Kann die inklusive Pädagogik in Zusammenhang mit veränderten moralischen Wertevorstellungen der Gesellschaft gebracht werden?

Eine Erarbeitung von veränderter Moralität


Seminararbeit, 2018

17 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Theoretischer Hintergrund: Klärung von Begriffen

3 Moralität in der Gesellschaft
3.1 Drei Arten von moralischen Problemen
3.2 Die gesellschaftliche Bedeutung von Moralität

4 Moraltheorien
4.1 Deontologische Ethik
4.2 Konsequentialismus
4.3 Tugendethik
4.4 Diskursethik

5 Inklusive Pädagogik in Bezug auf die Moralität der Gesellschaft
5.1 Moralische Überlegungen in Bezug auf die inklusive Pädagogik
5.2 Beantwortung der Forschungsfrage

6 Fazit

7 Literatur

1 Einleitung

„Man muss überhaupt erst so manches gelernt haben, ehe man über die Handlungsweise eines Anderen richtig urteilen kann“ (Marc Aurel (2010), S. 110). Jeder Mensch reagiert in verschiedenen Situationen individuell und nimmt Augenblicke unterschiedlich wahr, sodass für ein und dasselbe Erlebnis unendlich viele Blickwinkel und Perspektiven existieren. Überzeugungen, Einschätzungen oder Meinungen bilden sich auf der Grundlage von bisher gesammelten Erfahrungen eines jeden Individuums. Dementsprechend werden Beurteilungen und Bewertungen durch differente Ausgangspunkte gesteuert, sodass oft gegensätzliche Meinungen resultieren. Trotzdem gibt es in der Gesellschaft allgemeine anerkannte Moralvorstellungen, sodass eine Kategorisierung in moralisch bzw. unmoralisch bei ausgewählten Aspekten nicht zur Diskussion steht.

Im heutigen 21. Jahrhundert sind Medien in ihrer verschiedensten Form präsenter als je zuvor, dabei ist eine objektive Darstellung selten die oberste Priorität der Autoren. Die digitalen Netzwerke ermöglichen es jeder (laienhaften) Person, Informationen, Geschichten oder Fotos der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Bei der Betrachtung von Nachrichten in den Themenfeldern Politik, Umwelt, Wirtschaft oder auch Bildung stellt sich die Frage, in wie weit die Entwicklungen in diesen verschiedenen Bereichen von moralischen Wertevorstellungen der Gesellschaft gesteuert werden.

In Bezug auf den Bildungssektor der Bundesrepublik Deutschland sind in den letzten Jahrzehnten entscheidende Veränderungen erkennbar. Vor allem die inklusive Pädagogik hat die Schulstrukturen beeinflusst. Der Bildungssektor ist ein Bereich der Gesellschaft, welcher jeder Bundesbürger während seines Lebens betrifft. Dementsprechend eignet sich dieser Bereich besonders gut, um eine beispielhafte Analyse und Untersuchung in Bezug auf die Einflüsse von veränderten Moralvorstellungen in der Gesellschaft zu erarbeiten. Die inklusive Pädagogik bietet nicht nur ein sehr aktuelles Themenfeld, sondern auch ein viel diskutiertes und liefert zahlreiche Literatur, auf welche die vorliegende Arbeit aufbauen kann.

Aus den Überlegungen ergibt sich die Forschungsfrage der vorliegenden Arbeit:

In wie weit kann die Einführung der inklusiven Pädagogik in Zusammenhang mit veränderten moralischen Wertevorstellungen der Gesellschaft gebracht werden?

Für die Beantwortung dieser soll erarbeitet werden, wie sich Moralität kennzeichnet und wodurch moralische Probleme entstehen. Im Anschluss werden moralische Probleme und Moraltheorien mit der inklusiven Pädagogik verknüpft und analysiert.

