Die Eroberung von Veji durch die Stadt Rom

Bedeutende militärische Operation oder überbewerteter Teil der römischen Identitätsbildung?


Hausarbeit, 2008

22 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung
1.1. Allgemeines
1.2. Forschungsstand

2. Die Etrusker in Italien
2.1. Herkunft
2.2. Kunst und Handel
2.3. Urbanisierung

3. Archäologischer Befund der Stadt Veji
3.1. Infrastruktur
3.2. Kultur und Religion
3.3. Wirtschaft

4. Die Stadt Veji in der literarischen Überlieferung
4.1. Griechische Quellen
4.2. Römische Quellen
4.3. Problematik der etruskischen Literatur

5. Das Verhältnis zu Rom
5.1. Entwicklung
5.2. Die Belagerung
5.2.1. Vorgeschichte
5.2.2. Verlauf
5.2.3. Folgen

6. Zusammenfassung

Anhang

I. Abbildungsverzeichnis

II. Quellenverzeichnis

III. Literaturverzeichnis

1. Einführung

1.1. Allgemeines

„The Etruscans, as everyone knows, were the people who occupied the middle of Italy in early Roman days and whom the Romans, in their usual neighbourly fashion, wiped out entirely to make room for Rome with a very big R.

Besides, the Etruscans were vicious. We know it because their enemies and exterminators said so.”[1]

Die einführenden Worte bringen die Problematik der Beschäftigung mit der etruskischen Geschichte auf den Punkt und belegen die Relevanz der Beschäftigung mit der Thematik. Die frührömische Geschichte bis zur Eroberung durch die Kelten 387 v. Chr. ist dabei an die der Etrusker geknüpft, was allein die geographische Nähe bedingte, denn die zu betrachtende südetruskische Stadt Veji und Rom waren nur durch den Tiber und eine Entfernung von etwa 18 km getrennt. Für eine Ausbreitung auf der italienischen Halbinsel schien für Rom deshalb eine Konfrontation mit dem nördlich von Rom gelegenen Etrurien und vor allem mit der Stadt Veji unausweichlich.

Da in dem Zitat auf die Einseitigkeit der Informationen über die Etrusker hingewiesen wurde, nämlich hauptsächlich aus römischer und griechischer Perspektive, ist gerade diese Seite der Überlieferung kritisch zu betrachten. Deshalb soll in dieser Arbeit im Hinblick auf die Konfrontation zwischen Rom und Veji herausgefunden werden, ob diese einen wirklichen Existenzkampf zweier Großmächte darstellte oder nur in der römischen Überlieferung zur Schaffung einer eigenen Identität diente? Um diese Frage zu beantworten wurden verschiedene literarische Quellen und der archäologische Befund für die Geschichte der Etrusker im allgemeinen und für Veji im Speziellen genutzt, auch wenn die Ergiebigkeit dieses Materials auf den ersten Blick gering erscheint. Nach der Analyse der verschiedenen Quellen und die Wahrnehmung Vejis in Rom wurden das Verhältnis der beiden bedeutenden Städte und ihre militärische Konfrontation bis zum Anfang des vierten Jahrhunderts v. Chr. analysiert, um die beiden Befunde mit dem geschichtlichen Verlauf in Verbindung zu bringen.

1.2. Forschungsstand

Da die Betrachtung der etruskischen Geschichte einige Fragen aufwirft, sollen an dieser Stelle die wichtigsten Problemfelder beleuchtet werden. Bei der intensiven Beschäftigung mit der Etruskologie fällt auf, dass der Weg zur Erkenntnis über das Volk der Etrusker im Gegensatz zu der über das römische Volk noch immer ein sehr steiniger ist, auch wenn auch bei jenen in Bezug auf die Gründungs- und Frühzeit ein großer Raum für Spekulationen bleibt. Die angedeuteten Problemfelder stellen dabei der archäologische Befund, die größtenteils einseitige schriftliche Überlieferung, die noch nicht vollständig erschlossene etruskische Sprache und nicht zuletzt die kontroverse Frage nach der Herkunft dieses Volkes dar.

