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Das Jahrzehnt der Reaktion in Deutschland im Spannungsverhältnis zwischen Restauration und Modernisierung

Title: Das Jahrzehnt der Reaktion in Deutschland im Spannungsverhältnis zwischen Restauration und Modernisierung

Term Paper , 2008 , 20 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Thomas Berwanger (Author)

History of Germany - 1848, Empire, Imperialism
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Summary Excerpt Details

Das Jahrzehnt der Reaktion in Deutschland (1849-1859) lässt sich zweifelsohne als eine Epoche des Übergangs begreifen, wobei dieser Übergang keine klare Bruchlinie zwischen alt und neu aufweisen kann, sondern sich vielmehr erst aus einem Wechselspiel diverser Faktoren prozesshaft entwickelt hat. Die durch die französische Revolution und Napoleon erschütterten europäischen Monarchien befanden sich seit dem Wiener Kongress von 1815 auf einem Konsolidierungskurs zur Re-Etablierung der „alten Systeme“. Gleichzeitig formierte sich eine bürgerliche Bewegung, die dem Konsolidierungskurs ein emanzipatorisches Moment gegenüberstellte, um so die Diskrepanz zwischen ihrer wirtschaftlichen Bedeutung und ihrer politischer Unmüdigkeit zu überwinden. Ausdruck dieser Bemühungen in Deutschland war die Revolution von 1848/49.
Dies ist der Ansatzpunkt vorliegender Arbeit, der die verfassungsmäßige Behauptung der beiden bedeutendsten deutschen Monarchien – Preußens und Österreichs – nach der Revolution 1848/49 nicht als stringent eindimensionale Reaktionspolitik versteht. Vielmehr wird herausgestellt, dass politische Richtungsentscheidungen an zwei zentrale Prinzipien angelehnt waren: Machterhalt der „alten Eliten“ und Hegemoniebestrebungen der beiden deutschen Großmächte. Zum einen wollte man das monarchische Prinzip erhalten und gegenüber den Partizipationsbestrebungen des Bürgertums behaupten, was zu reaktionären Handlungsweisen geführt hat. Zum anderen war die deutschlandpolitische Frage ein Faktor, der Integration und Modernisierung förderte. Denn der deutschlandpolitische Machtkampf war auch an das moderne Prinzip der Öffentlichkeit gebunden und um dabei erfolgreich sein zu können musste man sich mit dem Bürgertum versöhnen, wobei verfassungspolitische Zugeständnisse unumgänglich waren.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die verfassungspolitische Reaktion nach dem Scheitern der Revolution

2.1 Preußens fortdauernde Verfassungspolitik

2.2 Der Neoabsolutismus in Österreich

2.3 Die heterogenen Entwicklungen im dritten Deutschland

3 Die ungelöste deutsche Frage

3.1 Preußens Unionspolitik

3.2 Österreichs Idee des 70 – Millionen Reiches

3.3 Die Olmützer Punktation

3.4 Die Restauration des Deutschen Bundes

4 Die Reaktionspolitik

4.1 Der Bundesreaktionsbeschluss

4.2 Das Bundespressegesetz

4.3 Das Bundesvereinsgesetz

4.4 Der Polizeiverein

5 Die Neue Ära

5.1 Neuer Regierungskurs in Preußen

5.2 Schwierige Veränderungen in Österreich

6 Die deutschlandpolitischen Weichenstellungen am Ende des Jahrzehnt der Reaktion

7 Schlusswort

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht das Jahrzehnt der Reaktion in Deutschland als eine Epoche des Übergangs, geprägt durch das Spannungsverhältnis zwischen alt und neu. Zentral ist dabei die Analyse, wie die deutschen Regierungen versuchten, den konservativ-bürokratischen Obrigkeitsstaat nach der Revolution von 1848 wieder zu etablieren, während gleichzeitig gesellschaftliche Modernisierungsprozesse und das aufstrebende Bürgertum den politischen Rahmen herausforderten.

  • Die verfassungspolitische Reaktion in Preußen und Österreich nach 1848.
  • Die Konkurrenz zwischen kleindeutschen und großösterreichischen Einigungskonzepten.
  • Die Ausgestaltung der reaktionären Politik durch repressive Gesetze und Behördenkooperationen.
  • Die Dynamik des Übergangs zur "Neuen Ära" und die sich wandelnden Rahmenbedingungen am Ende der 1850er Jahre.

