Fußball zur Zeit des Nationalsozialismus


Hausarbeit, 2007

17 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Entstehungsgeschichte des deutschen Fußballs und dessen Entwicklung bis zur Weimarer Republik
2.1 Die Entstehung der Fußballbewegung in Deutschland
2.2 Die Gründung des DFB
2.3 Die Zeit der Weimarer Republik bis 1933

3. Der deutsche Fußball zur Zeit des Nationalsozialismus von 1933 – 1945
3.1 Die erste Gleichschaltung des Sports
3.2 Die Arisierung des Fußballs in Deutschland
3.3 Die zweite Gleichschaltung des Sports
3.4 Der Fußball während der Kriegsjahre und das Ende des deutschen Fußballsports

4. Schlussbetrachtung

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 wurde der Fußballsport politisiert. Die Funktionäre der Vereine waren damit beschäftigt, den Fußball zum Nationalsport aufzubauen. Mit großem Einsatz wurde versucht die NS – Ideologie in die sportlichen Aktivitäten zu integrieren, um ein ganzes Volk auf den Krieg vorzubereiten. Aus diesem Grund wurde das Führerprinzip in den einzelnen Verbänden umgesetzt und ausgebaut. Sehr bald wurden in diesem Zusammenhang die sportlichen Tätigkeiten jüdischer Spieler durch Vereinsparagrafen erschwert.

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich zunächst mit der Entwicklungsgeschichte des deutschen Fußballsportes als Voraussetzung für die zukünftigen Veränderungen im Nationalsozialismus. Hierbei wird vorerst die Entstehung der Fußballbewegung in Deutschland und die Gründung des Deutschen Fußballbundes betrachtet. Dabei sei zu erwähnen, dass in dieser Arbeit der Deutsche Fußballbund mit DFB und Nationalsozialistischer Reichsbund für Leibesübungen mit NSRL abgekürzt werden. Daran schließt sich die kurze Analyse der Fußballentwicklung zur Zeit der Weimarer Republik an. Nachdem diese Voraussetzungen für die weitere Entwicklung beleuchtet wurden, wird der Focus auf die Zeit des Nationalsozialismus gelenkt. In diesem Zusammenhang wird untersucht, in wie weit der deutsche Fußballsport durch die NS – Ideologie instrumentalisiert wurde. Insbesondere wird die Gleichschaltung des Sports sowie die Arisierung und deren Folgen bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges betrachtet.

Das Ziel dieser Arbeit ist es aufzuzeigen, dass die politischen Umgestaltungen durch die Nationalsozialisten und die damit verbundene Instrumentalisierung des Sportes den Fußball zunächst veränderten und später zum Erliegen gebracht haben.

2. Die Entstehungsgeschichte des deutschen Fußballs und dessen Entwicklung bis zur Weimarer Republik

2.1 Die Entstehung der Fußballbewegung in Deutschland

Die Popularität von Fußball beschränkte sich um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert auf England. In Deutschland fand diese Sportart zunächst keine Akzeptanz, da das Turnen in seiner Idee für die Nationalbewegung und für die vormilitärische Ausbildung im Mittelpunkt stand. Der Grundgedanke hierbei war, dass die körperliche und charakterliche Schulung im Sinne der vaterländischen Identifikation nur mit Hilfe des Turnsportes zu erreichen war.[1] Im Gegensatz zu den Leistungsvergleichen und Wettkämpfen im Fußball war man beim Turnen darauf bedacht, Übungen durchzuführen, bei denen es auf eine korrekte Haltung und Ausführung ankam.

Die Beliebtheit des Turnsportes in Deutschland lässt sich mit der Fußballbegeisterung in England gleichsetzen. Aus diesem Grund bedurfte es dem englischen Einfluss, damit der Fußballsport auch in Deutschland etabliert werden konnte. Ein entscheidender Faktor dafür war, dass sich englische Staatsbürger in der Mitte des 19. Jahrhunderts aus verschiedensten Gründen in Deutschland ansiedelten.

