Verschwörungstheorien in Zeiten digitaler Medien. Verbreitung von Verschwörungstheorien in der heutigen Gesellschaft


Hausarbeit, 2019

14 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Relevanz und Zielsetzung
1.2 Inhaltliche Gliederung

2 Verschwörungstheorien
2.1 Merkmale von Verschwörungstheorien
2.2 Entstehung einer Verschwörungstheorie
2.3 Funktionsweisen von Verschwörungstheorien
2.3.1 Luhmann’scher Begriff des Vertrauens

3 Das World Wide Web und die digitalen Medien

4 Diskussion

5 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Relevanz und Zielsetzung

Aufgrund gesellschaftlicher Umbrüche, die unter anderem auch durch die Globalisierung angestoßen wurden, sind Menschen besonders anfällig für jene Denkmuster, welche eine simple Erklärung für die immer komplexer werdenden Sachverhalte der heutigen Gesellschaft bereit zu halten scheinen. Die Rede ist von Verschwörungstheorien, welche den Mittelpunkt dieser Arbeit darstellen. Ob Chemtrails, die Mondlandung, 9/11 oder gar die Reptiloide-Verschwörungstheorie1: Egal wie absurd sich manche Verschwörungstheorien auch anhören mögen, ihr Auftreten und Einfluss ist in vielen Teilen der Gesellschaft zu spüren. Dies betrifft insbesondere die Politik, wie durch die Wahl Trumps erneut deutlich geworden ist.

Zur Folge des beobachtbaren Aufschwungs von Verschwörungstheorien in der heutigen Gesellschaft hat sich auch die wissenschaftliche Forschung der Untersuchung aktueller Verschwörungstheorien neu angenommen. Hierbei wird das Internet, welches digitale und soziale Medien umschließt, besonders unter die Lupe genommen, da deren Nutzung mittlerweile ein habitualisierter Prozess der heutigen Jugend geworden ist und somit das Meinungsbildung bzw. die wahrgenommene Realität der Gesellschaft stark mitprägt bzw. intensiviert. Das neue Aufleben der empirischen Untersuchung von Verschwörungstheorien, war der Auslöser, der in dieser Arbeit zu untersuchenden Leitfrage: Welche Rolle spielt das Internet für das Wiederaufleben von Verschwörungstheorien in der heutigen Gesellschaft?

1.2 Inhaltliche Gliederung

Um sich einer Antwort auf diese Frage zu nähern, setzt sich diese Arbeit zunächst mit der Entstehung, den Merkmalen, aber auch der Problematik des Terminus von Verschwörungstheorien auseinander. Um die Entstehung bzw. die Beweggründe eines Menschen der heutigen Gesellschaft, sich einer Verschwörungstheorie anzuhängen, besser verstehen zu können, wird der luhmann’sche Begriff des „(System-)Vertrauens“ herangezogen(Luhmann, Vertrauen, 1968, S. 123). Anhand des Fallbeispiels der amerikanischen Präsidentschaftswahl 2016, die der populäre Unternehmer Donald Trump für sich entscheiden konnte, wird im dritten Teil der Arbeit die Rolle des Internets für die Verbreitung von Verschwörungstheorien thematisiert. Dieses Beispiel ist gewählt, da Trump über die sozialen Medien, insbesondere Twitter gezielt bestehende Verschwörungstheorien aufgriff, Zusammenhänge frei erfand und auf diese Weise seine Gegner erfolgreich schwächte und sein Wahlprogramm verteidigte. An diesem Beispiel wird demonstriert, wie sehr digitale Medien und insbesondere soziale Medien als Katalysatoren bei der Verbreitung von Verschwörungstheorien fungieren. Sie bieten zum einen den perfekten Nährboden für Verschwörungstheorien und sind zum anderen zum Teil selbst betroffen, was sich an der Zuschreibung als „Lügenpresse“ zeigt(Probst, 2018, S. o.A.).

2 Verschwörungstheorien

„Eine Verschwörungstheorie ist eine real nicht existente, aus Angst befürchtete Verschwörung“(Pipes, Verschwörung. Faszination und Macht des Geheimen, 1998, S. 45). Sie sind abzugrenzen von empirisch nachweisbaren Verschwörungen wie z.B. dem Watergate Skandal. In anderen Worten ist eine Verschwörungstheorie als Betrachtungsweise und eine Verschwörung als Tat zu verstehen (Pipes, 1998, S.45).