Auszug aus dem Buch

2.1 Preußens fortdauernde Verfassungspolitik

Die nachrevolutionäre Verfassungspolitik in Preußen war anfangs im Wesentlichen von zwei Prinzipien bestimmt. Zum einen wollte man entschieden mit der Revolution brechen und einen maximalen Machterhalt für die alten Eliten garantieren und zum anderen setzte sich Preußen paradoxerweise an die Spitze der deutschen Verfassungsbewegung. Letzteres wurde nicht unwesentlich von obigen Überlegungen zu den Partizipationsbestrebungen beeinflusst, wodurch eine einfache Repressionspolitik als unzureichend klassifiziert wurde. „Man wollte entschieden mit der Revolution brechen; darum sollte die Verfassung revidiert und interpretiert werden. Aber man sollte bei dieser Verfassung bleiben; man konnte mit ihr die Gesellschaft in den bürokratischen Staat einbinden und das Parteiwesen abblocken.“ Darüber hinaus wurden die Verfassungspolitik und die innere Reformpolitik von deutschlandpolitischen Motiven stark beeinflusst, denn Preußen setzte sich an die Spitze einer kleindeutschen Einigungsbewegung. „ Diese Tatsache verbietet, die Reaktion als neue Epoche bruchartig beginnen zu lassen. Im Gegenteil schienen die Zeichen der Zeit noch weiterhin in jene Richtung zu deuten, welche die Revolution eröffnet hatte: zum nationalen Verfassungsstaat.“ Dass die Revolution nicht mit aller Härte und Konsequenz bekämpft wurde, sondern ihr noch eine gewisse wohlwollende Duldung entgegengebracht wurde, für welche die oktroyierte Verfassung vom 6. Dezember 1848 ein Beispiel ist, stand in engem Zusammenhang mit der Stellung Preußens innerhalb Deutschlands. Dies sollte sich erst mit dem Vertrag von Olmütz ändern, da sich dort das Deutschlandpolitische Motiv zerschlug und somit einer tiefgreifenderen Reaktion die Türe aufgestoßen wurde.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung definiert das Jahrzehnt der Reaktion als eine Epoche des Übergangs zwischen der post-napoleonischen Staatenordnung und der nationalstaatlichen Konsolidierung, geprägt durch das Spannungsverhältnis zwischen Restauration und Modernisierung.

2 Die verfassungspolitische Reaktion nach dem Scheitern der Revolution: Dieses Kapitel behandelt die unterschiedlichen Ansätze Preußens und Österreichs, nach dem Niedergang der Revolution von 1848 die verfassungspolitischen Rahmenbedingungen zur Sicherung monarchischer Macht zu gestalten.

2.1 Preußens fortdauernde Verfassungspolitik: Hier wird analysiert, wie Preußen einerseits mit der Revolution brach, andererseits jedoch eine konstitutionelle Monarchie beibehielt und sich an die Spitze der kleindeutschen Einigungsbewegung setzte.

2.2 Der Neoabsolutismus in Österreich: Der Fokus liegt auf dem österreichischen Ziel der Erhaltung der territorialen Integrität des Vielvölkerstaates durch ein neoabsolutistisches System, das militärische und polizeiliche Unterdrückung mit zentralistischen Verwaltungsreformen verband.

2.3 Die heterogenen Entwicklungen im dritten Deutschland: Dieses Kapitel erläutert die variierenden Reaktionen der kleineren deutschen Staaten auf die restaurativen Tendenzen, die oft von externen Faktoren und dem Druck der Großmächte beeinflusst waren.

3 Die ungelöste deutsche Frage: Es wird der neu entbrannte Dualismus zwischen Preußen und Österreich nach der Revolution untersucht, der die Suche nach einer territorialen Neuordnung Mitteleuropas bestimmte.

3.1 Preußens Unionspolitik: Darstellung der Bemühungen Preußens, einen preußisch dominierten Nationalstaat durch ein Bündnis mit den Fürsten und sogenannte Unionspläne zu realisieren.

3.2 Österreichs Idee des 70 – Millionen Reiches: Beschreibung des österreichischen Gegenkonzepts, die gesamte Monarchie in den Deutschen Bund einzubinden, um die Führungsrolle gegenüber Preußen zu wahren.

3.3 Die Olmützer Punktation: Analyse des entscheidenden Konfliktpunktes von 1850, der als symbolische Niederlage Preußens in die Geschichte einging und den vorläufigen Sieg österreichischer Interessen zementierte.

3.4 Die Restauration des Deutschen Bundes: Zusammenfassung der Dresdner Konferenz und der daraus resultierenden Wiederherstellung des Deutschen Bundes in alter Form, verbunden mit einem Ausgleich der hegemonialen Rivalität.

4 Die Reaktionspolitik: Dieses Kapitel beschreibt den Übergang des Dualismus zu einer gemeinsam koordinierten antirevolutionären Innenpolitik der beiden Großmächte unter dem Ordnungsrahmen des restaurierten Deutschen Bundes.

4.1 Der Bundesreaktionsbeschluss: Untersuchung der ersten Maßnahmen zur Rechtsrevision und der Schaffung des Bundesreaktionsausschusses zur Überwachung der Landesverfassungen.

4.2 Das Bundespressegesetz: Erläuterung der wiedereingeführten Pressebeschränkungen durch das Gesetz von 1854 als Instrument zur Unterdrückung oppositioneller Meinung.

4.3 Das Bundesvereinsgesetz: Darstellung des sogenannten Affiliationsverbots, das die Bildung politischer Parteien untersagte und organisierte Opposition kriminalisierte.

4.4 Der Polizeiverein: Analyse der nicht formalen Zusammenarbeit der Polizeibehörden sieben deutscher Staaten zum Austausch von Informationen über missliebige Personen und politische Gruppierungen.

