Seit den 90er Jahren ist im Bereich sozialwirtschaftlicher Unternehmen eine Kursveränderung spürbar. Den Anfang bildeten die Veränderungen der gesetzlichen Rahmenbedingungen durch die Überarbeitung und Neuauflage des Sozialgesetzes und Einführung der Pflegeversicherung. Ein weiterer ausschlaggebender Punkt sind die immer knapper werdenden öffentlichen Finanzmittel. Das Subsidiaritätsprinzip, fehlende Wirtschaftlichkeit, zu wenig Service, fehlende Kundenorientierung und starre Strukturen sind nur einige Kritik-punkte, welche die Forderung nach Reformen und grundlegender Neuerung des sozial-wirtschaftlichen Sektors laut werden lies und lässt.
Das Theoriegerüst der Neuen Institutionenökonomie bildet eine Grundlage für den Wandel bzw. die Notwendigkeit zur Veränderung intermediärer Organisationen. Doch unter der Besonderheit, dass es sich um soziale Dienstleistungen handelt, stellt sich die Umsetzung als ganzheitliche Herausforderung dar. Der Ansatz liegt in der Übertragbarkeit betriebswirtschaftlicher Instrumente auf sozialwirtschaftliche Unternehmen. Transaktionskosten, Agency Beziehungen und Proberty rights bilden dabei die Grundpfeiler. Doch fehlende eindeutige Kennzahlen bei sozialwirtschaftlichen Unternehmen, wie Gewinn und Umsatz, lassen vieles im Unklaren. Dazu kommt die Problematik des Managements sozial-wirtschaftlicher Unternehmen. Nährlich dazu: „Ein genuines Nonprofit-Management, das die Strukturbesonderheiten von Nonprofit-Organisationen berücksichtigt, existiert in Deutschland jedoch nicht“ .
Die vorliegende Arbeit gibt einen Überblick über die Entstehung und Definition von Institutionen. Die Neue Institutionenökonomie wird erläutert und ihre Grundpfeiler definiert. Zudem ist zu klären, welchen Arten von sozialwirtschaftlichen Unternehmen es gibt und welche Besonderheiten deren sozialen Dienstleistungen aufweisen. Am Beispiel der Wohlfahrtsverbände wird der Reformkurs sozialwirtschaftlicher Unternehmen nachgewiesen und die Verbandssteuerung als Managementaufgabe aus Transaktionskostensicht beschrieben.
Gliederung
1. Einleitung
2. Definition
2.1 Institution
2.2 Weitere arbeitsrelevante Begriffe
3. Entstehung von Institutionen
3.1 Kollektivistische Ansätze
3.1.1 Marxistischer Ansatz
3.1.2 Strukturell funktionalistischer Ansatz
3.1.3 Autopoietisch-systemtheoretischer Ansatz
3.2 Individualistische Ansätze
3.2.1 Individualistisch-kontrakttheoretischer Ansatz
3.2.2 Individualistisch-evolutionistischer Ansatz
4. Neue Institutionenökonomie
4.1 Transaktionskostensansatz
4.2 Principial-Agent-Theorie
4.3 Proberty rights
5. Sozialwirtschaftliche Unternehmen
5.1 Abgrenzung sozialwirtschaftlicher Unternehmen
5.2 Typologisierung
6. Sozialwirtschaftliche Unternehmen auf Reformkurs
6.1 Reformbewegung am Beispiel der Wohlfahrtsverbände
6.2 Verbandssteuerung zwischen Konkurrenz und Kooperation am Beispiel Landesverband Nordrhein des Deutschen Roten Kreuz
7. Zusammenfassung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Anwendbarkeit der Neuen Institutionenökonomie auf sozialwirtschaftliche Unternehmen, um den Wandel und die Managementherausforderungen in diesem Sektor vor dem Hintergrund knapper werdender Finanzmittel zu analysieren.
- Theoretische Grundlagen und Entstehungsformen von Institutionen
- Die drei Grundpfeiler der Neuen Institutionenökonomie: Transaktionskosten, Principal-Agent-Theorie und Property Rights
- Abgrenzung und Typologisierung sozialwirtschaftlicher Unternehmen
- Der Reformprozess bei Wohlfahrtsverbänden unter Berücksichtigung von Konkurrenz und Kooperation
Auszug aus dem Buch
4.2 Principial-Agent-Theorie
Bei der Principial-Agent-Theorie handelt es sich um das Feld der unvollständigen Verträge. Es wird von einer Auftraggeber-Auftragnehmer Beziehung gesprochen, bei der in der Regel die Rechte und Pflichten der Geschäftspartner im Sinne von Leistungen definiert und Vertragszahlungen vereinbart werden. Die Handlungen des Auftraggebers beeinflussen nicht nur sein eigenes Wohlbefinden, sondern auch das Nutzenniveau des Auftraggebers. Wer die Funktion Principial und Agent einnimmt, ist situationsabhängig. Zum Beispiel ist der Krankenhausarzt zum einen gegenüber seiner Patienten Agent, aber auch gleichzeitig gegenüber der Krankenhausleitung und den Krankenkassen. Es können immer mehrere Beziehungen gleichzeitig bestehen. Auch bei dieser Theorie entstehen Kosten, welche als Agency-Kosten benannt werden. Diese werden durch die Differenz zwischen einer bei vollkommender Information erzielbaren First-best-Lösung und der bei unvollkommender Information realisierten Second-best-Lösung bestimmt. Die drei Komponenten der Signalisierungskosten des Agent, Kontrollkosten des Prinzipial und der verbleibende Wohlfahrtsverlust spielen eine Rolle.
