Digitalisierung und der Wandel beruflicher Fertigkeiten und Kompetenzen

Eine Analyse sozialer Mechanismen beim Erwerb beruflicher Weiterbildung


Hausarbeit, 2020

30 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretischer Hintergrund

3 Auswirkungen der Digitalisierung

4 Nutzung von Weiterbildungsmöglichkeiten und Habitus

5 Chancen des Einflusses der Digitalisierung auf die Individualisierung des beruflichen Lernens

6 Fazit und Ausblick

7 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Wen berührt sie nicht – die immer rasanter werdende Entwicklung moderner Technik? Der Gedanke an das Thema ruft bisweilen gemischte Gefühle hervor. Da sind einerseits erhoffte Chancen und Visionen, auf der Kehrseite entstehen immer wieder neue Fragen und Befürchtungen: „Die einen jubeln über eine bessere Zukunft, die anderen warnen vor Zerfall“ (Faulstich 1986: 241). Mitunter schwingt ein Gefühl beruflicher Überforderung und Unsicherheit mit. Längst hat sich bewahrheitet, dass Berufstätige „sich einer Vielzahl von Werkzeugen und Maschinen bedienen, ohne auch nur die leiseste Ahnung davon zu haben, welche Gründe, Gesetzmäßigkeiten und Phänomene es für die Tatsache gibt, daß sie funktionieren“ (Peccei 1983: 47 f.). Mittlerweile umgeben uns „monströse Informationssysteme, von denen auch die Konstrukteure nicht mehr wissen, wie sie im Detail funktionieren“ (Faulstich 1986: 249). Solche bereits vor mehr als dreißig Jahren diskutierten Fragen sind heute aktueller denn je. In Form von Digitalisierung erobert Technik nahezu alle Bereiche der Arbeitswelt (vgl. Sachs et al. 2016: 21). Ein Großteil der werktätigen Bevölkerung ist mit elektronischen Endgeräten ausgerüstet, deren komplexe Softwarefunktionen und daraus entstehende Gesellschaftsstrukturen kaum von jemanden völlig verstanden, geschweige denn beherrscht werden können (vgl. King 1982: 38). Routinearbeiten werden zunehmend von computergesteuerten Prozessen und Maschinen übernommen, deren Überwachung und Bedienung viele einst benötigte berufsspezifische Fertigkeiten überflüssig machen (vgl. Rada 1982: 233). Jüngste technische Entwicklungen führten zur Prognose einer merklichen Verschiebung in der Berufsfeldstruktur auf dem Weg zur Wirtschaft 4.0 zugunsten der IT-, Sozial-, Medien- und Lehrberufe (vgl. Wolter et al. 2016: 27). Dagegen werden Berufsfelder, deren Tätigkeiten spürbar über dem durchschnittlichen Routineanteil ihrer Branche liegen, einen deutlichen Rückgang verzeichnen (vgl. Bodmer / Weigelt 2017: 7f.; Wolter et al. 2016: 44). War vor wenigen Jahrzehnten noch das Erlernen eines Berufes eine Investition für das ganze Leben, so ist eine Folge der Technisierung und aktueller Digitalisierung der Verlust beruflicher Identität (vgl. Arnold 1996: 248; Recksiek 2010: 183) bzw. die „erweiterte Beruflichkeit“ (Elsholz 2014: 153) als vorgeschlagener Ausweg. Wenn technologischer Wandel die Bedeutung von Berufserfahrungen reduziert, gewinnt die Bereitschaft immer wieder neu zu lernen enorm an Bedeutung (vgl. Arnold 1996: 62). „Welche Inhalte aber soll ein Lernen, das die Zukunft einbezieht, haben? Wie sieht die Welt von morgen aus?“ (Sauberzweig 1982: 34).

1.1 Begründung der Forschungsfrage: Die Relevanz der Thematik aus Sicht der beruflichen Weiterbildung begründet sich in der „Schnelllebigkeit von Wissen“ (Sachs et al. 2016: 13), in folglich daraus resultierenden „Wettlaufritualen“ (Arnold 1996: 127) um „Bildungsteilhabe“ (ebd.) und im „Marktwert“ (Geißler 1986: 80) einer zunehmend „leichteren Verderblichkeit“ (ebd.) von Bildung. Eine Schlüsselrolle in der Begegnung mit den Herausforderungen der Digitalisierung fällt unweigerlich der Weiterbildung zu (vgl. ebd.: 74). Jedoch ist der real bestreitbare Weg in die berufliche Zukunft von „sozialen und individuellen Auswirkungen der mikroelektronischen Revolution“ (King 1982: 38 f.) und der damit einhergehenden längst prognostizierten „Dichotomie“ (ebd.) gekennzeichnet, was einen Hinweis dafür liefert, dass nicht alle Berufstätigen identische Voraussetzungen und Zugänge zum Erwerb entsprechender Weiterbildung haben. Vorliegende theoretische Arbeit möchte sich daher der Frage widmen: Welche sozialen Mechanismen wirken bei beruflicher Weiterbildung vor dem Hintergrund der Digitalisierung?

