Netzplantechnik als Mittel zur Terminplanung für Bauträger. Einzelvergabe von Wohnbauprojekten


Bachelorarbeit, 2020

62 Seiten, Note: 1,00


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Danksagung

Kurzfassung

Abstract

Abkürzungsverzeichnis

Schlüsselbegriffe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Motivation und Problemdefinition
1.2 Ziel der gegenständlichen Arbeit
1.3 Methodik
1.4 Aufbau der Arbeit

2. Terminmanagement im Bauwesen
2.1 Die Besonderheiten eines Bauprojektes
2.2 Das Terminmanagement nach der ÖNORM B1801-1
2.3 Die Darstellungsformen von Terminplänen
2.3.1 Terminliste
2.3.2 Liniendiagramm
2.3.3 Balkenplan
2.3.4 Bauphasenplan
2.3.5 Netzplan
2.4 Zwischenfazit

3. Die Netzplantechnik im Bauwesen
3.1 Die Netzplantechnik
3.2 Die Methodik
3.2.1 Eingangsdaten für eine Netzplanberechnung
3.2.2 Berechnung des Netzplanes
3.2.3 Berechnung der Pufferzeiten
3.2.4 Ermittlung des kritischen Weges
3.3 Die Anwendungsgebiete
3.4 Die Vor- und Nachteile
3.5 Zwischenfazit

4. Fallanwendung der Netzplantechnik
4.1 Darstellung des Fallbeispiels
4.2 Exkurs: Der Bauträger
4.3 Exkurs: Die Einzelvergabe bei Wohnbauprojekten
4.4 Analyse des Fallbeispiels
4.4.1 Mögliche Auswirkung der Netzplantechnik auf die Termine
4.4.2 Mögliche Auswirkung der Netzplantechnik auf die Kosten

5. Zusammenfassung und Ausblick
5.1 Zusammenfassung
5.2 Kritische Diskussion und Ausblick

Quellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Danksagung

An dieser Stelle möchte ich meiner Betreuerin, Frau Dipl.-Ing. (FH) Carmen Dilch, MSc, MRICS, für ihre effektive, fachliche und hilfreiche Unterstützung zur Entstehung dieser Arbeit danken.

Ganz besonderer Dank gebührt meiner Familie und Freundin für die tatkräftige Unterstützung und Motivation. Sie haben stets an mich geglaubt und mir immer wieder Rückhalt gegeben - Danke dafür!

Kurzfassung

Die Errichtung von Wohnbauprojekten in Österreich nimmt stetig zu und wird mit steigenden Anforderungen an die Terminplanung konfrontiert. Die gegenständige Bachelorarbeit beschäftigt sich mit der Netzplantechnik als Werkzeug zur Terminplanung und erörtert ihren Mehrwert bei der Errichtung von Wohnbauprojekten.

Um Störungen im allgemeinen Ablauf von Bauprojekten gering zu halten, kann sich das Projektmanagement u.a. der Netzplantechnik als Hilfsmittel zur Terminplanung bedienen. Es ermöglicht sowohl parallel ablaufende Vorgänge, als auch sehr komplexe Abhängigkeiten zwischen diesen darzustellen. Die Netzplantechnik ist ein weit verbreitetes Verfahren, welches vor allem im Bauwesen zur Analyse, Beschreibung, Planung, Steuerung und Überwachung von Projektabläufen angewandt wird.

In dieser Bachelorarbeit wird ein Überblick der relevanten Darstellungsformen von Terminplänen gegeben und das nötige Basiswissen für die Terminplanung vermittelt. Zudem wird die grundsätzliche Methodik der Netzplantechnik erörtert, die im weiteren Verlauf an einem realen Beispiel Anwendung findet.

Grundlegendes Ziel dieser Arbeit ist die Analyse eines realen Fallbeispiels mit und ohne Einsatz der Netzplantechnik. Schließlich soll hinterfragt werden, ob der Einsatz dieser Methode immer sinnvoll ist, ohne jedoch die anderen wertvollen Planungsmöglichkeiten zu verwerfen.

Abstract

The construction of residential projects in Austria are steadily increasing and confronted with increasing requirements for scheduling. This bachelor thesis deals with precedence diagram method as a tool for scheduling and discusses its value for the construction of residential projects.

