Erwachsenenbildung. Kontinuierliches Lernen mittels des klassischen Lernansatzes des Behaviorismus


Hausarbeit, 2020

17 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

II. Abbildungsverzeichnis

III. Abkürzungsverzeichnis

1. Einführung

2. Die Entstehung des Begriffes Erwachsenenbildung und seine Bedeutung

3. Lernen und Lerntheorien: Die Entfaltung von Fähigkeiten und Begabungen

4. Die Aneignung von Wissen mittels der klassischen Lerntheorie: Dem Behaviorismus
4.1 Behavioristische Lerntheorie
4.1.1 Historischer Zusammenhang bezüglich des behavioristischen Ansatzes
4.1.2 Korrelation zwischen der Gesellschaft und der behavioristischen Lerntheorie

5. Wichtige Persönlichkeiten und ihre großen Ideen
5.1 Die Klassische Konditionierung / Signallernen / Assoziationslernen nach Ivan Petrovič Pavlov (1900) und John Broadus Watson (1920)
5.2 Lernen am Erfolg: Operantes konditionieren nach Burrhus Frederic Skinner (1950)
5.2.1 Positive Verstärkung des Verhaltens
5.2.2 Negative Verstärkung
5.2.3 Positive Bestrafung
5.2.4 Negative Bestrafung
5.3 Lernen am Erfolg: Instrumentelle Konditionierung nach Edward Lee Thorndike (1911)

6. Lernfähigkeit erwachsener Personen
6.1.1 Intrinsische Motivation anhand des Beispiels des „Flow-Erlebnisses“ von Mihaly Csikszentmihalyi
6.1.2 Extrinsische Motivation

7. Bildung der Erwachsenen im 21. Jahrhundert

8. Konsequenzen der behavioristischen Lerntheorie für die Lehrpersonen – Darstellung an einem selbst gewählten Beispiel einer Lehr- und Lernsituation

9. Fazit

10. Literaturverzeichnis

II. Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Black Box (Rettenwender 2017, S.70)

III. Abkürzungsverzeichnis

CS ... conditionial stimuli (konditionierter Reiz)

US ... unconditional stimuli (unkonditionierter Reiz)

1. Einführung

Im Zuge dieser wissenschaftlichen Arbeit wird das Thema „Erwachsenenbildungswissenschaft“ bearbeitet und erläutert. Auf folgende Fragestellungen wird Bezug genommen: „Was müssen Erwachsene lernen?“, „Mit welchen Mitteln und Strategien eignen sie sich Wissen an?“. Doch um diese Fragen beantworten beziehungsweise verstehen zu können, müssen zu allererst Grundbegriffe definiert werden. Im ersten Abschnitt wird der Ausdruck „Erwachsenenbildung“ definiert. Es muss weit in die Geschichte zurückgegriffen werden, um die Entstehung dessen Ausdruck zu verstehen. Wichtig für dieses Thema ist die bereits aufgekommene Idee eines „lebenslangen Lernens“ (vgl. Faulstich / Zeuner 2010, S. 13). Es wird darauf eingegangen, warum dieser Idee auch in der heutigen Zeit große Bedeutung zugeschrieben wird. Dem folgt die Definition der Begriffe „Lernen“ und „Lerntheorien“.

Der Fokus der Arbeit liegt auf der behavioristischen Lerntheorie der Psychologie. Zunächst werden die Ansätze dieser Theorie definiert und erläutert. Gefolgt von einer Einordnung in den historischen Kontext. Es wird dargelegt unter welchen Umständen der Behaviorismus entstand. Ebenfalls werden die verschiedenen Richtungen des Behaviorismus angesprochen, im Gegensatz zu dem klassischen Behaviorismus wird den beiden anderen Strömungen (methodologischer und radikaler Behaviorismus) keine große Beachtung geschenkt. Angesichts dessen folgt eine Beschreibung des Zusammenhangs des Behaviorismus und der heutigen Gesellschaft.