2 Theoretischer Hintergrund: Klärung von Begriffen

Eine eindeutige und explizite Definition von Ethik lässt sich durch die gegebene Komplexität dieses Bereiches nicht problemlos formulieren. Durch das Vorhandensein vieler verschiedener Teilbereiche und den Entwicklungen von „antiker Ethik“ bis zur „modernen Ethik“, wird dem Begriff der Ethik eine Umschreibung in wenigen Worten wenig gerecht (FISCHER u.a. (2008), S. 24). Als wichtiger Baustein für die vorliegende Arbeit soll sich auf den Begriff der „angewandten Ethik“ beschränkt werden. Er soll als „Anwendung allgemeiner ethischer Prinzipien auf konkrete Fälle“ verstanden werden (Sander u.a. (2014) S. 147). Anhand dieser Definition lässt sich die Thematik der inklusiven Pädagogik ohne weitere Erläuterungen diesem Teilbereich zuordnen, weitere Teilbereiche bleiben vorerst unbeachtet.

Während soziologischen Strömungen Ende des 19. und dem beginnenden 20. Jahrhundert werden moralische Problemstellungen thematisiert, diskutiert und erarbeitet. Vor allem Emile Durkheim zentriert in seinen soziologischen Forschungen die Fragen um die Moral. Als Nachleben dieser „Soziologie der Moral“ wird sich noch immer auf die von ihm erläuterten Vorstellungen zu Werten und Normen berufen. Jedoch weißt Durkheim auch auf die Konflikte dieser Wertevorstellungen hin. Dabei werden die idealtypischen moralischen Regeln als in der Realität oftmals nicht einzuhaltende Ansätze klassifiziert (FIRSCHING (1994), S. 68f.).

3 Moralität in der Gesellschaft

Dieses Kapitel widmet sich den moralischen Vorstellungen in der Gesellschaft, dabei steht die Problematik bei der Bewertung von Handlungen im Fokus. Als Begründung und Orientierung während bzw. nach der Entscheidungsfindung werden allgemein gültige moralische Prinzipien angewendet. Im Gegensatz zu dieser Vorgehensweise bei individuellen Beurteilungsprozessen, welche ohne Einbezug von ethischer Fachliteratur konzipiert sind, birgt die Untersuchung über die Einführung der inklusiven Pädagogik in Bezug auf die moralischen Wertevorstellungen der Gesellschaft, ein viel breiteres Spektrum und einen hohen Reflexionsprozess. Um diesen Reflexionsprozess beleuchten zu können, werden moralische Probleme und auftretende Konflikte perspektivisch untersucht und erläutert.

3.1 Drei Arten von moralischen Problemen

Ebenso wie sich die Sprache oder der Körper bei Heranwachsenden fortschreitend und stetig entwickelt, reift das moralische Verhalten eines Individuums mit fortschreitender Zeit immer weiter. Somit erfährt die Moralität des Individuums verschiedene - nicht vollständig abzugrenzende - Stadien. Die Darstellung der Arten von moralischen Problemen bezieht sich jedoch auf einen bereits ausgewachsenen, gesunden und vollständig lebensfähigen Menschen. Insgesamt werden drei Arten von moralischen Problemen unterschieden (Kay (1975), S. 134).

I. Es besteht bei dem Individuum auf der einen Seite die Kenntnis und das Wissen über ein moralisch korrektes Handeln in einer beliebigen Situation, auf der anderen Seite jedoch ein diesbezüglich gegensätzlicher Handlungs antrieb. Diese Gegebenheit bringt das Individuum in einen Zwiespalt und stellt es vor ein moralisches Problem. Trotz der Kenntnis über die moralischen Prinzipien bestehen bei dem Individuum Wünsche und Interessen für die Ausübung einer Handlung, die sich nicht mit diesen moralischen Prinzipien vereinbaren lassen (BAYERTZ (1991), S. 27f.). Als Resultat besteht bei dem Individuum eine „Einschränkung seiner Handlungsfreiheit“, welche Überlegungen für die Lösung dieser Einschränkung von Nöten machen (WOLF (1984), S. 8). Als wichtigen zu betrachtenden Faktor kann der „Nutzungsanspruch der nachfolgenden Generationen“ erwähnt werden. An dieser Stelle liegt der Kern der Lösung des moralischen Problems darauf zu erarbeiten, wie sich das Handeln des Individuum in der Gesellschaft mit dem Erhalten der Gesellschaft Vereinbaren lassen. Somit wird das Filtern und Erarbeiten dieses Konfliktes zu einem Abwägen und Ausgleichen divergierenden Perspektiven (BAYERTZ (1991), S. 27f.). Es gilt herauszufinden, ob ein Handeln konträr des vorhanden Wissens über korrektes moralisches Handeln die situativ bessere Option ist, um das Ziel für die Erhaltung der Gesellschaft zu erreichen.

