In der vorliegenden Arbeit wird eine empirische Untersuchung zur Argumentrealisierung nominalisierter Infinitive durchgeführt. Anhand einer Fragebogenstudie soll getestet werden, inwieweit die Argumentvererbung von der Telizität des zugrunde liegenden transitiven Verbs beeinflusst wird.
Anders als verbalen Argumenten stehen Argumenten von Nominalisierungen kein Nominativ, Dativ oder Akkusativ zur Verfügung. Sie können nur als prä- und postnominaler Genitiv sowie als Präpositionalkasus realisiert werden. Die sich daraus ergebenden Widersprüche zwischen verbaler und substantivischer Konstruktionsweise haben unter anderem zur Folge, dass das Subjekt und das Objekt nicht gleichermaßen alternativ vererbt werden.
Bezugnehmend auf Welke soll die Annahme geprüft werden, ob für transitive telische Verben Objektvererbung typisch ist, während bei transitiven atelischen Verben ein relatives Gleichgewicht von Subjekt- und Objektvererbung vorliegt.
Bei der Auswahl der Basisverben wurde darauf geachtet, nicht bereits lexikalisierte Infinitivnominalisierungen (z. B. das Essen) heranzuziehen. Zudem wurden ausschließlich Ereignisnominalisierungen ausgewählt, um die Interpretation des Genitivattributs möglichst konstant zu halten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlagen und Begriffe
2.1 Verb-Nominalisierung im Deutschen
2.2 Argumentvererbung
2.3 Aktionsart
3. Die Ausgangs- und Forschungshypothesen
4. Die Akzeptabilitätsstudie
4.1 Testitems
4.2 Fragebogen
4.3 Probanden
5. Ergebnisse
6. Zusammenfassung der Arbeit und Diskussion der Ergebnisse
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht empirisch, inwieweit die Argumentvererbung bei Infinitivnominalisierungen im Deutschen durch die Telizität des zugrunde liegenden transitiven Verbs beeinflusst wird. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob und wie Subjekt- und Objektvererbung in Abhängigkeit von telischen und atelischen Verben realisiert werden.
- Empirische Akzeptabilitätsstudie zu Infinitivnominalisierungen
- Einfluss der Telizität und Atelizität auf die Argumentvererbung
- Vergleich von Subjekt- und Objektvererbung mittels Genitivattribut
- Analyse der verbalen vs. substantivischen Konstruktionsweise
- Statistische Auswertung mittels mixed-effects ordered logistic regression model
Auszug aus dem Buch
2.3 Aktionsart
Um die Argumentvererbung von Verben an ihre Nominalisierungen untersuchen zu können, muss auch der innere temporale Aufbau der Situation betrachtet werden, die das Verb bezeichnet. Man spricht in diesem Zusammenhang von Aktionsart des Verbs (vgl. Primus 2012: 8). Als maßgebend wird bis heute Zeno Vendlers Arbeit (1957) angesehen, der zufolge sich Verben in vier Aktionsarten unterteilen lassen: States, Activities, Accomplishments und Achievements (vgl. Schenk 2014: 7f.).
Als States werden Verben klassifiziert, die statische Zustände oder Eigenschaften benennen, wie heißen, wissen oder existieren. Charakteristisch für States ist, dass sie Situationen bezeichnen, die nicht in der Zeit ablaufen und keine Zustandsveränderung enthalten (vgl. Primus 2012: 8). Daraus ergibt sich unter anderem, dass States weder die rheinische Verlaufsform noch den Imperativ zulassen (vgl. Meibauer et al. 2007: 195).