In order to avoid disruptions in the general course of construction projects, the project management uses the precedence diagram method as a tool for scheduling. It enables simultaneous processes as well as very complex dependencies to be shown between them. The precedence diagram method is a widespread method that is used primarily in the construction industry for analysis, description, planning, control and monitoring of project processes.

In this bachelor thesis, an overview of the relevant forms of presentation of schedules and the necessary basic knowledge for scheduling is given. Furthermore, the basic methodology of the precedence diagram method is discussed, which will be used in the further course on a real example.

The basic goal of this work is an analysis of a real case study with and without the use of the precedence diagram method. Finally, it should be questioned whether the use of this method always makes sense without discarding the other valuable planning options.

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Schlüsselbegriffe

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. EINLEITUNG

Vor allem im Bauwesen werden Zwischen- und Endtermine vertraglich festgehalten, die bei Verzug pönalisiert werden. Meistens sind die Terminvorgaben des Bauherrn von sich aus schon sehr knapp gehalten, somit bedarf es eines vernünftigen Terminmanagements. Üblicherweise führt eine ungenaue bzw. schlechte Terminplanung zu Störungen im Bauablauf, die zu erheblichen Mehrkosten führen können. Je nach Komplexität des Projektes bzw. der Projektgröße bietet sich die Netzplantechnik an, um die komplexen Abläufe und Abhängigkeiten darzustellen.

Die vorliegende Arbeit widmet sich dem Thema Terminmanagement und fokussiert sich speziell auf die Netzplantechnik. Es wird untersucht, inwieweit und in welcher Form die Netzplantechnik bei der Abwicklung von Wohnbauprojekten in Einzelvergaben sinnvoll ist.

Im gegenständlichen Kapitel wird die Themenwahl der vorliegenden Arbeit, sowie die Problemdefinition mit der Beschreibung der zentralen Fragestellung erläutert. Anschließend werden die Zieldefinition und der Inhalt der Arbeit in einem kurzen Überblick dargestellt, sowie die Methodik zur Beantwortung der Fragestellung.

1.1 Motivation und Problemdefinition

Für die Umsetzung eines erfolgreichen Wohnbauprojektes darf der terminliche Aspekt nicht vernachlässigt werden. Dieser hat mindestens einen genauso großen Stellenwert wie die Kosten und Qualität eines Bauvorhabens. Im Zeitalter von „Termindruck und Pönale“ bedeutet eine längere Bauzeit meistens höhere Kosten, denn schließlich wird ein Projekt nach seiner Wirtschaftlichkeit beurteilt. Demzufolge hat die Einhaltung der Termine bei einem Bauprojekt eine große Gewichtung inne und die laufende Kontrolle und Steuerung des Terminplanes spielt eine wesentliche Rolle für Unternehmen.

Wohnbauprojekte bedürfen daher in jeder Projektphase klare und umfassende Terminpläne. In der Praxis zeigt sich jedoch immer wieder, dass Bauträger mit Kosten- und Terminüberschreitungen zu kämpfen haben. Daraus erschließt sich, dass Wohnbauprojekte trotzdem oft mit mangelhaften Terminplänen abgewickelt werden.

1.2 Ziel der gegenständlichen Arbeit

Im Rahmen dieser Bachelorarbeit sollen die wichtigsten Techniken der Terminplanung erläutert werden, wobei die Netzplantechnik im Detail beleuchtet wird. Des Weiteren werden die Techniken der Terminplanung gegenübergestellt und hierdurch sollen die Vor- und Nachteile der Netzplantechnik im Vergleich zu anderen Techniken aufgezeigt werden.

Das übergeordnete Ziel dieser Bachelorarbeit ist schlussendlich eine Analyse und Gegenüberstellung der Termineinhaltung anhand eines konkreten Wohnbauprojektes mit und ohne Einsatz der Netzplantechnik als Termin Management Methode aus Sicht eines Bauträgers. Dies soll die wissenschaftliche Fragestellung beantworten, ob sich die detaillierte Erstellung eines Netzplanes positiv auf die Termineinhaltung eines konkreten Bauvorhabens auswirkt und welche Auswirkungen dies auf die Kosten gehabt hätte.

