Sowohl in Deutschland (v. Thünen 1850), als auch in den USA (Gilman 1891) existiert der
Gedanke Mitarbeiter am Erfolg eines Unternehmens zu beteiligen, seit weit über 100
Jahren.
Der deutsche Agrarwissenschaftler und Nationalökonom Johann Heinrich von Thünen war
der Meinung, dass die Arbeiter auf seinem Gut in Mecklenburg-Schwerin nicht nur den
Mindestlohn für ihre Arbeitskraft, sondern auch einen weiteren Anteil aus dem
produzierten Gut erhalten sollten. Dieses erste Gewinnbeteiligungsmodell beinhaltete, dass
jeder Gutsarbeiter ein halbes Prozent der jährlichen Überschüsse die einen festgelegten
Schwellenwert überschritten, erhielt. Der Erfolg gab von Thünen recht: Sein Gut war in
der Lage Überschüsse zu erwirtschaften und die jährlichen Gewinnanteile verbesserten die
soziale Lage der Angestellten deutlich. (Strotmann 2002, diverse Onlinequellen s. Anhang)
Der Grundgedanke, dass ein zufriedener Arbeiter in der Lage ist, mehr zu leisten spielt
auch heute noch eine große Rolle, was sich sowohl am großen (internationalen)
Forschungsinteresse, als auch an der Verbreitung von Gewinnbeteiligungsvereinbarungen
in den Unternehmen begründen lässt.
Aus Sicht der Unternehmung sind die positiven Aspekte der Gewinnbeteiligung („profit
sharing“, PS) ein höheres Anstrengungsniveau und eine dadurch induzierte, höhere
Produktivität der Mitarbeiter, eine höhere Identifikation der Belegschaft mit dem
Unternehmen, Kostenreduktionen aufgrund geringerer Fluktuation und verringerter
Fehlzeiten der Mitarbeiter. Des Weiteren versprechen sich Unternehmen sowohl
Rekrutierung, als auch längerfristige Bindung qualifizierter Arbeitnehmer an das
Unternehmen, sowie flexiblere Arbeitskosten da sich die Entlohnung der Mitarbeiter
stärker an die wirtschaftliche Lage des Unternehmens knüpfen lässt.
(Carstensen/Gerlach/Hübler, 1995)
Die positiven Effekte für die Arbeitnehmer aus einer Beteiligung am Erfolg eines
Unternehmens sind primär in einem höheren, leistungsabhängigen Einkommen zu sehen.
Jedoch spielt auch der psychologische Faktor eine Rolle, nach der erbrachten individuellen
oder kollektiven Leistung entlohnt zu werden und so „die Früchte seiner Arbeit“ direkt und
zeitnah zu ernten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Verbreitung und gesetzliche Rahmenbedingungen
2.1. Verbreitung von Gewinnbeteiligungsmodellen in der EU und den USA
2.2. Gesetzliche Rahmenbedingungen und Auswirkungen auf die Entwicklung
3. Überblick über die wichtigsten theoretischen Überlegungen
3.1. Produktivität
3.2. Unternehmensgröße
3.3. Gewerkschaften und Arbeitnehmervertretung
3.4. Regionen
3.5. Immaterielle Mitarbeiterbeteiligung („nonpecuniary participation“)
4. Empirische Überprüfung
4.1. Produktivität
4.2. Immaterielle Mitarbeiterbeteiligung („nonpecuniary participation“)
4.3. Beschäftigung
5. Zusammenfassung und Schlussfolgerung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht theoretische und empirische Aspekte von Gewinnbeteiligungsmodellen für Mitarbeiter, um deren Auswirkungen auf die Unternehmung sowie die Arbeitnehmerschaft zu beleuchten und den Forschungsstand kritisch zu reflektieren.