Zum Teil ergiebig erweist sich für den Etruskologen die Beschäftigung mit etruskischer Kunst, die sich vor allem in Form von Beigaben in den etruskischen Gräbern wieder findet. Die Herkunft der Etrusker stellt sich als kontrovers heraus, da ihr über die verschiedenen zeitlichen Epochen ein orientalischer Ursprung nachgesagt wurde, der sich aus der für die italienische Halbinsel abweichende Religion, Sprache und Kunst ergab.[2] Obwohl bei Herodot die Ankunft eines neuen Volkes um 1200 v. Chr. erwähnt wurde, heißt das nicht zwangsläufig, dass aus dem Nichts ein neues Volk vollständig in einer allumfassenden Wanderung in den italischen Siedlungsraum eingedrungen war.[3] Vielmehr wird davon ausgegangen, dass die orientalische Kultur, die ab 700 v. Chr. die Villanova-Kultur langsam ablöste, nicht gleichzeitig einen ethnischen Schnitt mit sich brachte, sondern schlichtweg einen orientalischen Einfluss, der durch Zuwanderung oder Handel bedingt sein könnte.[4]

Damit könnte die etruskische Kultur nicht aus dem Wechsel zweier homogener Kulturen, sondern dafür aus der Integration und Verschmelzung verschiedener Einflüsse und sogar Ethnien entstanden sein, da der Schnitt für das erstere nicht tief genug gewesen zu sein schien.[5] Auch die These von der Erstbesiedlung durch die Etrusker hält sich, die quasi nach der Ankunft indoeuropäischer Völker von diesen wechselseitig beeinflusst und als andersartig wahrgenommen wurden.

2. Die Etrusker in Italien

2.1. Herkunft

Auf die Frage nach der Herkunft und der Herausbildung des Etruskischen gibt es seit der Antike keine eindeutige Antwort. Eine Eingrenzung des etruskischen Lebens- und Siedlungsraumes erfolgte über die Archäologie, mit der die verschiedenen ethnischen Gruppen auf der italienischen Halbinsel hinsichtlich Grabkultur, Bestattungswesen und handwerklichen Produkten von einander unterscheiden werden konnten.[6] Weiterhin lässt sich die Anwesenheit eines Volksstammes seit dem siebten Jahrhundert v. Chr. belegen, da ab dort Inschriften in einer etruskischen Sprache vorliegen.[7]

Nächster Schritt wäre die Berücksichtigung der Kontinuität zwischen den Merkmalen verschiedener ethnischer Ausprägungen gemessen an der Ausgestaltung ihrer Nekropolen, die eine Weiterentwicklung bei der Integration verschiedener Einflüsse darstellt und die Vermutung aufkommen lässt, dass in der Villanova-Kultur (neuntes bis achtes Jahrhundert) bereits vom Etruskischen gesprochen werden könne.[8] Dieses Etruskische unterscheidet sich zwar von der Gruppe, die in demselben Gebiet zum Ende der Bronzezeit lebte, aber dadurch lässt sich erkennen, dass hier die bereits erwähnte integrative Zusammenführung von verschiedenen Einflüssen erfolgte, was u. a. in verschiedenen Grabfunden belegt werden konnte.[9]

Als Ursachen sind wie so oft in der menschlichen Siedlungsgeschichte die magnetische Wirkung von besseren landwirtschaftlichen oder sonstigen Lebensbedingungen bzw. die höhere Anzahl von Bodenschätzen zu nennen,[10] wobei bei Herodot von einer einfachen Hungersnot als ausschlaggebender Begründung zu lesen ist.[11] Die Funde betreffend Gegenstände, die von der Villanova-Kultur abweichen, können zum einen die Integrationsthese unterstützen, sind aber vor allem auch ein Zeichen für den seit dem achten Jahrhundert auftretenden Handel bzw. die militärischen Auseinandersetzungen mit benachbarten oder weiter entfernten Gruppen über Land und dem Seeweg.[12]