1.3 Methodik

Im ersten Schritt werden alle relevanten Techniken und Fachbegriffe im Zusammenhang mit Terminmanagement mittels einer Literatur- und Internetrecherche erläutert. Auch werden die Besonderheiten eines Bauprojektes samt seiner Projektphasen definiert. Anschließend wird die Netzplantechnik näher erklärt und die genaue Methodik beschrieben. Zum Schluss wird mittels eines Fallbeispiels der Einfluss der Netzplantechnik auf ein konkretes Wohnbauprojekt analysiert.

1.4 Aufbau der Arbeit

Im 1. Kapitel dieser Bachelorarbeit erfolgt eine kurze Einleitung, in der die Motivation dieser Arbeit beschrieben und die wissenschaftliche Fragestellung abgeleitet wird.

Außerdem wird die methodische Vorgangsweise angeführt und eine Übersicht des Aufbaus der Arbeit gegeben.

Anschließend werden im 2. Kapitel die Grundlagen eines Bauprojektes und dessen Projektphasen erklärt, um im weiteren Verlauf die Methoden des Terminmanagements im Bauwesen zu erörtern.

Die Netzplantechnik im Bauwesen wird im 3. Kapitel definiert und die genaue Methodik dieser Technik beschrieben, wie auch deren Vor- und Nachteile gegenüber anderen Techniken.

Das 4. Kapitel beinhaltet eine Analyse und Gegenüberstellung der Termintreue anhand eines konkreten Bauprojekts mit und ohne Einsatz der Netzplantechnik. Darüber hinaus wird hier auch der wirtschaftliche Aspekt begutachtet und ermittelt in wie weit sich aufgrund der Netzplantechnik diverse Abläufe und Termine verändern bzw. auch verbessert werden können.

Zu guter Letzt erfolgt im letzten Kapitel die Zusammenfassung der wichtigsten, im Zuge der Erstellung dieser Bachelorarbeit, gewonnenen Erkenntnisse. Aufgrund dessen werden Empfehlungen ausgearbeitet und abschließend ein Resümee gezogen.

2. TERMINMANAGEMENT IM BAUWESEN

„Der Anspruch an das Terminmanagement ist in den letzten Jahren stetig gewachsen. Immer kürzere Innovationszyklen innerhalb des Technologie- und Dienstleistungssektors wirken sich auch auf die Abwicklung von Bauprojekten aus.“1 Laut der Wirtschaftskammer Österreich gab es 2.816 Bauträger (Stand 31.12.2019), die in der Immobilienbranche tätig waren.2 Diese müssen sich am stark umkämpften Immobilienmarkt behaupten, indem sie mit marktkonformen Preisen ihre entwickelten Immobilien möglichst schnell veräußern. Somit liegt das Ziel darin, ein Projekt zügig zu entwickeln und zu veräußern, damit das gebundene Kapital ausgelöst und ins nächste Projekt reinvestiert werden kann. Dieselbe Grundidee ist auch beim klassischen Baumeister zu erkennen, dessen Ziel es ist ein Bauprojekt schnellstmöglich fertigzustellen, um sich sein Werk vergüten zu lassen und ein Nächstes beginnen zu können.

Die Voraussetzung für schnelle Projektdurchlaufzeiten sind kurze Realisierungsphasen, welche nur durch simultan ablaufende Planung, Rohbauerstellung und Ausbau erreicht werden können. Hierfür ist u.a. eine vernünftige Planung der Termine notwendig, wobei schon vor Projektbeginn ein Terminrahmen vorliegen sollte. Dieser soll den terminlichen Ablauf von wesentlichen Leistungen unter Einbezug der dafür benötigen Kapazitäten darstellen, damit der Übergang von Planung zu Ausführung reibungslos erfolgen kann. Die Praxis zeigt, dass die meisten Verzögerungen im späteren Bauprozess in der Planungsphase verursacht werden.3

2.1 Die Besonderheiten eines Bauprojektes

Die DIN 69901-5:2009 definiert ein Projekt als ein „Vorhaben, das im Wesentlichen durch die Einmaligkeit der Bedingungen in ihrer Gesamtheit gekennzeichnet ist, z.B.: Zielvorgabe, zeitliche, finanzielle, personelle und andere Begrenzungen, Abgrenzungen gegenüber anderen Vorhaben und projektspezifische Organisation.“4

Patzak und Rattay weisen einem Projekt folgende Besonderheiten zu:

- einmalig
- zeitlich begrenzt
- neuartig
- zielorientiert
- komplex, dynamisch
- interdisziplinär
- bedeutend5

Somit ist jedes Bauprojekt ein einzigartiges Vorhaben, das alle oben genannten Besonderheiten aufweist. Aufgrund dieser Komplexität erfordert jedes Bauprojekt ein differenziertes und den Umständen angepasstes Projektmanagement.

