In dieser Arbeit wird das Konzept des Bedingungslosen Grundeinkommens zur Armutsbekämpfung in Deutschland kritisch betrachtet.
Angesichts der sogenannten vierten industriellen Revolution stehen wir vor tiefgreifenden Veränderungen, die in den kommenden zwei Jahrzehnten eine Neuausrichtung der Gesellschaft in Bezug auf Lohnarbeit und dem damit verbundenen Ethos generell, aber auch in Bezug auf den Umgang mit nicht im klassischen Sinne erwerbstätigen Menschen erfordern. Zu den in Zukunft noch stärker Erwerbslosigkeit fördernden Faktoren zählen unter anderem die Wegrationalisierung von Arbeitsplätzen durch Mikroelektronik und Robotik, sowie die der steigende Emanzipationsprozess weiblicher Berufstätigkeit. Gerade in Bezug auf die sich rasant entwickelnde Robotik muss davon ausgegangen werden, dass auch in bisher vermeintlich sicheren Berufsfeldern zunehmend mit Erwerbslosigkeit zu rechnen sein wird, wie zum Beispiel bei Ärzten oder Rechtsanwälten.
Ist man sich der hohen Wahrscheinlichkeit dieser stetig und rasant voranschreitenden Veränderung bewusst, muss man sich zwangsläufig mit Lösungsansätzen beschäftigen. Ein Lösungsansatz wäre, dass Menschen in absehbarer Zeit in nennenswertem Maße erkennen, dass Warenhandel und Eigentum an Produktionsmitteln als Fundament kapitalistischer Ökonomie der notwendige Schaden für die Menschheit sind, was vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen jedoch utopisch erscheint.
Ein anderer Lösungsansatz ist, innerhalb kapitalistischer Wirtschaftsverhältnisse auch Menschen mit geringem oder keinem Einkommen ein würdevolles Leben mit materieller Absicherung und gesellschaftlicher Teilhabe zu ermöglichen. Hierbei ist
das bedingungslose Grundeinkommen ein Denkansatz, auf den ich in meiner Arbeit näher eingehen möchte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Armut
2.1. Definitionen von Armut
2.2. Armut in Deutschland
2.3. Bedeutung von Armut für Soziale Arbeit
3. Modelle des Bedingungslosen Grundeinkommens
3.1. Das Solidarische Bürgergeld
3.2. Das Ulmer Modell
3.3. Die Initiative „Unternimm die Zukunft“
4. Diskussion zum bedingungslosen Grundeinkommen
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das bedingungslose Grundeinkommen als potenzielles Instrument zur Armutsbekämpfung in Deutschland. Dabei wird analysiert, inwieweit verschiedene Modellansätze auf die strukturellen Ursachen von Armut reagieren und welche gesellschaftspolitischen Implikationen sich daraus für die Soziale Arbeit ergeben.
- Historische und sozioökonomische Ursachen von Armut in Deutschland
- Vergleichende Analyse verschiedener Grundeinkommensmodelle
- Kritische Diskussion der Finanzierbarkeit und gesellschaftlichen Auswirkungen
- Die Rolle der Sozialen Arbeit im Kontext einer sich wandelnden Arbeitswelt
- Das Spannungsfeld zwischen ökonomischer Verwertbarkeit und Existenzsicherung
Auszug aus dem Buch
3.1. Das Solidarische Bürgergeld
Das vom ehemaligen thüringischen Ministerpräsidenten Dieter Althaus entwickelte Konzept des Solidarischen Bürgergeldes ist eine Variante der negativen Einkommenssteuer. Jedem Menschen steht demnach prinzipiell ein Grundeinkommen zu. Andere Einkommen, z.B. durch Erwerbstätigkeit, werden gemäß der Steuerpflicht versteuert. Das Grundeinkommen wird mit der Steuerschuld verrechnet und wer mit seiner Einkommenssteuer oberhalb einer bestimmten Grenze liegt, bekommt kein Grundeinkommen ausgezahlt. Wer unterhalb dieser Grenze liegt, oder kein zu versteuerndes Einkommen hat, bekommt das Grundeinkommen ausgezahlt (Netzwerk Grundeinkommen 2012: 8f).
