf einlässt, eine Beziehung zwischen der eigenen Wirklichkeit und der im Text geschilderten Wirklichkeit herzustellen. Die verschiedenen Ausrichtungen von Bibliodrama arbeiten zwar mit recht unterschiedlichen Techniken, Ziel dabei war aber bei allen von Anfang an, die Bedeutung biblischer Texte für Menschen heute zu erschließen.[7]

Die große Anzahl der Ausgestaltungsmöglichkeiten von Bibliodrama spricht dafür, dass es auch eine große Anzahl von Quellen muss. Dazu gehören unter anderem Kreative Bibelarbeit, Theaterpädagogik, themenzentriertes Theater (TZT), themenzentrierte Interaktion (TZI), Gestalttherapie, Psychodrama, Playbacktheater und verschiedenste Formen von Körperarbeit.[8]

2.3 Konkrete Durchführung des Bibliodramas

Bibliodrama wird in religiöser und kirchlicher Erwachsenenbildung, in Ansätzen im Religionsunterricht, in der Jugendarbeit oder als therapeutische Variante eingesetzt. Es kann in Workshops von zwei bis drei Stunden oder über mehrere Tage hinweg wirksam durchgeführt werden. Grundsätzlich kann man sagen, dass die Planung eines Bibliodrama sehr aufwendig ist und die Gruppe, mit der man ein Bibliodrama bearbeitet, oft auch spontan in andere Richtungen strebt, als man selbst intendiert hatte. So können auch unterschiedliche Gruppen trotz gleichem Text ganz anders reagieren. Man muss daher offen sein für eine Umorganisation und alle möglichen Reaktionen einplanen.[9]

Bibliodramas verlaufen immer in verschiedenen Phasen, da sie Prozesscharakter haben. Heiner Aldebert schlägt in seinem Artikel fünf konkrete P hasen der Leitung bibliodramatischer Prozesse[10] vor, die im Folgenden ausgeführt werden sollen.

Erste Phase: Einlassung und Sensibilisierung

In dieser Phase geht es darum, die Präsenz der Gruppe zum Teil des Prozesses zu machen und durch gezielte Übungen einen bewussten Zugang zum eigenen Körpererleben und zur momentanen Lebenssituation zu erschließen. Dabei ist es wichtig, dass die Übungen einen expliziten oder impliziten Bezug zum Text zur Situation der Gruppe, oder dem gesellschaftlichen Kontext haben und nicht etwa zufällig ausgewählt sind. Der eigentliche Text muss dabei natürlich noch nicht offen gelegt werden. Es geht vielmehr um eine Hinführung zum Text.

Zweite Phase: Begegnung und Verortung

Hier geht es um eine intensivere Begegnung zwischen dem „Drama des Textes“ und dem „Lebenstext der Teilnehmer/innen“, also das In-Beziehung-Setzen des Textes mit dem Leben der Teilnehmer. Es bietet sich beispielsweise an, ihnen die Möglichkeit zu geben, einzelne Begriffe aus dem Text frei zu wählen und individuell in Gesten, Töne oder Bilder umzusetzen.

[...]


[1] Aldebert: Bibliodrama, 157.

[2] Vgl. Wikipedia: Bibliodrama.

[3] Vgl. http://www.bibliodrama.de/Bibliodrama.html.

[4] Vgl. http://www.pib-zentrum.de/bildung/bibliodrama.htm.

[5] Vgl. http://www.die-bibel-lebt.de/bibliodrama.htm.

[6] Vgl.ebd.

[7] Vgl. ebd.

[8] Vgl. Wikipedia: Bibliodrama.

[9] Vgl. Aldebert: Bibliodrama, 168.

[10] Vgl. a.a.O., 168-174.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Bibliodrama zu Markus 9, 14-29
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Veranstaltung
Bibliodrama
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
17
Katalognummer
V93324
ISBN (eBook)
9783638067355
ISBN (Buch)
9783640127115
Dateigröße
511 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bibliodrama, Markus, Bibliodrama
Arbeit zitieren
Katrin Zulauf (Autor), 2007, Bibliodrama zu Markus 9, 14-29, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93324

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