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Achtsamkeit in der Pädagogik. Welche Möglichkeiten und Grenzen birgt die Achtsamkeit für die Sozialpädagogische Praxis?

Title: Achtsamkeit in der Pädagogik. Welche Möglichkeiten und Grenzen birgt die Achtsamkeit für die Sozialpädagogische Praxis?

Bachelor Thesis , 2020 , 66 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Lukas Welle (Author)

Social Work
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Bei der vorliegenden Bachelorarbeit handelt es sich um eine kritische Auseinandersetzung des aufkommenden Achtsamkeitshypes im Zusammenhang mit der (Sozial-) pädagogischen Praxis. Es wird erläutert, was es mit der
"Achtsamkeit" auf sich hat, wieso dieser Hype besteht und welche gesellschaftlichen Folgen hieraus resultieren. Anschließend wird beleuchtet, inwiefern die Achtsamkeit (Mindfulness) einen Einfluss auf die Sozialpädagogische Praxis hat und welche Möglichkeiten und Grenzen daraus resultieren.

Wir leben im Jahre 2020 in einer schnelllebigen, technisierten und ökonomisierten Gesellschaft. In einem Alltag, der uns mit ausdifferenzierten Bereichen konfrontiert und unterschiedliche Rollenanforderungen an uns stellt, der nicht selten einen sehr hohen Handlungsdruck fordert und einfordert, dass man sich durch seine Tätigkeiten entfremdet. Daher hat der Autor den Eindruck, dass es für Ihn selbst und für die meisten anderen Menschen, in vielen Situationen sehr schwierig ist vollkommen geistesgegenwärtig zu sein. Dass also die Fähigkeit mit seiner ungeteilten Aufmerksamkeit im Hier und Jetzt zu bleiben, allgemein in unserer Gesellschaft immer mehr schwindet. So ist ein Pädagoge/ eine Pädagogin bspw. von Gedanken oder Gefühlen des privaten Lebens, oder auch von den Belastungen des beruflichen Alltags abgelenkt, anstatt bewusst die Situation, die Lage des Heranwachsenden und die eigene Konstitution in diesem Moment wahrzunehmen, was den pädagogischen Blick und den Bezug zu den Kindern oder Jugendlichen, doch auch den klaren Blick auf die Gesamtsituation, samt ihrer inklusiven Eigenarten, Möglichkeiten, Risiken und Grenzen aber auch Schönheiten verschwimmen lässt. Achtsamkeit im Sinne von Fürsorge (Care) und die Achtsamkeit im Sinne von Mindfulness sind Grundvoraussetzungen für pädagogische Arbeit, welche in der Praxis, aufgrund innerpsychischer und äußerer Strukturen nicht immer gegeben sind. Seiner Auffassung nach stellt die Achtsamkeitspraxis (Mindfulness) eine Antwortmöglichkeit dar, die eine umfassende Hilfestellung für SozialarbeiterInnen/SozialpädagogInnen anbietet und zur Professionalisierung Sozialer Arbeit beiträgt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Grundlegendes zur Achtsamkeit

1.1 - Geschichte und Entwicklung von Achtsamkeit

1.2 - Klärung des Gegenstandbereichs von Achtsamkeit

1.3 - Achtsamkeitstraining

1.3.1 - Formen formaler Achtsamkeit

1.4 - Gesundheitliche Folgen der Achtsamkeitspraxis

1.4.1 - Der ‚Autopilotmodus‘

1.4.2 - Stressreduktion durch Achtsamkeit – Mit Bezug auf das MBSR- Programm

2. Einblicke in Gesellschaftliche Diskurse um Achtsamkeit

2.1 - Therapeutisierung der Gesellschaft

2.1.1 - Das Beispiel der Positiven Psychologie

2.1.2 - die Ökonomisierung der Positiven Psychologie

2.2 - Achtsamkeit im Kontext der Optimierung des Selbst

2.2.1 - Achtsamkeit und Moral – Kalte Achtsamkeit

2.3 - Zunehmender Druck in der Sozialpädagogischen Praxis

2.3.1 - Sozialkulturelle Rahmenbedingung: Wirtschaftliche Verwobenheit

2.3.2 - Therapeutisierung der Sozialen Arbeit – Am Beispiel der Jugendhilfe

2.3.3 - Stressoren und Belastungen in der Sozialpädagogischen Praxis

2.4 - Achtsamkeit – Eine naive Anpassung an bestehende Verhältnisse?