II. Ein weiteres moralisches Problem liegt vor, wenn die empirischen Fakten unklar bzw. nicht eindeutig ermittelbar sind. Dieser Gegenstand ist ein Resultat aus der Schwierigkeit Fakten entsprechend dem Einzelfall bestimmten zu können, denn „präzise und mit Sicherheit die Fakten eines Falles zu bestimmen“ und somit die vermeintlichen „Folgen“ vor raus zu sagen, grenzt an unmöglichen Fähigkeiten der Menschheit (SINGER (1975), S. 387). Dadurch, dass einzelne Elemente im Gesamtkontext einer Betrachtung fehlen, ist es dem Individuum nicht möglich umfassend genug anhand von moralischen Wertevorstellungen zu handeln. Diese zweite Art von moralischen Problemen in Zusammenhang mit empirischen Fakten zeigt, dass der Einbezug der empirischen Forschung notwendig ist. Zwar richten sich die Inhalte der Ethik zu großen Teilen auf eine „philosophische Kompetenz“ aus, jedoch lassen sich aus „Normen allein (...) keine Bewertungen konkreter Handlungen oder Handlungsoptionen deduzieren“ (BAYERTZ (1991), S. 29f.). Der Einbezug von empirischen Fakten bietet die Möglichkeit um Schrittweise eine Annäherung für die Lösung des moralischen Problems zu erzeugen.

III. Eine weitere Art von moralischen Problemen ergeben sich in Situation bzw. Geschehnissen, bei denen mehrere Prinzipien anwendbar sind. Diese Tatsache wird als „Prinzipienkollision“ bezeichnet (BAYERTZ (1991), S. 30). Demnach verstößt das Individuum - unabhängig von seiner Handlungsentscheidung - gegen ein moralisches Gebot, sodass sich „Ausnahmen“ der Einhaltung der Grundprinzipien zwingend ergeben (WOLF (1984), S. 92). Unter der Beteiligung von zwei Parteien muss eine Entscheidung zu Gunsten bzw. zu Wider einer dieser Partei getroffen werden. Dadurch entstehen vor allem im medizinischen Bereich moralische Probleme, sodass Angehörige schwierige Entscheidungen treffen müssen. So äußert sich die Prinzipienkollision im besagten Beispiel durch das Aufeinandertreffen der Prinzipien der Autonomie des Patienten und der Schadensvermeidung (Bayertz (1991), S. 30).

Demnach liefert das alleinige Anwenden von moralischen Grundprinzipien keinen Erfolg, sodass ein „übergeordnetes Prinzip“ greifen muss (WOLF (1984), S. 93). Um der Problematik der Prinzipienkollision einen allgemeinen Lösungsansatz zu geben, gibt es verschiedene Ansätze für die Bildung von Prinzipienhierarchien. Diese Rangordnungen lassen sich jedoch nur eingeschränkt verwenden, da sie nicht auf alle denkbaren Situationen anwendbar sind, da das „Phänomen des Moralischen (...) zu komplex“ ist (Bayertz (1991), S. 31).

Die einzelnen moralischen Probleme der vorangestellten Aufzählung sind nicht eindeutig voneinander trennbar. Es „gibt Übergänge, Grenzfälle und Überschneidungen zwischen den verschiedenen Arten“ (BAYERTZ (1991), S. 27).

Die Darstellung der unterschiedlichen moralischen Problemen und die Vorgehensweise für deren Lösung verdeutlichen, dass die angewandte Ethik auf eine „analytische“ Verfahrensweise angewiesen ist ((BAYERTZ (1991), S. 32 Durch diese analytische Vorgehensweise wird zum Einen erarbeitet, dass eine Prinzipienkollision vorliegt. Zum Anderen liefert die Analyse die Klarheit über das menschliche Handeln, da die bestmögliche Entscheidung getroffen werden soll, auch wenn sich die moralischen Konflikte nicht restlos lösen lassen können (WILIAMS (1978), S. 285).