Die Verwendung des Begriffs Verschwörungstheorie ist jedoch umstritten, da es viele Wissenschaftler empört, das Wort der Theorie im verschwörungstheoretischen Kontext zu verwenden. Diese Empörung resultiert aus der Tatsache, dass eine Theorie nach wissenschaftlichem Verständnis angreifbar, d.h. falsifizierbar sein muss, was im Fall der Verschwörungstheorien nicht gegeben ist (Popper, 2002, S.12). Denn in ihren Annahmen lassen Verschwörungstheoretiker sich nicht beirren. Jede Art der Gegenargumentation wird somit nicht als Irritation, sondern vielmehr als Bestärkung ihrer Theorie wahrgenommen(Schöningh, 2011, S. 138). Demnach haben Verschwörungstheorien vielmehr einen ideologischen Charakter, weshalb Wissenschaftler, wie Pfahl-Taubner den alternativ Begriff „Verschwörungsideologien“ vorziehen (Butter, 2018, S. 196/7). Unabhängig von der begrifflichen Problematik, können Verschwörungstheorien „[…] geglaubt werden oder nicht – sie sind jeden Falls nicht wiederlegbar, da sie in einer Grauzone zwischen Beweisen, Indizien, Vermutungen und purer Phantasie operieren“(Herzinger, 1996, S. 141). Jedoch wird der Begriff Verschwörungstheorie aufgrund des üblichen Gebrauchs auch in dieser Arbeit weiterverwendet.

2.1 Merkmale von Verschwörungstheorien

Der Terminus Verschwörungstheorie (im eng. conspiracy theory) stammt aus dem lateinischen conspirare (übereinstimmen, zusammenwirken)(Butter, 2018, S. 21). Diese begriffliche Ableitung lässt bereits auf eine der drei von M. Butter gelisteten Charaktereigenschaften einer Verschwörungstheorie schließen: Das Verbinden verschiedenster und zum Großteil unabhängigen Informationen/Ereignissen zu einem großen zusammenhängenden Ganzen (Butter, 2018, S. 21). Die Mockumentary bzw. Scheindokumentation „Kubrick, Nixon und der Mann im Mond“ veranschaulicht, wie sehr sich Verschwörungstheoretiker auf jedes noch so zufällig erscheinende Indiz stützen und diese zur Beweisführung ihrer Theorie nutzen(Karel, 2015, S. o.A.). Zwei weitere Grundannahmen, die M. Butter Verschwörungstheorien zuschreibt lauten: „Nichts passiert durch Zufall […] und nichts ist so wie es scheint“(Butter, 2018, S. 21). Jede Verschwörungstheorie baut somit auf der Grundannahme auf „[…], dass im Verborgenen agierende Konspirationen einen umfassenden Plan mit betrügerischen Mitteln und unter Täuschung der Bevölkerung umzusetzen versuchen […]“(Jaecker, 2005, S. 10).

Diese Wahrnehmung der Realität wird von Außenstehenden als verschobene und realitätsferne Wahrnehmung bewertet, sodass Verschwörungstheoretiker zumeist als paranoid abgestempelt wurden. Verschwörungstheoretisches Denken wurde somit ausschließlich mit Extremisten und Außenseitern in Verbindung gebracht. So schrieb Pipes, dass alle Verschwörungstheorien sich „[…] an die Ränder politischen Lebens der westlichen Welt und an die geographischen Ränder westlicher Staaten […]“ verflüchtigen würden(Pipes, Verschwörung. Faszination und Macht des Geheimen, 1998, S. 169). Diese sonst allgemeingültigen Annahme wurde jedoch zunehmend widerlegt. Richard Hofstadters schrieb hierzu in seinem Essay The Parnoid Style of American Politics über die starke Virulenz, die von Verschwörungstheorien ausgeht(Hofstadter, 1952, S. 86). Grohn spricht von einer „[…] ständige Versuchung für uns alle“ (Groh, 1996, S. 13).

