Okkultismus im viktorianischen Großbritannien

Gründe für die Faszination für scheinbar Böses und Abstoßendes


Hausarbeit, 2020

16 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Eine Welt im Wandel

3 Okkultismus im Aufschwung

4 Fazit

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Das Okkulte fasziniert die Menschheit seit Jahrtausenden. Einen besonderen Boom erlebten spirituelle Praktiken, makabre Literatur und Geheimbünde im viktorianischen Großbritannien. Im Zuge dieser Arbeit wird ergründet, weshalb die Menschen zu dieser Zeit so begeistert waren vom Übernatürlichen und Makabren. Im Fokus steht vor allem die Faszination für scheinbar Böses und Abstoßendes. Wieso ergötzt sich das gewöhnliche Volk an grausamen Geschichten wie Bram Stokers Dracula oder Oscar Wildes The Picture of Dorian Grey ? Wieso ziehen Persönlichkeiten wie Aleister Crowley, einer der einflussreichsten Figuren in der Geschichte des englischen Okkultismus, oder Anna Kingsford, die Präsidentin der Hermetischen Gesellschaft, so viele Menschen in ihren Bann? Weshalb finden Geheimbünde wie der Hermetischer Orden der Goldenen Dämmerung oder kurz Golden Dawn, immer mehr Anhänger?

Um all diese Fragen beantworten zu können, muss ein Verständnis für die Menschen, die während der Regentschaft von Königin Victoria in Großbritannien gelebt haben, geschaffen werden. Eröffnet wird diese Arbeit deshalb mit einem Blick auf den Wandel der Gesellschaft durch die Urbanisierung, Industrialisierung und Technologisierung im 19. Jahrhundert sowie die Reaktionen der Menschen zu diesen Veränderungen. Ebenso einreißend waren Charles Darwins Theorien und weitere veröffentlichte Werke, die ein in großer Mehrheit gläubiges Volk in eine Glaubenskrise stürzte, in der viele noch nie dagewesene Fragen gestellt werden mussten.

Nach diesem grundsätzlichen Überblick über die Umstände der Zeit folgt eine Erläuterung des Begriffes Okkultismus und dessen Geschichte. Dem folgt die Ergründung für den Aufschwung des Okkulten, eine Vorstellung von Geheimbünden und deren Entstehung, sowie wichtige Persönlichkeiten der Zeit und weitere Literatur, die trotz oder auch gerade wegen der grauenhaften Elementen innerhalb Geschichte überaus populär waren. Außerdem wird erforscht, in welchen Mengen und auf welche Weise verschiedene Gesellschaftsschichten an der Bewegung teilnahmen. Gab es Unterschiede oder sind Menschen aller Klassen zu denselben Medien gravitiert? Gibt es Quellen, die auf die Einstellung des Königshauses und vor allem die der Königin schließen lassen?

Abschließend werden alle Erkenntnisse zusammengetragen und zu einer klaren Antwort auf die Frage, was die Faszination für das Groteske und Okkulte im viktorianischen Zeitalter begründete subsumiert.

2 Eine Welt im Wandel

2.1 Urbanisierung, Industrialisierung, Technologisierung

Die Volkszählung im Jahr 1851 zeigte, dass erstmals in der Geschichte, mehr Menschen in England in den Städten, als auf dem Land lebten.1 Eine Veränderung, die keinesfalls langsam vonstattenging. So lebten 1831 noch dreiviertel der Bevölkerung auf dem Land.2 In den darauffolgenden 20 Jahren formten sich immer mehr Großstädte in enormer Geschwindigkeit. Während zu Beginn des Jahrhunderts London als einzige Stadt mehr als 100.000 Einwohner zählte, waren es 1851 bereits neun.3 Diese rasch voranschreitende Urbanisierung ganz Großbritanniens resultierte unausweichlich in einer Vielzahl von noch nie dagewesenen Problemen. Die politische Führung war vor allem mit den sozialen Problemen überfordert. Von Hygiene, Abwassersystemen, Belüftung, Wasserversorgung, Pflasterung, Krankheiten wie Cholera und Typhus, bis zu Arbeitsbedingungen, Handel und Bildung.4 Die Industrialisierung führte dazu, dass 1851 nur noch 1,5 Millionen Menschen in der Landwirtschaft tätig waren. Dem gegenüber standen 4 Millionen Beschäftigte in Handel, Manufaktur und Bergbau.5 Die Entwicklungen und Erfindungen der Zeit, wie der Telegraf und die Eisenbahn, traf die Menschen zumeist unvorbereitet. Die menschengemachten Erfindungen ermöglichten zwar eine neue Macht über Materie, allerdings schienen all diese Veränderungen immer mehr Macht über die Menschen zu erlangen. Diese waren schlichtweg überfordert mit all den raschen Veränderungen, die ihr tägliches Leben beeinflussten.6 Cooke Taylor, ein irischer Journalist, Schriftsteller und Historiker, beschreibt dies als das Gefühl in der Geschichte selbst zu leben – „a history which, seemingly undirected by either devine purpose or human control, did not preserve the past but was creating it’s own future“.7