Die DIN 69901-5:2009-01 definiert Projektmanagement folgendermaßen: „Gesamtheit von Führungsaufgaben, -organisation, -techniken und -mitteln für die Initiierung, Definition, Planung, Steuerung und den Abschluss von Projekten.“6 Im Sinne eines erfolgreichen Projektmanagements bedarf es u.a. eines Terminmanagements. Für eine termingerechte Umsetzung eines Bauprojektes ist vor allem eine qualitätsvolle Terminplanung zu erstellen, wobei hier ein umfassendes baubetriebliches Wissen von großer Bedeutung ist.

2.2 Das Terminmanagement nach der ÖNORM B1801-1

Management bedeutet im Prinzip planen (=Ziel vorgeben), steuern und kontrollieren. Des Weiteren bedeutet Managen „messbar“ machen. Deswegen ist es wichtig im Terminmanagement ein Ziel vorzugeben, welches wiederum messbar ist. Ein Bauprojekt kann sehr variabel sein und es kommt „gezwungener Weise“ immer zu nicht geplanten Abweichungen, auf die reagiert werden muss.

Termin leitet sich aus dem lateinischen Wort „terminus“ ab und bedeutet so viel wie Ziel bzw. Ende. Die ÖNORM B1801-1 Pkt. 4.4 definiert die Terminplanung folgendermaßen: „Terminplanung (gemäß Abb. 1) umfasst Ermittlung, Vorgabe und Feststellung von Terminen und Ressourcen als Teil des Terminmanagements, welches Planung, Kontrolle und Steuerung umfasst.“7

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Terminplanung bezogen auf die Projektphasen Der in Abbildung 1 hervorgehobene Handlungsbereich umfasst sowohl Termine, als auch Ressourcen, die als Vorgabe für die Terminplanung der jeweiligen Projektphasen dienen. Ein Bauprojekt ist, wie bereits erläutert, des Öfteren ausgesprochen komplex, somit ist es essenziell sich am Anfang einen fundierten Überblick zu verschaffen. Sämtliche Aufgaben müssen akkurat eingeteilt und strukturiert werden. Im Wohnhausbau können universal gültige Projektphasen angewandt werden, die bereits von der ÖNORM B1801-1 (eine vom Austrian Standards Institute veröffentlichte nationale österreichische Norm) vorgegeben sind. Dies hilft u.a. einem Bauträger sein Projekt zu stückeln und die Terminplanung für die einzelnen Projektphasen genauer zu definieren.

Für die Planung der Termine gibt die ÖNORM B1801-1 nachfolgende Projektphasen vor:

- Entwicklungsphase
- Vorbereitungsphase
- Vorentwurfsphase
- Entwurfsphase
- Ausführungsphase
- Abschlussphase8

Die Terminkontrolle ist ein weiterer wesentlicher Bestandteil des Terminmanagements und ist nichts anderes als eine Fortschrittskontrolle. Terminkontrollen erfolgen sowohl auf Planungsmaßnahmen, als auch auf Errichtungsmaßnahmen. Dadurch können frühzeitig Abweichungen erkannt und eventuell notwendige Maßnahmen getroffen werden, die von der Projektleitung bestimmt werden. Die ÖNORM B1801-1 Pkt. 4.4.3 gibt folgende Grundsätze bezüglich der Terminsteuerung an:

- „Die Termine sind durch Anpassung von Ressourcen und/oder Qualität und Quantität einzuhalten.
- Die Termine sind bei definierten Ressourcen und/oder Qualität und Quantität anzupassen.“9

Ein Bauträger hat somit folgende Aufgabenstellungen in Bezug auf das Terminmanagement zu erfüllen:

- Festlegung des gesamten Projektzeitraumes in allen Projektphasen
- Terminliche Koordination der Planung, Ausschreibung und Vergabe
- Planung der Vertragstermine für die Ausführungsphase
- Vergleich der geplanten mit den tatsächlichen Terminen über alle Projektphasen10

Schlussendlich soll das Terminmanagement einen reibungslosen Ablauf eines Projektes mit möglichst schnellen Projektdurchlaufzeiten gewährleisten.

