Neue Institutionenökonomie - Herkunft, theoretische Grundlagen und praktische Anwendungsoptionen zu Organisations- und Managementproblemen im Unternehmen


Hausarbeit, 2005

24 Seiten, Note: 2,4


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Definition
2.1 Institution
2.2 Weitere arbeitsrelevante Begriffe

3. Entstehung von Institutionen
3.1 Kollektivistische Ansätze
3.1.1 Marxistischer Ansatz
3.1.2 Strukturell funktionalistischer Ansatz
3.1.3 Autopoietisch-systemtheoretischer Ansatz
3.2 Individualistische Ansätze
3.2.1 Individualistisch-kontrakttheoretischer Ansatz
3.2.2 Individualistisch-evolutionistischer Ansatz

4. Neue Institutionenökonomie
4.1 Transaktionskostensansatz
4.2 Principial-Agent-Theorie
4.3 Proberty rights

5. Sozialwirtschaftliche Unternehmen
5.1 Abgrenzung sozialwirtschaftlicher Unternehmen
5.2 Typologisierung

6. Sozialwirtschaftliche Unternehmen auf Reformkurs
6.1 Reformbewegung am Beispiel der Wohlfahrtsverbände
6.2 Verbandssteuerung zwischen Konkurrenz und Kooperation am Beispiel Landesverband Nordrhein des Deutschen Roten Kreuz

7. Zusammenfassung

Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Seit den 90er Jahren ist im Bereich sozialwirtschaftlicher Unternehmen eine Kursveränderung spürbar. Den Anfang bildeten die Veränderungen der gesetzlichen Rahmenbedingungen durch die Überarbeitung und Neuauflage des Sozialgesetzes und Einführung der Pflegeversicherung. Ein weiterer ausschlaggebender Punkt sind die immer knapper werdenden öffentlichen Finanzmittel. Das Subsidiaritätsprinzip, fehlende Wirtschaftlichkeit, zu wenig Service, fehlende Kundenorientierung und starre Strukturen sind nur einige Kritikpunkte, welche die Forderung nach Reformen und grundlegender Neuerung des sozialwirtschaftlichen Sektors laut werden lies und lässt.

Das Theoriegerüst der Neuen Institutionenökonomie bildet eine Grundlage für den Wandel bzw. die Notwendigkeit zur Veränderung intermediärer Organisationen. Doch unter der Besonderheit, dass es sich um soziale Dienstleistungen handelt, stellt sich die Umsetzung als ganzheitliche Herausforderung dar. Der Ansatz liegt in der Übertragbarkeit betriebswirtschaftlicher Instrumente auf sozialwirtschaftliche Unternehmen. Transaktionskosten, Agency Beziehungen und Proberty rights bilden dabei die Grundpfeiler. Doch fehlende eindeutige Kennzahlen bei sozialwirtschaftlichen Unternehmen, wie Gewinn und Umsatz, lassen vieles im Unklaren. Dazu kommt die Problematik des Managements sozialwirtschaftlicher Unternehmen. Nährlich dazu: „Ein genuines Nonprofit-Management, das die Strukturbesonderheiten von Nonprofit-Organisationen berücksichtigt, existiert in Deutschland jedoch nicht“[1].

Die vorliegende Arbeit gibt einen Überblick über die Entstehung und Definition von Institutionen. Die Neue Institutionenökonomie wird erläutert und ihre Grundpfeiler definiert. Zudem ist zu klären, welchen Arten von sozialwirtschaftlichen Unternehmen es gibt und welche Besonderheiten deren sozialen Dienstleistungen aufweisen. Am Beispiel der Wohlfahrtsverbände wird der Reformkurs sozialwirtschaftlicher Unternehmen nachgewiesen und die Verbandssteuerung als Managementaufgabe aus Transaktionskostensicht beschrieben.

2. Definition

2.1 Institution

Die Verschiedenartigkeit der Definitionsmöglichkeit einer Institution ist umfangreich. Es kann nicht von Einheitlichkeit und Genauigkeit gesprochen werden. Vielmehr ist die Definition des Begriffs der Institution abhängig davon, in welchen Zusammenhang der Begriff gesehen wird. Der Duden erklärt eine Institution pauschal als öffentliche Einrichtung. Wenn eine Einrichtung als dauerhaft und auf Grund ihrer regelmäßigen Wiederkehr beschrieben wird, endet das vordergründig in der Erkenntnis, dass es sich um eine Institution handelt. Dem zu Grunde liegt eine weit verbreitete umgangssprachliche Bedeutung und Verwendung des Institutionenbegriffs. So werden zum Beispiel der Staat, die Nachrichten am Abend, der jährliche Betriesausflug oder die Ehe als Institution verstanden. Dazu kommt, dass der Begriff der Institution als einer der Hauptbegriffe jeder Gesellschaftswissenschaft angesehen wird.