Dieses Phänomen lässt sich insbesondere mit der Entstehungsgeschichte der Eisenbahn und den Folgen dessen nicht nur für die Zeit, sondern sogar buchstäblich die Uhrzeit veranschaulichen. Die durch Agrarwirtschaft geprägte Landschaft wich mit der ersten Bahnstrecke, die am 27. September 1925 mit der Fahrt von Stockton nach Darlington eröffnet wurde, langsam einer urbanen von der Industrie geprägten Landschaft, die nach kurzer Zeit von einer Matrix bestehend aus Eisenbahnstrecken verbunden war.8 In Folge dieser Entwicklung war es nicht länger praktisch, dass es verschiedene lokale Uhrzeiten gab, sodass im Jahr 1840 die Greenwich Mean Time (GMT), oder Railway Time in allen Eisenbahnstationen Großbritannien die lokalen Uhrzeiten ersetzte. Außerhalb der Eisenbahnfahrpläne wurde allerdings für einige Zeit die lokalen Uhrzeiten beibehalten, sodass sich die Menschen in zwei Zeitzonen gleichzeitig befinden konnten. Endgültig ersetzt wurden die Ortszeiten 1892.9 Nature Magazin kommentierte dies mit den Worten: „so largely does the railway affect modern civilized life, that railway time soon comes to regulate all affairs”.10 Charles Dickens stellte im Zusammenhang mit der Eisenbahn fest, dass die Gesellschaft vor einem profunden Anpassungsprozess stand,11 da die abrupte Beschleunigung zahlreicher Vorgänge weitreichende Auswirkungen auf das Leben der Menschen hatte. Waren- und Personentransporte gingen plötzlich um einiges schneller vonstatten, was zwangsläufig dazu führte, dass Arbeitsprozesse ebenfalls beschleunigt wurden und die Menge an Waren jeglicher Art um einiges stieg. Wie auch schon die zuvor erwähnten Veränderungen führte dies zur Desorientierung und Überforderung vieler Bürger. Die Gesellschaft sah sich also multiplen Herausforderungen gegenüber, als dann auch der in der Gesellschaft so fest verankerte Gottesglaube und der damit verbundene Glaube an die in der Bibel beschriebene Entstehungsgeschichte der Erde und Menschheit in seinen Grundfesten erschüttert wurde.

2.2 Darwin und die Glaubenskrise

Religiosität gehörte im Großbritannien des 19. Jahrhunderts nahezu in der ganzen Gesellschaft zum Alltag. Im Jahr 1840 fühlten nur 0,3 %12 keiner Religion zugehörig. Wichtig ist an dieser Stelle nicht, welcher Religion oder welcher Glaubensrichtung sich jeder Einzelne zugehörig fühlte, wobei der Anglikanismus in Großbritannien die meisten Anhänger hatte.13 Signifikant ist lediglich, dass die meisten Bürger an die Existenz einer Gottheit, die vor einigen tausend Jahren die Erde und damit auch die Menschheit erschaffen hat, glaubten. Infrage gestellt wurde diese Weltanschauung mit der Expansion der Wissenschaften im Zuge der Industriellen Revolution. Infolgedessen wendeten sich viele Menschen zum Naturalismus und Agnostizismus. Das Interesse an dem Prozess der Entstehung der Welt wandelte sich zu der Frage, was die Welt ist und deren Funktionen und Abläufe.14

