Die Persönlichkeitskonstrukttheorie von George Kelly

Theorie, Forschungsmethode, Vergleich zu Carl Rogers und Stellungnahme


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006

16 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. George Kelly: Sein Werk

2. Kellys Lebenslauf

3. Die Theorie der Persönlichkeitskonstrukte
3.1 Sein Menschenbild
3.2 Die persönlichen Konstrukte
3.2.1 Kellys Grundpostulat
3.2.2 Die 11 Korollarien

4. Kellys Forschungsmethoden
4.1 Der Rollen-Konstruktions-Test (REP–Test)
4.2. Die fixierte Rollentherapie (FRT)

5. George Kelly und Carl Rogers im Vergleich

6. Stellungnahme zu Kellys Theorie

Literaturverzeichnis

1. George Kelly: Sein Werk

Als George R. Kelly 1955 sein zweibändiges Werk „The Psychology of personal Constructs“ veröffentlichte, zog es wenig Aufmerksamkeit auf sich.
In der Einleitung zu seiner deutschen Ausgabe heißt es: „Kelly war für seinen Zeit zu früh; er wurde von seinen Zeitgenossen auch im eigenen Sprachraum weitgehend ignoriert“. (Sader, 1986, S.9). Das lag vor allem daran, dass der Behaviorismus, der vor allem äußere Bedingungen betrachtet, weit verbreitet war und es somit keinen Platz für kognitive Ansätze, in denen Denk- und Verstehensprozesse im Mittelpunkt stehen, gab. Sein Buch wurde lange nicht verkauft und noch heute ist die ursprüngliche Fassung lieferbar. Er behandelte eine Thematik, welche zu seiner Zeit noch nicht aktuell war. Erst nach einigen Jahren trat Kellys Konstrukttheorie in den Vordergrund, da die Kognition mehr und mehr an Bedeutung gewann. Kelly hatte sich durch seine Inhalte bereits mit dem kognitiven Ansatz auseinandergesetzt und versucht den Menschen von seiner subjektiven Betrachtungsweise her zu verstehen. Er betrachtet die Persönlichkeit des Menschen von einem neuen Blickwinkel aus, und verwendet somit keine bereits existierenden psychologischen Begriffe wie zum Beispiel „Lernen“, „Motivation“ oder „Trieb. Vielmehr führte er den Konstruktbegriff ein und entwickelte neue Erforschungsmethoden. Im Folgenden wird Kellys Theorie der Persönlichkeitskonstrukte ausgearbeitet, und dabei zunächst auf seinen persönlichen Hintergrund und anschließend ausführlich auf seinen theoretischen Ansatz eingegangen. Anschließend werden seine Forschungsmethoden anhand des Rollen-Konstrukt-Repertoire Test und der fixierte Rollentherapie erklärt. Danach werden die Psychologen George Kelly und Carl Rogers gegenübergestellt um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in ihren Theorien auszuarbeiten. Im letzten Punkt, findet eine Stellungnahme zu Kellys Theorie der persönlichen Konstrukte statt.

2. Kellys Lebenslauf

George A. Kelly wurde am 28. April 1905 in Kansas als Sohn eines presbyterianischen Geistlichen und einer Lehrerin geboren und wächst als Einzelkind in einfachen ländlichen Verhältnissen auf. Nach seiner Schulzeit studierte er an den Universitäten Kansas, Minnesota und Edinburgh Mathematik und Physik und arbeitet eine Zeitlang als Luftfahrtingenieur. Erst einige Jahre später wechselt er zu den Erziehungswissenschaften. Kelly promoviert über Sprach- und Leseschwierigkeiten bei Kindern und erhält 1931 den Doktortitel an der Universität von Iowa (Pervin, 2003,S.240). Im selben Jahr heiratet er Gladys Thompson, mit der er einen Sohn und später noch eine Tochter hat. Genau in dieser Zeit, nach der Weltwirtschaftskrise von 1929, herrscht eine tiefe depressive Stimmung in Amerika. Er entwickelt seine eigene mobile psychologische Beratungsstelle in Kansas und während dem zweiten Weltkrieg arbeitet Kelly als Psychologe bei der Luftwaffe. Ab 1946 tritt er für 20 Jahre den Lehrstuhl für Klinische Psychologie an der Ohio State University an und wirkt während dieser Zeit an der Aufstellung eines Lehrplans für klinische Psychologie mit.

Des Weiteren befasste er sich mit seiner Konstrukttheorie und verfasste sein zweibändiges Werk. 1955 veröffentlicht Kelly sein bedeutendes Buch „The psychologie of personal constructs.“ In den Jahren 1956 und 1957 wirkt er als Präsident der bedeutenden Abteilung für Klinische Psychologie der American Psychological Association als Nachfolger von Carl Rogers. Ab 1965 arbeitet er in der Forschung an der Brandeis Universität uns stirbt schließlich am 6. März 1967 (www.psychologie.uni-mannheim.de).