- Historische Entwicklung von Gewinnbeteiligungsmodellen
- Verbreitung und gesetzliche Rahmenbedingungen in EU und USA
- Theoretische Wirkungsmechanismen auf Produktivität und Unternehmensgröße
- Empirische Evidenz zu Produktivitäts- und Beschäftigungseffekten
- Kombination von materieller und immaterieller Mitarbeiterbeteiligung
Auszug aus dem Buch
3.1. Produktivität
Der am häufigsten genannte Grund für die Aufnahme von Gewinnbeteiligungsmodellen, stellt die Erhöhung der Produktivität eines Unternehmens dar. Der Grundgedanke ist, dass die Anstrengung („effort“), mit der Mitarbeiter ihre Aufgaben verrichten in Unternehmen mit „profit sharing“ höher ist, als in Unternehmen die nur ein fixes Arbeitsentgelt entrichten, da ein nutzenmaximierender Arbeiter dessen Lohn vollkommen unabhängig von seiner individuellen Arbeitsleistung ist, keinen Anreiz hat eine höheren „effort“, als den „Mindesteffort“ zu erbringen. Diese höhere Anstrengung führt zu einer höheren Produktivität der Unternehmen mit Gewinnbeteiligung. (Carstensen/Gerlach/Hübler, 1995)
Als Gegenargument wird angeführt, dass die individuelle Anstrengung nur sehr geringe Auswirkungen auf die Gesamtproduktivität eines Unternehmens hat. (Carstensen/Gerlach/Hübler, 1995) Das Problem liegt darin, dass eine individuelle Gewinnbeteiligung, also ein Anreizsystem welches jeden Arbeiter genau nach seinem individuellen, zusätzlichen „effort“ entlohnt nicht durchführbar ist. Daher besteht nur die Möglichkeit Gruppenanreizsysteme zu generieren, die aber mit den sogenannten „free rider“ Effekten belastet sind. (Samuelson, 1977; Kruse, 1992 und Carstensen/Gerlach/Hübler, 1995) Das heißt, sobald die Gewinnbeteiligung an die Arbeitsleistung eines Teams geknüpft wird, hat ein einzelnes Individuum einen Anreiz als „Trittbrettfahrer“ zu agieren und nur eine Mindestanstrengung zu leisten, da es sich darauf verlässt, dass sich die anderen Teammitglieder anstrengen und somit die Produktivität des Unternehmens und damit den Gewinn steigern. Das „faule“ Individuum erhält trotz seiner unterlassenen Zusatzanstrengung eine Gewinnausschüttung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Die Einleitung beleuchtet den historischen Hintergrund der Gewinnbeteiligung und führt in die zentralen Zielsetzungen sowie den Aufbau der vorliegenden Arbeit ein.
2. Verbreitung und gesetzliche Rahmenbedingungen: Dieses Kapitel analysiert den aktuellen Stand der Verbreitung von Gewinn- und Kapitalbeteiligungen in der EU und den USA sowie die zugrundeliegenden gesetzlichen Anreizstrukturen.
3. Überblick über die wichtigsten theoretischen Überlegungen: Hier werden zentrale theoretische Hypothesen zu den Auswirkungen der Gewinnbeteiligung, wie Produktivitätssteigerung, Unternehmensgröße und der Einfluss von Gewerkschaften, diskutiert.
4. Empirische Überprüfung: In diesem Kapitel werden empirische Studien zu den Effekten von Gewinnbeteiligungen auf die Produktivität sowie die Beschäftigung kritisch ausgewertet.
5. Zusammenfassung und Schlussfolgerung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und weist auf methodische Herausforderungen sowie zukünftigen Forschungsbedarf hin.
Schlüsselwörter
Gewinnbeteiligung, Profit Sharing, Produktivität, Kapitalbeteiligung, Mitarbeiterbeteiligung, Beschäftigung, Anreizsysteme, Unternehmung, Arbeitsleistung, Gruppenanreize, Trittbrettfahrer-Effekt, Gesetzliche Rahmenbedingungen, Arbeitnehmervertretung, Empirische Evidenz, ökonomische Anreize.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der ökonomischen Analyse von Gewinnbeteiligungsmodellen für Mitarbeiter und deren Auswirkungen auf Unternehmen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der Verbreitung von Modellen, den theoretischen Wirkungsmechanismen, empirischen Erkenntnissen zur Produktivität und Beschäftigung sowie der Bedeutung immaterieller Beteiligung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es, einen selektiven Überblick über die Gewinnbeteiligung zu geben und fundierte Erkenntnisse für die Unternehmung und die Arbeitnehmer aus der bestehenden Literatur zu extrahieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Erarbeitung verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturanalyse, die theoretische Modelle sowie empirische Ergebnisse verschiedener ökonomischer Studien vergleichend gegenüberstellt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Verbreitung und gesetzlichen Grundlagen, theoretische Überlegungen zu Anreizwirkungen sowie eine umfassende empirische Überprüfung der Effekte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?
Wichtige Begriffe sind Gewinnbeteiligung, Produktivitätssteigerung, Anreizsysteme, Profit Sharing und ökonomische Auswirkungen.
Wie unterscheidet sich die materielle von der immateriellen Gewinnbeteiligung?
Materielle Beteiligung bezieht sich auf finanzielle Anteile am Unternehmenserfolg, während immaterielle Beteiligung ("nonpecuniary participation") die Einbindung in Entscheidungsprozesse und Verantwortung umfasst.
Warum wird das Problem der "reverse causality" in der Arbeit betont?
Die Arbeit weist darauf hin, dass die Kausalität unklar sein kann, da erfolgreiche Unternehmen eher dazu neigen, Gewinnbeteiligungen einzuführen, was die empirischen Ergebnisse verzerren kann.
Welchen Einfluss haben gesetzliche Rahmenbedingungen in Frankreich und Deutschland?
Frankreich fördert Gewinnbeteiligung aktiv durch gesetzliche Anreize, während in Deutschland solche direkten Anreize fehlen, was zu unterschiedlichen Verbreitungsgraden führt.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor zur Wirkung auf die Beschäftigung?
Die empirische Evidenz wird als uneinheitlich ("inconclusive") bewertet, da sowohl positive als auch negative oder neutrale Effekte in der Literatur nachgewiesen wurden.
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- Diplom Volkswirt Markus F. Enzner (Author), 2007, Gewinnbeteiligung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93704