Verschwörungstheorien können somit nicht nur als abstrus-kreative Gedankenspiele von Verrückten abgetan werden. Dafür ist ihr Vorkommen in den letzten 15 Jahren zu sehr gestiegen und der von ihnen hinterlassener Fußabdruck in der heutigen Gesellschaft zu dominat(Butter, 2018, S. 179). Verschwörungstheorien mit einer großen Anhängerschaft sollten somit trotz oder gerade wegen ihrer Abwegigkeit durchaus ernst genommen und empirisch untersucht werden. Denn historische Geschehen haben bereits gezeigt, dass Verschwörungstheorien bzw. Verschwörungstheoretiker gelegentlich „[…] in den Hauptstrom der geschichtlichen Entwicklung eintreten und manchmal sogar an die Macht kommen“(Pipes, Verschwörung. Faszination und Macht des Geheimen, 1998, S. 48). Sie schüren zum Teil antipluralistisches Denken und können zur Radikalisierung führen, wie es beispielsweise bei antisemitische Verschwörungstheorien der Fall ist, welche u.a. im zweiten Weltkrieg zum Holocaust geführt haben(Lamberty, 2011, S. 76).

Wie kommt es also dazu, dass Menschen in der heutigen modernen Zeit, trotz Aufklärung und digitaler Transparenz, dennoch verstärkt an Verschwörungstheorien glauben? Diese Frage bildet den Kern der neu aufgegriffenen wissenschaftlicher Untersuchungen von Verschwörungstheorien. So formulierte Hannah Arendt bereits 1955: „Wenn eine so offensichtliche Fälschung, wie die Protokolle von den Weisen von Zion von so vielen geglaubt wird, dass sie die Bibel einer Massenbewegung werden kann, so handelt es sich darum, zu klären, wie dies möglich ist, aber nicht darum, zum hunderten Male zu beweisen, was ohnehin alle Welt weiß, nämlich, dass man es mit einer Fälschung zu tun hat“(Arendt, 1955, S. 24).

2.2 Entstehung einer Verschwörungstheorie

Phänomene, die sich aufgrund ihrer Komplexität nicht erklären lassen und einem das Gefühl des Nicht-Wissens geben, versetzen den Menschen in ein Ohnmachtsgefühl, aus der er sich befreien will. Um diese Bedürfnisse zu befriedigen, ist es nicht unüblich, sich an Verschwörungstheorien zu bedienen, die wie Popper behauptet „unseren Geist vergiften und vernebeln und uns einen Widerstand gegen alle Erkenntnisse einpflanzen“(Popper, Vermutung und Widerlegung , 1994, S. 3). Ausgangspunkt der Beweisführung von Verschwörungstheoretikern sind dem zu Folge fast immer die vermeintlichen Lücken und Ungereimtheiten der offiziellen Version und das grundsätzliche Gefühl, dass etwas nicht stimmt. Die Entstehung von Verschwörungstheorien kann demnach als Reaktion auf real existierende Probleme in der Gesellschaft bzw. einem System gedeutet werden. Sie machen auf Fehlentwicklungen aufmerksam, aber tragen nicht zur Korrektur bei(Schöningh, 2011, S. 143/4).

2.3 Funktionsweisen von Verschwörungstheorien

Verschwörungstheorien können laut Pfal-Taughber als „Erkenntnis-, Manipulations- und Legitimationsinstrument“ verstanden werden(Sonntag, 2014, S. 28). Verschwörungstheorien erfüllen die Rolle des Erkenntnisinstruments, indem sie Antworten auf das Unerklärliche suggerieren. Diese Erkenntnis erlangen sie durch die Komplexitätsreduzierung historisch-politischer Entwicklungen, wie z.B. durch die Strategie der monokausalen Argumentation. Die monokausale Argumentation zeichnet sich dadurch aus, dass komplexe Begebenheiten runtergebrochen und auf einen sogenannten „Sündenbock“ übertragen werden. Diese Art der Argumentation resultiert aus dem von Verschwörungstheoretiker gelebtem dualistischen Weltbild. Besonders deutlich wird das komplexreduzierende Weltbild durch die genutzten rhetorischen Mittel die auf der Unterteilung in „Gut“ und „Böse“ aufbauen(Reinalter, 2016, S. 176). Donald Trumps „deep state“-Theorie, die von einer Verschwörung von Bürokraten, Geheimdiensten und Militär ausgeht, ist ein Beispiel hierfür(Kolb, 2017, S. o.A.). Je nach Individuum kann eine Verschwörungstheorie somit auch als Offenbarung empfunden werden(Sonntag, 2014, S. 28).