In ihrer Freizeit suchten sie den Zusammenhalt in heimischen Sportarten wie zum Beispiel Hockey, Rudern oder Fußball. Doch trotz dieser förderlichen Einflüsse aus England, erhielt der Fußball in Deutschland nur sehr schleppend Auftrieb. Die Mitgliederzahl der deutschen Turnerschaft blieb so noch lange Zeit weit vor der des Ballsports.[2] Ein Grund dafür ist unter anderem auch, dass der deutsche Turnverband in dem neuen Sport aus England eine ernsthafte Bedrohung sah. In Angst um die Monopolstellung des national gesinnten Sportes wurden die Fußballanhänger durch die Vertreter des Turnsportes entschieden ausgegrenzt.[3]

Trotz dieser enormen Ablehnung der Fußballfreunde kam es zur Entwicklung erster Anhänger aus dem Bildungsbürgertum. In diesem Zusammenhang wurden die ersten Vereinsgründungen vor allem von Pädagogen und anderen Akademikern vollzogen. Die neue Mitgliedschaft schätzte am Fußball besonders die Ausübung des Sportes in der freien Natur. Durch die soziale Absicherung im eventuell entstehenden Krankheitsfall einerseits und den Finanzierungsmöglichkeiten der Sportausrüstung andererseits waren diese Anhänger in der Lage, den Sport auszuüben.[4]

2.2 Die Gründung des DFB

Am 28. Januar 1900 wurde im Leipziger Mariengarten auf dem „Ersten Allgemeinen Deutschen Fußballtag“ der Deutsche Fußballbund gegründet.[5] Dieser hatte in den Anfangsjahren ebenfalls mit schwerer Kritik zu kämpfen. Man monierte sich darüber, dass im Spiel englische Fachausdrücke verwendet wurden und keine deutsche Terminologie existierte. Der DFB strebte eine Eindeutschung der Fußballsprache an und versuchte auf diesem Gebiet die Denk- und Ausdrucksweise des Militärs zu etablieren. Dies ist deutlich zu erkennen an den Spielberichten jener Zeit, die einer Kriegsberichterstattung glichen. „Zwei Parteien von gewöhnlich elf Kämpfern befinden sich im Kriegszustand.“[6]

Die DFB – Funktionäre verfolgten mit dieser Annäherung an das Militär zwei Ziele. Einerseits wurde versucht, einen prominenten Fürsprecher aus der Schicht der Offiziere zu gewinnen, um die gesellschaftliche Akzeptanz des Fußballsports auszubauen. Immer wieder verdeutlichte der DFB die positiven Auswirkungen des Fußballs auf die Wehrhaftigkeit der Spieler und warb für die Aufnahme des Sports in die Leibesübungen des Militärs. Andererseits benötigte man aus Mangel an geeigneten Spielfeldern Orte für den Spielbetrieb. Die Exerzierplätze eigneten sich dafür besonders gut und viele Offiziere willigten dem Spielbetrieb auf dem Militärgelände ein.

Die Bemühungen wurden belohnt, indem Fußball die Vorherrschaft unter den Leibesübungen beim Militär erlangte. Sehr geschätzt wurden an diesem Sport die Erziehung zur Opferbereitschaft für die Gemeinschaft und die Unterwerfung unter den Kapitän, den Schiedsrichter oder die Vereinsleitung.[7]

„Innerhalb weniger Jahre schafft es also der DFB, der gesellschaftlichen Ächtung zu entkommen und sich als durch und durch staatstragende Institution darzustellen.“[8]

Der Beitritt des DFB zum paramilitärisch – nationalistischen Jungdeutschlandbund im Jahre 1911 zeigte die konservative Haltung der meisten Funktionäre. Aus diesem Grund ist es nicht verwunderlich, dass der DFB den Kriegsausbruch 1914 befürwortet und seinen Prinzipien des nationalkonservativen Preußentums treu bleibt.[9]

Während des Krieges rückte die Entwicklung des deutschen Fußballs in den Hintergrund. Doch bereits kurze Zeit später wurde die nationale Grundstimmung in der Bevölkerung durch den Sport wieder belebt.

