[...] Diese Arbeit soll dazu beitragen, ein besseres Verständnis über KMU, und darüber wie sie in der Betriebswirtschaftehre angesehen werden, zu bekommen. Welche Unterschiede bestehen in der Führungsebene im Vergleich zu großen Unternehmen? Welche typischen Stärken und Schwächen ergeben sich speziell für KMU? Mit welchen Strategien können sich KMU im Wettbewerb behaupten? Einführend soll geklärt werden, was unter Klein- und Mittelbetrieben verstanden wird, welche Unternehmen dieser Gruppe hinzugezählt werden und wie sich diese vom Begriff „mittelständische Unternehmen“ abgrenzen. Weiters stellt sich die Frage, wie aus historischer Sicht in der ökonomischen Theorie auf KMU eingegangen wurde. Aus welchen Gründen wurden sie im Laufe der Zeit sowohl als Hindernis für wirtschaftliche Entwicklung als auch als Lösung jeglicher wirtschaftlicher Probleme gesehen? Ebenfalls soll das Management von KMU genauer beleuchtet werden. Es werden die Gegensätze zwischen dem idealtypischem „Unternehmer“ und dem idealtypischen „Manager“ herausgearbeitet und untersucht, inwieweit diese Rollentrennung in KMU überhaupt zutrifft. Es soll diskutiert werden wie sich die beiden Typen sich in KMU ergänzen können um erfolgreich zu sein. In diesem Kontext wird auf die Unternehmensführung bei den sogenannten ‚hidden champions’ eingegangen, welche gewissermaßen den Idealtyp des erfolgreichen KMU darstellen. Abschließend werden noch zwei zentrale Herausforderungen für KMU aufgezeigt. Einerseits handelt es sich dabei um die in der Literatur viel erörterte‚Eigenkapitallücke’ bei KMU, wo im Prinzip vielfach das Dilemma besteht, dass der klassische mittelständische Unternehmer möglichst wenig Einfluss an Eigenkapitalgeber abgeben möchte und dementsprechend lieber einen hohen Fremdverschuldungsgrad und ungünstige Konditionen bei Banken riskiert. Andererseits soll kurz das Innovationsmanagement als ‚der Erfolgsfaktor’ für KMU beleuchtet werden. Die in dieser Arbeit behandelten Fragestellungen können auf folgende Kernfragestellungen zusammengefasst werden: 1) Wie können KMU definiert werden? Wie zeitgemäß ist die derzeit gängige Abgrenzung zwischen KMU und Großbetrieben in Österreich, wie sie beispielsweise anhand der KMU-Statistik der Wirtschaftskammer (2006) unternommen wird? 2) Welche Nutzen generieren KMU sowohl auf gesamtwirtschaftlicher als auch auf individueller Ebene? 3) Inwieweit ist eine Abgrenzung zwischen dem „typischen KMU-Unternehmer“ und dem „typischen Manager im Großunternehmen“ zulässig?
Inhaltsverzeichnis
1. Problemstellung
2. Abgrenzung von KMU
3. Der Stellenwert von KMU im Wandel
4. Unternehmensführung in KMU
5. Innovationstätigkeit in KMU
6. Finanzierungsstrukturen von KMU
7. Zusammenfassung und Konklusion
8. Referenzen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Besonderheiten von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) im Vergleich zu Großbetrieben. Ziel ist es, ein differenziertes Verständnis der KMU-Strukturen, ihrer Führung, Innovationsfähigkeit sowie Finanzierungsaspekte zu gewinnen und kritische Abgrenzungskriterien theoretisch sowie praktisch zu hinterfragen.
- Grundlagen der KMU-Definition und statistische Abgrenzungsproblematik.
- Historischer Wandel im Stellenwert der KMU für die Volkswirtschaft.
- Anforderungen und Rollenbilder der Unternehmensführung in KMU versus Großunternehmen.
- Innovationspotenziale und Herausforderungen der Innovationsfinanzierung.
- Die Rolle der "immateriellen Komponenten" für die gesellschaftliche Relevanz von KMU.