2.2. Kunst und Handel

Der Handel war bei den Etruskern schon ab dem achten Jahrhundert nachweisbar und zeichnete sich durch einen Teil hohen Radius des Exports etruskischer Waren aus, was durch Funde in West- und Mitteleuropa beweisen werden konnte, wobei der Import von Waren zu einem erheblichen Teil aus dem griechischen Raum oder auch zum Teil von phönizischen Seefahrern stammte.[13] Im griechischen Raum lassen sich auch handwerklich erzeugte Heiligtümer aus Bronze nachweisen, die aus Etrurien stammten, jedoch für sich auch äußere bzw. fremde regionale Einflüsse beinhalteten.[14] Schwierig gestaltete sich hierbei immer die genaue Zuordnung, da für den Export bestimmte Objekte durchaus abweichend vom Stil der Produkte sein konnten, die für den eigenen Gebrauch genutzt wurden, da sie häufig auf die Anforderungen des Käufers ausgerichtet waren.[15] Weiterhin konnte zwar die Zuordnung zur etruskischen Kunst erfolgen, jedoch hatte sich insgesamt nicht die homogene etruskische Kunst herausgebildet, so dass auch innerhalb Etruriens die örtlichen Unterscheidungen berücksichtigt werden mussten.[16]

Die Identifikation von Gegenständen für den alltäglichen Gebrauch war zwar grundsätzlich möglich, hatte aber Unterschiede regional aufzuweisen und aus den lediglich als Fragmente erhaltenen Objekten zu erfolgen. Das heißt, dass Gegenstände, die erhalten sind, meist in diesem Zustand aus mangelndem Bedarf verlassen wurden und deshalb nicht die im permanenten Hausgebrauch stehenden Objekte darstellten.[17] Somit grenzt der Befund aus Grabbeigaben den Erkenntnisgewinn ein, da die Anlage von Gräbern und ihre reichhaltige Ausstattung mit den Beigaben und künstlerischen Verziehrungen grundsätzlich den Vermögenden vorbehalten war und deshalb nicht als repräsentativ gelten kann.[18]

2.3. Urbanisierung

Da die Eingrenzung des Gebietes Etruriens über den archäologischen Befund und die literarische bzw. juristische Überlieferung erfolgte, ist nicht von einer 100%igen Kongruenz des ethnischen Siedlungsgebietes mit der politischen Gliederung auszugehen, so dass die Bezeichnung als etruskischer Kulturraum denn als Staatsgebilde wohl zutreffender ist.[19] Als südliche Grenze wurde fast unbestritten das natürliche Hindernis des Tiber anerkannt, genauso wie das Tyrrhenische Meer im Westen die Landschaft Etruriens begrenzte. Der Rest der Region war mit den verschiedensten geographischen Gegebenheiten durchsetzt, wie Gebirge und Wald, der dem immer weiter ansteigenden Bedarf nach landwirtschaftlicher Nutzfläche Tribut zollen musste.[20] Die Rodung von Waldflächen für die Landwirtschaft war ebenso wie der Anstieg des Handelvolumens Ausdruck einer fortschreitenden Organisation des alltäglichen Lebens, das sich von der reinen Dorfgemeinschaft ab dem siebten Jahrhundert zu einer zentralisierten Metropole entwickelte.[21]

