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Die schöne Seele

Ein Ideal des 18. Jahrhunderts verschwindet im 19. Jahrhundert

Title: Die schöne Seele

Seminar Paper , 2007 , 18 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Anna-Luise Langner (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Im Folgenden möchte ich mich dem Ideal der „schönen Seele“ im 18. Jahrhundert sowie seinem Verlust im 19. Jahrhundert widmen. Anhand der Aufklärung untersuche ich zunächst, in welchen literarischen Strömungen und Werken die schöne Seele im 18. Jahrhundert präsent ist. Mit der Definition der schönen Seele in Schillers ästhetischen Schriften erfährt das Ideal seinen Höhepunkt in der Klassik. Deshalb analysiere ich Schillers „Über Anmuth und Würde“ hinsichtlich der Konzeption der schönen Seele sowie Goethes „Bekenntnisse einer schönen Seele“ als literarische Darstellung derselben. Abschließend werde ich den Wandel Anfang des 19. Jahrhunderts thematisieren, wo das Konzept der „schönen Seele“ verschwindet bzw. als gescheitert gilt. Dies wird vor allem anhand von Kleist nachgewiesen, wobei die Philosophie des 19. Jahrhunderts mit Hegel und Nietzsche ebenfalls mit einbezogen wird.
Dieses in der Forschung viel untersuchte Thema kann philosophisch, literaturwissenschaftlich oder auch gesellschaftspsychologisch angegangen werden. Ich werde philosophisch-ästhetische Strömungen in die Betrachtung der „schönen Seele“ mit einbeziehen, mich aber hauptsächlich der literaturwissenschaftlichen Darstellung und Analyse widmen. Daher werden die allgemeinen gesellschaftlichen Umstände sowie der feministische Standpunkt der Literaturwissenschaft nur eingangs eine Rolle spielen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die schöne Seele aus feministischer Sicht

3. Die schöne Seele in der Aufklärung

3.1 Die schöne Seele im Rokoko

3.2 Die schöne Seele in der Empfindsamkeit

3.3 Die schöne Seele als Aufklärungskritik

4. Die schöne Seele in der Klassik

4.1 Schiller und die schöne Seele

4.2 Goethe und die schöne Seele

5. Der Verlust der schönen Seele

5.1 Kleist und die schöne Seele

5.2 Absage an die schöne Seele

6. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das literarische und philosophische Ideal der „schönen Seele“ im 18. Jahrhundert, dessen theoretischen Höhepunkt in der deutschen Klassik sowie den anschließenden Zerfall und das Verschwinden des Konzepts zu Beginn des 19. Jahrhunderts.

  • Entwicklung und Wandel des Ideals der schönen Seele im 18. Jahrhundert
  • Wechselspiel zwischen ästhetischer Theorie und literarischer Praxis
  • Die Rolle der schönen Seele im Kontext von Geschlechterdiskurs und Emanzipation
  • Philosophische Auseinandersetzung und Kritik durch Kleist, Hegel und Nietzsche

Auszug aus dem Buch

Schiller und die schöne Seele

Die Anmut wird zunächst als „willkürlich“ bezeichnet, d. h. für Schiller beweglich oder zufällig. Diese „unabsichtlich“ entstehende oder „bewegliche“ Anmut wird als solche empfunden, wenn sie Ausdruck von moralischen Empfindungen ist. Dementsprechend ist der Begriff der Anmut – oder auch der Grazie - verbunden mit einer ethischen Gesinnung und wird als persönlicher Verdienst bezeichnet, während die „architektonische Schönheit“ von der „Natur allein“ geschaffen wird (S. 262) und damit Gott - „dem Urheber der Natur“ - Ehre macht. Hiermit widersprach Schiller der Philosophie Kants, der das Schöne als einen Gegenstand uninteressierten Wohlgefallens29 und vor allem als subjektiv ansah. Schiller hingegen schafft mit der Anmut eine Kategorie der (moralischen) Schönheit, die sich physisch ausdrückt und objektiv wahrnehmbar ist. Gleichzeitig überwindet er Kants strikte Trennung von Sittlichkeit und Vernunft, indem er sie im ästhetischen Ideal der Harmonie vereint. Wie schon im Rokoko bei Wieland liegt eine Synthese von Sinnlichkeit und Vernunft zugrunde (s. 3.1):

In einer schönen Seele ist es also, wo Sinnlichkeit und Vernunft, Pflicht und Neigung harmoniren, und Grazie ist ihr Ausdruck in der Erscheinung. (Schiller: S. 288)

Eine schöne Seele nennt man es, wenn sich das sittliche Gefühl aller Empfindungen des Menschen bis zu dem Grad versichert hat, daß es dem Affekt die Leitung des Willens ohne Scheu überlassen darf, und nie Gefahr läuft, mit den Entscheidungen desselben im Widerspruch zu stehen. (Schiller: S. 287)

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Definition des Begriffs der schönen Seele und Darlegung des Untersuchungsgegenstandes sowie der methodischen Herangehensweise.