Der nächste Teil dieser Arbeit befasst sich mit großen Persönlichkeiten aus der Zeit des 20. Jahrhunderts. Hier werden Charaktere, wie Ivan Petrovič Pavlov, John Broadus Watson, Edward Lee Thorndike vorgestellt. Ebenfalls folgt eine Erläuterung ihrer Ideen und ihrer Experimente, die auch für die heutige Gesellschaft eine beträchtliche Rolle spielen. Der anschließende Abschnitt stellt eine Darstellung der Lernfähigkeit von Erwachsenen dar. Im Zuge dessen wird auch die Literatur von Jörg Dinkelaker und Aiga von Hippel aufgegriffen. In Ihrem Werk „Erwachsenenbildung in Grundlagenbegriffen“ gehen sie auf die Fragestellung, unter welchen Umständen die Erwachsenen lernen beziehungsweise wie sie ihre eigene, ganz individuelle Lerntheorie entwickeln, um sich Wissen anzueignen, ein. In diesem Kontext wird auch auf die Bildung im 21. Jahrhundert eingegangen und die Ziele von Lernen und Bildung besprochen. Vor allem wird in diesem Abschnitt auf die zuvor oben genannte Fragestellung, was Erwachsene lernen müssen, näher eingegangen. Dabei wird auf das Bundesgesetz vom 21. März 1973 über die Förderung der Erwachsenenbildung und des Volksbüchereiwesens aus Bundesmitteln zurückgegriffen. Gemäß § 2 Abs. 1a) – 1l) BGBl. Nr. 171/1973 werden förderungswürdige Aufgaben besprochen.

Der letzte Teil dieser Arbeit beinhaltet eine Beschreibung der Konsequenzen der behavioristischen Lerntheorie. Im Zuge dessen werden gesellschaftlich aktuelle Beispiele einer Lehr- und Lernsituation dargestellt. Um diese Arbeit abzurunden, befindet sich im Kapitel 9 ein grobes Resümee der genannten Aspekte.

2. Die Entstehung des Begriffes Erwachsenenbildung und seine Bedeutung

Eine genaue Definition des Begriffes „Erwachsenenbildung“ erscheint schwierig, weshalb es sich lohnt einen Blick in die Vergangenheit zu werfen. Frühere Bezeichnungen waren „Arbeiterbildung“ und „Volkbildung“. Die Bezeichnung zu „Volksbildung“ wechselte während der Weimarer Republik. Zusätzlich wurde ab Mitte der 1920er Jahre der Ausdruck „Erwachsenenbildung“ eingeführt. Dieser neue Begriff bedeutete eine veränderte Zielsetzung: statt der nationalistischen und idealistischen Idee im Vordergrund, wird nun der Bildung des Erwachsenen große Bedeutung zugesprochen (vgl. Faulstich / Zeuner 2010, S. 12 f.). Der Begriff ging nach dem zweiten Weltkrieg hervor, um zu verdeutlichen, dass es sich vor allem um Erwachsene handelte, die aufgrund eines Mangels an politischem Wissen und fehlender Urteilsfähigkeit Anhänger der nationalsozialistischen Ideologie waren. Primär wurde zu dieser Zeit unter dem Begriff „Erwachsenenbildung“ die politische Bildung verstanden, da diese zur Demokratisierung beitragen sollte, so Faulstich und Zeuner (2010, S. 12 f.). Seit dem Jahr 1970, als das Gutachten des Deutschen Bildungsrates stattfand, sprach man zunächst von „Weiterbildung“. Auf internationaler Ebene wurde ebenfalls über die Idee des lebenslangen Lernens diskutiert, sowie die Wichtigkeit der ewigen Lernfähigkeit von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter und auch die kontinuierliche Lernnotwendigkeit wurde stark betont (vgl. ebd. S. 13). Das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung beschreibt den Ausdruck „Erwachsenenbildung“ folgendermaßen:

„Erwachsenenbildung ist in jedem Fall ein quantitativ und qualitativ eigenständiges System - sie ist aber auch eine Form von Handlung, die lehrende, trainierende, Gruppen begleitende und leitende, berufspädagogische und beratende Tätigkeiten sowie Tätigkeiten des Bildungsmanagements oder des Bildungswesens umfasst.“ (Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung 2013, O. S.)

