In den letzten Jahren nahm die finanziell angespannte Situation der öffentlichen Haushalte zu. Sowohl Bund und Länder als auch Kommunen haben sich zunehmend verschuldet, woraus geringere Investitionen der öffentlichen Hand resultierten. Dabei „droht die Gefahr, dass wichtige Investitionen in die öffentliche Infrastruktur unterbleiben, wirtschaftliche Wachstums- und Entwicklungschancen vertan werden und Deutschland im internationalen Standortwettbewerb zurückfällt.“
Der größte Investitionsbedarf wird bei Ersatz- und Modernisierungsinvestitionen geschätzt. Stecker und Boll gehen davon aus, dass der Investitionsstau mittlerweile auf 150 Milliarden EUR angewachsen ist und weiter zunimmt. Das Problem aus diesem Sachverhalt wird durch die Aussage des Bundesverbandes deutscher Banken ersichtlich: „Eine moderne und leistungsfähige Infrastruktur ist im internationalen Standortwettbewerb ein wichtiger Faktor, der im Zeitalter der Informations- und Kommunikationstechnologie noch weiter an Bedeutung gewinnen wird.“ Diese Situation wird ebenfalls von Lippold fundiert: „Deutschland befindet sich in einem immensen Investitionsstau und ist dadurch in eine bedenkliche Infrastrukturkrise hineingeraten. Ausbau und Instandhaltung von Verkehrswegen halten nicht Schritt [...]
Inhaltsverzeichnis
1 PPP als alternative Beschaffungsform des Staates
2 Charakterisierung PPP
2.1 Definition und Merkmale
2.2 Ziele
2.3 Einsatzmöglichkeiten
2.4 PPP-Modelle
3 Rechtliche Rahmenbedingungen
4 Phasen eines PPP
5 Ausgewählte Beispiele aus der Praxis
5.1 JVA Hünfeld
5.2 Die britische Botschaft in Berlin
6 Kritische Würdigung
7 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Seminararbeit untersucht Public Private Partnerships (PPP) als alternative Beschaffungsform für den Staat vor dem Hintergrund angespannter öffentlicher Haushalte und eines hohen Infrastrukturbedarfs. Das primäre Ziel ist die Analyse der rechtlichen Rahmenbedingungen, der strukturellen Phasen von PPP-Projekten sowie der Vor- und Nachteile dieser Kooperationsform anhand praktischer Anwendungsbeispiele.
- Definition, Ziele und Einsatzgebiete von öffentlich-privaten Partnerschaften
- Rechtliche Grundlagen und Vergabeverfahren in Deutschland
- Phasenmodell der Projektrealisation (von der Bedarfsfeststellung bis zur Verwertung)
- Fallstudien zur JVA Hünfeld und zur britischen Botschaft in Berlin
- Kritische Würdigung von Chancen, Risiken und Hemmnissen für PPP-Projekte
Auszug aus dem Buch
5.1 JVA Hünfeld
Das wohl bekannteste Beispiel für ein PPP-Projekt in Deutschland ist die JVA Hünfeld, womit erstmalig eine deutsche Haftanstalt in einigen Teilbereichen privatisiert wurde. Der Beschluss eine neue JVA zu errichten ging dabei auf eine Koalitionsvereinbarung von CDU/FDP aus dem Jahre 1999 zurück. Zum damaligen Zeitpunkt waren hessische Haftanstalten stark überlastet, so dass teilweise bis zu 1200 Haftplätze gefehlt haben. Eine neue Strafanstalt war somit unumgänglich.
In der neuen JVA mit Standort in Hünfeld sollten 500 Haftplätze entstehen. Wegen der massiven Überlastung sollte dieses Projekt schnellstmöglich und aufgrund der finanziellen Situation der öffentlichen Haushalte auch kostenoptimiert realisiert werden. Aus diesem Grund und positiven Erfahrungen in Ländern wie England und Frankreich wurde eine Realisierung als PPP-Projekt entschlossen. Von privaten Unternehmen sollte die Planung, der Bau und der Betrieb der neuen Haftanstalt übernommen werden. Während Planung und Bau nichts Neues waren, begab man sich mit der Teilprivatisierung im Strafvollzug in Deutschland auf einen zuvor noch nicht dagewesenen Bereich. „Die Tätigkeit der Privaten ist dabei [jedoch] auf Dienst- und Serviceleistungen im weiteren Sinn ohne Eingriffsbefugnisse gegenüber Gefangenen begrenzt.“ Eine vollständige Privatisierung ist aufgrund Art. 33 Abs. 4 GG nicht möglich.