1.2 Überblick: Das Fundament für die Betrachtungen legt ein Blick auf die im Habitus begründeten feinen individuellen Unterschiede (vgl. Bourdieu / Schwibs 1984: 120 ff.). Im Anschluss daran soll die Individualisierungsthese den Zeitgeist verstehen helfen (vgl. Beck 1986: 217; Elsholz 2014: 152). Schließlich bilden Digitalisierung und Arbeitswelt 4.0 einen dritten theoretischen Pfeiler. Zur Beantwortung der Forschungsfrage wird besonderes Augenmerk der Veränderung beruflicher Anforderungen durch die Digitalisierung gewidmet. Damit einhergehend hat sich das Angebot von Bildungsmöglichkeiten gewandelt und quantifiziert. Hier liegen Chancen, welche sehr unterschiedlich wahrgenommen werden. Aufgrund des gestiegenen Weiterbildungsbedarfs im Betrieb (vgl. Arntz et al. 2016: 6) lohnt die Betrachtung eines immer wesentlicher werdenden Aspekts - des selbstgesteuerten Lernens, das in seiner Spezialausprägung informellen Lernens eine besondere Bedeutung hat (vgl. Harring et al. 2016: 11; Kahnwald 2013: 54). Damit kann die Brücke zurück zur Individualisierungsthese geschlagen werden: offensichtlich besteht die Chance gerade in der, durch Digitalisierung ermöglichten, persönlichen Fokussierung eines aktuelle Tendenzen berücksichtigenden Kompetenzerwerbs (vgl. Munz et al. 2007: 16). Ein hoffnungsvoller Blick auf die Open Badges – einer Möglichkeit von „Sichtbarmachung informell erworbener Kompetenz“ (Elsholz / Vogt 2014: 177) - schließt den Gedankenkreis mit erneutem Bezug auf den Habitus beim Erwerb von Zertifikaten. Die Ergebnisse der Arbeit, sowie die aus den Beobachtungen resultierenden Schlussfolgerungen, werden im zusammenfassenden Fazit auf den Punkt gebracht.

2 Theoretischer Hintergrund

2.1 Habitus: Werden soziale Mechanismen untersucht, steigert eine Betrachtung aus verschiedenen Perspektiven die Objektivität. Zunächst soll das Individuum als solches betrachtet werden. Ein Ansatz besteht in der Untersuchung verschiedener persönlicher Präferenzen, durch welche die Zuordnung von Individuen zu gesellschaftlichen Gruppen ermöglicht wird. In der Beziehung der „beiden den Habitus definierenden Leistungen: der Hervorbringung klassifizierbarer Praxisformen und Werke zum einen, der Unterscheidung und Bewertung der Formen und Produkte (Geschmack) zum anderen, konstruiert sich die repräsentierte soziale Welt, mit anderen Worten der Raum der Lebensstile “ (Bourdieu / Schwibs 1984: 278). Damit ist der jeweils individuelle Habitus „ Erzeugungsprinzip objektiv klassifizierbarer Formen von Praxis und Klassifikationsprinzip (principium divisionis) dieser Formen“ (ebd.: 277). Aufgrund der „Dialektik von sozialer Lage und Habitus“ (ebd.: 281) können soziale Mechanismen erkennbar werden: Wer aufgrund seiner Zugehörigkeit zu einer sozialen Klasse das entsprechend typische Präferenz- und Handlungsmuster aufweist, wird auf eine entsprechende Stelle des sozialen Feldes zusteuern. Der ist Habitus ein tief im Individuum verankertes, vererbtes und anerzogenes Präferenzmuster, sodass ein Wechsel der Position nach eigenem Wunschdenken sehr schwierig ist. Kumulierend wirkt der Besitz (oder Nichtbesitz) von Kapital. Wenn das Individuum kein „institutionalisiertes Kulturkapital“ (Bourdieu 1983: 189) in Form von Bildungszertifikaten besitzt, bleibt ein Stellenwechsel oder der Antritt bestimmter Ausbildungsgänge verwehrt, was reziprok auch bei Überqualifizierung gilt. Damit eine Person Bildungszertifikate erwerben kann (Konvertierbarkeit von Kapital und damit Macht), ist der entsprechende Habitus mit der Affinität zur Bildung und Zusammenspiel mit vorhandenem ökonomischen und sozialen Kapital nötig, zwei Aspekte, die zueinander in Korrelation stehen (vgl. ebd.: 185).

