Im Folgenden möchte ich mich der Darstellung und Interpretation des Absurden in Valle-Incláns Esperpento „La hija del capitán“ widmen. Ziel ist es, die Mittel zu analysieren, mit welchen der Autor Absurdität und Distanz zum Dargestellten erzeugt. Gleichzeitig soll die Wirkungsabsicht und damit die implizite Kritik Valle-Incláns an seiner Zeit heraus-gearbeitet werden.
Zunächst stelle ich die Esperpentos und ihr Verfahren im Allgemeinen dar. Anschließend soll das Stück „La hija del capitán“ näher in den Blickpunkt gerückt werden. Nach der Betrachtung der politisch-historischen Hintergründe sowie der Rezeptionsgeschichte untersuche ich die Figuren des Stücks, um anhand von Zitaten ihre Grenzüberschreitungen und deren Wirkung zu interpretieren. Dabei bleibt das Augenmerk auf La Sinibalda, den Hauptmann, den General und den Monarchen sowie ihre distanzierte Darstellungs-perspektive beschränkt. Es kann somit nicht auf sämtliche Figuren und Aspekte des Stücks eingegangen werden.
Abschließend gehe ich der Frage nach, ob Valle-Inclán und seine Esperpentos eher dem Existenzialismus oder dem Theater des Absurden näherstehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Esperpentos von Valle-Inclán
3. Das Verfahren der Esperpentos
4. “La hija del capitán”
4.1 Politischer und historischer Hintergrund
4.2 Rezeptionsgeschichte
5. Die Figuren und ihre Funktion
5.1 La Sinibalda
5.1.1 Der Anfang
5.1.2 Das Ende
5.2 Der Hauptmann
5.3 Der General
5.4 Der Monarch
6. Absurdität im 20. Jahrhundert
6.1 Valle-Inclán und der Existenzialismus
6.2 Valle-Inclán und das Theater des Absurden
7. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert die Darstellung und Interpretation des Absurden in Ramón del Valle-Incláns Werk „La hija del capitán“. Ziel ist es, die ästhetischen Mittel und Perspektiven zu untersuchen, mit denen der Autor eine distanzierte Sichtweise auf das Geschehen erzeugt, um dadurch eine implizite Kritik an der politischen und gesellschaftlichen Realität seiner Zeit zu üben.
- Analyse des ästhetischen Verfahrens der „Esperpentos“
- Untersuchung der Figurengestaltung und ihrer Funktion im Hinblick auf den Kontrast zwischen Realität und Darstellung
- Bezugnahme auf politisch-historische Hintergründe wie den Staatsstreich von Primo de Rivera
- Erörterung der Einordnung Valle-Incláns zwischen Existenzialismus und Theater des Absurden
Auszug aus dem Buch
5.1.1 Der Anfang
In der ersten Szene wird sie als Frau eingeführt, die von ihrem Vater zu seinem eigenen Vorteil an den General verkauft wird. Deutlich ist dann auch ihre Ausrichtung nach Geld zu erkennen. Sie macht deutlich, dass sie El Golfante nur folgen wird, wenn er ihr finanziell genügend bietet:
La mujer en mi caso, con un amigo que nada le niega, está obligada a un miramiento que ni las casadas. (S. 181)
Tú has podido sacarme de la casa de mi padre. ¿Que no tenías modo de vida? Pues atente las consecuencias. ¿Lo tienes ahora? Pronto estoy a seguirte. (S. 182)
Diese Orientierung nach dem Geld vertritt sie mit kühler Bestimmtheit, obwohl sie nicht verschweigt, dass sie eigentlich Gefühle für El Golfante hegt:
Tú nada podías ofrecerme. Pero con todo de no tener nada, de haber sido menos loco, por mi voluntad nunca hubiera dejado de verte. Te quise y te quiero. No seas loco. Apártate ahora. (S. 184)
Auf diese Weise lässt Valle-Inclán keine Sympathie mit La Sini aufkommen. Sie befindet sich nicht in einem Gefühlskonflikt, so dass der Zuschauer kein Mitleid mit ihrer Lage empfindet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der Forschungsfrage zur Darstellung des Absurden und der methodischen Herangehensweise an Valle-Incláns Werk.
2. Die Esperpentos von Valle-Inclán: Überblick über die als Esperpentos klassifizierten Theaterstücke und ihre Einbettung in die literarische Tradition.
3. Das Verfahren der Esperpentos: Erläuterung der Ästhetik des konkaven Spiegels, um klassische Normen zu deformieren und zu kritisieren.
4. “La hija del capitán”: Analyse der historischen Bezugspunkte, insbesondere der Militärdiktatur und des Mordfalls von 1913, sowie der Rezeptionsgeschichte.
5. Die Figuren und ihre Funktion: Detaillierte Untersuchung von La Sinibalda, dem Hauptmann, dem General und dem Monarchen hinsichtlich ihrer grotesken Darstellung.
6. Absurdität im 20. Jahrhundert: Reflexion über die Zuordnung Valle-Incláns zu existenzialistischen Strömungen oder dem Theater des Absurden.
7. Zusammenfassung: Resümee der Analyseergebnisse und Bestätigung von Valle-Inclán als Wegbereiter für spätere dramaturgische Ansätze.
Schlüsselwörter
Ramón del Valle-Inclán, Esperpento, La hija del capitán, Theater des Absurden, Existenzialismus, Groteske, Distanzierung, Politische Satire, Militärdiktatur, Dramaturgie, La Sinibalda, Zuschauerdistanz, Avantgarde, spanische Literatur, Ästhetik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Theaterstück „La hija del capitán“ von Ramón del Valle-Inclán und dessen spezifische ästhetische Form, den sogenannten „Esperpento“.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die Mittel der grotesken Verformung, die politische Gesellschaftskritik, die Funktion der Figuren und der Kontrast zwischen moralischem Anspruch und realem Handeln.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Valle-Inclán durch eine distanzierte Erzählweise Absurdität erzeugt und damit eine Kritik an der damaligen politischen Situation in Spanien formuliert.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Die Autorin verwendet eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Text des Stücks, Szeneanweisungen und Zitate untersucht und diese in Bezug zur Sekundärliteratur setzt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der theoretischen Grundlagen der Esperpentos, eine historische Kontextualisierung und eine detaillierte Charakteranalyse der Hauptfiguren.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Esperpento, Absurdität, politische Satire, Distanzierung, Groteske und die gesellschaftskritische Auseinandersetzung mit der Militärdiktatur.
Warum ist die Figur La Sinibalda laut der Autorin keine klassische Protagonistin?
Weil das Stück laut Analyse keine ausdrückliche Hauptfigur besitzt und die Darstellung der Figuren bewusst auf eine Identifikation durch den Zuschauer verzichtet, indem psychologische Tiefe fehlt.
Wie kommentiert das Stück die Rolle des Militärs und der Monarchie?
Durch die groteske Überspitzung der politischen Akteure als opportunistische Egomanen, die ihre persönlichen Interessen unter dem Deckmantel von Patriotismus und Ehre verfolgen.
Inwiefern beeinflusste die Zeitgeschichte das Stück „La hija del capitán“?
Das Stück verarbeitet historische Ereignisse wie den Staatsstreich von Primo de Rivera und einen Aufsehen erregenden Mordfall, um die Absurdität der zeitgenössischen politischen Verhältnisse zu demaskieren.
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- Anna-Luise Langner (Author), 2007, Der Esperpento "La hija del capitán" von Ramon del Valle-Inclán, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93646