In dieser Seminararbeit wird die Bibelstelle von Jakobs Traum aus dem Buch Genesis genauer analysiert. Das Buch Genesis verarbeitet älteste Überlieferungen Israels und seiner Nachbarvölker über die Urgeschichte der Menschheit und die Vorgeschichte Israels. Es wählt davon Ereignisse aus, die für die Menschheitsgeschichte charakterlich sind. In diesem Buch kommt es auch der Traum von Jakob bei Gen 28, 10-22 vor, in dem Jakob einen Himmel und Erde verbindende Treppe sieht. Die Textstelle dient als eine persönliche Gotteserfahrung Jakobs, der sich im Flucht befindet. Die vorliegende Arbeit ist eine exegetische Untersuchung der erwähnten Textstelle. Dies geschieht mit einer Reihe exegetischer Schritte. Hierbei wird zuerst eine Kontextabgrenzung und -einordnung durchgeführt und die ausgewählte Geschichte gegliedert. Anschließend werden Literatur- und Redaktionskritik angewandt. Folgend wird eine Traditions- und Motivkritik durchgeführt, bevor die Erzählfiguren schließlich charakterisiert werden.
Um die ausgewählte Textstelle näher zu untersuchen, bedarf es zuerst einer Einordnung in den Kontext des Buches Genesis. Anschließend soll die Textstelle klar abgegrenzt werden um dann in den engeren Kontext eingeordnet zu werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kontextabgrenzung und -einordnung
2.1 Kontexteinordnung in das Buch Genesis
2.2 Textabgrenzung
2.2.1 Direkte Lesehinweise
2.2.2 Szenische Gliederungsmerkmale
2.2.3 Kriterien auf der sprachlich-formalen Ebene
2.3 Nähere Kontexteinordnung
2.3.1 Die Erzählfiguren und ihr Auftreten
2.3.2 Weitere Kriterien
3. Gliederung
4. Literarkritik
4.1 Literarkritische Quellenscheidung
5. Redaktionskritik
6. Gattungsbestimmung
7. Motivs- und Traditionskritik
7.1 Motivskritik
7.2 Traditionskritik
8. Charakterisierung der Erzählfiguren
8.1 Jakob
8.2 Die Engel Gottes
8.3 Gott
9. Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, eine exegetische Untersuchung der Bibelstelle Genesis 28, 10-22 durchzuführen. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse der Erzählung von Jakobs Traum, um deren theologische Bedeutung, Entstehungsgeschichte und die Charakterisierung der beteiligten Figuren innerhalb des biblischen Kontextes zu erschließen.
- Exegetische Analyse der Perikope Gen 28, 10-22
- Untersuchung der literarkritischen und redaktionsgeschichtlichen Schichten
- Bestimmung der Gattung als Heiligtumserzählung
- Traditionsgeschichtliche Einordnung des Traummotivs
- Charakterisierung der agierenden Figuren Jakob, Engel und Gott
Auszug aus dem Buch
8.3 Gott
Wie die Engel auch der Figur Gott kommt im Traum von Jakob vor. Aber anders als die Figur Engel, redet Gott. Seine Rede ist an Jakob orientiert. Gott ist als jemand dargestellt, der Kenntnisse und Erfahrung auch über den vergangenen Generationen hat. Gott erkennt sich selbst als „HERR“ und „Gott von Abraham und Isaak“(Vers 13b). Gott tretet mit einer Verheißung auf. Er verspricht Jakob viel, die an Jakob unbedingt mangelt. Es ist Bemerkens würdig, dass Gott im Vers 14 anders als in Genesis 22, 17 sagt. Während Gott in Genesis 22, 17 „Sterne am Himmel“ und Sand am Ufer des Meers“ um das Phänomen „zahlreich werden“ bzw. „zahlreich sein“ zu definieren nimmt, vergleicht Gott in Genesis das Gleiche mit Staub auf der Erde. Gott scheint auch sehr sicher zu sein indem, was er sagt. Er verspricht seiner Nähe zu Jakob bis alle seiner Verheißung an Jakob erfüllt wird. Für Jakob hälllt alle diese Initiative von der Seite Gottes als Unglaubwürdig. Das Auftauchen des Figur Gottes im Traum könnte allein der Grund sein.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Bedeutung von Gen 28, 10-22 als persönliche Gotteserfahrung Jakobs heraus und skizziert den methodischen Vorgehensplan der exegetischen Untersuchung.