2.3 Die Zeit der Weimarer Republik bis 1933

Zu dieser Zeit erfreute sich der Fußballsport einer steigenden gesellschaftlichen Akzeptanz und damit einhergehend war die Position des DFB überwiegend gefestigt. Aus dem bürgerlichen Sport der Gründungszeit entwickelte sich der Fußball zum Volkssport. Die Klassengrenzen wurden überwunden und der Sport fand jetzt auch Anklang in der Arbeiterschaft. Eine Ursache dafür war die Einführung von gesetzlichen Regelungen zur Bestimmung der Arbeitszeit von 1919. Ein weiterer Grund für die Etablierung des Sportes in der Bevölkerung war die öffentliche Sportförderung.[10] Durch die Werbung des DFB für die Spiele wuchs der Zuschauerstrom in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts stetig an. Die Endspiele um die deutsche Meisterschaft wurden von Zehntausenden Zuschauern besucht.[11]

Der DFB war als der Repräsentant des Fußballs in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg dazu in der Lage Diskrepanzen zwischen Staaten und Menschen abzubauen, aber er vermag wiederum auch Ressentiments zwischen ihnen zu steigern. So behielt der DFB nach dem Krieg seinen übergeordneten Sinn im Dienst an der Nation bei.

Blaschke, ein Vorstandsmitglied des DFB, war weiterhin der Überzeugung, dass Fußball die Kampfbereitschaft und die Volksgesundheit stärkt. Damit wurde das nationalistisch geprägte Bekenntnis zum Prinzip der Auslese der Völker aus der Kriegszeit aufrechterhalten.

Dabei ist zu erwähnen, dass der Fußball nach dem Ersten Weltkrieg immer mehr zu dem Zweck genutzt wurde, internationale Konflikte auszutragen und nationale Interessen durchzusetzen. Die andauernden nationalen Abneigungen innerhalb Europas gingen jedoch nicht vom Sport aus. Vielmehr wurden diese Konflikte von der Politik in den Fußballsport übertragen. Dies zeigte sich zum Beispiel im ersten Länderspiel nach dem ersten Weltkrieg zwischen Deutschland und der Schweiz am 27.06.1920. In diesem Zusammenhang kam es zu einer Drohung eines Fußballboykotts, der von den anderen Nationalmannschaften ausging. Der Grund hierfür war, dass mit diesem Spiel die fußballerische Isolation Deutschlands durch die Neutralität der Schweiz aufgehoben wurde.[12]

[...]


[1] Siefert, Annette: Kriegsmetaphorik in der Fußballberichterstattung. In Martinez, Matias (Hg.): Warum Fußball? Kulturwissenschaftliche Beschreibungen eines Sports. 2002, Bielefeld, S. 119

[2] Eisenberg, Christiane: Deutschland. In Eisenberg, Christiane (Hg.): Fußball, soccer, calcio. Ein englischer Sport auf seinem Weg um die Welt. 1997, München, S. 95ff

[3] Bitzer, Dirk: Stürmen für Deutschland. Die Geschichte des deutschen Fußballs von 1933 bis 1954. 2003, Frankfurt am Main, S. 15

[4] Havemann, Nils: Fußball unterm Hakenkreuz. Der DFB zwischen Sport, Politik und Kommerz. 2005, Frankfurt am Main, S. 33

[5] Bitzer: Stürmen für Deutschland. 2003, S. 14

[6] Ebenda, S. 16

[7] Ebenda, S. 17f

[8] Ebenda, S. 18

[9] Bitzer: Stürmen für Deutschland. 2003, S. 18f

[10] Havemann, Nils: Fußball unterm Hakenkreuz. 2005, S. 62

[11] Eisenberg, Christiane: Deutschland. In Eisenberg, Christiane (Hg.): Fußball, soccer, calcio. 1997, S. 104

[12] Eisenberg, Christiane: Deutschland. In Eisenberg, Christiane (Hg.): Fußball, soccer, calcio. 1997, S. 50ff

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Fußball zur Zeit des Nationalsozialismus
Hochschule
Universität Erfurt
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
17
Katalognummer
V93430
ISBN (eBook)
9783638066594
ISBN (Buch)
9783640586561
Dateigröße
481 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fußball, Zeit, Nationalsozialismus
Arbeit zitieren
Patrick Ziehm (Autor), 2007, Fußball zur Zeit des Nationalsozialismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93430

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