Signalisierungskosten sind alle Anstrengungen des Agenten, um die Informationssymetrie zwischen dem Principial und ihm zu verringern.
Kontrollkosten sind alle Bemühungen des Principials, seinen Informationsnachteil gegenüber dem Agenten zu verkleinern.
Wohlfahrtsverluste sind in Form der Abweichung des Realzustandes vom gedachten Zustand vollkommender Information vorhanden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt die ökonomischen Herausforderungen der Sozialwirtschaft seit den 90er Jahren und die Relevanz der Neuen Institutionenökonomie für den Organisationswandel.
2. Definition: Erläutert den vielschichtigen Begriff der Institution und definiert zentrale arbeitsrelevante Begriffe wie Ökonomie und Opportunismus.
3. Entstehung von Institutionen: Analysiert unterschiedliche Erklärungsansätze für die Entstehung von Institutionen, unterteilt in kollektivistische und individualistische Modelle.
4. Neue Institutionenökonomie: Definiert die drei zentralen Säulen Transaktionskosten, Principal-Agent-Theorie und Property Rights als Werkzeuge für effiziente Organisationsgestaltung.
5. Sozialwirtschaftliche Unternehmen: Differenziert sozialwirtschaftliche Einheiten durch das Gewinnausschüttungsverbot und die Besonderheiten sozialer Dienstleistungen.
6. Sozialwirtschaftliche Unternehmen auf Reformkurs: Untersucht den Reformdruck bei Wohlfahrtsverbänden und Steuerungsmechanismen am Beispiel des DRK-Landesverbandes Nordrhein.
7. Zusammenfassung: Reflektiert die Anwendbarkeit institutionenökonomischer Theorien auf die komplexe soziale Praxis und das Spannungsfeld zwischen Theorie und Arbeitsalltag.
Schlüsselwörter
Neue Institutionenökonomie, Sozialwirtschaft, Transaktionskosten, Principal-Agent-Theorie, Property Rights, Wohlfahrtsverbände, Reformkurs, Nonprofit-Management, Gewinnausschüttungsverbot, Soziale Dienstleistungen, Institutionenbildung, Organisationswandel, Effizienz, Verbandssteuerung, Kostendeckungsprinzip
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert, wie die Instrumente der Neuen Institutionenökonomie genutzt werden können, um Organisations- und Managementprobleme in sozialwirtschaftlichen Unternehmen zu bewältigen.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die theoretische Herleitung von Institutionen, die ökonomische Analyse von Tauschprozessen und Anreizstrukturen sowie der praktische Reformbedarf bei großen Wohlfahrtsverbänden.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie betriebswirtschaftliche Ansätze wie die Transaktionskostentheorie auf den gemeinnützigen Sektor übertragen werden können, um trotz fehlender Gewinnkennzahlen eine effizientere Steuerung zu ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Fundierung durch die Neue Institutionenökonomie und wendet diese deduktiv auf Fallbeispiele aus der sozialwirtschaftlichen Praxis (z. B. DRK-Landesverband) an.
Was sind die wesentlichen Inhalte des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Definition von Institutionen, die Erläuterung der ökonomischen Säulen (Transaktionskosten, Agenturtheorie, Eigentumsrechte) sowie die praktische Anwendung auf soziale Organisationen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?
Schlüsselbegriffe sind vor allem Transaktionskosten, Principal-Agent-Theorie, Sozialwirtschaft, Nonprofit-Organisationen und das Gewinnausschüttungsverbot.
Wie unterscheidet sich die Sozialwirtschaft laut Autor von erwerbswirtschaftlichen Unternehmen?
Das Hauptunterscheidungsmerkmal ist das Gewinnausschüttungsverbot, das zu spezifischen Anreizstrukturen führt und klassische betriebswirtschaftliche Erfolgsmessungen erschwert.
Welche Bedeutung hat das "Principal-Agent-Problem" für die Wohlfahrtspflege?
Es verdeutlicht die Problematik, dass soziale Dienstleister (Agenten) Handlungen erbringen, deren Qualität für die Kostenträger (Principals) aufgrund von Informationsasymmetrien oft nur schwer zu beurteilen ist.
Wie bewertet der Autor den Reformkurs der Wohlfahrtsverbände?
Der Autor sieht die Reformen als notwendigen Prozess, um auf die Knappheit öffentlicher Mittel zu reagieren, weist aber darauf hin, dass die Übertragbarkeit rein betriebswirtschaftlicher Logik bei sozialen Dienstleistungen Grenzen hat.
- Citation du texte
- Lars Petersohn (Auteur), 2005, Neue Institutionenökonomie - Herkunft, theoretische Grundlagen und praktische Anwendungsoptionen zu Organisations- und Managementproblemen im Unternehmen , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93741