3. Lernen und Lerntheorien: Die Entfaltung von Fähigkeiten und Begabungen

Gemäß Rainer Maderthaner (2017, S. 166) definiert sich Lernen als eine „[...] durch Erfahrung hervorgerufene dauerhafte, aber modifizierbare Anpassung von psychischen Strukturen und Reaktionen (Wahrnehmung, Denken, Verhalten, ...)“. Lerntheorien hingegen definieren sich als „[...] Versuche, die Kenntnisse über das Lernen zu systematisieren und zusammenzufassen“ (vgl. Edelmann 1993, S. 8). Es gibt drei zu charakterisierende Lerntheorien. Diese Arbeit beschreibt eine davon, die im nächsten Abschnitt behandelt wird.

4. Die Aneignung von Wissen mittels der klassischen Lerntheorie: Dem Behaviorismus

Diese wissenschaftliche Arbeit fokussiert sich auf den lerntheoretischen Ansätzen des Behaviorismus. Es wird nicht nur der lerntheoretische Ansatz im nächsten Abschnitt erklärt, auch die Geschichte und Entstehung des Behaviorismus wird näher betrachtet. Gefolgt von einer Darlegung der Korrelation zwischen Behaviorismus und der heutigen Gesellschaft.

4.1 Behavioristische Lerntheorie

Diese Forschungsrichtung fokussiert sich ausschließlich auf direkt beobachtbarem Verhalten als einzigen zulässigen Gegenstand der Psychologie, so Rettenwender (2017, S. 11). Die Forschungsmethode Introspektion, die Beobachtung des eigenen Erlebens, wird abgelehnt. Sie ist für die behavioristischen Forscher ein subjektiver Zugang mit der Konsequenz der Spekulation. Beobachtungen werden im Behaviorismus objektiv beurteilt und gemessen. So können Korrelationen zwischen Umwelt und menschlichen beziehungsweise tierischen Verhalten analysiert werden. Aus Sicht der Vertreter des Behaviorismus lernen Mensch und Tier aufgrund von Erfahrungen. Der Lernvorgang wird mittels Reiz-Reaktion-Theorie beziehungsweise der Stimulus-Response-Theorie erklärt (vgl. ebd. S. 70).

Mittels der Black Box wird diese Theorie dargestellt. Der rechts dargestellte Input sind alle Reize der Umwelt. Sie wirken auf den Menschen (hier als Black Box dargestellt) und der Output beschreibt die jeweiligen Reaktionen. Der interne Schritt in der Black Box stellt alle psychischen und physischen Prozesse dar, die für die Verarbeitung des Reizes nötig sind. Diesem Schritt wird jedoch von den Behavioristen keine Beachtung geschenkt, da dieser als subjektiv und daher als unwissenschaftlich angesehen wird (vgl. ebd. S. 70).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Black Box (Rettenwender 2017, S.70)

