Beschreibung und Besprechung eines Patienten mit Bulimia Nervosa


Hausarbeit, 2013

11 Seiten, Note: 1

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Allgemeine Informationen über Bulimia nervosa
1.1 Informationen über Bulimia nervosa nach diagnostischen Leitlinien nach ICD-10 (Dilling, 2005)
1.2 Auslösende und aufrechthaltende Faktoren

2. Patient XY
2.1 Symptome
2.2 Aktuelle Situation und soziales Umfeld
2.3 Vergangenheit
2.4 In der Klinik
2.5 Der Patient anhand der diagnostischen Leitlinien nach dem ICD-10

3. Nachbesprechung

4. Eigene Meinung

5. Literaturverzeichnis

1. Allgemeine Informationen über Bulimia nervosa

1.1 Informationen über Bulimia nervosa nach diagnostischen Leitlinien nach ICD-10 (Dilling, 2005)

a) Die Patienten erleiden häufige Episoden von Fressattacken, bei denen große Mengen an Nahrung in sehr kurzer Zeit konsumiert werden (mindestens zweimal pro Woche in drei Monaten).
b) Die Patienten beschäftigen sich andauernd mit Essen und haben eine unwiderstehliche Gier oder einen Zwang zu essen (craving).
c) Mit einer oder mehreren der folgenden Verhaltensweisen versuchen die Patienten, der Gewichtszunahme durch die Nahrung entgegenzusteuern: selbstinduziertes Erbrechen, Missbrauch von Abführmitteln, zeitweilige Hungerperioden oder durch den Gebrauch von Appetitzüglern, Schilddrüsenpräparaten oder Diuretika.
d) Die Patienten erleben sich selbst als „zu fett“ und haben eine aufdrängende Furcht, zu dick zu werden.

Weiterhin gibt es die Atypische Bulimia Nervosa, bei dieser Störung sind lediglich einige Kriterien der Bulimia Nervosa erfüllt.

Bei der Bulimia Nervosa sind komorbide psychische Störungen und Persönlichkeitsstörungen sehr häufig (vgl. S3-Leitlinie Diagnostik und Behandlung der Essstörungen). Die häufigsten komorbiden Störungen stellen Angststörunge sowie affektive Störungen, vor allem Major Depression dar. Auch tritt die Bulimia Nervosa häufig mit der emotional instabilen, dependenten, histrionischen sowie der ängstlich-vermeidenden Persönlichkeitsstörung auf. Eine ausführliche differentialdiagnostische Abklärung ist nötig, um insbesondere zwischen den Essstörungen zu differenzieren.

Auslöser von Essanfällen können verschiedene Faktoren sein, wie zum Beispiel Hungergefühle, restriktives Essverhalten oder auch negative Affekte.

Die 12-Monats-Prävalenz für die Erkrankung liegt bei erwachsenen Frauen in Nordamerika bei ca. 1,5 %, bei Männern hingegen liegt die Prävalenz etwa zehnmal niedriger (vgl. S3-Leitlinie Diagnostik und Behandlung der Essstörungen).

1.2 Auslösende und aufrechthaltende Faktoren

Bei der Bulimia Nervosa sind an der Entstehung und Aufrechterhaltung biologische, soziale und psychische Faktoren beteiligt (vgl. S3-Leitlinie Diagnostik und Behandlung der Essstörungen). Es gibt Hinweise darauf, dass Adipositas in der Kindheit sowie familiärer Adipositas relevante Prädiktoren für die Entstehung einer Bulimia Nervosa sind. Auch scheinen genetische Faktoren einen Einfluss zu haben. Die Verinnerlichung eines extremen Schlankheitsideals stellt einen Risikofaktor dar. Weitere relevante Faktoren sind ein geringes Selbstwertgefühl und die Überbewertung von Figur und Gewicht sowie eine dysfunktionale Emotionsregulation. Auslösend und aufrechthaltend für bulimisches Essverhalten wirken belastende Ereignisse wie beispielsweise interpersonelle Stressoren, Alltagsbelastungen und die Art der Bewertung von Stress.