2.3 Die Darstellungsformen von Terminplänen

Für die Darstellung von terminlichen Abläufen sind verschiedene Methoden bekannt, wobei sich folgende für die Abwicklung von Bauprojekten bewährt haben:

- Terminliste bzw. Meilensteinplan
- Balkenplan
- Liniendiagramme bzw. Weg-Zeit-Diagramme
- Netzplan
- Bauphasenplan11

Die Wahl der Methode hängt von vielen Faktoren ab und ist u.a. abhängig vom Projekttyp und Informationsbedarf. In der heutigen Zeit werden die meisten Terminpläne mit Hilfe von Computerprogrammen erstellt, wie z.B. MS-Project oder Microsoft Excel.

2.3.1 Terminliste

Terminlisten kommen im Bauwesen oft zur Anwendung und stellen eine einfache Methode dar, um Vorgänge gut leserlich in tabellarischer Form darzustellen. Eine Terminliste weist zumindest folgende vier Spalten auf:

- Nummer des Vorgangs
- Vorgangsbeschreibung
- Beginn des Vorgangs - Soll und Ist [Datum]
- Ende des Vorgangs - Soll und Ist [Datum]

Darüber hinaus können weitere Informationen hinzugefügt werden, wie die Dauer des Vorgangs oder die notwendigen Ressourcen. Die Vorteile der Terminliste sind die einfache Erstellung und ein leicht verständlicher Terminplan. Auch dienen sie zur einfachen Ablaufkontrolle, um das geplante Soll mit dem Ist zu vergleichen, wie in Tab. 1 abgebildet.12

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Schematische Darstellung Terminliste

2.3.2 Liniendiagramm

Im Bauwesen finden Liniendiagramme oft als Weg-Zeit-Diagramm, Mengen-Zeit- Diagramm oder Leistungs-Zeit-Diagramm ihre Anwendung. Diese Methodik wird häufig bei Projekten verwendet, die eine Hauptfertigungsrichtung besitzen. Dies wären so genannte Linienbaustellen, wie z.B. im Straßen- oder Tunnelbau. Jedoch ist auch der Einsatz bei Hochbauprojekten möglich, solange das Bauprojekt aus mehreren sich wiederholenden Folgen besteht, wie z.B. bei einem Hochhaus.13

Aus dieser Darstellungsform sind somit nicht nur der Arbeitsvorgang und die Dauer abzulesen, sondern auch der zurückgelegte Weg bzw. die geleistete Menge. Ein großer Vorteil dieser Darstellungsform ist, dass durch die Neigung der aufgetragenen Linien die Leistung relativ schnell abgelesen werden kann. Somit können etwaige Konfliktpunkte frühzeitig erkannt werden. Der Nachteil hingegen ist, dass Liniendiagramme nur begrenzt einsetzbar sind und Abhängigkeiten kaum dargestellt werden können.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Weg-Zeit-Diagramm

2.3.3 Balkenplan

Gemäß Patzak und Rattay ist der Balkenplan „eine grafische Umsetzung der Terminliste unter Einbezug der Dauern als Durchlaufzeiten. Aus dem Balkenplan sind die terminliche Lage wie auch die Dauer der Arbeitspakete bzw. Vorgänge ersichtlich.“14 Der Balkenplan ist die weitverbreitetste Methode zur Darstellung von Terminplänen, da sie durch Übersichtlichkeit punkten kann. Es ist zu unterscheiden zwischen einfachen Balkenplänen ohne Anordnungsbeziehungen und vernetzten Balkenplänen, wodurch die Anordnungsbeziehungen der Vorgänge dargestellt werden.

Prinzipiell werden die Vorgänge tabellarisch auf einer senkrechten Achse aufgelistet, wobei jedem Vorgang ein horizontaler Balken mit der jeweiligen Dauer des Vorgangs zugeordnet wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Einfacher Balkenplan (ohne Anordnungsbeziehungen)

