Den meisten Schülern bleibt der Zugang zu Literatur versperrt, da es ihnen nicht möglich ist, ein persönliches Verhältnis zu ihr aufzubauen. Sie können keinen Grund darin erkennen, etwas zu lesen, was sie nicht verstehen. Auch das Schreiben über Literatur bedeutet für sie keine Annäherung bzw. keinen Zugang, da das Geschriebene fremdbestimmt ist, entfremdend wirkt und keinerlei Bezüge zur Lebenswelt des Schreibers besitzt. Unterricht der handlungs- und produktionsorientiert gestaltet ist, ist Unterricht, der den Schüler einen handelnden Umgang mit der Literatur ermöglicht. Eines der Hauptmerkmale der Handlungs- und Produktionsorientierung ist die Aufhebung des Dualismus von Theorie und Praxis im Unterricht zugunsten eines wechselseitigen Zusammenhangs von Denken und Handeln.
Darüber hinaus berücksichtigt handlungs- und produktionsorientierter Unterricht die Individualität der Schüler, indem er nicht nur einen einzigen Handlungsweg zulässt, sondern viele individuelle Handlungszugänge erlaubt. Mit diesem Aspekt wird ein weiteres Merkmal dieses methodischen Prinzips angesprochen, die Selbstbestimmtheit der Schüler. Eigenständig können sich die Schüler Material beschaffen, eigenverantwortlich handeln und selbständig eigene Arbeitsmethoden entwickeln. Mit Hilfe des handlungs- und produktionsorientierten Unterrichts kann es gelingen, Freude am Schreiben und am Reden über das Geschriebene beim Schüler entstehen zu lassen.
Bloßes Verstehen von Texten steht hier im Gegensatz zu Handlungen am Text. Die stumpfe Erarbeitung von Textsortenwissen und Literaturgeschichte oder die Ausführung von stilistischen Untersuchungen, um Formulierungen eines Autors nachzuvollziehen, erschaffen eine entfremdende Begegnung mit Literatur und stellen keine Handlung dar. Erst durch die Orientierung des Unterrichts an den Lebenssituationen der Schüler und die Einführung in die Selbstreflexion von Wahrnehmungen, Gedanken und Handlungen werden diese zu mündigen, gleichberechtigten Partnern in Erziehungsfragen.
Inhaltsverzeichnis
1. Handlungs- und Produktionsorientierter Literaturunterricht
1.1 Produktionsorientierter Literaturunterricht
1.2 Handlungsorientierter Literaturunterricht
1.3 Rezeptionsästhetik
2. Theoretische Begründungen für den handlungs- und produktionsorientierten Unterricht
2.1 Die entwicklungstheoretische Begründung
2.2 Die lerntheoretische Begründung
2.3 Die sozialisationstheoretische Begründung
2.4 Die bildungstheoretische Begründung
3. Ziele des handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterricht
4. Konzepte des handlungs- und produktionsorientierten Deutschunterrichts
4.1 Günter Waldmann
4.2 Gerhard Haas
4.3 Kaspar H. Spinner
4.4 Karlheinz Fingerhut
5. Beispiele für den handlungs- und produktionsorientierter Unterricht
5.1 Epik: Die Fabel
5.1.1 Zu den Merkmalen der Fabel
5.1.2 Die Fabel im Deutschunterricht
5.1.3 Lernzielaspekte und Perspektiven
5.1.4 Die Fabelbaustelle (5./6. Klasse)
5.1.5 Einen Buchdeckel entwerfen (1.–9. Klasse)
5.2 Lyrik
5.2.1 Lyrik für die Grundschule
5.2.2 Ein Parallelgedicht schreiben (Sek. I)
5.2.3 Verskombination (3.-10. Klasse)
5.2.4 Szenische Interpretation (7./8. Klasse)
5.2.5 Text-Bild-Collagen (1.-10. Klasse)
6. Die Rolle des Lehrers
6.1 Leistungsmessung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen sowie die praktische Umsetzung eines handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterrichts. Ziel ist es aufzuzeigen, wie durch aktive Gestaltungs- und Schreibprozesse literarisches Verständnis gefördert, die Motivation gesteigert und eine lebensnahe Auseinandersetzung mit Texten ermöglicht wird, um Schüler zu einer mündigen Teilhabe an Literatur zu befähigen.