2.2 Individualisierung: Eine zweite Perspektive fokussiert das Umfeld, und damit die Frage, wie sich die menschliche Gesellschaft sowie deren Normen und Werthaltungen, die vom Individuum wahrgenommen werden, verändert haben. Während das Habituskonzept soziale Klassenunterschiede mit dem Vorhandensein, bzw. dem Besitz, der unterschiedlichen Kapitalarten begründet, verweist die Individualisierungsthese auf die Ausdünnung oder Auflösung sozialer Klassen im Kapitalismus aufgrund der Dynamik eines sozialstaatlich abgesicherten Arbeitsmarktes (vgl. Beck 2016: 117). Damit ist jedoch nicht gemeint, dass soziale Ungleichheit als solche verschwunden wäre, denn die Abstände in der Einkommenshierarchie und fundamentale Bestimmungen von Lohnarbeit existieren weiter. Durch die Industrialisierung verblassen ständisch geprägte Sozialmilieus und klassenkulturelle Lebensformen. Der Einzelne muss, um seines Überlebens willen, sich selbst zum Zentrum seiner Lebensführung machen. Dies liegt in der Freisetzung der Individuen begründet: Menschen werden infolge des Modernisierungsprozesses im 21. Jahrhundert aus den Sozialformen industrieller Gesellschaft – aus Klasse, Schicht, Familie und Geschlechtslagen entlassen (vgl. ebd.: 115). Der Mehrgewinn an persönlichen Wahlmöglichkeiten und Freiheit eine Spirale mehrfacher Belastung entstehen, beobachtbar als: „Mehrfachambitionen zwischen Berufserfordernissen, Bildungszwängen, Kinderverpflichtungen und dem häuslichen Einerlei“ (ebd.: 118). In Konsequenz davon werden Einzelpersonen zur lebensweltlichen Reproduktionseinheit des Sozialen – „die Individuen werden innerhalb und außerhalb der Familie zum Akteur ihrer marktvermittelten Existenzsicherung und der darauf bezogenen Biographieplanung und -organisation“ (ebd.: 119). An dieser Stelle schimmert die Verknüpfung zum individuellen Habitus auf. Sowohl das Anpeilen eines bestimmten Lebenswegs als auch einfaches Treibenlassen im Strome der Masse, gemäß natürlich-inhärenter Neigungen, sind im Habitus begründet. Die dafür seit drei Jahrzehnten nahezu uneingeschränkt zur Verfügung stehenden Möglichkeiten und Risiken, sind Resultat der Industrialisierung (vgl. Arnold 1996: 41). Eine Kopplung beider Ansätze lässt den Fortbestand sozialer Ungleichheit vor dem Hintergrund von Weiterbildung im Zeitalter von Arbeit 4.0 wesentlich plastischer erscheinen und eröffnet den Ausblick auf mögliche Schlussfolgerungen.

2.3 Digitalisierung / Arbeit 4.0: Der dritte Blickwinkel hat konkreten Bezug zur Arbeits- und Lebenswelt, die zunehmend von technologischen Systemen geprägt und gesteuert wird. Was ist konkret im Zeitfluss geschehen – wie kam es zu Arbeit 4.0, Wirtschaft 4.0, Industrie 4.0? Gelegentlich ist auch die Rede von Bildung 4.0 und Gesellschaft 4.0, wodurch sich das Ausmaß der Bedeutung der gegenwärtigen Entwicklung erahnen lässt. Die Begrifflichkeiten beziehen sich auf den Einzug von Digitalisierung in die genannten Bereiche. Wirtschaft 4.0 schließt in Abgrenzung zur Industrie 4.0 auch den Dienstleistungssektor und damit die Digitalisierung aller Bereiche des Lebens ein (vgl. Weber et al. 2018: 63). Die Geschichte der industriellen Revolution vollzog sich in vier Stufen. Der erste mechanischen Webstuhl 1784 signalisierte den Beginn der ersten Stufe: die Einführung mechanischer Produktionsanlagen mithilfe von Wasser- und Dampfkraft. Die zweite Stufe entspricht der Einführung arbeitsteiliger Massenproduktion mithilfe von elektrischer Energie, eingeläutet durch das erste Fließband in den Schlachthöfen von Cincinnati 1870. Die dritte, bis heute andauernde Etappe, brachte grundlegende Veränderungen durch Einsatz von Elektronik und IT zur weiteren Automatisierung der Produktion, wodurch ein signifikanter Teil von Hand- und Kopfarbeit von Maschinen übernommen wird. Als Meilenstein kam 1969 die erste speicherprogrammierbare Steuerung (SPS), Modicon 084, zum Einsatz. Die vierte Etappe ist gekennzeichnet vom Technikeinsatz auf Basis von Cyber Physical Systems in der Wirtschaft (vgl. Kagermann et al. 2013: 17 f.). Hierunter werden intelligente Maschinen und Lagersysteme sowie digital entwickelte Betriebsmittel verstanden, die zufolge der neu angebrochenen Phase technologischer Evolution zum Einsatz kommen (vgl. ebd.: 118). Angestrebtes Szenario ist die Verkopplung des Internets der Dinge mit dem Internet der Menschen und dem Internet der Dienste, wodurch Menschen mit Objekten und Systemen auf der Grundlage von CPS-Plattformen miteinander vernetzt werden (vgl. ebd.: 28).