Institutionen werden, aus Sicht einer Organisation, vor allem als Koordinations- und Motivationsinstrumente verstanden. In den Ausführungen von Picot, Dietl und Franck werden Institutionen als sanktionierbare Erwartungen definiert, welche sich auf die Verhaltensweisen eines oder mehreren Individuen beziehen. Institutionen haben den Anspruch eines Wegweisers für die Aufstellung und Realisierung von Handlungsplänen und dem Aufzeigen von Möglichkeiten und Grenzen.[2]

In Anlehnung an Etzioni und Parsons unterscheidet Vanberg zwei Bedeutungsmöglichkeiten von Institutionen. Zum einen wird der Institutionenbegriff als organisierter sozialer Zusammenschluss für kooperative Gebilde verwendet. Zum zweiten beschreibt er normative Regeln und Verhaltensmuster jeder Art. Als Beispiel für die erste Variante sind Unternehmen, Parteien und Verbände zu nennen. Recht, Geld und Eigentum werden für die zweite Variante als Institution bezeichnet.

Eine weitere Möglichkeit zur Identifizierung einer Institution wird von Frey dargestellt. Er beschreibt Institutionen als Regeln, welche die Bedingungen zwischenmenschlichen Handelns festlegen und als Organisation.

Eine abschließende detaillierte Institutionendefinition von Ostrom lautet: „Institutionen lassen sich definieren als die Mengen von Funktionsregeln, die man braucht, um festzulegen, wer für Entscheidungen in einem bestimmten Bereich in Frage kommt, welche Handlungen statthaft oder eingeschränkt sind, welche Aggregationsregeln verwendet werden, welche Verfahren eingehalten werden müssen, welche Information geliefert oder nicht geliefert werden muß, und welche Entgelte den einzelnen entsprechend ihren Handlungen zugebilligt werden [...] Alle Regeln enthalten Vorschriften, die eine Handlung oder ein Ergebnis verbieten, gestatten oder verlangen. Funktionsregeln sind diejenigen Regeln, die tatsächlich angewendet, kontrolliert und durchgesetzt werden, wenn Einzelpersonen Entscheidungen über ihre zukünftigen Handlungen treffen.“[3]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.2 Weitere arbeitsrelevante Begriffe

Ökonomie

Als Ökonomie wird die Wirtschaftlichkeit insgesamt verstanden oder anders umschrieben: „die sparsame Lebensführung“. Das heißt, es geht zum Beispiel um die Wirtschaftlichkeit eines Vereins und die damit verbundenen Variablen, wie die materiellen und personellen Ressourcen.

Externe Effekte

Als externe Effekte werden Nebenfolgen von Handlungen, welche die Wohlfahrt Dritter betreffen, gesehen. Sie sind ökonomisch gesehen aus einen anderen Budget. Es wird zwischen positiven und negativen externen Effekten unterschieden, im Sinn von Nutzensteigerung und Nutzenminderung. Die Kosten werden sozusagen an die Allgemeinheit übertragen. Zu den externen Effekten werden zum Beispiel Umweltschäden gezählt.

Wohlfahrtsverluste

Wohlfahrtsverluste beziehen sich auf die Minderung des Wohlstandes bzw. die Schädigung der Allgemeinheit. Die Wohlfahrtsverluste stehen im engen Zusammenhang mit negativen externen Effekte. Auch hier ist die Umweltschädigung ein passendes Beispiel als Wohlfahrtsverlust in Bezug auf die Konstellation Unternehmen gegenüber der Allgemeinheit.

Opportunismus

Opportunistisches Verhalten sind Handlungsweisen, bei denen ein Akteur zur Durchsetzung eigener Interessen die mögliche Schädigung anderer Akteure bewusst in Kauf nimmt. Opportunismus reflektiert die Handlungskonsequenzen aus Sicht eines externen Beobachters. Die Möglichkeit des Opportunismus ist eine zentrale Annahme in einigen ökonomischen Modellen.

3. Entstehung von Institutionen

Die Ansätze bei der Frage nach der Entstehung von Institutionen sind schon wie bei der Definitionsfindung unterschiedlich. Eine grundlegende Klassifizierung kann in kollektivistische Ansätze und individualistische Ansätze vorgenommen werden. Beim kollektivistischen Ansatz wird die Bildung und Veränderung von Institutionen als emergentes Phänomen sozialer Systeme betrachtet, was sich als solches auch nur sozial erklären lässt. Individualistisch wird die Institutionenbildung und der Institutionenwandel als ein Ergebnis individueller Handlungen verstanden. In den folgenden Gliederungspunkten werden die Formen beider Ansätze näher beleuchtet.