Damit einher ging jedoch nicht nur der politische und wirtschaftliche Zusammenschluss, sondern auch die Erweiterung des Siedlungsraumes in dem erwähnten Gefüge der zusammen geschlossenen Dorfgemeinschaften, die wiederum die archäologische Eingrenzung in Form von Funden, wie Strassen, Anlagen zur Bewässerung, Plätze für Zusammenkünfte und vor allem organisierte Nekropolen ermöglichten.[22] Dennoch kann in der Frühphase der Organisation noch nicht von der systematischen Stadtplanung gesprochen werden, denn dafür sprechen weder archäologische noch literarische Hinweise und auch der Zeitansatz zwischen Beginn der Zentralisierung und ihrer systematischen Ausrichtung wäre zu kurz gegriffen. Für die Auswahl städtischer Zentren sprach jedoch meistens die Berücksichtigung geographischer Gegebenheiten vor allem hinsichtlich ihrer natürlichen Schutzmöglichkeiten, z.B. die Begrenzung durch Flüsse, Bergmassive, Anhöhen usw. bei einer eventuellen Verteidigung, wobei eine größere Organisation in Küstennähe nicht stattfand.[23]

Die von römischer Seite getroffene Einteilung in zwölf etruskische „populi“ zu republikanischer Zeit erfolgte dabei auch in Anlehnung an die Anzahl städtischer Zentren, die in ihrer ethnischen Struktur jedoch nicht darin übereinstimmen mussten und deshalb nicht als zutreffende Bezeichnungen gelten können. Dazu kam die Tatsache, dass städtische Zentren sich eventuell durch Eroberung vergrößern bzw. verkleinern konnten oder wie im folgenden Falle Veji ihre Handlungsfähigkeit als Stadt verloren.[24]

[...]


[1] Lawrence, David Herbert: Etruscan Places. London 1932, zit. nach Barker, Graeme; Rasmussen, Tom: The Etruscans. Oxford 1998, S. 85 und 262.

[2] Heurgon, Jacques: Die Etrusker. Düsseldorf 2004, S. 8-12 und Beekes, R. S. P.: The Origins of the Etruscans. Amsterdam 2003, S. 24-36.

[3] Beekes, R. S. P.: The Origins of the Etruscans. Amsterdam 2003, S. 24-36.

[4] Heurgon, Die Etrusker, S. 8-12.

[5] Ebd.

[6] Camporeale, Giovannangelo: Die Etrusker. Geschichte und Kultur. Düsseldorf 2003, S. 92: Die bereits in der Einführung dargestellte Debatte um die Herkunft zeigt die Strittigkeit um ein zugewandertes Volk aus den Nachbarregionen des heutigen Italiens und orientiert sich deshalb eher in Richtung der Integration verschiedener Gruppen zu einer Volksgruppe.

[7] Ebd., S. 93.

[8] Ebd.

[9] Ebd., S. 95.

[10] Camporeale, Die Etrusker, S. 95: Auf weitere Ursachen, die vor allem aus dem literarischen Befund abzuleiten wären, wird im entsprechenden Kapitel eingegangen, obwohl dieser Befund, so viel sei schon vorweggenommen, von archäologischen Erkenntnissen abweicht.

[11] Beekes, Origins of the Etruscans, S. 26.

[12] Camporeale, Die Etrusker, S. 101.

[13] Ebd., S. 100.

[14] Ebd., S. 105.

[15] Ebd., S. 127f.

[16] Ebd., S. 130.

[17] Camporeale, Die Etrusker, S. 131.

[18] Ebd., S. 132.

[19] Ebd., S. 56.

[20] Ebd., S. 61.

[21] Ebd., S. 70.

[22] Ebd.

[23] Camporeale, Die Etrusker, S. 74.

[24] Ebd., S. 76.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Die Eroberung von Veji durch die Stadt Rom
Untertitel
Bedeutende militärische Operation oder überbewerteter Teil der römischen Identitätsbildung?
Hochschule
Universität Hamburg
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
22
Katalognummer
V93736
ISBN (eBook)
9783638068789
ISBN (Buch)
9783640282180
Dateigröße
1483 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Eroberung, Veji, Stadt
Arbeit zitieren
Benjamin Pommer (Autor:in), 2008, Die Eroberung von Veji durch die Stadt Rom, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93736

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