Auszug aus dem Buch
Unternehmensführung in KMU
Wie werden KMU geführt? Wer führt KMU? Um diese Frage zu beantworten, soll zunächst, ein gängiger Definitionsansatz aus einem Lehrbuch der Betriebswirtschaftslehre gezeigt werden (Wegmann 2006, S. 145):
„Mittelständische Unternehmen werden vom Unternehmer geprägt. Durch die Verbindung von Kapital und Leitung bildet er die zentrale Führung in Unternehmen. Dies führt zu einer Doppelfunktion des Unternehmers als Kapitalgeber und Führungsspitze. Der Unternehmer allein bestimmt somit seine Rolle und die seines Unternehmens in der Gesellschaft. Seine exponierte Rolle ist stark abzugrenzen von der Rolle eines angestellten Managers in Großunternehmen.“
Für eine weitere Beantwortung dieser Fragen muss man sich zunächst den Unterschied zwischen dem Idealtypen des Unternehmers und dem Idealtypen des Managers betrachten. Bereits Schumpeter unterscheidet in seinem Frühwerk Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung (1912) zwischen dem dynamischen Unternehmer als Triebkraft der Wirtschaftsentwicklung und dem Manager, welcher in einer statischen Wirtschaft Gehalt bezieht, sein Verhalten den jeweiligen Gegebenheiten anpasst, und so bloß als Arbitrageunternehmer auftritt. Der schöpferische Pionierunternehmer hingegen schafft mit neuen, sich am Markt durchsetzenden Technologien Wirtschaftswachstum, und ist so die „entscheidende, gleichsam personifizierte strategische Variable im ökonomischen Prozess“ (Matis 2002, S. 36).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Problemstellung: Die Einleitung beleuchtet die historische Vernachlässigung der KMU in der Betriebswirtschaftslehre und definiert den Bedarf an einem eigenständigen Verständnis jenseits von Modellen für Großunternehmen.
2. Abgrenzung von KMU: Dieses Kapitel erörtert die Schwierigkeit einer einheitlichen Definition und vergleicht quantitative Schwellenwerte mit qualitativen Merkmalen wie flachen Hierarchien und hoher Flexibilität.
3. Der Stellenwert von KMU im Wandel: Es wird der Wandel von einer Dominanz des Großunternehmens hin zu einer Anerkennung der KMU als Fundament einer pluralistischen Wirtschaftsordnung beschrieben.
4. Unternehmensführung in KMU: Die Analyse fokussiert auf die Rollen des Unternehmers versus Managers, die Bedeutung der Eigentümerführung sowie Erfolgsmodelle wie die der "Hidden Champions".
5. Innovationstätigkeit in KMU: Das Kapitel diskutiert den Zusammenhang zwischen Betriebsgröße und Innovationskraft, wobei sowohl Vorteile großer Einheiten als auch die Flexibilität von KMU abgewogen werden.
6. Finanzierungsstrukturen von KMU: Es werden die spezifischen Herausforderungen bei der Eigenkapitalbeschaffung und die Auswirkungen veränderter Banken-Risikoorientierung (z.B. Basel II) thematisiert.
7. Zusammenfassung und Konklusion: Das Fazit fasst zusammen, dass eine rein statistische Abgrenzung zu kurz greift und für eine ganzheitliche Betrachtung besonders die gesellschaftliche Ebene der KMU essenziell ist.
Schlüsselwörter
KMU, Unternehmensführung, Entrepreneur, Manager, Innovationsmanagement, Eigenkapitallücke, Hidden Champions, Betriebswirtschaft, KMU-Statistik, soziale Marktwirtschaft, Flexibilität, Finanzierungsstruktur, Unternehmertum, Klein- und Mittelbetriebe.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Spezifika von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in Abgrenzung zu Großbetrieben hinsichtlich Führung, Finanzierung und Innovation.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt der Untersuchung?
Die thematischen Schwerpunkte sind die Definitionsproblematik, der Wandel des Stellenwerts von KMU in der Wirtschaftsgeschichte sowie die Rollenunterschiede zwischen Unternehmern und Managern.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Das Ziel ist ein vertieftes Verständnis der KMU-Besonderheiten und die kritische Würdigung, warum einfache Übertragungen von Managementmodellen aus Großunternehmen auf KMU oft unzulässig sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Seminararbeit angewandt?
Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die auf einer umfassenden Auswertung bestehender Fachliteratur und empirischer Statistiken basiert.
Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?
Behandelt werden die Abgrenzungskriterien, die unterschiedlichen Führungsstile, der Innovationsdiskurs und die spezifischen Finanzierungshürden, vor denen KMU stehen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die inhaltliche Ausrichtung?
Zu den zentralen Begriffen zählen KMU, Unternehmensführung, Innovation, Eigenkapitallücke, Hidden Champions und die Rolle des Unternehmers als Idealtyp.
Was unterscheidet den KMU-Unternehmer laut Arbeit vom Manager?
Der Unternehmer in KMU ist häufig durch die Verbindung von Kapital und Leitung sowie eine pragmatisch-intuitive Vorgehensweise geprägt, während der Manager stärker rationalen Rechtfertigungszwängen unterliegt.
Warum wird die klassische statistische Abgrenzung von KMU als problematisch erachtet?
Die Arbeit argumentiert, dass starre Schwellenwerte die komplexen Unternehmensverflechtungen und branchenspezifischen Unterschiede nicht ausreichend berücksichtigen.
- Quote paper
- Christoph Töglhofer (Author), 2008, Management in Klein- und Mittelbetrieben, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93566