Einfache Balkenpläne liefern jedoch keine Information über die Beziehungen zwischen den Vorgängen untereinander. Die zeitliche Überschneidung von verschiedenen Vorgängen ist zwar bei kleinen Projekten ersichtlich, jedoch würde bei größeren Bauprojekten mit einer Vielzahl von Vorgängen der Vorteil der Übersichtlichkeit schwinden, da die Abhängigkeiten nicht mehr zu erkennen wären. Dank verschiedenster EDV-Programme ist es mittlerweile möglich vernetzte Balkenpläne zu erstellen, die um logische und ressourcenbedingte Abhängigkeiten ergänzt werden können.15 Diese Beziehungen werden meistens durch Pfeile dargestellt und dienen zum Erkennen von kritischen Wegen. Die durch die Netzplantechnik erworbenen Kenntnisse für Zusammenhänge der Abläufe ermöglichen es den Projektablauf als Balkenplan darzustellen, obwohl die Terminplanung mit dem Grundgedanken der Netzplantechnik durchgeführt wurde.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Vernetzter Balkenplan

2.3.4 Bauphasenplan

Bauphasenpläne zeigen den Baufortschritt graphisch an und können entweder in 2D oder als 3D-CAD Modell dargestellt werden. „Diese Darstellungsart ist z.B. besonders anschaulich bei großen und komplizierten Baustellen, sich ständig verlagernden Verkehrsflüssen, häufigen Umzügen der Nutzer durch veränderte Raumnutzungen usw.“16. Ein großer Vorteil dieser Darstellungsform ist die bildhafte Abbildung eines Baufortschrittes, die auch für „Laien“ verständlich sind.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Graphische Soll-Vorgaben für Hochbauprojekt in 2-Monats-Schritten

2.3.5 Netzplan

Aufgrund der großen Bedeutung der Netzplantechnik in dieser Bachelorarbeit wird der Netzplan im Kapitel 3 genauer erläutert.

2.4 Zwischenfazit

Alle Bauprojekte besitzen Merkmale, wie Einmaligkeit, begrenzte Ressourcen, Neuartigkeit, Zielvorgabe, Komplexität, Interdisziplinarität und fallen somit unter den Begriff „Projekt“. Projekte sind bekanntermaßen zeitlich abgegrenzte Vorhaben und definieren sich vor allem dadurch, dass an diesen mehrere Personen beteiligt sind. Demzufolge würde sich Projektmanagement für die erfolgreiche Durchführung eines Bauprojektes empfehlen. Terminmanagement im speziellen, als Teil des Projektmanagements, ist für die termingerechte Durchführung eines Projektes dienlich. Zur Darstellung terminlicher Abläufe stehen Balkenpläne, Terminlisten, Liniendiagramme, Bauphasenpläne und Netzpläne zur Verfügung. Es ist zu erwähnen, dass die sinnvollste Wahl der Darstellung von der Art und Größe des Projektes abhängt. In weiterer Folge dieser Bachelorarbeit wird die Netzplantechnik als Darstellungsform im Detail behandelt.

3. DIE NETZPLANTECHNIK IM BAUWESEN

Die Netzplantechnik hatte ihre Anfänge bereits in den 1950er Jahren in den Vereinigten Staaten und wurde speziell für die Planung von Atomkraftwerken, Chemieanlagen und militärischen Raketen entwickelt. Im Laufe der Zeit erfuhr sie eine stetige Weiterentwicklung und fand auch in Europa, vor allem in der Elektrotechnik, eine häufige Anwendung.17

Heutzutage wird die Netzplantechnik vor allem bei der Planung und Steuerung komplexer Projekte eingesetzt, wie z.B. im Flugzeugbau, Schiffsbau, Anlagenbau usw.18 Eine weitere bedeutende Anwendung der Netzplantechnik findet im Bauwesen statt und wird unwissentlich bei fast allen Bauprojekten angewandt. Die heute zur Verfügung stehenden Computerprogramme im Bereich des Projektmanagements, die u.a. der Terminplanung dienen, basieren großteils auf der Netzplantechnik (z.B.: MS Project).

In diesem Kapitel erfolgt eine Definition der Netzplantechnik sowie ihrer Methodik. Des Weiteren wird auf die Anwendungsgebiete der Netzplantechnik eingegangen und die Vor- und Nachteile gegenüber anderen Darstellungsformen erörtert.

3.1 Die Netzplantechnik

Gemäß herrschender Fachliteratur wird die Netzplantechnik grundsätzlich als eine Methode beschrieben, die zur Planung, Steuerung und Kontrolle von Abläufen eines Projektes dient. Des Weiteren wird ein Netzplan als eine graphische oder auch tabellarische Darstellung von Abläufen und deren Abhängigkeiten beschrieben.

