Die Arbeit widmet sich der Frage: Welche sozialen Mechanismen wirken bei beruflicher Weiterbildung vor dem Hintergrund der Digitalisierung? Ein Fokus der Arbeit liegt auf informellem Lernen im Kontext beruflicher Weiterbildung. Ein weiterer Kernbestandteil sind Beobachtungen zu sozialen Mechanismen, welche in Verbindung mit Digitalisierung verschärft zutage treten.
Das zwanzigste Jahrhundert brachte Veränderungen und gesellschaftliche Umwälzungen mit sich, wie kein anderes ihm vorausgegangenes. Die industrielle Revolution ist in einer anhaltend kontrovers diskutierten Digitalisierung gegipfelt. Neue Chancen, aber auch Risiken beschäftigen seither die Überlegungen der im Berufsleben stehenden Bevölkerung. Eine Zusammenschau gegenwärtiger Fakten anhand aktueller Literatur mit genauem Blick auf Prognosen, welche bereits über dreißig Jahre zurückliegen, soll dazu verhelfen, Digitalisierung objektiver einschätzen und zu erwartende Tendenzen erahnen zu können.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretischer Hintergrund
2.1 Habitus
2.2 Individualisierung
2.3 Digitalisierung / Arbeit 4.0
3 Auswirkungen der Digitalisierung
3.1 Berufliche Anforderungen
3.2 Individuelle Anforderungen
4 Nutzung von Weiterbildungsmöglichkeiten und Habitus
4.1 Bedeutungszuwachs der Weiterbildung
4.2 Die Rolle selbstbestimmten Lernens
4.3 Habitus und Nutzung von Weiterbildungsangeboten
5 Chancen des Einflusses der Digitalisierung auf die Individualisierung des beruflichen Lernens
5.1 Die Schlüsselfunktion des Kompetenzerwerbs
5.2 Open Badges
6 Fazit und Ausblick
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit analysiert die sozialen Mechanismen, die den Erwerb beruflicher Weiterbildung vor dem Hintergrund der voranschreitenden Digitalisierung beeinflussen, und untersucht, inwiefern diese Entwicklung zur Reproduktion oder Milderung sozialer Ungleichheiten beiträgt.
- Der Einfluss des Habitus auf das individuelle Weiterbildungsverhalten
- Die Auswirkungen der Digitalisierung und Arbeitswelt 4.0 auf berufliche und individuelle Anforderungen
- Individualisierungstendenzen in der modernen Berufsbiografie
- Potenziale und Grenzen informeller Lernformen sowie Zertifizierungsansätze wie Open Badges
Auszug aus dem Buch
3.1 Berufliche Anforderungen
Der technische Fortschritt führt zu einer vermehrten Nachfrage der Wirtschaft an hochqualifizierten Fachkräften (vgl. Schweri et al. 2018: 7). In der entstandenen Dichotomie sieht sich eine wachsende Zahl von Fachleuten mit tertiären Abschlüsse einer grösser werdende Gruppe von Maschinenbedienern und Softwareanwendern gegenüber, welche aufgrund des Substituierbarkeitspotentials vor einer ungewissen Zukunft stehen (vgl. Dengler / Matthes 2015: 3; Ropohl 1986: 38; ). Weniger qualifizierte Tätigkeiten beispielsweise in der manuellen Fertigung oder im Backoffice sind im Verschwinden begriffen (vgl. Bodmer / Weigelt 2017: 7).