4.1.1 Historischer Zusammenhang bezüglich des behavioristischen Ansatzes

Der Begriff „Behaviorismus“ stammt aus dem Englischen und bedeutet übersetzt so viel wie „Verhalten“. Demnach ist der Behaviorismus die Wissenschaft des Verhaltens und wird auch als Verhaltenspsychologie verstanden (vgl. Rettenwender 2017, S. 11). Die behavioristische Forschung vertritt den Ansatz, dass menschliches Verhalten erlernt werden kann, sowie auch, dass bestimmte Ängste und Phobien ebenfalls wieder „verlernt“ werden können (vgl. Kapitel 4.1). Zeitlich kann der Behaviorismus im 20. Jahrhundert eingegrenzt werden. Im Jahr 1913 befürwortete John B. Watson zum ersten Mal die behavioristische Theorie. Einige Jahre später lieferten Pavlov und Skinner grundlegende Ideen. Die Blütezeit erreichte der Behaviorismus in den 1950er Jahren (vgl. Furnham 2010, S. 172 f.). Ursprünge des behavioristischen Ansatzes finden sich oftmals in philosophischen Strömungen wieder. Vor allem der britische Empirismus und der logische Positivismus waren starke Träger. Anhänger des britischen Empirismus verfolgten die Ansicht, dass Menschen ausschließlich durch Beobachtungen und Experimente die Welt verstehen lernen. Der logische Positivismus hingegen vertritt folgenden Ansatz: Prinzip der Verifizierung. Geistige Konzepte beziehen sich auf Verhaltenstendenzen und müssen deshalb sogar in behavioristischen Begriffen definiert werden.

Vor allem im 20. Jahrhundert entstanden viele Strömungen mit einer behavioristischen Dominanz. So etablierten sich im Laufe der Zeit der klassische, der methodologische und der radikale Behaviorismus (vgl. ebd. S. 173).

Als Begründer des klassischen Behaviorismus gilt John Broadus Watson (1878 – 1958). Vor allem durch sein Experiment mit einem elf-monatigen alten Baby wurde Watson bekannt. Mit diesem Experiment zeigte Watson, dass vor allem Phobien und Ängste erlernt werden können, und zwar indem zwei unkonditionierte Reize miteinander verknüpft werden. In diesem Fall war es eine Ratte und ein schrilles Geräusch (vgl. Rettenwender 2017, S. 15). Das Experiment wird in Kapitel 5.1 näher erläutert.

Dieser Erkenntnisgewinn von John B. Watson spielt eine gewichtete Rolle in der Forschung der Lernpsychologie. Wie bereits erwähnt, manifestierte sich die Bezeichnung „Behaviorismus“ von John B. Watson, aufgrund der Veröffentlichung seines Werkes „Psychology as the Behaviorist Views It“. In seinem Werk beschreibt er seinen Ansatz folgendermaßen:

„I feel that behaviorism is the only consistent and logical functionalism. [..] I believe we can write a psychology, [...] and never go back upon our definition: never use the terms consciousness, mental states, mind, content, introspectively verifiable, imagery, and the like.“ (Watson 1994, S. 250)

Weiters schreibt Watson über den guten Verzicht auf das wissenschaftliche Instrument der Introspektion:

„Psychology, as the behaviorist views it, is a purely objective, experimental branch of natural science which needs introspection as little as do the sciences of chemistry and physics.“ (ebd. S. 253)

„In this sense consciousness may be said to be the instrument or tool with which all scientists work. Whether or not the tool is properly used at present by scientists is a problem for philosophy and not for psychology.“ (ebd. S. 253)

Der methodologische Behaviorismus ist ein Grundsatz für empirische Forschungsmethoden. Auch dieser Ansatz beschreibt geistige Entitäten (Existieren) aller Art als irrelevant. Behavioristen nannten den methodologischen Behaviorismus auch häufig als „experimental analysis of behaviour“. Übersetzt ins Deutsche bedeutet dies „experimentelle Verhaltensanalyse“ (vgl. Furnham 2010, S. 173).

Der radikale Behaviorismus wurde damals von Burrhus Frederic Skinner begründet. Skinner vertrat die Perspektive, dass in dieser Forschungsrichtung kein Platz für die „[...] Existenz von Geisteszuständen und das ‚Experimentieren‘ damit“ gibt. Dieser Ansatz vertritt die Meinung, Gefühle seien nicht der Ursprung für die Verhaltensweisen der Menschen, sondern das Verhalten sei eine Manifestation der Gefühle (vgl. ebd. S. 173).