- Theoretische Fundierung (entwicklungstheoretisch, lerntheoretisch, sozialisationstheoretisch, bildungstheoretisch)
- Didaktische Konzepte bedeutender Fachvertreter (Waldmann, Haas, Spinner, Fingerhut)
- Praktische Methodenbeispiele zur Epik (Fabel) und Lyrik
- Rolle der Lehrkraft und Ansätze zur Leistungsmessung in offenen Unterrichtsformen
Auszug aus dem Buch
1. Handlungs- und Produktionsorientierter Literaturunterricht
Den meisten Schülern bleibt der Zugang zu Literatur versperrt, da es ihnen nicht möglich ist, ein persönliches Verhältnis zu ihr aufzubauen. Sie können keinen Grund darin erkennen, etwas zu lesen, was sie nicht verstehen. Auch das Schreiben über Literatur bedeutet für sie keine Annäherung bzw. keinen Zugang, da das Geschriebene fremdbestimmt ist, entfremdend wirkt und keinerlei Bezüge zur Lebenswelt des Schreibers besitzt.
Unterricht der handlungs- und produktionsorientiert gestaltet ist, ist Unterricht, der den Schüler einen handelnden Umgang mit der Literatur ermöglicht. Eines der Hauptmerkmale der Handlungs- und Produktionsorientierung ist die Aufhebung des Dualismus von Theorie und Praxis im Unterricht zugunsten eines wechselseitigen Zusammenhangs von Denken und Handeln.
Darüber hinaus berücksichtigt handlungs- und produktionsorientierter Unterricht die Individualität der Schüler, indem er nicht nur einen einzigen Handlungsweg zulässt, sondern viele individuelle Handlungszugänge erlaubt. Mit diesem Aspekt wird ein weiteres Merkmal dieses methodischen Prinzips angesprochen, die Selbstbestimmtheit der Schüler. Eigenständig können sich die Schüler Material beschaffen, eigenverantwortlich handeln und selbständig eigene Arbeitsmethoden entwickeln.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Handlungs- und Produktionsorientierter Literaturunterricht: Einführung in die Problematik des Literaturunterrichts und Definition der handlungs- und produktionsorientierten Didaktik als Gegenentwurf.
2. Theoretische Begründungen für den handlungs- und produktionsorientierten Unterricht: Darstellung der psychologischen und pädagogischen Herleitungen aus verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen.
3. Ziele des handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterricht: Definition der angestrebten Kompetenzen wie literarische, emotive, kreative, emanzipatorische und Projektionskompetenz.
4. Konzepte des handlungs- und produktionsorientierten Deutschunterrichts: Kurzvorstellung der didaktischen Ansätze von Waldmann, Haas, Spinner und Fingerhut.
5. Beispiele für den handlungs- und produktionsorientierter Unterricht: Konkrete Anwendungsmöglichkeiten und Methodenbeispiele für den Unterricht in den Gattungen Fabel und Lyrik.
6. Die Rolle des Lehrers: Erläuterung der veränderten Lehrerrolle und Umgang mit Leistungsbewertung in offenen Lernsettings.
Schlüsselwörter
Handlungs- und produktionsorientierter Unterricht, Literaturdidaktik, literarisches Verstehen, Schüleraktivität, Textarbeit, Methodenvielfalt, Rezeptionsästhetik, Fabel, Lyrik, kreatives Schreiben, Kompetenzentwicklung, Lehrerrolle, Leistungsmessung, Selbstbestimmung, Szenische Interpretation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Didaktik des handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterrichts und wie dieser Schülern einen motivierenden Zugang zur Literatur ermöglichen kann.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Thematisiert werden die theoretische Herleitung, die Konzepte prominenter Didaktiker, praktische Beispiele für Fabeln und Lyrik sowie Fragen der Leistungsbeurteilung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, den Mehrwert von Handlungsorientierung für das literarische Verstehen der Schüler theoretisch zu begründen und praxisnah aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode liegt zugrunde?
Es handelt sich um eine fachdidaktische Ausarbeitung, die auf der Analyse und Synthese fachwissenschaftlicher Literatur und didaktischer Konzepte basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Begründungen, die Darstellung didaktischer Konzepte von Vertretern wie Waldmann und Spinner sowie eine ausführliche Methodensammlung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Handlungsorientierung, Produktionsorientierung, literarisches Verstehen, Schülerselbstständigkeit und kreative Textaneignung.
Wie unterscheidet sich der Ansatz von konventionellem Unterricht?
Im Gegensatz zum rein rezeptiven Literaturunterricht stehen bei diesem Ansatz das eigene Gestalten, Schreiben und Handeln am Text im Vordergrund, um Schülern einen persönlichen Bezug zu ermöglichen.
Wie geht die Arbeit mit der Problematik der Leistungsbewertung um?
Die Arbeit verdeutlicht den Konflikt mit herkömmlichen Zensuren und schlägt Formen der gemeinsamen Unterrichtsauswertung sowie eine Fokussierung auf den individuellen Lernzuwachs vor.
- Citation du texte
- Linda Kim Wegener (Auteur), 2008, Handlungs- und produktionsorientierter Deutschunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93760