In einer Studie über mögliche Folgen der Automatisierung und Computerisierung für die USA prognostizierten die Autoren: „According to our estimates around 47 percent of total US employment is in the high risk category. We refer to these as jobs at risk – i.e. jobs we expect could be automated relatively soon, perhaps over the next decade or two.“ (Osborne & Frey 2013: 44). Beobachtungen aus den USA, einem Land in dem das Hochschulsystem (bei fehlender Berufsausbildung) sehr ausgeprägt ist, lassen sich nur begrenzt auf das System in Deutschland und der Schweiz übertragen, da hier aufgrund der dualen Berufsausbildung die industrielle Fertigung ihren Stellenwert bewahrte und somit Ungleichheit weniger stark gestiegen ist (vgl. Bodmer / Weigelt 2017: 8). Da die weitere Entwicklung sehr ungewiss ist, werden vermehrt Forderungen nach der Vermittlung transversaler Kompetenzen laut (vgl. Schweri et al. 2018: 9). Solche Kompetenzen sind zum Beispiel Kommunikationsfähigkeit, Flexibilität, Lernbereitschaft sowie Kundenorientierung.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den rasanten technologischen Wandel und dessen Auswirkungen auf die Arbeitswelt sowie die resultierende Unsicherheit bei Beschäftigten.
2 Theoretischer Hintergrund: Dieses Kapitel legt die theoretische Basis durch die Konzepte Habitus, Individualisierungsthese und die Entwicklung zur Industrie 4.0.
3 Auswirkungen der Digitalisierung: Es wird analysiert, wie Digitalisierung berufliche Anforderungsprofile verschiebt und zu einer Dichotomie zwischen Fachspezialisten und Anwendern führt.
4 Nutzung von Weiterbildungsmöglichkeiten und Habitus: Dieses Kapitel beleuchtet den Zusammenhang zwischen sozialer Schichtung, Habitus und der tatsächlichen Inanspruchnahme von Weiterbildungsangeboten.
5 Chancen des Einflusses der Digitalisierung auf die Individualisierung des beruflichen Lernens: Hier werden Potenziale wie der Kompetenzerwerb und moderne Zertifizierungsinstrumente wie Open Badges kritisch betrachtet.
6 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst zusammen, dass Digitalisierung neue Chancen bietet, aber die soziale Selektivität und Ungleichheit bestehen bleiben.
Schlüsselwörter
Digitalisierung, Weiterbildung, Habitus, Individualisierung, Arbeitswelt 4.0, Kompetenzerwerb, soziale Ungleichheit, Industrie 4.0, informelles Lernen, Open Badges, E-Portfolio, berufliche Identität, lebenslanges Lernen, Fachkräftepotenzial, Zertifizierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die sozialen Mechanismen beim Erwerb beruflicher Weiterbildung unter dem Einfluss der Digitalisierung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit verknüpft Bildungssoziologie, Arbeitsmarktentwicklung und Digitalisierung, insbesondere mit Fokus auf Habitus-Theorie und Individualisierung.
Was ist die Forschungsfrage?
Die zentrale Forschungsfrage lautet: Welche sozialen Mechanismen wirken bei beruflicher Weiterbildung vor dem Hintergrund der Digitalisierung?
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse und der Zusammenführung soziologischer Konzepte basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert theoretische Grundlagen, berufliche und individuelle Anforderungen im digitalen Wandel sowie die Rolle selbstbestimmten Lernens und Zertifizierungsansätze.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Digitalisierung, Habitus, Weiterbildung, soziale Ungleichheit, Kompetenzerwerb und Arbeitswelt 4.0.
Inwiefern beeinflusst der Habitus das Lernen im digitalen Zeitalter?
Der Habitus prägt die Präferenzen und Möglichkeiten von Individuen, was zu einer sozialen Selektivität beim Zugang zu Weiterbildung und bei der Nutzung digitaler Lernmöglichkeiten führt.
Sind Open Badges ein Allheilmittel für benachteiligte Gruppen?
Nein, der Autor ist skeptisch; da sie momentan eher im akademischen Bereich verortet sind, drohen sie eher zur weiteren Kapitalisierung des Lebens beizutragen.
Was bedeutet die "Dichotomie" in der modernen Arbeitswelt?
Sie beschreibt die wachsende Kluft zwischen hochqualifizierten Fachspezialisten und einer Gruppe von Anwendern, deren Tätigkeiten zunehmend durch Computerisierung ersetzt werden können.
- Arbeit zitieren
- Michael Hojbjan (Autor:in), 2020, Digitalisierung und der Wandel beruflicher Fertigkeiten und Kompetenzen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/934294