Nachdem dieser Prozess bereits zu Anfang des Jahrhunderts begonnen hatte, veröffentlichte Charles Darwin im Jahr 1859 die Evolutionstheorie in seinem Werk Origin of Species.15 So war es Darwin, der mit seiner Theorie der natürlichen Selektion das Thema Evolution nicht nur in Expertenkreisen in das Zentrum der Diskussion brachte. Die hierbei auftretende Opposition kam unverzüglich aus zwei völlig verschiedenen Richtungen. Zum einen Wissenschaftler, die seine Theorie nicht für haltbar hielten und zum anderen Oberhäupter der Kirche, die argumentierten, dass die Theorie im Widersprich zu der wörtlichen Interpretation der Bibel steht.16 Charles Darwin entdeckte sein Interesse für Biologie und Geologie, während er in Cambridge studierte, um sich zum Pfarrer ausbilden zu lassen. Nachdem er sich schließlich endgültig der Wissenschaft zugewandt hatte, begann er nach einer langen Reise durch die Südsee an seiner Evolutionstheorie zu arbeiten.17 Mehr als zwanzig Jahre später reichte er dann im Jahr 1858 sein Manuskript über die Entstehungen aller Arten ein, welches ein Jahr später in Buchform veröffentlicht wurde.18

Von Bedeutung für diese Arbeit ist nun aber vor allem die Reaktion der Gesellschaft auf diese Erkenntnisse. Da die Theorie die Vorstellung einer göttlich geschaffenen Ordnung kompromisslos aufhob, merkte Philip Davis in diesem Zusammenhang an, dass bezogen auf den Untertitel von Darwins Buch (The Preservation of Favoured Races in the Struggle for live) die Bezeichnung The Struggle for Life präziser gewesen wäre.19 Damit wurde die Behauptung der Bibel, dass der Mensch das erste Lebewesen auf der Erde war, und folglich eine vorrangige Stellung hat, infrage gestellt. So wurde der Mensch nicht nach dem Abbilde Gottes geschaffen, sondern hat sich über Jahrmillionen entwickelt. Dieses Konzept war den Menschen völlig fremd und schwer zu begreifen. Primär problematisch war es, sich vorzustellen, wie aus einem Organismus ein Lebewesen und aus einem Tier ein Mensch werden konnte. Davis drückte dies wie folgt aus: „But it’s operation was beyond anything human being could plan or calculate, and almost beyond anything they could imagine.”20 Es war also schwer für die Gesellschaft den Bedeutungsverlust des Individuums zu akzeptieren. Man war vielleicht gar kein Abbild Gottes, sondern das Ergebnis einer kaum begreiflichen Entwicklung. Dieser Gedanke, gepaart mit der Desorientierung, verursacht durch die oben ausgeführten Veränderungen, hatte das Potential die Menschen in eine umfassende Identitätskrise zu führen. Viele schienen deshalb nach neuen Medien und Praktiken der Spiritualität gesucht zu haben.

3 Okkultismus im Aufschwung

3.1 Okkultismus und Spiritualismus

Okkultismus kommt vom lateinischen Adjektiv „ occultus “, das mit verborgen‚ verdeckt oder geheim übersetzt werden kann.21 Der Begriff ist eine Sammelbezeichnung für verschiedenste Phänomenbereiche, Praktiken und weltanschauliche Systeme, wobei okkult etwa gleichbedeutend mit esoterisch, paranormal, mystisch oder übersinnlich sein kann.22 Dazu gehörten während der viktorianischen Ära Praktiken, wie zum Beispiel Hellsehen, Psychokinese, Levitation, Gläserrücken, Pendeln, Materialisation, aber auch Astrologie und Wahrsagen. Die Geschichte des Okkultismus begann bereits im Altertum, die Erforschung dessen wurde allerdings während des Mittelalters von der Kirche verboten.23 Die Anwendung okkulter Praktiken wurden als Teufelsanbetung und Dämonologie bezeichnet. In wissenschaftlichen Kreisen durfte man lediglich die sich an das Naturleben anlehnenden Seiten des Okkultismus, zum Beispiel Astrologie und Alchemie, erforschen. Eine philosophische Bearbeitung der sogenannten Geheimwissenschaften ruhte während des gesamten Mittelalters.24 Vor allem erwähnenswert sind die Hexenverfolgungen, die in Europa während des Spätmittelalters begannen und in der frühen Neuzeit ihren Höhepunkt erreichten.25 Der Glaube, dass Zauberei praktiziert wird, machte den Menschen also derart Angst, dass Sie aufgrund dessen tausende Menschen verbrannt haben. Sogar heute hat das Wort Okkultismus noch eine eher negative Konnotation.26

