Im Laufe dieser Arbeit soll die soziale Situation der heutigen Arbeitsmigrierenden in den beiden europäischen Mitgliedsstaaten Deutschland und Frankreich verglichen werden. Als Grundlage dient die Unterscheidung der beiden Staatsbürgerschaftsformen. Dies bietet sich aufgrund der divergierenden Modelle an.
Lange Zeit galt Arbeitsmigration als eine Möglichkeit, um innerhalb kurzer Zeit in einem sozioökonomisch stabilen Land Geld zu verdienen. So haben weder die Aufnahmegesellschaften noch die migrierten Personen anfangs in Erwägung gezogen, dass aus einem kurzfristigen auch ein langfristiges Vorhaben werden könnte. Der Fokus lag vielmehr auf der kurzweiligen Stärkung der jeweiligen nationalen Wirtschaft sowie das Bestreben der Migrierenden ihre finanzielle Lage zu verbessern. Dabei wurden die Folgen der Wanderung und die soziale Situation der Zugewanderten in den Zielländern völlig ignoriert.
In der Bundesrepublik Deutschland beginnt die große Arbeitsmigrationswelle in der Nachkriegsära im Jahre 19551. Die öffentliche Auseinandersetzung mit dieser Thematik scheint jedoch nach wie vor schwierig zu sein. Noch immer sind wenig schmeichelnde Titulierungen wie ‚Gastarbeiter‘, ‚Wanderarbeiter‘ und ‚Saisonarbeiter‘ in der Alltagssprache geläufig und sollen jene Menschen beschreiben, die es aus Erwerbsgründen nach Deutschland zieht. Dahingegen lässt sich der Ausgangspunkt der Arbeitsmigration in unserem Nachbarland Frankreich bereits zum Zeitpunkt der Auflösung der französisch-kolonialen Herrschaft in Nordafrika verorten2. Die Länder sind von den beiden großen Zuwanderungsströme nachhaltig geprägt.
Inhaltsverzeichnis
1. Lassen sich anhand der Staatsbürgerschaftsmodelle Implikationen auf die soziale Situation der Arbeitsmigrierten ableiten?
2. Definitionen und Begriffsklärungen
2.1 Migration
2.2 Integration
2.3 Segregation
3. Staatsbürgerschaftsmodelle
3.1 Deutsches Staatsbürgerschaftsmodell
3.2 Französisches Staatsbürgerschaftsmodell
4. Gegenüberstellung
4.1 Historischer Überblick zur Arbeitsmigration
4.1.1 Deutschland
4.1.2 Frankreich
4.2 Situation am Arbeitsmarkt
4.2.1 Deutschland
4.2.2 Frankreich
4.3 Situation am Wohnungsmarkt
4.3. 1Deutschland
4.3.2 Frankreich
4.4 Zugang zu Rechten
4.4.1 Deutschland
4.4.2 Frankreich
4.5 Migrantische Segregation
4.5.1 Deutschland
4.5.2 Frankreich
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die soziale Situation von Arbeitsmigranten in Deutschland und Frankreich durch einen Vergleich der jeweiligen nationalen Staatsbürgerschaftsmodelle. Ziel ist es zu analysieren, wie sich die unterschiedlichen Konzeptionen von Zugehörigkeit auf die Lebensrealität, den Arbeitsmarktzugang und die soziale Integration der Zugewanderten auswirken.
- Vergleich der Staatsbürgerschaftsmodelle (Ius Sanguinis vs. Ius Soli/republikanisches Modell)
- Historische Entwicklung der Arbeitsmigration in beiden Ländern
- Analyse der Situation auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt
- Untersuchung von Segregationsprozessen und Zugangsbeschränkungen zu Rechten
Auszug aus dem Buch
3. Staatsbürgerschaftsmodelle
Dieser Abschnitt stellt die Staatsbürgerschaftsmodelle der Länder Deutschland und Frankreich vor. Im Wesentlichen unterscheiden sie sich darin, wie stark Immigrierte an formalen und politischen Prozessen partizipieren können. Dabei verweist die Migrationsforscherin Tucci (2018) darauf, dass die Staatsbürgerschaft nicht nur rechtliche und symbolische Wirkung hat. Es lassen sich zudem Implikationen über den Zugang zu Rechten und somit auch zum Arbeitsmarkt und zum gesellschaftlichen Leben in den Aufnahmeländern ableiten (Tucci 2008: 1).