Als Activities werden „dynamische Vorgänge, Tätigkeiten und Handlungen“ (Primus 2012: 8) bezeichnet, die „homogen in der Zeit fortschreiten, wobei jeder Teil des Prozesses von derselben Art wie der gesamte Prozess ist“ (Vendler 1957: 146 – Übers. d. Verf.): Paul rennt, Peter zeichnet, Anna arbeitet. Ebenso wie States beinhalten sie keine Zustandsveränderung (vgl. Primus 2012: 8). Verben dieser Klasse lassen die Progressivform zu und geben laut Vendler Antwort auf die Frage: „What are you doing?“ (Vendler 1957: 144).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der Forschungsfrage zur Argumentrealisierung bei Infinitivnominalisierungen und Formulierung der zwei Ausgangshypothesen (tV) und (aV).
2. Grundlagen und Begriffe: Theoretische Einführung in die Verb-Nominalisierung, das Konzept der Argumentvererbung und die Unterscheidung von Aktionsarten.
3. Die Ausgangs- und Forschungshypothesen: Detaillierte Herleitung der Hypothesen basierend auf den Annahmen von Welke zur Telizität und Argumentgewichtung.
4. Die Akzeptabilitätsstudie: Beschreibung der methodischen Durchführung, Erstellung der Testitems, Aufbau der Fragebögen und Auswahl der Probanden.
5. Ergebnisse: Präsentation der statistischen Datenanalyse und Auswertung der erhobenen Sprachurteile.
6. Zusammenfassung der Arbeit und Diskussion der Ergebnisse: Zusammenfassende Interpretation der Studienergebnisse im Kontext der linguistischen Fachliteratur und Diskussion der Limitationen.
Schlüsselwörter
Infinitivnominalisierung, Argumentvererbung, Telizität, Atelizität, Akzeptabilitätsstudie, Subjektvererbung, Objektvererbung, Genitivattribut, Verb-Nominalisierung, Ereignisnominalisierung, Sprachwissenschaft, Linguistik, Grammatikalität, Kasusmarkierung, Verbvalenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht empirisch, ob und wie transitive Verben ihre Argumente (Subjekt oder Objekt) in Form von Genitivattributen an ihre entsprechenden Infinitivnominalisierungen vererben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Verb-Nominalisierung im Deutschen, die linguistischen Konzepte der Telizität und Atelizität sowie die damit verknüpfte Argumentvererbung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist die empirische Überprüfung der Hypothese, dass telische Verben vorrangig das Objekt vererben, während bei atelischen Verben ein relatives Gleichgewicht zwischen Subjekt- und Objektvererbung besteht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wurde eine empirische Akzeptabilitätsstudie durchgeführt, bei der 14 Probanden insgesamt 30 Testitems bewerteten. Die statistische Auswertung erfolgte mittels eines mixed-effects ordered logistic regression models.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die theoretischen Grundlagen, die Herleitung der Hypothesen sowie die detaillierte Beschreibung der Testitems, der Fragebogengestaltung und der Probandenauswahl.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Infinitivnominalisierung, Argumentvererbung, Telizität, Atelizität, Subjektvererbung, Objektvererbung und Genitivattribut.
Warum wurden gerade Infinitivnominalisierungen für die Studie gewählt?
Die Autorin wählte Infinitivnominalisierungen, da diese dem verbalen Ursprung am nächsten stehen, keine Pluralbildung erlauben und somit für eine präzisere Analyse der Argumentstruktur geeignet sind als andere Derivationsformen.
Was zeigen die Ergebnisse in Bezug auf die Telizität?
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Telizität zwar eine Rolle spielt, aber in der vorliegenden kleinen Stichprobe kein statistisch signifikanter Effekt für Telizität allein nachgewiesen werden konnte, jedoch Unterschiede in der Gewichtung der Lesarten sichtbar wurden.
Was unterscheidet diese Studie von bisherigen Arbeiten?
Im Gegensatz zu vielen linguistischen Untersuchungen, die sich primär auf die ung-Derivation stützen, fokussiert diese Arbeit explizit auf die Infinitivkonversion, um die Argumentvererbung im verbalen Kontext genauer zu beleuchten.
- Arbeit zitieren
- Yvonne Joosten (Autor:in), 2015, Telizität und Argumentvererbung bei Infinitivnominalisierungen im Deutschen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/936639