3. Die Theorie der Persönlichkeitskonstrukte

Nach Kellys Beurteilung ist ein Mensch nur dann zu begreifen, wenn man sein Verfahren versteht, wie er bestimmte Dinge aufnimmt und verarbeitet. Dies geschieht in einem System, welches, nach Kelly, in jedem Menschen gleichermaßen enthalten ist und er „Persönliche Konstrukte“ nennt. George Kellys Theorie soll nun näher erläutert werden, wobei zunächst auf sein Menschenbild eingegangen wird.

3.1 Sein Menschenbild

Kelly hat eine Theorie entwickelt, welche sich stark mit der Wahrnehmung und Interpretation des Menschen bezogen auf seine Umwelt, auseinandersetzt. Dabei sieht er den Alltagsmensch als Wissenschaftler und ist der Meinung, dass:„jeder Mensch versucht, die Welt zu verstehen, Ereignisse vorherzusagen und zu kontrollieren. Dazu stellt er Hypothesen auf, die er überprüft.“ (Laux, 2003, S. 101). Dies ist nicht wortwörtlich, sondern viel mehr im übertragenen Sinn zu verstehen. Jeder Mensch ist metaphorisch als ein Wissenschaftler zu betrachten, da er Hoffnungen und Erwartungen hat welche er versucht vorherzusagen und zu überprüfen, was den Hypothesen eines Wissenschaftlers, mit ihrer experimentellen Aussagekraft, entspricht. Bewähren sich die aufgestellten Annahmen behält sie der Mensch bei, ansonsten ist er in der Lage sie durch Alternativen zu ersetzten. Wenn sich eine bestimmte Sichtweise als unbrauchbar herausstellt, können wir eine andere wählen die nützlicher erscheint. Dies bezeichnet Kelly als „konstruktiven Alternativismus“, also die Möglichkeit, gegebene Ansichten durch andere ersetzten zu können. „Kelly ist der Meinung, der Mensch ist zugleich frei und determiniert“ (Pervin, 2003,S. 243). Frei, weil er die Bedeutung von Ereignissen mitbestimmen kann. Determiniert, weil er sich nicht außerhalb der von ihm errichteten Alternativen entscheiden kann. Nach Kelly nimmt der Mensch seine Umwelt in so genannten Konstrukten wahr, was die Grundlage seiner Theorie darstellt und im Folgenden näher erklärt wird.

3.2 Die persönlichen Konstrukte

Unter Konstrukt versteht man im Allgemeinen: „Die gedankliche Zusammenfügung von Bedeutungen zu einem Begriff “ (Schaub, Zenke, 2000, S.327).
Der Konstruktbegriff hat bei Kelly einen weiteren Umfang und ist in ein einzigartiges System gegliedert, welches aus einer Grundannahme und 11 untergeordneten Zusatzannahmen besteht.

Unter Konstrukte versteht Kelly, „… die Art und Weise, die Welt wahrzunehmen und zu interpretieren …“ (Laux,2003, S. 101). Sie bieten dem Menschen die Möglichkeit seine einzigartige Welt zu strukturieren, Abläufe zu planen und Handlungen umzusetzen.

3.2.1 Kellys Grundpostulat

Die Theorie von Kellys Ansatz basiert auf einer Grundannahme (Grundpostulat): „Die Prozesse eines Menschen werden psychologisch durch die Mittel und Wege kanalisiert, mit deren Hilfe er Ereignisse antizipiert“ (Kelly, 1955,S. 59). Kelly ist der Ansicht, dass der Mensch Prozessen unterliegt, also nicht statisch an einem Punkt verweilt, sondern „ ... an sich eine Form der Bewegung“ (Kelly 1955, S. 60) ist. Diese Prozesse verlaufen „kanalisiert“, in einer geordneten Struktur ab. Der Mensch versucht dadurch Ereignisse vorherzusagen, zu antizipieren. „Die Vorhersage wird nicht um ihrer selbst willen getroffen, sondern sie wird getroffen, damit die zukünftige Realität besser abgebildet werden kann.“ (Kelly, 1955, S. 62). Somit stellt sich der Mensch in Kellys Theorie als sehr zukunftsorientiert heraus, was erneut seine Theorie von dem „Menschen als Wissenschaftler“ unterstreicht, und es ihm ermöglicht sich weiterzuentwickeln.

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Persönlichkeitskonstrukttheorie von George Kelly
Untertitel
Theorie, Forschungsmethode, Vergleich zu Carl Rogers und Stellungnahme
Hochschule
Universität Augsburg
Veranstaltung
Theorien der Persönlichkeit
Note
1,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
16
Katalognummer
V93636
ISBN (eBook)
9783640100217
ISBN (Buch)
9783640113446
Dateigröße
1364 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Persönlichkeitskonstrukttheorie, George, Kelly, Theorien, Persönlichkeit
Arbeit zitieren
Helena Grabner (Autor), 2006, Die Persönlichkeitskonstrukttheorie von George Kelly, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93636

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