4.1.2 Korrelation zwischen der Gesellschaft und der behavioristischen Lerntheorie

In diesem Kapitel geht es darum, den gesellschaftlichen Zusammenhang mit dem Behaviorismus aufzuzeigen. Beispiele aus dem alltäglichen Leben veranschaulichen, dass die Ideen bekannter Persönlichkeiten (vgl. Kapitel 5) auch noch im heutigen Zeitalter von großer Bedeutung sind. Viele Lehrpersonen und Dozenten beziehen Techniken aus dem Behaviorismus. Dies zeigt sich bei Selbstlernprogrammen für Sprachen oder beim Trainieren von Hunden. Es werden externe Reize bewusst gesetzt, um das erwünschte Ergebnis zu erzielen. Durch Assoziationslernen lernen Menschen, bestimmte Ereignisse zu erwarten und bereiten sich dementsprechend vor (vgl. Rettenwender 2017, S. 69). Folgende Beispiele begleiten Menschen tagtäglich durchs Leben. Aufgrund der Reizkoppelung, wissen Autofahrer, Grün bedeutet losfahren und Rot, dass sie stehen bleiben müssen.

In der Schule: Durch das Läuten der Schulglocke, wissen die Schülerinnen und Schüler, dass der Unterricht zu Ende ist oder der Unterricht beginnt.

Klassische Konditionierung zeigt sich auch in der Namensgebung. Eltern suchen sich einen Namen für ihr Kind aus, auf diesen es dann hört.

Das Experiment von John B. Watson (vgl. Kapitel 5.1) zeigt, dass Phobien und Angstzustände erlernbar aber auch verlernbar sind, wenn bestimmte Verhaltensweisen nicht ständig wiederholt werden. Diese Erkenntnis brachte großen Fortschritt für die heutigen Verhaltenstherapien. Diese Methode wird in Verhaltenstherapien verwendet, um den Betroffenen zu helfen unerwünschtes beziehungsweise „falsches“ Verhalten zu verlernen. Als Heilungsprozess übt der Patient neue Denk- und Verhaltensmuster. Verhaltenstherapien werden auch häufig als Bewältigungsstrategie für Anorexia und Bulimie Erkrankte verwendet (vgl. Ogris 2013, S. 37 ff.).

5. Wichtige Persönlichkeiten und ihre großen Ideen

Vertreter des Behaviorismus unterscheiden in der Stimulus-Response-Theorie zwischen klassischer Konditionierung (Signallernen) und der operanten Konditionierung (Lernen am Erfolg) (vgl. Rettenwender 2017, S. 70). Diese werden in diesem Teil der Arbeit näher betrachtet und erklärt.

5.1 Die Klassische Konditionierung / Signallernen / Assoziationslernen nach Ivan Petrovič Pavlov (1900) und John Broadus Watson (1920)

Die klassische Konditionierung ist ebenfalls unter den Begriffen „Signallernen“ und „Assoziationslernen“ bekannt. Ivan Petrovič Pavlov (1900) ist nicht nur einer der Vertreter dieser Richtung, sondern erforschte diese Art des Lernens anhand eines Experimentes mit einem Hund. Pavlov erkannte, dass sich der natürliche Speichelreflex vermehrte, wenn er dem Hund eine Schüssel vollgefüllt mit Futter darbietet. Mit der alleinigen Verwendung einer Glocke reagierte der Hund nicht. Aufgrund der Kontiguität wird die Glocke mit dem Futter assoziiert. Mit dem Begriff „Kontiguität“ ist die „[...] raumzeitlich benachbarte [...]“ Darbietung von CS und US gemeint. Das Experiment des russischen Physiologen lässt sich mit dem Konditionierungsprozess erklären. Eine Konditionierung kann nur stattfinden, wenn der CS imstande ist, den US verlässlich vorherzusagen (vgl. Maderthaner 2017, S. 184 ff.). In diesem Fall ist der unkonditionierte Reiz (US) das Futter und der konditionierte Reiz (CS) stellt die Glocke dar. Dieser Prozess beschreibt, wie es durch bestimmte Reize von der Außenwelt zu Verhaltensveränderungen kommen kann. Pavlov gelang es mit diesem Experiment die klassische Konditionierung zu erklären, indem er zwei Reize miteinander koppelte, um eine bestimmte Reaktion zu bekommen (vgl. Rettenwender 2017, S. 70 ff.). Dieser gekoppelte Reiz besteht jedoch nicht für immer, wird der Reiz nicht ständig wiederholt, wird er wieder verlernt. Bei diesem Phänomen spricht man von einer Löschung, einer Extinktion (vgl. ebd. S. 72).

