Das so genannte „problem of the cities“ während der 50er und 60er Jahre des 20. Jahrhun-derts in den USA und die damit einhergehende Verschlechterung der Lebensqualität und Wohlfahrt in den Städten ist Ausgangspunkt der Betrachtung. Diese Beobachtung sowie das Wissen über Charakteristika komplexer, insbesondere sozialer Systeme eines urbanen Gebietes führten 1969 zur Veröffentlichung von Forresters Urban Dynamics. Das in disem Werk präsentierte Modell eines urbanen Raumes wird in dieser Arbeit zunächst vorgestellt und hinsichtlich Wirkungsweise und Ergebnis analysiert. Anschließend werden Handlungsempfehlungen für das problem of the cities anhand einer strukturellen Erweite-rung vorgestellt und bewertet. Abschließend wird ein Ausblick auf die Möglichkeiten einer Modellimplementierung im politischen Kontext gegeben.
Die Problematik der urbanen Krise ergab sich wie folgt: Seit den 50er Jahren stieg die
urbane Bevölkerung der USA zum ersten Mal schneller als die Gesamtbevölkerung, wobei
die Anzahl auf dem Land lebender Menschen abnahm. Zusätzlich führte eine zu Beginn
des 20. Jahrhunderts eingesetzte Migrationswelle innerhalb der Städte dazu, dass höhere
und mobilere Einkommensschichten der U.S.-Bevölkerung aus den inneren Stadtgebieten
in das Umland zogen und die Stadtzentren den ärmeren, oftmals afroamerikanischen Bevölkerungsschichten
überließen. Dies bewirkte nicht nur den Wegzug wichtiger Wirtschaftszweige,
sondern auch den Abbau vieler Arbeitsplätze in den Stadtkernen. Diese
Entwicklung verursachte, vor allem in großen Städten des Nordostens der USA die „urban
crisis“.
Inhaltsverzeichnis
1. Problematik und Herausforderung der urbanen Krise in den USA
2. Struktur und Dynamik eines urbanen Raumes
2.1. Generisches Modell einer Stadtlandschaft
2.2. Analyse des urbanen Systemverhaltens
2.3. Auswirkungen von Stadtentwicklungsprogrammen
3. Handlungsempfehlungen für das urbane Problem
3.1. Eine effizientere Landnutzung als Lösungsansatz
3.2. Wirkungsanalyse der Handlungsempfehlung
4. Implementierungschancen von Urban Dynamics im politischen Kontext
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die Arbeit untersucht das systemdynamische Modell des Aufstiegs und Niedergangs eines urbanen Raumes, wie es von Jay W. Forrester in "Urban Dynamics" konzipiert wurde. Ziel ist es, die interne Dynamik sozialer Systeme zu analysieren, die Auswirkungen verschiedener Stadtentwicklungsprogramme kritisch zu hinterfragen und strukturelle Erweiterungen vorzuschlagen, um den stagnierenden urbanen Raum zu revitalisieren.
- Analyse der Ursachen der urbanen Krise (Urban Crisis) in den USA der 50er und 60er Jahre.
- Systemdynamische Modellierung urbaner Subsysteme (Wirtschaft, Wohnungsmarkt, Bevölkerung).
- Untersuchung kontraintuitiver Verhaltensweisen und "Policy Resistance" bei komplexen Systemen.
- Evaluierung von Stadtentwicklungsprogrammen (z. B. Sozialwohnungsbau, Abrissprogramme).
- Entwicklung und Wirkungsanalyse effizienterer Landnutzungsstrategien zur langfristigen Stabilisierung.