Für den Betrieb der Anstalt wurde die Firma Serco gewählt, da diese bereits in anderen Ländern Erfahrungen auf diesem Gebiet gesammelt hat. Zu den privatisierten Aufgaben zählen:
• Gebäudemanagement (u. a. Instandhaltung, Wartung, Reinigung)
• Versorgungsmanagement (z. B. Küche, Gesundheit, Gefangeneneinkauf)
• Betreuungsmanagement (wie Arbeit, Ausbildung, soziale Betreuung)
• Teile des Bewachungsmanagements
Zusammenfassung der Kapitel
1 PPP als alternative Beschaffungsform des Staates: Erläutert die angespannte Haushaltslage und den Investitionsstau als Gründe für die Suche nach alternativen Beschaffungsmöglichkeiten.
2 Charakterisierung PPP: Definiert öffentlich-private Partnerschaften, beschreibt deren Ziele und Merkmale sowie verschiedene Modelle der Zusammenarbeit.
3 Rechtliche Rahmenbedingungen: Analysiert das deutsche Vergaberecht und die Anwendung des GWB auf öffentliche Aufträge im PPP-Kontext.
4 Phasen eines PPP: Beschreibt den strukturierten Verlauf eines PPP-Projektes in fünf aufeinanderfolgenden Phasen.
5 Ausgewählte Beispiele aus der Praxis: Detaillierte Betrachtung der JVA Hünfeld und der britischen Botschaft in Berlin als Fallbeispiele für PPP-Realisierungen.
6 Kritische Würdigung: Setzt sich kritisch mit den Risiken, Kosten und rechtlichen Hemmnissen von PPP-Projekten in Deutschland auseinander.
7 Ausblick: Bewertet die zukünftige Relevanz von PPP-Modellen unter Berücksichtigung staatlicher Fördermaßnahmen und strategischer Entwicklungen.
Schlüsselwörter
Public Private Partnership, PPP, Öffentliche Haushalte, Infrastruktur, Vergaberecht, GWB, JVA Hünfeld, Teilprivatisierung, Risikoverteilung, Lebenszyklusansatz, Beschaffungsform, Investitionsstau, Konzessionsmodell, Betreibermodell, Wirtschaftlichkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit Public Private Partnerships (PPP) als einer Möglichkeit für den Staat, Investitionen in Infrastruktur und öffentliche Aufgaben gemeinsam mit der Privatwirtschaft effizienter zu realisieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder umfassen die Definition und Strukturierung von PPP-Modellen, die rechtliche Einordnung durch das Vergaberecht sowie die praktische Umsetzung und kritische Bewertung solcher Projekte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie PPP-Modelle einen Beitrag zur Bewältigung öffentlicher Investitionsdefizite leisten können und welche Voraussetzungen für eine erfolgreiche Partnerschaft gegeben sein müssen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse bestehender Konzepte und rechtlicher Rahmenbedingungen sowie die Untersuchung und Einordnung konkreter Praxisbeispiele.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Charakterisierung von PPP-Modellen, die Analyse der rechtlichen Rahmenbedingungen (insbesondere GWB und Vergaberecht), die Darstellung des Projektverlaufs in fünf Phasen sowie die Auswertung von Fallbeispielen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Public Private Partnership, Beschaffungsform, Investitionsstau, Risikoverteilung, Vergaberecht und Wirtschaftlichkeit geprägt.
Warum ist die JVA Hünfeld für die Arbeit von besonderer Bedeutung?
Die JVA Hünfeld wird als erstes bedeutendes Beispiel einer Teilprivatisierung im deutschen Strafvollzug analysiert, um die praktischen Auswirkungen und den Erfolg von PPP-Modellen zu verdeutlichen.
Wie bewertet der Autor die Kritik an der "Mittelstandsfeindlichkeit" von PPP?
Der Autor führt aus, dass die hohe Komplexität und die großen Auftragsvolumina bei PPP-Projekten tendenziell eher größere Unternehmen bevorzugen, was diesen Ruf in Deutschland begründet.
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- Richard Bohl (Author), 2007, Public Private Partnership - Öffentlich private Partnerschaften, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93757