Bevor allerdings der Begriff Okkultismus überhaupt in Großbritannien eingebürgert wurde, sprach man vom sogenannten Spiritualismus. Dieser war Mitte des 19. Jahrhunderts so beliebt, dass die Praktiken sogar in den höheren Kreisen Anhänger fanden. So war zum Beispiel Madame von de Meyer eine überzeugte Spiritualistin und enge Freundin von Königin Viktoria. Der Lieblingsdiener der Königin soll sogar ein Medium gewesen sein. Durch ihn soll sie versucht haben eine Verbindung zu ihrem verstorbenen Ehemann Prinz Albert herzustellen, um mit ihm kommunizieren zu können. Nachweislich hat sie auch das Medium William Egliton empfangen.27

Für die allgemeine Verbreitung des Spiritualismus in ganz Großbritannien spricht zum einen die Tatsache, dass vom 20. bis 27. Dezember 1873 in London und den Provinzen insgesamt 69 öffentliche und regelmäßige spirituelle Sitzungen abgehalten wurden. Nicht miteinbezogen sind die zahlreichen Privatzirkel, die sich rapid vermehrten.28 Zum anderen wurde 1882 die Society for Psychical Research gegründet. Diese Gesellschaft beschäftigte sich vor allem mit dem Studium der mystischen Schriften des Seelenlebens und widmete sich dabei primär Praktiken wie Hypnotismus, Somnambulismus (Schlafwandeln), Gedankenübertragung und Telepathie, ebenso wie dem Mediumismus.29 Außerdem wurden zahlreiche spiritualistische Zeitschriften gegründet, die sowohl in Großbritannien wie auch in den Kolonien eine große Leserschaft anhäufen konnten. Beispiele hierfür sind Light, The two Worlds oder auch The Harbinger of Light.

Der Terminus Okkultismus wurde in der englischen Sprache erstmals von der in Russland geborenen Spiritualistin Helena Blavatsky in einem im Jahr 1875 veröffentlichten Artikel einer amerikanischen spiritualistischen Zeitung genannt.30 Anthropologen diskutieren seither, ob es eine klare Abgrenzung zwischen Magie, einem prinzipiellen Element des Okkultismus, und Religion gibt. Schriftsteller und Literaturwissenschaftler Robert Andrew Gilbert argumentiert in einem Artikel, dass alle Weltreligionen sowohl das Natur- als auch das Moralgesetz als unveränderbar betrachten, was jedoch bezüglich der Magie oder des Okkultismus nicht bejaht werden kann.31

Erwähnungswerte und bis heute sehr bekannte Medien der okkulten Praktiken sind die sogenannten Tarot Karten und das Ouijabrett. Beide tauchten in Großbritannien erstmals während des 19. Jahrhunderts auf und erfreuten sich großer Beliebtheit. Autor Robert Michael Place hat zahlreiche Werke um die Geschichte und Kunst des Tarot veröffentlicht und schreibt, dass der in der Schweiz geborene Okkultist Antoine Court de Gébelin das erste Tarot Kartendeck im späten 18. Jahrhundert zu verkaufen begann.32 Weiterentwickelt wurden die Karten von mehreren Männern während des 19. Jahrhunderts. All diese waren Vorbilder für die Lehren der englischen okkultistischen Gesellschaft Golden Dawn.33 Diese Geheimgesellschaft und deren Gründer und Mitglieder werden im nächsten Punkt näher beschrieben. Das Ouijabrett, auch Hexenbrett oder Seelenschreiber genannt, wurde im späten 19. Jahrhundert in den Vereinigten Staaten patentiert und wurde schnell auch auf der anderen Seite des Atlantiks populär.34 In Großbritannien waren Okkultisten, darunter auch Aleister Crowley, begeistert von dem Medium, welches es angeblich ermöglicht mit Geistern zu kommunizieren.35