Der Begründer des behavioristischen Modells John Broadus Watson (1920) meinte, alle menschlichen Gefühle, sowie das menschliche Verhalten sei nicht nur erlernbar, sondern entsteht aufgrund von konditionierten Reizen. Diese Erkenntnis, dass vor allem spezifische Ängste erlernt werden können, bewies er mit einem seiner Experimente (Little Albert), die in der lernpsychologischen Forschung eine zentrale Rolle spielt. Watson gab einem 11 Monate altem Baby (Little Albert) eine Ratte. Albert freute sich zunächst über das Geschenk, doch mit der Reizkoppelung (Ratte-lautes Geräusch) fing Albert an, sich vor der Ratte zu fürchten. Nach etwaigen Wiederholungen fürchte sich Albert bereits bei der alleinigen Darbietung der Ratte. Bei diesem Versuch konnte Watson nicht nur den Konditionierungsprozess, sondern ebenfalls eine Reizgeneralisierung feststellen. Das bedeutet, Little Albert fürchtet sich nicht nur allgemein vor Nagetieren, sondern auch vor Stofftieren und Pelzmäntel. Reizgeneralisierung definiert sich als automatische Erweiterung eines bestimmten (konditionierten) Verhaltens auf ähnliche Reize (vgl. ebd. S. 73).

5.2 Lernen am Erfolg: Operantes konditionieren nach Burrhus Frederic Skinner (1950)

Hinsichtlich der gewonnenen Erkenntnis von dem Experiment „Skinner-Box“ von Burrhus Frederic Skinner, lernen Menschen tagtäglich Handlungen mit negativen Konsequenzen zu unterlassen und dafür Handlungen mit Belohnungen stetig zu wiederholen.

Skinner sperrte eine Ratte in eine Box, die mit einem Hebel ausgestattet ist. Betätigt die Ratte den Hebel, so erhält es als Belohnung Futter oder Wasser. Zunächst ist es ein zufälliges Drücken des Hebels, doch mit der Zeit lernt die Ratte, dass das Hebel drücken gleich Belohnung bedeutete. Die neu erlernte Verhaltensweise wird immer wiederholt aufgrund der positiven Verstärkung (Belohnung). Durch dieses Experiment formulierte Skinner die operante Konditionierung. Diese definiert er als das „[...] Erlernen eines Verhaltens durch eine ursprünglich zufällige Handlung, die belohnende oder bestrafende Konsequenzen hat.“ (vgl. Rettenwender 2017, S. 74). Konsequenzen (negative und positive) verändern die Verhaltensweisen der Menschen in eine bestimmte Richtung. Negative Konsequenzen beziehungsweise Bestrafungen werden eingesetzt, um ein gewisses Verhalten zu unterdrücken, positive hingegen, um die Auftretenswahrscheinlichkeit zu erhöhen. Es wird unterschieden zwischen positiver/negativer Verstärkung und positiver/negativer Bestrafung (vgl. ebd. S. 74 ff.).

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Erwachsenenbildung. Kontinuierliches Lernen mittels des klassischen Lernansatzes des Behaviorismus
Note
1,7
Autor
Jahr
2020
Seiten
17
Katalognummer
V936673
ISBN (eBook)
9783346337658
ISBN (Buch)
9783346337665
Sprache
Deutsch
Schlagworte
erwachsenenbildung, kontinuierliches, lernen, lernansatzes, behaviorismus
Arbeit zitieren
Helena Kager (Autor), 2020, Erwachsenenbildung. Kontinuierliches Lernen mittels des klassischen Lernansatzes des Behaviorismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/936673

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