Berufsorientierung in der Schule. Der Weg zum Beruf für Schüler der Sekundarstufe I


Seminararbeit, 2020

14 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

1. Der Arbeitsmarkt und die Erwerbstätigkeit

2. Jugendliche und Berufswahl
2.1 Wissensaufbau
2.2 Selbstwirksamkeit

3. Das Betriebspraktikum als Instrument der Berufsorientierung

4. Eignungsmerkmale für den Übergang nach dem qualifizierenden /Hauptschulabschluss
4.1 Ausbildungsreife
4.2 Berufswahlreife
4.3 Berufseignung
4.4 Vermittelbarkeit

5. Berufswahltheorien
5.1 Der entscheidungstheoretische Ansatz
5.2 Der entwicklungstheoretische Ansatz
5.3 Der allokationstheoretische Ansatz
5.4 Berufswahl als Matching-Prozess

6. Methodisches Spektrum der Berufswahlvorbereitung
6.1 Methoden der Berufsorientierung

7. Eine Unterrichtseinheit zum Thema Berufsorientierung
7.1 Die Unterrichtseinheit

Quellen

1. Der Arbeitsmarkt und die Erwerbstätigkeit

Der aktuelle Arbeitsmarkt ist von technologischem Fortschritt und besonders von Globalisierung und Individualisierung, Flexibilisierung und einer Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft geprägt. Der Arbeitsmarkt ermöglicht individuelle Partizipationsmöglichkeiten. Mit Hilfe der Erwerbsarbeit sind die Bürger in der Lage, ihr Geld zu verdienen. Der Preis für die Arbeit ist der Lohn und das Gehalt. Tendenziell haben auf dem Arbeitsmarkt die Teilzeit, und die geringfügige Beschäftigung zugenommen, während Vollzeitbeschäftigungen abgenommen haben (vgl. Köck 2018: 13f.).

2. Jugendliche und Berufswahl

Herzog, Neuenschwander und Wannack unterscheiden sechs Phasen der Berufswahl: Die Phase diffuser Berufsorientierung, die Phase der Konkretisierung der Berufsorientierung, die Suche nach einem Ausbildungsplatz, die Konsolidierung der Berufswahl, die Berufsausbildung selbst und die Phase des Eintritts in das Erwerbsleben. Verschiedene Entwicklungen am Arbeitsmarkt deuten darauf hin, dass Erwerbsbiografien nicht mehr linear verlaufen (diskontinuierliche Erwerbsbiographie), die Berufswahl damit kein Lebensabschnittsphänomen darstellt. Somit können sich nach der Erstberufswahl Berufswahlphasen wiederholen (vgl. Köck 2018: 138f.).

Es existieren drei Forschungsstränge der Berufstheorien, nach welchen sie sich unterteilen lassen. So gibt es die psychologischen Theorien, die soziologischen Theorien und die mehrperspektivischen Ansätze. Zeitgleich existieren verschiedene Einflussgrößen auf die Berufswahl der Jugendlichen. Hier spielen eigene Lebensentwürfe im Rahmen einer kognitiven Berufslandkarte eine große Rolle. Ebenso aber auch das Herkunftsmilieu und die Familie. Dabei existiert eine strukturelle Nähe zwischen dem Beruf und dem sozialen Umfeld. Pisa 2015 hat zudem gezeigt, dass Schülerinnen und Schüler aus einem Elternhaus mit einem hohen sozialen Status auch höhere Schulabschlüsse erreichen. Viele SuS mit Migrationshintergrund haben oft eine niedrige ökonomische Ausgangposition, sind jedoch oft sehr ambitioniert. SuS der Hauptschule mit Migrationshintergrund sind jedoch oft in der Berufswelt von Benachteiligung betroffen. Oft liegt dies an den mangelnden Sprachkenntnissen oder auch die Angst vor kulturellen Hürden (vgl. Köck 2018: 139f.).

Die Schülerinnen und Schüler besitzen einen Berufswunsch, und haben sich über diesen unterschiedlich stark informiert und besitzen an dritter Stelle eine bestimmte Motivation zur Ausbildung. Eine Umfrage der „Vertiefte Berufsorientierung und Praxisbegleitung an Hauptschulen“ von 2001-2010 zeigt, dass 87% der Jugendlichen ohne Migrationshintergrund einen Berufswunsch besitzen, jedoch nur 80% der Jugendlichen aus der ehem. Sowjetunion (mit türk Herkunft: 83%). Im Hinblick auf die Ausbildungsart zeigt sich, dass der duale Ausbildungsbereich mit 85% von Jugendlichen ohne Migrationshintergrund am meisten frequentiert wird (türk. Herkunft: 84%, sowj. Herkunft: 84%). Der rein schulische Ausbildungsbereich wird vorwiegend von Jugendlichen türkischer Herkunft genutzt (16%; Jugendliche ohne M. 13%, Jgdl. aus ehem. Sowjetunion 14%). Die am meisten genannten Berufswünsche teilen sich wie folgt auf (vgl. Richter 2014: 143ff.):