3.2 Wichtige Persönlichkeiten und Geheimbünde

Im Folgenden werden einige der wichtigsten und eindrucksvollsten Persönlichkeiten, sowie die wichtigsten Geheimbünde der spirituellen und okkulten Bewegung vorgestellt. Einer der bekanntesten und einflussreichten Okkultisten war Aleister Crowley. Einen grundsätzlichen Eindruck von dessen Charakter bekommt man durch folgendes Zitat: „If maintaining society and it’s representatives have a vested interest in keeping the occult as dark as possible, one might say Crowley was more than happy to oblige.”36 Es gab kaum andere Persönlichkeiten, welche die dunkle Seite des Okkulten derart extrem repräsentierten als Crowley. Er ließ nichts unversucht, sich so gut es ihm möglich war, von der breiten Masse an Okkultisten abzusetzen.37 Er war dem Satanismus zugeneigt und nannte sich selbst „Beast from the Abyss“.38 Er veröffentlichte etliche Bücher und Artikel, in denen er seine Überzeugungen kundtat und versuchte die Menschen für seine extreme Form des Okkultismus zu begeistern. Crowley wurde außerdem am 18. November 1989 den Hermetischen Orden der Goldenen Dämmerung aufgenommen und stieg innerhalb der Organisation schnell in die oberen Ränge auf.39 Allerdings versuchte er nach einigen Auseinandersetzungen mit anderen Mitgliedern, die mit seiner autokratischen Führungsweise nicht einverstanden waren und angeblich unter der Anleitung von Mitbegründer des Ordens Samuel Liddell MacGregor Mathers, in einen Londoner Tempelraum der Organisation einzudringen. Dies führte letztendlich dazu, dass beide Männer innerhalb des Ordens ausgegrenzt wurden. Crowley trat folglich aus dem Golden Dawn aus und ging nach Mexiko.40 Nach weiteren Reisen in verschiedene Länder gründete er Anfang des 20. Jahrhunderts die Religion Thelema, die dem okkulten Satanismus zugeordnet werden kann.41

Eine weitere wichtige Persönlichkeit war Anna Kingsford, die zusammen mit ihrem Lebensgefährten Edward Maitland die Hermetic Society, oder Hermetische Gesellschaft, gründete.42 Diese war der Vorläufer vom schon zuvor erwähnten Hermetischen Orden. Maitland schrieb in seiner 1905 veröffentlichten Biografie über Kingsford, dass diese behauptete, Geister und Dämonen zu sehen. Er spricht von Depressionen, Halluzinationen und manischen Zuständen.43

Selbstverständlich gibt es noch weitere Persönlichkeiten, die den viktorianischen Okkultismus prägten, welche jedoch für diese Arbeit nicht relevant sind. Was allerdings noch erwähnenswert ist, ist die Entstehung und den Einfluss des schon öfter erwähnten Hermetische Ordens der Goldenen Dämmerung, zu Englisch The Hermetic Order of the Golden Dawn oder kurz Golden Dawn genannt. Gegründet wurde der Golden Dawn am 12. Februar 1888 in England von William Robert Woodman, Samuel Liddell MacGregor Mathers und William Wynn Westcott.44 Trotz der relativ geringen offiziellen Mitgliederzahl gilt er als einer der größten Einflüsse der okkulten Bewegung im 19. und 20. Jahrhundert. Philosoph und Autor Richard Smoley beschreibt dies so: „Founded in 1888, the Golden Dawn lasted a mere twelve years before it was shattered by personal conflicts. At its height it probably had no more than a hundred members. Yet its influence on magic and esoteric thought in the English-speaking world would be hard to overestimate.”45 So existierten, wie von Robert A. Gilbert in The Golden Dawn Companion festgehalten, auch Jahrzehnte nach Auflösung des Ordens noch immer eine Vielzahl an durch ihn inspirierte Organisationen.46

[...]


1 Vgl. Davis, Philip (Hg.): The Victorians. New York 2002. (The Oxford English Literary History, 8), S. 13.

2 Vgl. ebd.

3 Vgl. ebd.

4 Vgl. ebd.

5 Vgl. ebd.

6 Vgl. ebd., S14.

7 Edb.

8 Vgl. Ferguson, Trish: Indroduction. In: Ferguson, Trish (Hg.): Victorian Time. Technologies, Standardiza- tions, Catastrophes. New York 2013 (Palgrave Studies in Nineteenth-Century Writing and Culture), S. 2.