3 Auswirkungen der Digitalisierung

Deutschland spielt aufgrund seiner Industrie- und Wissenslandschaft eine führende Rolle bei der Einführung von Industrie 4.0 (vgl. Kagermann et al. 2013: 24). Wenn sich die Digitalisierung, ausgehend von Produktionsprozessen, zunehmend auf alle Lebensbereiche verbreitet, dann betrifft dieser Prozess auch jeden. Während die Industrie nach qualifizierten und hochmotivierten Fachkräften Ausschau hält, stellt sich für das Individuum die Frage, ob es Schritt zu halten vermag. Soziale Aspekte gewinnen an Dynamik, da Arbeit mit Einkommen in Verbindung steht, dessen Verteilung von sozialen Mechanismen beeinflusst ist. Im Laufe fortschreitender Industrialisierung begann sich herauszustellen, dass qualifizierende Ausbildungsabschlüsse immer weniger ausreichten, zugleich aber immer mehr an Bedeutung gewannen, um erstrebte, weil knappe Beschäftigungspositionen, zu erreichen (vgl. Beck 2016: 244). Dieser Prozess wurde durch die Digitalisierung verschärft, es entwickelte sich eine Dichotomie zwischen Fachspezialisten (wie z.B. Informatikern) und Bedienern bzw. Anwendern.