Durch diese Strategie gelang es Donald Trump einen Großteil der amerikanischen Bevölkerung, die von Identitäts- und Kontrollverlustängsten getrieben sind, zu polarisieren und für seine Ideologie zu gewinnen(Wodak, 2016, S. 16). Diese Ängste können zum Teil auf den ständig wirkenden Globalisierungsprozess zurückgeführt werden. Sein Handeln wird von seinen Wählern als legitim empfunden, da sie der Meinung sind, dass er sich für ihr Wohlergehen und den Erhalt ihrer „Heimat“ einsetzt.(Egger, 2014, S. 110). Die geschaffene Illusion zeigt, wie effizient Verschwörungstheorien als Manipulationsinstrument in der Politik eingesetzt werden können(Butter, 2018, S. 22).

Da Verschwörungstheorien auch heute noch im politischen Umfeld erfolgreich angewendet werden, soll im Folgenden der luhmann’sche Begriff des Vertrauens kurz beleuchtet werden, um den fragilen Vertrauensprozess den Verschwörungstheorien ausnutzen, besser verstehen zu können.

2.3.1 Luhmann’scher Begriff des Vertrauens

Vertrauen ist nach Luhmann „ein elementarer Tatbestand des sozialen Lebens“ und somit sozialer Systeme. Denn Vertrauen macht mit seiner komplexitätsreduzierenden Wirkung den Menschen handlungsfähig(Luhmann, Vertrauen, 1968, S. 1). Jedoch inkludiert der Akt des Vertrauens immer auch ein gewisses Risiko. Denn Vertrauen, so Luhmann, nimmt Zukunft vorweg, wodurch das sogenannte „Problem der riskanten Vorleistung“ entsteht(Luhmann, Vertrauen, 1968, S. 1). Zerbricht das Vertrauen, scheint der Mensch fast automatisch sein Vertrauen in ein alternatives System oder eine andere Person zu stecken, um handlungsfähig zu bleiben.

Nach Luhmann gilt es, das persönliche Vertrauen von dem Systemvertrauen zu unterscheiden(Luhmann, Vertrauen, 1968, S. 16). Im Hinblick auf die Leitfrage setzt sich die Arbeit im Folgenden ausschließlich mit dem Systemvertrauen auseinander. Georg Simmel sah das Systemvertrauen als ein zentrales Merkmal moderner Gesellschaften. Außerdem machte er durch das wohl meist widergegebene Zitat zum Thema Vertrauen deutlich, wie sehr eine Situation der Überforderung zum Vertrauensverlust führen kann. „Der völlig Wissende braucht nicht zu vertrauen, der völlig Nichtwissende kann vernünftigerweise nicht einmal vertrauen“(Simmel, 1908, S. 263). Das Systemvertrauen, wie z.B. gegenüber dem Medien System, wird durch die Einführung des Internets neu auf die Probe gestellt, da Vertrauen „[…] mehr und mehr in Anspruch genommen werden muss, damit technisch erzeugte Komplexität der Zukunft ertragen werden kann“(Luhmann, Vertrauen, 1968, S. 8). Fehlt dieses Vertrauen gegenüber einem System, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass das Vertrauen stattdessen in eine Verschwörungstheorie gesteckt wird, um, wie Luhmann beschreibt, handlungsfähig zu bleiben. Wie das Internet den Prozess des Vertrauensverlustes beschleunigt und warum besonders die Glaubwürdigkeit der Medien in den Fokus heutiger Verschwörungstheorien geraten ist, soll im Folgenden analysiert werden.

[...]


1 Die Reptiloide-Verschwörungstheorie ist eine Theorie an die mittlerweile 4% der amerikanischen Bevölkerung glauben und davon ausgehen, dass Reptilienwesen, die eine menschliche Gestalt annehmen können und wie im antisemitischen Mythos der jüdischen Weltverschwörung nach der Weltherrschaft streben. Zu der „verkleideten Elite“ gehören laut ihrer Annahme Angela Merkel, wie auch die Queen. In die Welt gesetzt wurde diese Theorie von Engländer David Icke, ein ehemaliger Fußballspieler sowie Ex-Pressesprecher der britischen Grünen.(Rühl, 2018, S. o.A.)

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Verschwörungstheorien in Zeiten digitaler Medien. Verbreitung von Verschwörungstheorien in der heutigen Gesellschaft
Hochschule
Zeppelin University Friedrichshafen
Note
1,3
Autor
Jahr
2019
Seiten
14
Katalognummer
V936400
ISBN (eBook)
9783346272751
ISBN (Buch)
9783346272768
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Verwörungstheorie, Medien
Arbeit zitieren
Antonia Schiller (Autor:in), 2019, Verschwörungstheorien in Zeiten digitaler Medien. Verbreitung von Verschwörungstheorien in der heutigen Gesellschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/936400

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