3. Achtsamkeit in der sozialpädagogischen Praxis

3.1 Klärung und Gegenstand

3.1.1 Pädagogik

3.1.2 Sozialpädagogik/ Soziale Arbeit

3.2 Sozialpädagogisches Handeln und Achtsamkeit

3.2.1 Achtsamkeit in der Lebensweltorientierung

3.2.2 Achtsamkeit in der Beziehungsarbeit

4. Fazit

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Potenziale und Grenzen von Achtsamkeit (Mindfulness) im Kontext der sozialpädagogischen Praxis. Dabei wird insbesondere der Frage nachgegangen, inwiefern Achtsamkeit als professionelle Haltung oder Methode zur Stressbewältigung dienen kann, ohne dabei die notwendige kritische Reflexion über strukturelle Belastungsfaktoren und eine mögliche Instrumentalisierung im Sinne einer reinen Selbstoptimierung zu vernachlässigen.

  • Historische und theoretische Grundlagen der Achtsamkeit und des MBSR-Programms.
  • Kritische Analyse der gesellschaftlichen Trends zur Therapeutisierung und Ökonomisierung.
  • Bedeutung der Achtsamkeit für das sozialpädagogische Handeln, insbesondere in der Lebensweltorientierung.
  • Die Rolle der Achtsamkeit innerhalb der professionellen Beziehungsarbeit.

Auszug aus dem Buch

1.1 Geschichte und Entwicklung von Achtsamkeit

Achtsamkeit (Mindfulness), als Fähigkeit des Menschen, die eigene Aufmerksamkeit zu steuern und auf etwas gegenwärtiges zu fokussieren, ist wohl so alt wie das menschliche Dasein selbst. Genauer unter die Lupe genommen und anhand von verschiedenen Praktiken herausdifferenziert und geübt, wurde das Achtsam-sein, (Was heute als Mindfulness beschrieben wird) bereits vor ca. 3000 Jahren in der fern-östlich buddhistischen Tradition. (vgl. Schindler) Dort nämlich stellt ‚achtsam zu sein‘ einer der Acht Säulen des ‚achtfachen Pfades‘ da, Verhaltensregeln dar, die Buddhisten zu erfolgen haben. Einzug in den wissenschaftlichen Diskurs hat das Thema Achtsamkeit dennoch erst seit der 1970er Jahren. In dieser Zeit forschte der Molekularbiologe Kabat-Zinn erfolgreich zu den Zusammenhängen der Achtsamkeitspraxis und dem menschlichen Wohlbefinden. Somit war er in den Folgejahren der erste, der achtsamkeitsbasierten Verfahren in die psychotherapeutische Praxis miteinbrachte.

„Kabat-Zinn, der ein Konzept des Mindfulness-Based Stress Reduktion (MBSR) entwickelte, hat bereits in zahlreichen medizinischen Studien (z.B. Kabat-Zinn,1992; Müller et al, 1995) belegen können, welche positiven Auswirkungen eine regelmäßige Praxis von MBSR nach sich ziehen kann“ (José, 2016, S.73).

„Im Jahre 1979 war MBSR eine neuartige Methode klinischer Betreuung im Rahmen der Verhaltensmedizin, eines damals noch jungen Forschungszweigs, der heute allgemeiner als integrative oder ganzheitliche Medizin bezeichnet wird. Sie geht davon aus, dass mentale und emotionale Faktoren nicht nur erhebliche positive wie negative Auswirkungen auf unsere körperliche Gesundheit und unsere Fähigkeit zur Gesundung haben, sondern auch darüber bestimmen, ob wir auch angesichts chronischer Erkrankungen, chronischer Schmerzen und einer verbreitet von Stress geprägten Lebensweise in der Lage sind, uns Lebensqualität und Lebensfreude zu bewahren.“ (Kabat-Zinn,2013, S.20).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Grundlegendes zur Achtsamkeit: Dieses Kapitel erläutert die historischen Ursprünge der Achtsamkeit, definiert den Begriff Mindfulness und stellt verschiedene formale Übungspraxen sowie deren gesundheitliche Wirkungsweisen vor.