3.1 Deutsches Staatsbürgerschaftsmodell
In Deutschland wird von einem ethischen Nationalismus ausgegangen. Bis zur Reform des Staatsbürgerschaftsrecht im Jahr 2000 war ausschließlich das Prinzip des ius sanguinis10 existent. Mit der Reform hat in Deutschland auch das Prinzip des Ius Soli 11 Einzug gefunden (Tucci 2008: 2). Die Migrationsforscherin Tucci (2008) weist darauf hin, dass das deutsche Staatsbürgerschaftsmodell vom Grundgedanken deutlich exkludierender ist, da die ethnisch-kulturelle Dimensionen eine wichtige Rolle in der Zugehörigkeit zur nationalen Gemeinschaft spielt (ebd.: 5). Durch diese Konstitution war die deutsche Zuwanderungspolitik offenkundig auf die Rückkehr der Migrierten und ihre Kinder in das Herkunftsland fokussiert, was den Fortbestand der Orientierungen an das Herkunftsland begünstigt hat.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Lassen sich anhand der Staatsbürgerschaftsmodelle Implikationen auf die soziale Situation der Arbeitsmigrierten ableiten?: Einleitung in die Thematik der Arbeitsmigration und Erläuterung der Zielsetzung des Vergleichs zwischen Deutschland und Frankreich.
2. Definitionen und Begriffsklärungen: Definition der zentralen Termini Migration, Integration und Segregation zur theoretischen Fundierung der Arbeit.
3. Staatsbürgerschaftsmodelle: Darstellung der unterschiedlichen nationalen Konzepte, konkret das ethisch-nationalistische Modell Deutschlands und das republikanisch-bürgerschaftliche Modell Frankreichs.
4. Gegenüberstellung: Umfassender Vergleich der historischen Entwicklung, Arbeits- und Wohnungsmarktsituation, Zugangsrechten sowie Segregationsphänomenen in beiden Ländern.
5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Diskussion der Auswirkungen der Staatsbürgerschaftsmodelle auf die soziale Lage der Migranten.
Schlüsselwörter
Arbeitsmigration, Staatsbürgerschaftsmodell, Ius Sanguinis, Ius Soli, Integration, Segregation, Deutschland, Frankreich, soziale Situation, Arbeitsmarkt, Wohnungsmarkt, Gastarbeiter, Migrationsgeschichte, Diskriminierung, republikanisches Modell.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit vergleicht die soziale Situation von Arbeitsmigranten in Deutschland und Frankreich unter Berücksichtigung ihrer jeweiligen nationalen Staatsbürgerschaftsmodelle.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Entwicklung der Migration, dem Zugang zum Arbeits- und Wohnungsmarkt sowie den Prozessen der Segregation und der rechtlichen Partizipation der Zugewanderten.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Es wird untersucht, inwieweit sich aus den unterschiedlichen Staatsbürgerschaftsmodellen Implikationen für die Lebenssituation und soziale Integration von Migranten in den jeweiligen Ländern ableiten lassen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine komparative Methode (Gegenüberstellung), um die zwei Länder anhand soziologischer Theorien und empirischer Daten zu analysieren.
Was bildet den Kern des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffsklärung, die Vorstellung der Staatsbürgerschaftsmodelle und eine detaillierte vergleichende Analyse der Arbeits- und Lebensbedingungen der Migranten.
Durch welche Schlagworte lässt sich die Arbeit zusammenfassen?
Zentrale Begriffe sind Migration, Integration, Segregation, Staatsbürgerschaftsmodelle sowie der direkte Vergleich zwischen den deutschen und französischen Systemen.
Wie unterscheidet sich das deutsche vom französischen Modell in Bezug auf Migranten?
Deutschland basiert traditionell stärker auf dem Abstammungsprinzip (Ius Sanguinis) mit exkludierenden Tendenzen, während Frankreich ein republikanisches Modell verfolgt, das auf Assimilation und Gleichheit im Sinne des Staatsbürgertums setzt.
Welche Rolle spielt die Segregation in den untersuchten Ländern?
In beiden Ländern führt Segregation zu einer sozialen Ausgrenzung, wobei sich dies in Frankreich häufig in den sogenannten Banlieues durch kollektive soziale Konflikte äußert, während in Deutschland das Wohlfahrtssystem die soziale Marginalisierung teils abfedert.
- Citar trabajo
- Carina Brandl (Autor), 2019, Die Arbeitsmigration im deutsch-französischen Vergleich unter besonderer Berücksichtigung der sozialen Situation von Zugewanderten, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/937659