Jugendliche ohne Migrationshintergrund:

1. Einzelhandelskaufmann,
2. KFZ-Mechaniker,
3. Erzieher

Jugendliche türkischer Herkunft

1. Friseur,
2. Einzelhandelskaufmann,
3. KFZ-Mechaniker

Jugendliche aus der ehemaligen Sowjetunion

1. Einzelhandelskaufmann,
2. KFZ-Mechaniker,
3. Koch

Die Studie zeigt darüber hinaus, dass Jugendliche der ehemaligen Sowjetunion am wenigsten über ihren Wunschberuf informiert sind (vgl. Richter 2014: 143ff.).

2.1 Wissensaufbau

Berufssuchende sollten über Berufswahlwissen verfügen, um die eigene Handlungsfähigkeit zu stärken. Berufsbezogene Interessen können beispielsweise mit der Methode des Interessenkompass gefördert werden. Berufsfelder und Einzelberufe lernen die SuS durch Berufsfeldplakate und auch mit Hilfe des Berufsinformationszentrums kennen. Die inhaltliche Gestaltung von Bewerbungsunterlagen und das Durchführen von Bewerbungsgesprächen sollten die SuS im Unterricht kennen lernen. Diese Bewerbungsgespräche können beispielsweise im Rollengespräch geübt werden (vgl. Brüggemann 2013: 212f.).

2.2 Selbstwirksamkeit

Zusätzlich zum Wissensaufbau sollten die SuS die Selbstwirksamkeit lernen. Dabei können die SuS ein berufsbezogenes Ziel erfolgreich handeln. So können die SuS erfolgreich Bewerbungsgespräche führen oder einen Lehrmeister kontaktieren. Beachtet werden sollte die zeitliche Planung der Bewerbung, der Aufbau von Persistenz und Volition bei der Durchführung und einer abschließenden Ergebnisreflektion (vgl. Brüggemann 2013: 214f.).

3. Das Betriebspraktikum als Instrument der Berufsorientierung

Das Betriebspraktikum dient für Schülerinnen und Schüler oft auch zur Berufsorientierung. Allerdings sind sie für eine Berufswunschkontrolle nur wenig brauchbar, wenn das Praktikum nur oberflächlich bleibt. Darüber hinaus vermittelt das Betriebspraktikum eher Eindrücke als Kenntnisse. Das Praktikum kann auch keine berufskundliche oder ökonomische schulische Bildung ersetzen. Sicherlich kann das Betriebspraktikum Unsicherheit im Berufswahlprozess abbauen. Allerdings erhält es oft nur begrenzte Informationsangebote und durchschaut die Strukturen auf der Arbeit nur selten. Zusammenfassend hat das Betriebspraktikum einen berufsorientierenden Aspekt, einen sozialen Aspekt mit beispielsweise innerbetrieblichen Konflikten und einen funktionalen Aspekt, bei dem die Unterrichtsinhalte mit dem Praktikum verbunden werden. Im Bereich des Berufsorientierenden Aspekts können Schülerinnen und Schüler die Berufsanforderungen kennen lernen oder ihre eigene Eignung für den Beruf mehr oder weniger stark feststellen. Im Bereich des betrieblich-funktionalen Aspekts lernen die SuS den Aufbau eines Betriebes kennen, aber auch die Wege von Produkten, Leistungen oder Waren (vgl. Beinke 2013: 263).

4. Eignungsmerkmale für den Übergang nach dem qualifizierenden /Hauptschulabschluss

Damit die SuS in die Berufsausbildung starten können, benötigen sie bestimmte Qualifikationen. Im Folgenden werden diese Vorgestellt.

4.1 Ausbildungsreife

„Eine Person kann als ausbildungsreif bezeichnet werden, wenn sie die allgemeinen Merkmale der Bildungs- und Arbeitsfähigkeit erfüllt und die Mindestvoraussetzungen für den Einstieg in die berufliche Ausbildung mitbringt. Dabei wird von den spezifischen Anforderungen einzelner Berufe abgesehen, die zur Beurteilung der Eignung für den jeweiligen Beruf herangezogen werden (Berufseignung). Fehlende Ausbildungsreife zu einem gegebenen Zeitpunkt schließt nicht aus, dass diese zu einem späteren Zeitpunkt erreicht werden kann.“ (Köck 2018: 183).