2. Einblicke in Gesellschaftliche Diskurse um Achtsamkeit: Hier wird kritisch auf die Phänomene Therapeutisierung und Ökonomisierung der Gesellschaft eingegangen, wobei die Rolle der Positiven Psychologie und der Druck zur Selbstoptimierung reflektiert werden.

3. Achtsamkeit in der sozialpädagogischen Praxis: Dieses Kapitel verknüpft die theoretischen Achtsamkeitskonzepte mit der sozialpädagogischen Arbeit, insbesondere im Hinblick auf die Lebensweltorientierung und die Beziehungsarbeit.

4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Achtsamkeit zwar eine hilfreiche persönliche Ressource für Sozialpädagogen darstellt, jedoch kritisch hinsichtlich ihrer moralischen Fundierung und ihrer Grenzen gegenüber strukturellen Problemen hinterfragt werden muss.

Schlüsselwörter

Achtsamkeit, Mindfulness, Soziale Arbeit, Sozialpädagogik, Lebensweltorientierung, Beziehungsarbeit, Selbstoptimierung, Therapeutisierung, Stressbewältigung, MBSR, Positive Psychologie, Professionalisierung, Gesundheit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Anwendung und den Auswirkungen von Achtsamkeitspraktiken im Feld der Sozialen Arbeit und Sozialpädagogik.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die Schwerpunkte liegen auf der Klärung des Achtsamkeitsbegriffs, der Analyse gesellschaftlicher Diskurse wie Ökonomisierung und Therapeutisierung sowie der Übertragung auf pädagogische Handlungsfelder.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, Möglichkeiten und Grenzen der Achtsamkeit für die sozialpädagogische Praxis aufzuzeigen und zu prüfen, ob sie eine Hilfestellung für Fachkräfte bietet, ohne naiv an bestehende Verhältnisse anzupassen.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturrecherche und einer kritischen Auseinandersetzung mit theoretischen Konzepten der Sozialpädagogik und der Achtsamkeitsforschung.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil wird zunächst die Achtsamkeitspraxis allgemein erläutert, gefolgt von einer kritischen Reflexion gesellschaftlicher Trends sowie der Anwendung des Konzepts auf die Lebensweltorientierung und Beziehungsarbeit.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Achtsamkeit, Soziale Arbeit, Lebensweltorientierung, Selbstoptimierung und Beziehungsarbeit.

Wie bewertet der Autor die Rolle der Positiven Psychologie?

Der Autor steht der Positiven Psychologie kritisch gegenüber, insbesondere hinsichtlich ihrer Ökonomisierung und der Gefahr, dass individuelles Glück zum Kapital für Unternehmen und zur Bedingung für gesellschaftliche Teilhabe wird.

Warum ist Achtsamkeit für die Beziehungsarbeit so bedeutsam?

Achtsamkeit ermöglicht Fachkräften eine Meta-Kognition, durch die sie eigene emotionalen Muster erkennen, ihre Wahrnehmung des Gegenübers schärfen und somit eine professionellere, tragfähige Beziehung zu den Klienten aufbauen können.

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Details

Title
Achtsamkeit in der Pädagogik. Welche Möglichkeiten und Grenzen birgt die Achtsamkeit für die Sozialpädagogische Praxis?
College
University of Applied Sciences Mainz
Grade
2,0
Author
Lukas Welle (Author)
Publication Year
2020
Pages
66
Catalog Number
V936313
ISBN (eBook)
9783346276353
ISBN (Book)
9783346276360
Language
German
Tags
Sozialpädagogik Pädagogik Achtsamkeit Philosophie Psychologie Soziale Arbeit Mindfulness Bachelorarbeit
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Lukas Welle (Author), 2020, Achtsamkeit in der Pädagogik. Welche Möglichkeiten und Grenzen birgt die Achtsamkeit für die Sozialpädagogische Praxis?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/936313
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