Das Solidarische Bürgergeld nach Althaus ist ein partielles bedingungsloses Grundeinkommen zur Sicherung des soziokulturellen Existenzminimums in Höhe von monatlich 600€ pro Person, wovon 200€ als sogenannte Gesundheitsprämie gebunden sind, von denen sich jeder Mensch bei einer Kasse seiner Wahl kranken- und pflegeversichern muss. Die Einkommensgrenze für die Auszahlung dieser negativen Einkommenssteuer beträgt monatlich 1500€. Kosten der Unterkunft und zusätzliche Bedarfe werden im Einzelfall zusätzlich gewährt. Das Bürgergeld sieht weiterhin eine Altersrente in Höhe von bis zu 1800€ monatlich vor, die sich an der Lebensarbeitszeit und dem Verdienst orientiert. Eltern erhalten darüber hinaus eine Elternrente für jedes Kind, die ihre Familienarbeit anerkennt. Die Höhe dieser Elternrente wird mit 57,12€ pro Monat veranschlagt. Finanziert würde dieses Modell durch einen einheitlichen Flat-Tax-Satz von 40% Einkommenssteuer und einer generellen, die bisherige Mehrwertsteuer ersetzenden Konsumsteuer von 19% (Lebensmittel 7%).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beleuchtet die historische Entwicklung der Erwerbsarbeit sowie die zunehmende Diskrepanz zwischen gesellschaftlicher Teilhabe und arbeitsgebundenem Einkommen.
2. Armut: Definiert Armut unter Berücksichtigung absoluter und relativer Standards und erörtert die spezifische Relevanz für das Berufsfeld der Sozialen Arbeit.
3. Modelle des Bedingungslosen Grundeinkommens: Stellt drei prominente Konzepte vor – das Solidarische Bürgergeld, das Ulmer Modell und die Initiative „Unternimm die Zukunft“.
4. Diskussion zum bedingungslosen Grundeinkommen: Analysiert kritische Einwände, Finanzierungsfragen und die Gefahr, dass ein Grundeinkommen bestehende Machtverhältnisse zementieren könnte.
5. Fazit: Reflektiert, dass eine echte Armutsbekämpfung über rein technische Finanzmodelle hinausgehen muss und Soziale Arbeit eine politische Anwaltsfunktion einnehmen sollte.
Schlüsselwörter
Bedingungsloses Grundeinkommen, Armutsbekämpfung, Soziale Arbeit, Solidarisches Bürgergeld, Ulmer Modell, Existenzsicherung, Erwerbsarbeit, Sozialpolitik, Kapitalismus, Umverteilung, gesellschaftliche Teilhabe, Arbeitsmarkt, Einkommenssteuer, Armutsbericht, Inklusion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen und praktischen Relevanz des bedingungslosen Grundeinkommens als Ansatz zur Überwindung von Armut in der Bundesrepublik Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Definition von Armut, die Analyse unterschiedlicher Finanzierungsmodelle des Grundeinkommens sowie deren sozialethische und ökonomische Kritik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, das Potenzial und die Grenzen verschiedener Grundeinkommensmodelle vor dem Hintergrund der Aufgaben und ethischen Prinzipien der Sozialen Arbeit kritisch zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und einer vergleichenden Betrachtung bestehender Konzepte und armutspolitischer Berichte.
Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffsbestimmung von Armut, die Vorstellung spezifischer Grundeinkommensmodelle und eine kritische Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen Implementierung.
Was charakterisiert die Schlüsselwörter dieser Arbeit?
Die Schlüsselwörter spiegeln die Schnittmenge zwischen ökonomischer Theorie, sozialpolitischer Praxis und dem Auftrag der Sozialen Arbeit wider.
Wie bewertet der Autor die Wirksamkeit eines Grundeinkommens?
Der Autor zeigt sich skeptisch gegenüber rein ökonomischen Modellen, sofern diese die bestehenden Machtstrukturen im Kapitalismus unangetastet lassen.
Welche Rolle spielt die Soziale Arbeit laut dem Autor?
Die Soziale Arbeit sollte sich nicht auf eine reine Exklusionsverwaltung beschränken, sondern als Anwältin für politische Inklusion und soziale Gerechtigkeit agieren.
- Citation du texte
- Lutz Kiehne (Auteur), 2017, Das Bedingungslose Grundeinkommen als Konzept zur Armutsbekämpfung in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/935275