9 Vgl. ebd.

10 Ebd.

11 Vgl. ebd.

12 Vgl. Anteil diverser Religionsgemeinschaften in England und Wales gemessen an der Gesamtbevölkerung in den Jahren 1680 bis 1840. In: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1070369/umfrage/religionsgemeinschaften-in-england-und-wales/#professional, Stand 20.05.2020. Statista Research Department.

13 Vgl. ebd.

14 Vgl. Davis (2002), S. 55.

15 Vgl. Robson, Catherine; Christ, Carol T. (Hg.): The Northern Anthology of English Literature. The Victorian Age. New York 2012 (Volume E), S. 1560.

16 Vgl. ebd.

17 Vgl. ebd.

18 Vgl. ebd., S. 1561.

19 Vgl. Davis (2002), S. 60f.

20 Ebd., S. 62.

21 PONS Online-Wörterbuch. In: https://de.pons.com/%C3%BCbersetzung/latein-deutsch/occultus, Stand 26.05.2020.

22 Vgl. Bauer, Eberhard; Wenisch, Bernhard: Okkultismus. In: Gasper, Hans; Müller, Joachim; Valentin, Friederike: Lexikon der Sekten, Sondergruppen und Weltanschauungen. Freiburg 2000, S. 768.

23 Vgl. Kiesewetter, Karl: Geschichte des neueren Occultismus. New York 1977, S. 2.

24 Vgl. ebd.

25 Vgl. Bossel, Hartmut: Zufall, Plan und Wahn: Chronik der Entwicklungen, die unsere Welt veränderten. Norderstedt 2010, S. 129.

26 Vgl. Wehr, Gerhard: Lexikon der Spiritualität. Köln 2006, S. 251.

27 Vgl. Kiesewetter (1977), S. 521.

28 Vgl. ebd.

29 Vgl. ebd., S. 522.

30 Vgl. Hanegraaff, Wouter: Occult/Occultism. In: Hanegraaff, Wouter (Hg.): Dictionary of Gnosis and West- ern Esotericism. Leiden 2006, S. 887.

31 Vgl. Guilbert, Robert A.: Occultism. In: https://www.britannica.com/topic/occultism, Stand 26.05.2020.

32 Vgl. Place, Robert M.: The Tarot: History, Symbolism, and Divination. New York 2005, S. 31.

33 Vgl. ebd., S. 30.

34 Vgl. Cornelius, J. Edward: Aleister Crowley and the Ouija Board. Washington 2005, S. 11.

35 Vgl. ebd., S. 1.

36 Bogdan, Henrik; Starr, Martin P.: Introduction. In: Bogdan, Henrik; Starr, Martin P. Aleister Crowley and Western Esotericism. New York 2012, S. ix.

37 Vgl. ebd.

38 Ebd.

39 Vgl. Booth, Martin: A Magick Life: The Biography of Aleister Crowley. London 2000, S. 118.

40 Churton, Tobias: Aleister Crowley: The Biography. London 2011, S. 58ff.

41 Rabinovitch, Shelley; Lewis, James: The Encyclopedia of Modern Witchcraft and Neo-Paganism. New York 2004, S. 267ff.

42 Vgl. Jaffé, Aniela: Anna Kingsford. Religiöser Wahn und Magie. Bonn 1980, S. 63.

43 Vgl. edb., S. 43ff.

44 Vgl. Cicero, Chic; Cicero, Sandra Tabatha: The Essential Golden Dawn: An Introduction to High Magic. Woodbury 2003, S. 44.

45 Smoley, Richard: Hidden Wisdom: A Guide to the Western Inner Traditions. Wheaton 1999, S. 102f.

46 Gilbert, Robert A.: The Golden Dawn Companion. New York 1986.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Okkultismus im viktorianischen Großbritannien
Untertitel
Gründe für die Faszination für scheinbar Böses und Abstoßendes
Hochschule
Universität des Saarlandes
Note
1,7
Autor
Jahr
2020
Seiten
16
Katalognummer
V933251
ISBN (eBook)
9783346259271
ISBN (Buch)
9783346259288
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Okkultismus, Victoria, Queen Victoria, Viktorianisches Zeitalter, England, Viktorianisches England, Satanismus, Industrialisation
Arbeit zitieren
Julia Schepp (Autor:in), 2020, Okkultismus im viktorianischen Großbritannien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/933251

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