Erkrankte Personen zeigen im Vergleich zur Normalbevölkerung eine erhöhte Mortalitätsrate und eine erhöhte Suizidrate (vgl. S3-Leitlinie Diagnostik und Behandlung der Essstörungen).

2. Patient XY

In der Vorlesung am X.X.2013 stellte sich ein männlicher Patient den Studierenden für Fragen zu seiner Erkrankung zur Verfügung.

Der Patient war zu diesem Zeitpunkt seit dem X.X.2013 stationär in einer psychosomatischen Klinik. Er ist Mitte zwanzig und hat momentan bei einer Größe von 1,79m ein Gewicht von 67-69 Kilogramm.

2.1 Symptome

Seit zwei Jahren litt der Patient regelmäßig an der Essbrechsucht. Essen bedeutete für den Patienten Glücksgefühle, sodass er große Mengen Nahrung zu sich nahm. Nahm er zu viel zu sich, so fühlte er sich depressiv und um diesem Gefühl zu entkommen erbrach er sich. Dies löste wiederum kurzzeitige Glücksgefühle aus und er begann kurz darauf, wieder zu essen. Sein Verhalten verlief in einer Art Kreislauf und es war ihm nicht möglich, diesen Kreis zu unterbrechen. Die Glücksgefühle während dem Essen sowie nach dem Erbrechen erlebte der Patient als „Freude, das Gegenteil von einer Depression“.

Hatte der junge Mann Hunger, so begann er eine objektiv sehr große Menge zu essen, er beschrieb die „dreifache“ Menge einer normalen Portion, wodurch es wiederum zu einem übermäßigen Völlegefühl kam.

Beispielsweise berichtete er von einem Besuch in einem Fastfoodrestaurant, bei dem er eine extrem große Portion bestellte, das Essen sehr schnell und hastig aß und sich danach auf der Toilette des Restaurants erbrach. Während dem Essen verspürte er keinerlei Genußgefühl mehr, er „schlang“ das Essen „hinunter“.

Der Patient berichtete, dass ihm schon vor dem Beginn jeder Mahlzeit bewusst war, dass er diese danach direkt erbrechen würde. Das Erbrechen hatte sich inzwischen gewissermaßen zu einem Reflex entwickelt, er musste es nicht mehr unter Anstrengung hervorbringen, sondern es kam von ganz alleine. Essen war vor seiner Erkrankung hauptsächlich von Genuss gekennzeichnet, während der Erkrankung diente es jedoch dazu, Glücksgefühle während dem Essen auszulösen, doch nach dem Essen waren diese gänzlich verschwunden.

Das Erbrechen lief wie folgt ab: der Patient kniete sich mit den Knien auf den Boden und beugte den Kopf über die Toilettenschüssel. So erzeugte die Toilette einen Druck in seinen Magen und aufgrund der Beugung fiel ihm das Erbrechen leichter. Nach mehrmaliger Wiederholung dieses Rituals stellte sich ein Reflex ein und er musste das Übergeben nicht mehr aktiv herbeiführen.

Im Laufe eines Tages übergab sich der Patient mindestens zehnmal und maximal 20-mal.

Sein Essverhalten und auch seine Krankheit bestimmten allmählich seine sozialen Interaktionen. Er berichtete davon, dass er sich nicht mehr wohl fühlen würde, dass „man sonderbar wird“ und bestimmte soziale Aktivitäten nicht mehr ausführen könnte. So war es ihm nicht mehr möglich, eine Essenseinladung von Freunden und Bekannten anzunehmen, da er im Anschluss an das Essen keine Möglichkeit sah, sich unbemerkt zu erbrechen.