5 Die Neue Ära: Einführung in die Wende der 1850er Jahre, ausgelöst durch den Thronwechsel in Preußen, die als Bruch mit dem metternichschen Stil interpretiert wird.

5.1 Neuer Regierungskurs in Preußen: Beschreibung des Wandels durch die Regentschaft von Prinz Wilhelm, der auf Ausgleich mit liberalen Kräften setzte, um den preußischen Hegemonialanspruch zu stärken.

5.2 Schwierige Veränderungen in Österreich: Erläuterung der innenpolitischen Reformbemühungen Wiens, die durch ökonomische Zwänge und die Problematik des Vielvölkerstaates stark gehemmt wurden.

6 Die deutschlandpolitische Weichenstellungen am Ende des Jahrzehnt der Reaktion: Fazit über die Verschiebung der Machtverhältnisse zugunsten Preußens, da es sich besser auf das moderne Prinzip der Öffentlichkeit einzustellen verstand als das blockierte Österreich.

7 Schlusswort: Zusammenfassung der wesentlichen Erkenntnisse über die dialektische Beziehung zwischen Reaktion und Modernisierung und die daraus resultierende Weichenstellung für die deutsche Einigung.

Schlüsselwörter

Reaktion, Restauration, Modernisierung, Deutscher Bund, Preußen, Österreich, Verfassungspolitik, Nationalismus, Liberalismus, Obrigkeitsstaat, Deutschlandpolitik, Neoabsolutismus, Revolution 1848, Öffentlichkeitsprinzip, Hegemonie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?

Die Arbeit untersucht das Jahrzehnt der Reaktion in Deutschland nach der Revolution von 1848 und analysiert die politische Epoche des Übergangs, in der konservative Regierungen versuchten, alte Strukturen zu restaurieren, während sie gleichzeitig auf gesellschaftliche Modernisierungskräfte reagieren mussten.

Welche zentralen Themenfelder werden beleuchtet?

Zentrale Themen sind die verfassungspolitische Reaktion, der deutsch-deutsche Machtkampf zwischen Preußen und Österreich, repressive Maßnahmen gegen liberale Bewegungen sowie die sozioökonomischen Bedingungen, die schließlich in die sogenannte "Neue Ära" mündeten.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das primäre Ziel ist es, das "Jahrzehnt der Reaktion" als eine Phase zu begreifen, in der sich durch den Kampf um die deutsche Frage und den Wandel der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen die Weichen für die spätere nationalstaatliche Konsolidierung unter preußischer Führung stellten.

Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?

Die Arbeit basiert auf einer geschichtswissenschaftlichen Analyse, die primär auf der Auswertung relevanter Fachliteratur und historischer Quellen fußt, um die komplexen politischen Spannungsverhältnisse dieser Epoche fundiert darzustellen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der verfassungspolitischen Maßnahmen, die Auseinandersetzung um die deutsche Frage (Unionspolitik vs. 70-Millionen-Reich), die konkrete Umsetzung reaktionärer Politik durch Bundesgesetze und polizeiliche Kooperationen sowie die abschließende Wende hin zur "Neuen Ära".

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt charakterisieren?

Die Arbeit lässt sich maßgeblich durch Begriffe wie Reaktion, Restauration, Preußen, Österreich, deutscher Dualismus, Verfassungspolitik und Modernisierung charakterisieren.

Welche Rolle spielte der "Polizeiverein" für die Reaktionspolitik?

Der Polizeiverein fungierte als informelle, staatenübergreifende Institution, die den diplomatischen Weg umging, um durch einen systematischen Nachrichtenaustausch revolutionäre Tendenzen effizient zu unterdrücken und die reaktionären Gesetze flächendeckend durchzusetzen.

Warum gelang Preußen die Abkehr vom reaktionären Kurs besser als Österreich?

Preußen konnte durch innenpolitische Lockerungen und eine geschickte Ausnutzung des Prinzips der Öffentlichkeit das liberale Bürgertum besser in die Staatsgestaltung einbinden, während Österreich durch die ungelöste Nationalitätenfrage und eine desolate Wirtschaftslage in seinen Reformbemühungen blockiert blieb.

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Details

Title
Das Jahrzehnt der Reaktion in Deutschland im Spannungsverhältnis zwischen Restauration und Modernisierung
College
University of Augsburg
Course
Nation, Nationalismus, Nationalstaat. Deutschland im langen 19. Jahrhundert
Grade
1,0
Author
Thomas Berwanger (Author)
Publication Year
2008
Pages
20
Catalog Number
V93723
ISBN (eBook)
9783638072601
ISBN (Book)
9783640099290
Language
German
Tags
Jahrzehnt Reaktion Deutschland Spannungsverhältnis Restauration Modernisierung Nation Nationalismus Nationalstaat Deutschland Jahrhundert
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Thomas Berwanger (Author), 2008, Das Jahrzehnt der Reaktion in Deutschland im Spannungsverhältnis zwischen Restauration und Modernisierung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93723
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