3.1 Kollektivistische Ansätze

3.1.1 Marxistischer Ansatz

Der Ausgangspunkt des Marxismus ist, dass die menschliche Arbeit zum Zweck der Lebenserhaltung dient. Das Bewusstsein der Menschen wird durch die Befriedigung der Bedürfnisse in Form von materieller Produktion bestimmt. Die institutionelle Entwicklung unterliegt deterministischen Gesetzmäßigkeiten. Die Gesamtheit der Produktionsverhältnisse werden als ökonomische Struktur einer Gesellschaft bezeichnet. Die Institution ist Überbau und legitimiert die entsprechenden Handlungsmuster. Unter den Produktionskräften im Marxismus werden sämtliche Produktionsmittel sowie die Arbeitskraft verstanden. Die Wissensvermehrung und eine fortschreitende Arbeitsteilung sind Indikatoren für die Erhöhung der Effizienz der Produktionskräfte. Mit der Erhöhung der Effizienz verändern sich auch die Produktionsverhältnisse. Das führt dazu, dass alte Institutionen überholt werden und ab einen bestimmten Punkt als Hemmnis für die Weiterentwicklung wirken. Daraus folgt die soziale Revolution durch die Gesellschaft und neue Institutionen entstehen. Zu berücksichtigen ist, dass in diesem Ansatz eine Anpassungsfähigkeit von Kräften und Verhältnissen in Bezug auf Produktion und der Institutionen nicht eingeräumt wird. Als namentliche Vertreter stehen, wie der Ansatz einseitig schon verrät, Marx und Engels im Vordergrund.

3.1.2 Strukturell funktionalistischer Ansatz

Die struktur-funktionalistischen Ansätze stellen den Systemgedanken in den Mittelpunkt. Dabei werden handelnde Individuen als Grundeinheiten sozialer Systeme verstanden. Die Beziehungsmuster zwischen den handelnden Individuen bilden die Struktur des Systems. Die Struktur verleiht dem System Kontinuität. Der Fortbestand des Systems ist nicht gefährdet, solange die Handelnden von Zeit zu Zeit wechseln.

Institutionen stellen dafür Mechanismen dar, in denen die Möglichkeiten der Handelnden in ein einziges System integriert werden. Für das System äußern sich Institutionen in Form von Rollenerwartungen. Diese gehen über Sozialisierungsprozesse als internalisierte Werte in die Motivationsstruktur des Systems ein. Die Aufgabe liegt also darin, dass Institutionen private und kollektive Interessen integrieren und das Systembedürfnis stillen. Diese Ansätze stützen sich auf Aussagen von Parsons, dessen Theorie beeinflusst wurde durch die beiden Sozialanthropologen Radcliff-Brown und Malinowski.

3.1.3 Autopoietisch-systemtheoretischer Ansatz

Die autopoietische Systemtheorie bezieht sich auf real existierende Systeme. Jeder soziale Kontakt wird als System begriffen. Die Unterscheidung liegt in diesem Ansatz, in der Differenz von Umwelt und System und nicht in der Unterscheidung von Teil und Ganzen. Hierbei sind Systeme autopoietische Prozesse und das System besteht aus der Reproduktion seiner Elemente durch die Elemente selbst, welche keine Dauer haben. Nicht zum System gehören Personen. Sie werden der Umwelt zugeordnet. Soziale Systeme bestehen ausschließlich aus Kommunikationen, denen Handlungen zugerechnet werden. Das Sozialsystem muss in der Lage sein System- und Umweltkomplexität zu reduzieren. Die Strukturen werden als normative und kognitive Erwartungsstrukturen verstanden. Die Erwartungsveränderungen werden vom Sozialsystem selbst erzeugt. Der Institutionenbegriff ist in diesem Zusammenhang den normativen Erwartungen zuzuordnen. Der Mensch kann in diesem Zusammenhang als Anreger von Strukturanpassungen fungieren. Die Veränderungen aber, erfolgen selbst durch das System. Die Schwachstelle scheint im hohen Eigenanteil des Systems zu liegen. Dadurch ist eine langfristige Stabilisierung innerhalb der Umwelt nicht möglich und es sind laufend neue Erwartungsveränderungen notwendig. Die Bildung neuer Erwartungen ist somit ein wichtiger Auslösefaktor. Neues Wissen kann zur Veränderung bisheriger Normen führen. Die Institutionenbildung und -veränderung sind eine Eigenleistung des Systems. „Das System steuert sich selbst, ohne zu wissen, wohin es steuert.“[4] Der Systemfunktionalismus als Erweiterung des Strukturfunktionalismus wurde durch Luhmann und auch Hutter initiiert.

[...]


[1] Nährlich 1998, S.2

[2] vgl. Picot/Dietl/Franck 2002, S.11

[3] Nährlich 1998, S. 95 (Hervorhebung im Original)

[4] Dietl 1993, S.47

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Neue Institutionenökonomie - Herkunft, theoretische Grundlagen und praktische Anwendungsoptionen zu Organisations- und Managementproblemen im Unternehmen
Hochschule
Fachhochschule Nordhausen
Veranstaltung
Organisationen im Wandel
Note
2,4
Autor
Jahr
2005
Seiten
24
Katalognummer
V93741
ISBN (eBook)
9783638068833
ISBN (Buch)
9783638956178
Dateigröße
507 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Neue, Institutionenökonomie, Herkunft, Grundlagen, Anwendungsoptionen, Organisations-, Managementproblemen, Unternehmen, Organisationen, Wandel
Arbeit zitieren
Lars Petersohn (Autor), 2005, Neue Institutionenökonomie - Herkunft, theoretische Grundlagen und praktische Anwendungsoptionen zu Organisations- und Managementproblemen im Unternehmen , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93741

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