3.1 Berufliche Anforderungen: Der technische Fortschritt führt zu einer vermehrten Nachfrage der Wirtschaft an hochqualifizierten Fachkräften (vgl. Schweri et al. 2018: 7). In der entstandenen Dichotomie sieht sich eine wachsende Zahl von Fachleuten mit tertiären Abschlüsse einer grösser werdende Gruppe von Maschinenbedienern und Softwareanwendern gegenüber, welche aufgrund des Substituierbarkeitspotentials vor einer ungewissen Zukunft stehen (vgl. Dengler / Matthes 2015: 3; Ropohl 1986: 38; ). Weniger qualifizierte Tätigkeiten beispielsweise in der manuellen Fertigung oder im Backoffice sind im Verschwinden begriffen (vgl. Bodmer / Weigelt 2017: 7). In einer Studie über mögliche Folgen der Automatisierung und Computerisierung für die USA prognostizierten die Autoren: „According to our estimates around 47 percent of total US employment is in the high risk category. We refer to these as jobs at risk – i.e. jobs we expect could be automated relatively soon, perhaps over the next decade or two.“ (Osborne & Frey 2013: 44). Beobachtungen aus den USA, einem Land in dem das Hochschulsystem (bei fehlender Berufsausbildung) sehr ausgeprägt ist, lassen sich nur begrenzt auf das System in Deutschland und der Schweiz übertragen, da hier aufgrund der dualen Berufsausbildung die industrielle Fertigung ihren Stellenwert bewahrte und somit Ungleichheit weniger stark gestiegen ist (vgl. Bodmer / Weigelt 2017: 8). Da die weitere Entwicklung sehr ungewiss ist, werden vermehrt Forderungen nach der Vermittlung transversaler Kompetenzen laut (vgl. Schweri et al. 2018: 9). Solche Kompetenzen sind zum Beispiel Kommunikationsfähigkeit, Flexibilität, Lernbereitschaft sowie Kundenorientierung. Die Begriffe sind zügig genannt, aber geht man von der Perspektive des Arbeitgebers aus, dann wird dabei oft idealisiert, obwohl sich die Begriffe nicht standardisieren lassen. Was bedeutet etwa die Fähigkeit zur Zusammenarbeit? Nach welchen Kriterien lassen sich Kompetenzen messen oder zertifizieren? Wo sind Ober- und Untergrenzen ihrer Ausprägungen zu verorten? Stellenausschreibende weisen durch die Verwendung von Kompetenzbegriffen darauf hin, dass potentielle Interessenten für alles gerüstet sein sollen. Weiterbildungsinstitutionen fällt es schwer die Folgen der Digitalisierung und den entstehenden künftigen Bedarf an Bildungsgängen abzuschätzen (vgl. Bodmer / Weigelt 2017: 7). Als gesichert gilt, dass sich die Anforderungen an die Qualifikation der Arbeitskräfte ändern werden (vgl. ebd.: 8). Etwa zwanzig Prozent der Unternehmen nutzen beispielsweise Cloud Computing, in der Informationstechnik und Telekommunikation sind es fast fünfzig Prozent der Unternehmen; knapp jedes fünfte Unternehmen nutzt Big-Data-Analysen zur zielgerichteten Auswertung großer Datenmengen (vgl. Hermann et al. 2017: 240). So kann vermutet werden, dass sich neue, hochwertigere Arbeitsplätze entwickeln und berufliche Aufgabengebiete kontinuierlich verschieben (vgl. Hermann et al. 2017: 241). Die neu entstandenen Gruppen hoch qualifizierter Expert*innen und Spezialist*innen, deren Qualifikationsniveau weit über dem bisheriger Facharbeit liegt, steht im Kontrast zur schrumpfenden Zahl an Arbeitnehmer*innen mit geringem beruflichen Qualifikationsniveau (vgl. ebd.: 242). Der heutige Arbeitsalltag ist durch die schnelle und flächendeckende Einführung und Nutzung mobiler, internetfähiger Endgeräte gekennzeichnet (vgl. ebd.: 241). Wissen und Können im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien gewinnen zunehmend an Bedeutung. Neben dem Umgang mit Computern und elektronischen Netzgeräten wird der Besitz an Netzwerkkenntnis und -kompetenz dringender (vgl. ebd.: 243). Bei den kaufmännischen Abschlüssen wird ein Grundverständnis des Programmierens, als Bedienungskompetenz, und Knowhow über zur Verfügung stehende Tools und deren Anwendung benötigt (vgl. Sachs et al. 2016: 18). Zunehmend werden Fachkräfte in Informatik und Mediamatik gesucht, wobei die Nachfrage an kaufmännischen Fachkräften um 5 % sank (vgl. ebd.: 10). Schaut man auf die Seite erfolgreicher Unternehmen, die sich den neuen Technologien verschrieben haben, ist deutlicher Optimismus zu erkennen. Der spürbare Digitalisierungsboom macht die Endprodukte konkurrenzfähiger wobei Arbeitsschritte mit hoher Wertschöpfung in westlichen Hochlohnländern belassen werden können (vgl. Bodmer / Weigelt 2017: 7; Sachs et al. 2016: 21). Durch Digitalisierung erfolgreicher arbeitende Unternehmen verfolgen ihren Kurs weiterhin. Das Resultat ist die stetige Suche nach Fachspezialist*innen: die Schweiz beobachtet einen Mangel an Informatiker*innen, welcher sich künftig noch verschärfen dürfte (vgl. Bodmer / Weigelt 2017: 18). Allerdings ist Fachwissen allein nicht mehr ausreichend, um sich neuen Gegebenheiten anpassen zu können, muss Spezialisierung wandelbar sein (vgl. Sachs et al. 2016: 16). Das war der Blickwinkel einer sich anpassenden Arbeitswelt, wie aber sieht die Perspektive des Individuums aus?

[...]

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Digitalisierung und der Wandel beruflicher Fertigkeiten und Kompetenzen
Untertitel
Eine Analyse sozialer Mechanismen beim Erwerb beruflicher Weiterbildung
Hochschule
FernUniversität Hagen  (Kultur- und Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
BA Bildungswissenschaften
Note
2,0
Autor
Jahr
2020
Seiten
30
Katalognummer
V934294
ISBN (eBook)
9783346256584
ISBN (Buch)
9783346256591
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Weiterbildung, Digitalisierung, Soziale Selektion, Abdrängungsmechanismen, Informelles Lernen, Open Badges, Berufliches Lernen, Industrielle Revolution, Habitus
Arbeit zitieren
Michael Hojbjan (Autor:in), 2020, Digitalisierung und der Wandel beruflicher Fertigkeiten und Kompetenzen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/934294

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