[...]


1 Köchendörfer, Bern / Liebchen, Jens H.: Bau-Projekt-Management. Grundlagen und Vorgehensweisen. 5. Auflage. Berlin: Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2018. S.151.

2 Wirtschaftskammer Österreich: IMMOBILIEN- UND VERMÖGENSTREUHÄNDER: Branchendaten. In: URL: http://wko.at/statistik/BranchenFV/B_707.pdf (letzter Zugriff: 11.04.2020)

3 Köchendörfer, Bern / Liebchen, Jens H.: Bau-Projekt-Management. Grundlagen und Vorgehensweisen. 5. Auflage. Berlin: Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2018. S.151.

4 Peipe, Sabine: Crashkurs Projektmanagement. 5., aktualisierte Auflage 2011: Haufe-Lexware GmbH & Co. KG 2011. S.28.

5 Patzak Gerold, Rattay Günter: Projektmanagement. Projekte, Projektportfolios, Programme und projektorientierte Unternehmen. 7. Auflage. Wien: LINDE international 2017. S.18

6 DIN 69901-5. Projektmanagement - Projektmanagementsysteme - Teil 5 Begriffe. 2009-01. Deutsches Institut für Normung. S.14.

7 ÖNORM B 1801-1. Bauprojekt- und Objektmanagement - Objekterrichtung. 01.12.2015. Hrsg.: Austrian Standards Institute.

8 ÖNORM B 1801-1. Bauprojekt- und Objektmanagement - Objekterrichtung. 01.12.2015. Hrsg.: Austrian Standards Institute.

9 ÖNORM B 1801-1. Bauprojekt- und Objektmanagement - Objekterrichtung. 01.12.2015. Hrsg.: Austrian Standards Institute.

10 Köchendörfer, Bern / Liebchen, Jens H.: Bau-Projekt-Management. Grundlagen und Vorgehensweisen. 5. Auflage. Berlin: Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2018. S.151.

11 Volkmann, Walter: Terminmanagement. Kurzanleitung Heft 7. 1. Auflage. Duisburg: Springer­Verlag GmbH 2017. S.33.

12 Berner, Fritz / Kochendörfer, Bernd: Grundlagen der Baubetriebslehre 2. Baubetriebsplanung. 2. Auflage. Stuttgart/Berlin/Dresden: Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2013. S.43.

13 Köchendörfer, Bern / Liebchen, Jens H.: Bau-Projekt-Management. Grundlagen und Vorgehensweisen. 5. Auflage. Berlin: Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2018. S.155.

14 Patzak Gerold, Rattay Günter: Projektmanagement. Projekte, Projektportfolios, Programme und projektorientierte Unternehmen. 7. Auflage. Wien: LINDE international 2017. S.181

15 Köchendörfer, Bern / Liebchen, Jens H.: Bau-Projekt-Management. Grundlagen und Vorgehensweisen. 5. Auflage. Berlin: Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2018. S.153.

16 Volkmann, Walter: Terminmanagement. Kurzanleitung Heft 7. 1. Auflage. Duisburg: Springer- Verlag GmbH 2017. S.36.

17 Berner, Fritz/Köchendorfer, Bernd: Grundlagen der Baubetriebslehre 2. Baubetriebsplanung. 2. Auflage. Stuttgart, Berlin und Dresden: Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2013. S.111.

18 Berner, Fritz/Köchendorfer, Bernd: Grundlagen der Baubetriebslehre 2. Baubetriebsplanung. 2. Auflage. Stuttgart, Berlin und Dresden: Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2013. S.111.

Ende der Leseprobe aus 62 Seiten

Details

Titel
Netzplantechnik als Mittel zur Terminplanung für Bauträger. Einzelvergabe von Wohnbauprojekten
Hochschule
FH Campus Wien  (Bauingenieurwesen)
Note
1,00
Autor
Jahr
2020
Seiten
62
Katalognummer
V936483
ISBN (eBook)
9783346303165
Sprache
Deutsch
Schlagworte
netzplantechnik, mittel, terminplanung, bauträger, einzelvergabe, wohnbauprojekten
Arbeit zitieren
Mahir Alitovic (Autor), 2020, Netzplantechnik als Mittel zur Terminplanung für Bauträger. Einzelvergabe von Wohnbauprojekten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/936483

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