2. Die schöne Seele aus feministischer Sicht: Analyse der gesellschaftlichen Umstände und der Rolle der Frau im 18. Jahrhundert im Kontext des Geschlechterdiskurses.

3. Die schöne Seele in der Aufklärung: Untersuchung der Präsenz des Ideals in den Strömungen Rokoko, Empfindsamkeit und als Mittel der Aufklärungskritik.

4. Die schöne Seele in der Klassik: Erörterung des theoretischen Höhepunkts des Ideals bei Schiller und dessen literarischer Ausgestaltung bei Goethe.

5. Der Verlust der schönen Seele: Aufzeigen des Wandels im 19. Jahrhundert und der Dekonstruktion des Ideals durch Kleist, Hegel und Nietzsche.

6. Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse zur Entwicklung und zum Verschwinden des Ideals der schönen Seele.

Schlüsselwörter

Schöne Seele, 18. Jahrhundert, Aufklärung, Klassik, Friedrich Schiller, Johann Wolfgang von Goethe, Heinrich von Kleist, Empfindsamkeit, Rokoko, Ästhetik, Anmut, Grazie, Tugendideal, Vernunft, Sinnlichkeit

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Arbeit untersucht das Ideal der „schönen Seele“ als literarisches und philosophisches Konzept, das im 18. Jahrhundert maßgeblich war und im 19. Jahrhundert zunehmend an Bedeutung verlor.

Welche Themenfelder werden zentral behandelt?

Zentrale Themen sind die Verbindung von Vernunft und Sinnlichkeit, das Ideal der menschlichen Harmonie, gesellschaftliche Rollenbilder sowie die kritische Abkehr von diesem Ideal in der Philosophie des 19. Jahrhunderts.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die Genese des Ideals in der Aufklärung, seinen Höhepunkt in der Weimarer Klassik und sein Scheitern bzw. Verschwinden anhand literarischer und philosophischer Werke nachzuzeichnen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die philosophisch-ästhetische Strömungen miteinbezieht und sich auf eine Auswahl kanonischer Texte und Forschungsbeiträge stützt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der schönen Seele im 18. Jahrhundert (Aufklärung/Klassik) und ihren Wandel bzw. ihre Absage im 19. Jahrhundert anhand von Autoren wie Schiller, Goethe, Kleist, Hegel und Nietzsche.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit ist durch Begriffe wie Schöne Seele, Ästhetik, Moral, Anmut, Grazie und die historische Abfolge von Aufklärung bis zum 19. Jahrhundert charakterisiert.

Wie bewertet Kleist das Konzept der schönen Seele?

Kleist betrachtet das Ideal skeptisch; in seiner Erzählung „Über das Marionettentheater“ zeigt er auf, dass das menschliche Bewusstsein und die Reflexion die ursprüngliche, natürliche Anmut zerstören.

Wie unterscheidet sich Hegels Sicht von der Schillers?

Während Schiller die schöne Seele als erstrebenswertes, harmonisches Ideal begreift, lehnt Hegel sie als eine „reine Abstraktion“ und „unglückliches Bewusstsein“ ab, da sie einen unauflösbaren Widerspruch zwischen Pflicht und Sinnlichkeit enthalte.

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Details

Title
Die schöne Seele
Subtitle
Ein Ideal des 18. Jahrhunderts verschwindet im 19. Jahrhundert
College
Free University of Berlin  (Fachbereich Philosophie und Geisteswissenschaften)
Course
Die schöne Seele
Grade
1,3
Author
Anna-Luise Langner (Author)
Publication Year
2007
Pages
18
Catalog Number
V93644
ISBN (eBook)
9783640100378
ISBN (Book)
9783640122905
Language
German
Tags
Seele schoene Seele Ideal Brittnacher Schiller Goethe
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anna-Luise Langner (Author), 2007, Die schöne Seele, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93644
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