2. Kontextabgrenzung und -einordnung: Dieses Kapitel verortet die Erzählung im Buch Genesis, grenzt den Textabschnitt ein und untersucht die Figurenkonstellation sowie zeitliche und örtliche Rahmenbedingungen.
3. Gliederung: Hier wird der Text der Bibelstelle in logische Sinnabschnitte unterteilt, von Jakobs Ankunft über den Erzählkern des Traums bis hin zum Gelübde.
4. Literarkritik: Das Kapitel analysiert die Einheitlichkeit des Textes, wobei insbesondere der Wechsel von Gottesnamen und mögliche Dubletten oder spätere Einschübe untersucht werden.
5. Redaktionskritik: Diese Sektion befasst sich mit der allmählichen Entstehung und den verschiedenen Bearbeitungsschichten der Bet-El-Erzählung bis zur vorliegenden Endfassung.
6. Gattungsbestimmung: Die Erzählung wird als Kultlegende, Kultgründungssage bzw. Heiligtumserzählung bestimmt, deren Zweck die Ätiologie des Ortes Bethel ist.
7. Motivs- und Traditionskritik: Hier werden die Herkunft des Traummotivs, die Bedeutung des Malsteins sowie die religionsgeschichtlichen Parallelen und die Funktion der Verheißung analysiert.
8. Charakterisierung der Erzählfiguren: Das Kapitel widmet sich der indirekten Charakterisierung der Hauptfiguren Jakob, der Engel Gottes und Gott innerhalb der Erzählwelt.
9. Schlusswort: Das Schlusswort fasst die Ergebnisse zusammen und ordnet Genesis 28, 10-22 als Dokument menschlicher Glaubensgeschichte ein, das von einem freien Entscheidungscharakter der Offenbarung zeugt.
Schlüsselwörter
Genesis, Jakobs Traum, Exegese, Bethel, Heiligtumserzählung, Literarkritik, Redaktionskritik, Traditionskritik, Gotteserscheinung, Malstein, Verheißung, Jakob, Kultätiologie, Altes Testament, Bibelauslegung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit bietet eine fundierte exegetische Untersuchung der biblischen Erzählung von Jakobs Traum in Genesis 28, 10-22.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der literarkritischen und redaktionsgeschichtlichen Analyse, der Gattungsbestimmung als Kultlegende sowie der traditionsgeschichtlichen Einordnung der Erzählung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die Entstehungsgeschichte, die theologische Intention und die Figurenkonstellation der Perikope innerhalb des Gesamtkontextes der Jakoberzählungen zu ergründen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Untersuchung nutzt die klassischen Methoden der alttestamentlichen Exegese, darunter Literarkritik, Redaktionskritik, Motivs- und Traditionskritik sowie eine erzählanalytische Charakterisierung.
Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Kontextuierung, eine detaillierte literarische und redaktionskritische Analyse, die Bestimmung des Genus, die Motiv- und Traditionsgeschichte sowie eine Charakterisierung von Jakob, Gott und den Engeln.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit zusammenfassen?
Die Arbeit charakterisiert sich durch Begriffe wie Genesis, Jakobs Traum, Exegese, Bethel, Kultätiologie, Literarkritik und biblische Offenbarung.
Wie bewertet der Autor Jakobs Reaktion nach dem Aufwachen aus dem Traum?
Der Autor deutet Jakobs Reaktion als Ausdruck einer anfänglichen "spirituellen Unreife" und einer gewissen Undankbarkeit, da Jakob Bedingungen an Gott stellt, statt blind zu vertrauen.
Welche Bedeutung kommt dem "Malstein" in dieser Erzählung zu?
Der Malstein markiert die heilige Stätte für die Nachwelt und dient als Gedenkstein für die Begegnung mit der Gottheit, wobei er zudem im Kontext der Salbung die Heiligkeit des Ortes unterstreicht.
- Arbeit zitieren
- Mathews Pouthur Shajan (Autor:in), 2018, Exegese der Bibelstelle Gen. 28, 10-22. Jakobs Traum, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/937056