Auszug aus dem Buch
2. Struktur und Dynamik eines urbanen Raumes
In diesem Teil der Arbeit wird Forresters systemdynamisches Modell des Aufstiegs und Niedergangs einer urbanen Region rekonstruiert, analysiert und vereinfacht dargestellt. Hierbei wird Forresters Werk Urban Dynamics als Primärquelle verwendet und ausschließlich weitere Literaturverwendungen werden als solche gekennzeichnet. Der strukturelle Nachbau des Originalmodells erfolgt mit Hilfe der Simulationssoftware Vensim und gemäß der Lehrstuhlnotation des Industrieseminars der Universität Mannheim von Professor Dr. Dr. h.c. Peter Milling.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Problematik und Herausforderung der urbanen Krise in den USA: Dieses Kapitel erläutert die historischen Hintergründe der urbanen Krise in den USA und führt in die systemdynamische Betrachtungsweise komplexer städtischer Gebiete ein.
2. Struktur und Dynamik eines urbanen Raumes: Hier wird das systemdynamische Modell der Stadt als komplexes, sozialdynamisches System modelliert und dessen Verhalten hinsichtlich Wachstum, Verfall und Stagnation analysiert.
3. Handlungsempfehlungen für das urbane Problem: In diesem Teil werden Modifikationen und Erweiterungen des bestehenden Modells erarbeitet und deren Auswirkungen auf die langfristige Stadtentwicklung simuliert.
4. Implementierungschancen von Urban Dynamics im politischen Kontext: Abschließend wird diskutiert, warum systemdynamische Ansätze in der politischen Realität nur schwer implementierbar sind und wie Experten Städteplaner besser bei der Entscheidungsfindung unterstützen können.
Schlüsselwörter
Urban Dynamics, Systemdynamik, Urbane Krise, Sozialdynamik, Stadtentwicklung, Modellierung, Systemverhalten, Landnutzung, Feedback-Loops, Policy Resistance, Vensim, Bevölkerung, Wohnungsmarkt, Wirtschaftswachstum, Simulation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das urbane System als komplexes, sozialdynamisches Gefüge auf Basis von Jay W. Forresters Modell und untersucht, wie städtische Krisen durch systemdynamische Ansätze besser verstanden und durch zielgerichtete Politik beeinflusst werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Struktur einer Stadtlandschaft, die Wechselwirkungen zwischen Bevölkerung, Wohnraum und gewerblichen Aktivitäten sowie die kritische Analyse von städtischen Interventionsprogrammen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, das systemdynamische Modell von Forrester zu rekonstruieren, zu erweitern und zu bewerten, um herauszufinden, welche Maßnahmen langfristig ein stabiles und wirtschaftlich gesundes urbanes Gleichgewicht fördern können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird die Methode der Systemdynamik (System Dynamics) angewandt, wobei die Software Vensim genutzt wird, um das komplexe Verhalten urbaner Räume über einen Zeitraum von 250 Jahren zu simulieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Modellstruktur, die Analyse des Systemverhaltens bei Stagnation sowie die Entwicklung und Wirkungsprüfung von Handlungsempfehlungen wie einer effizienteren Landnutzung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Urban Dynamics, Systemdynamik, Feedback-Loops, Policy Resistance und Stadtentwicklung geprägt.
Warum zeigt das Modell "Policy Resistance"?
Soziale Systeme weisen eine eigene interne Dynamik auf; Maßnahmen (Policies), die intuitiv sinnvoll erscheinen, führen oft zu kontraintuitiven Ergebnissen, da sie den "limitierenden Faktor" des Systems nicht adressieren.
Welche Rolle spielt die Landnutzung in den Handlungsempfehlungen?
Die Landnutzung fungiert im Modell als entscheidender limitierender Faktor. Eine effizientere Gestaltung der Landnutzung ermöglicht erst die Ansiedlung von Betrieben, die das Wirtschaftswachstum fördern, statt lediglich den Sozialwohnungsbau zu forcieren.
Wie bewertet der Autor die Implementierbarkeit des Modells?
Die Implementierbarkeit ist aufgrund kurzfristig orientierter politischer Entscheidungsprozesse, die von Interessensgruppen beeinflusst werden, in der Praxis schwierig, weshalb eine Einbettung in langfristige Ziele notwendig ist.
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- Christian Rodiek (Author), 2008, Urban Dynamics, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93667