Kurz vor Beginn des stationären Aufenthalts verspürte der Betroffene andauernd große Müdigkeit, er besaß keine Kraft mehr und bekam panische Angst vor dem Sterben. Auch bemerkte er, dass seine Speiseröhre deutlich empfindlicher wurde, er bekam Herzrasen und auch Zuckungen. Er fühlte sich nicht mehr zugehörig zu seinen Freunden und Bekannten, er wollte lieber zuhause bleiben, anstatt soziale Kontakte zu pflegen. Auch begann er, übermäßig Alkohol zu trinken, den er jedoch sehr schlecht vertrug. Unter Alkoholeinfluss verschlimmerten sich seine Probleme und er hatte auch Gedanken, nicht mehr leben zu wollen.

Noch vor der Klinik nahm er sich vor, „heute einen brechfreien Tag“ zu haben. Jedoch gelang es ihm nie, diese Pläne auch in die Tat umzusetzen.

Der Erkrankte empfand sein Leben nicht mehr als lebenswert, die Lebensqualität war verloren gegangen. Aus diesem Grund hatte er sich für einen stationären Klinikaufenthalt entschieden.

2.2 Aktuelle Situation und soziales Umfeld

Er wuchs in einer sechsköpfigen Familie auf. Nach der Trennung von seiner Exfreundin, mit der er zusammen wohnte, zog er erneut bei seinen Eltern ein, während seine drei Geschwister bereits das elterliche Haus verlassen hatten. Durchschnittlich war seine gesamte Familie eher stämmig und auch der Patient wog vor eineinhalb Jahren noch 115 Kilogramm.

Da die Eltern dieselben Mengen einkauften wie damals, als noch alle Kinder im Haus waren, fiel der übermäßige Esskonsum des Patienten nicht auf. Beim gemeinsamen Abendessen aß der Erkrankte zunächst eine normale Portion, um dann später alleine die Speisekammer zu leeren.

Der Patient arbeitete bis kurz vor dem stationären Aufenthalt noch Vollzeit in einem Betrieb. Auch während der Arbeit erbrach er in den Essenspausen jegliche Nahrung. Er verheimlichte sein Verhalten absichtlich vor seinen Freunden und Bekannten, sowie vor seinen Arbeitskollegen.

2.3 Vergangenheit

Mit seinem früheren Gewicht von 115kg war der Patient damals durchaus zufrieden, er fühlte sich wohl. Heute mit einem bedeutend geringeren Gewicht möchte er allerdings nicht mehr so viel wiegen wie früher.

Mit seiner damaligen Freundin führte er fünf Jahre lang eine Beziehung und das Paar lebte im letzten Jahr der Beziehung auch zusammen. Doch trotz der bereits langen Beziehung versuchte sie ständig, ihn zu verändern, damit er „erwachsener“ werden würde. Dies empfand der Patient als sehr schmerzhaft. Auch missfiel ihm, dass sie keinerlei Sport machen oder öfters ausgehen wollte, wodurch er sich eingeschränkt fühlte. Schlussendlich beendete die Partnerin die Beziehung und warf ihren ehemaligen Lebensgefährten aus der Wohnung. Er wollte diese Trennung lange Zeit nicht wahrhaben und versuchte mit allen Mitteln, die Beziehung wieder zu reparieren. Dies war jedoch nicht möglich und im Gesamten sehr schmerzhaft für ihn. Er sagt selbst, er habe „sie abgöttisch lieb gehabt“ und sich auch viele Dinge von ihr gefallen lassen.

Dennoch verspürte der Patient bereits vor der Trennung mit der ehemaligen Partnerin depressive Episoden und Unzufriedenheit.

Zirka ein Jahr vor seinem Klinikaufenthalt starb ein guter Freund des Patienten nach einem langen Leidensweg an Krebs. Dies stellte eine zusätzliche Belastung für ihn dar.

Früher aß er sehr viel, fettig und auch sehr gerne, im Verlauf seiner Krankheit steigerte sich die Menge der zugenommenen Nahrung.