Demnach ist eine Separierung notwendig, um einen Perspektivwechsel zu verdeutlichen und die „verschiedenen Arten von Reflektion und Argumentation“ (Bayertz (1991), S. 27) klar zu erkennen. Eine Unterscheidung der drei Arten von moralischen Problemen zeigt, dass verschiedene Perspektiven und Ansätze nötig sind, um die moralischen Prinzipien zu befolgen und im selben Schritt auch die Bedürfnisse des Individuums einzubeziehen.

3.2 Die gesellschaftliche Bedeutung von Moralität

Neben der analytischen Funktion und somit einer Systematisierung von Strukturen dient die Ethik dazu, Hintergründe für moralische Prinzipien zu erarbeiten. In diesem Kapitel werden Gründe und Einflüsse aufgeführt, welche für Umstrukturierungen und Veränderungen von Moralität in der Gesellschaft relevant sind.

Unsere dynamische Gesellschaft ist durch „antiautoritär und antitraditionell ausgerichteten Strömungen“ gekennzeichnet, aus dieser Gegebenheit erzeugen sich die moralischen Prinzipien (Kay (1975), S. 13). Demnach lässt sich die Moralität - unabhängig von einer zeitlichen Dimension - als „funktionale“ Sitte für eine „gesellschaftliche Integration beschreiben“, welche Auswirkungen auf das Handeln von Individuen hat (Firsching (1994), S. 260).

Bereits kurz nach der Geburt eines Menschen zeigt sich die Wichtigkeit eines moralisch korrekten Handelns. Somit greift die Moralität bei der Erziehung des Kindes. Durch die Weitergabe von moralischen Prinzipien in frühen Jahren wird den Heranwachsenden das von ihnen gewünschte Verhalten vermittelt (Kay (1975), S. 13f.). Demnach wird Ihnen vermittelt, wie das „Bestehen der Gesellschaft“ erlangt werden kann (Firsching (1994), S. 261). Als Resultat dieser Kompetenz erlangt das Individuum in der Gesellschaft Anerkennung und erlernt die Fähigkeit zu einem sozialen und moralisch unbedenklichem Austausch. Sollte diese Kompetenz nicht entwickelt sein, kann es auf beiden Seiten zu einer Ausgrenzung kommen.

Dieses Aneignen von moralisch korrektem Handel ist notwendig, da das Bewusstsein und die Fähigkeit der gegenseitigen Achtung der Menschen nicht vor raus gesetzt werden kann (PEUKERT (2015), S. 144). Demnach muss die Fähigkeit der moralischen Handlung erlernt werden, was abhängig von der Gesellschaft ist. Die Unterschiede von verschiedenen Kulturen und Gesellschaften unterstreichen dieses Argument. Welche einzelnen Aufgaben werden in diesem Zusammenhang in der Gesellschaft angesprochen? Die moralischen Werte greifen nicht nur im sozialen Bereich. Daneben wird dich auch bei politischen oder rechtlichen Problemen auf ein moralisch korrektes Handeln bezogen. Dabei orientieren sich die „verschiedenen Demokratien“ der unterschiedlichen „politischen Systeme“ an den gleichen Werten. Damit dient dessen Nutzung um eine „Legimitation“ zu erzeugen (Firsching (1994), S. 290). Da die Moralität eine Domäne ist, welche sich nicht auf einen Teilbereich des Lebens fokussiert, sondern in allen Bereichen des Lebens greift, ist die Position und Bedeutung wichtig.

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Details

Titel
Kann die inklusive Pädagogik in Zusammenhang mit veränderten moralischen Wertevorstellungen der Gesellschaft gebracht werden?
Untertitel
Eine Erarbeitung von veränderter Moralität
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Erziehungswissenschaft)
Veranstaltung
Urteilsbildung - Theorie, Methodik, Didaktik
Note
1,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
17
Katalognummer
V937737
ISBN (eBook)
9783346266743
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ethik Moral Gesellschaft
Arbeit zitieren
Laura Kriewen (Autor), 2018, Kann die inklusive Pädagogik in Zusammenhang mit veränderten moralischen Wertevorstellungen der Gesellschaft gebracht werden?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/937737

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