Das erste Erbrechen war vor vielen Jahren. Es verlief unbewusst, auf einmal hatte er das Gefühl, sich übergeben zu wollen und zu müssen und führte dies dann auch aktiv herbei. Zu diesem Zeitpunkt hatte er allerdings noch nicht den Wunsch abzunehmen.

Je geringer sein Gewicht war, desto stärker wurde seine Angst, erneut zuzunehmen.

Anfänglich begann er zu laufen, mit der Zeit wurde er leistungsfähiger und auch sehr ehrgeizig. So joggte er immer schneller und immer längere Strecken. Teilweise rannte er sogar bis zur Bewusstlosigkeit. Der Patient sagte selbst „je mehr, desto besser.“

Durch den großen Gewichtsverlust wurden viele Frauen auf den Patienten aufmerksam, die ihn zuvor nicht beachtet hatten. Er bekam viele Komplimente wegen seiner neu entdeckten Sportlichkeit, doch dies beleidigte und belastete den Patienten eher, da es ihm dadurch deutlich erschien, dass er nicht wegen seiner inneren Werte, sondern nur aufgrund seines Äußerens beachtet wurde.

Während den letzten zwei Jahren erbrach er jede Mahlzeit. Die einzigen Nahrungsmittel die er bei sich behielt, waren Wasser, um leichter erbrechen zu können und Bananen, um einigermaßen bei Kraft zu bleiben.

2.4 In der Klinik

In der Klinik bekam der Patient regelmäßig Essen in normalen Portionen, aber es ist ihm selber fraglich, wie es zuhause im alten Umfeld weitergehen wird.

2.5 Der Patient anhand der diagnostischen Leitlinien nach dem ICD-10

Gemessen an den diagnostischen Leitlinien nach dem ICD-10 zeigte der Patient folgende Symptome: Kurz vor dem Zeitpunkt, zu dem er in die Klinik eingewiesen wurde, beschäftigte er sich sehr oft mit Essen. Er erbrach sich bis zu 20-mal am Tag und dies schränkte auch sein soziales Leben ein, da er Einladungen nicht mehr nachkommen konnte. Ebenso konsumierte er sehr große Portionen von Nahrung in kürzester Zeit. Er induzierte das Erbrechen selbstständig, bis es zu einem automatischen Reflex wurde. Zudem behielt er keinerlei Nahrung mehr bei sich abgesehen von Bananen und Wasser, um nicht völlig die Kraft zu verlieren. Von dem Gebrauch von Abführmitteln berichtete der Patient nicht, ebenso wenig von zeitweiligen Hungerperioden, jedoch trieb er übermäßig viel Sport. Vor seiner Erkrankung hatte der Patient mit einer Körpergröße von 1,79m und einem Gewicht von 115kg Übergewicht. Durch die Krankheit nahm er bis zu der unteren Grenze von Normalgewicht ab. Als Folge von diesem Gewichtsverlust zeigt der Patient auch eine gewisse Angst, wieder zuzunehmen. Er möchte keinesfalls zu seinem vorigen Gewicht zurückkehren.

Einige der häufigen Beschwerden beschrieb der Patient ebenso: Er berichtete von großer Schwäche und dem Verlust seiner Kraft, sowie von großem Heißhunger. Ebenso berichtete er von psychischen Beschwerden in Form von starker Unzufriedenheit, Ängste vor dem Sterben und auch sozialen Rückzug. Selbstmordgedanken oder Selbstmordversuche wurden vom Patienten nicht thematisiert, allerdings spielte der Verlust von Lebensqualität eine große Rolle.

[...]

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Beschreibung und Besprechung eines Patienten mit Bulimia Nervosa
Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck
Veranstaltung
Psychosomatik
Note
1
Jahr
2013
Seiten
11
Katalognummer
V936813
ISBN (eBook)
9783346267894
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Falldarstellung, Psychosomatik, Bulimie, Bulimia Nervosa, Psychologie, Fallbericht, Patient
Arbeit zitieren
Anonym, 2013, Beschreibung und Besprechung eines Patienten mit Bulimia Nervosa, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/936813

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