Es existiert ein Kriterienkatalog zur Ausbildungsreife, welcher definiert, welche Merkmale SuS besitzen, welche ausbildungsreif sind. Es existieren die „schulischen Basiskenntnisse“, wie beispielsweise Kenntnisse in Mathematik und Schreiben, die „psychologischen Leistungsmerkmale“, wie bspw. logisches Denken und die Befähigung zur Daueraufmerksamkeit, „physische Merkmale“, wie ein altersgerechter Entwicklungsstand, „psychologische Merkmale des Arbeitsverhaltens und der Persönlichkeit“, wie bspw. Kritikfähigkeit und Leistungsbereitschaft, und die Berufswahlreife. Durch diese Ausbildungsreife werden Maßnahmen der Berufsorientierung und Berufsberatung versachlicht (vgl. Köck 2018: 184).

4.2 Berufswahlreife

„Während die Förderung der mit der Ausbildungsreife verbundenen Fähigkeiten und Dispositionen als generelle Aufgabe der Schule aufgefasst werden kann, verweist der Begriff Berufswahlreife direkt auf das Anliegen schulischer Berufsorientierung. Synonym wird auch der Begriff Berufswahlkompetenz verwendet. Im Kern geht es dabei um die Fähigkeit einer Person eine Passung zwischen den eigenen berufsbezogenen Fähigkeiten und Fertigkeiten und den Anforderungen bzw. Zugangsqualifikationen bestimmter Berufe herzustellen. Daneben lassen sich dem Konstrukt weitere Anforderungen an den Berufswähler zuordnen. Ratschinski 2012 beispielsweise schlägt für die Operationalisierung der Berufswahlreife folgende Dimensionen vor: Berufsinteressen, Berufsreifeeinstellungen, Stressverarbeitung, Selbstkonzept, Berufsbindung. Für die Erhebung dieser Dimensionen kann auf bereits bestehende Tests bzw. Skalen zurückgegriffen werden. Für Rübner und Höft 2012 lassen sich aus der Analyse der Literatur faustformelartig vier Merkmalsbereiche destillieren, um den spezifischen Stand eines Jugendlichen im beruflichen Orientierungs- und Entscheidungsprozess festzustellen:

- Berufswahlbereitschaft: die Anforderungen und Chancen der aktuellen beruflichen Entscheidungssituation erkennen und sich aktiv damit auseinandersetzen;
- Berufliche Selbsteinschätzung: die eigenen beruflichen Interessen, Fähigkeiten, Werte und Potenziale erkennen und reflektieren können;
- Beruflicher Informationsstand: die entscheidungsrelevanten Informationen über Berufe, Bildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten finden und kennen;
- Entscheidungsverhalten: die beruflichen Informationen, persönlichen Ansprüche und sozialen Erwartungen gewichten und zu einer tragfähigen beruflichen Entscheidung führen können.“ (Köck 2018: 187f.).

4.3 Berufseignung

„Eine Person kann dann für einen Ausbildungsberuf, eine berufliche Tätigkeit oder Position als geeignet bezeichnet werden, wenn sie über Merkmale verfügt, die Voraussetzungen für die jeweils geforderte berufliche Leistungshöhe sind, und der (Ausbildungs-)Beruf, die berufliche Tätigkeit oder die berufliche Position die Merkmale aufweist, die Voraussetzung für berufliche Zufriedenheit der Person sind.“ (Köck 2018: 184).

4.4 Vermittelbarkeit

„Vermittelbar ist eine Person, wenn bei gegebener beruflicher Eignung ihre Vermittlung in eine entsprechende Ausbildung oder berufliche Tätigkeit nicht durch Einschränkungen erschwert oder verhindert wird. Solche Einschränkungen können marktabhängig und betriebs- bzw. branchenbezogen bedingt sein, sie können aber auch in der Person selbst oder ihrem Umfeld liegen.“ (Köck 2018: 184).

5. Berufswahltheorien

Berufswahltheorien helfen bei der Analyse individueller Entscheidungen von Berufswählern. Ebenso werden mit der Hilfe dieser Theorien individuelle Berufswahlprozesse analysiert. Man unterscheidet differentialpsychologische Ansätze, entwicklungspsychologische Ansätze und entscheidungstheoretische Ansätze (vgl. Köck 2018: 184).

5.1 Der entscheidungstheoretische Ansatz

Dieser Ansatz beschreibt die Berufswahl als Folge von Entscheidungskriterien. Es werden hier Entscheidungsprozesse, Entscheidungssituationen und Entscheidungsverhalten unterschieden. Es wird von einem komplexen Entscheidungsprozess ausgegangen. Man geht davon aus, dass diese Prozesse durch Selbst- und Umweltkonzepte beeinflusst werden. Entscheidungssituationen gibt es beispielsweise für eine Erstberufsausbildung, für einen bestimmen Ausbildungsbetrieb oder aktive Gestaltung der Arbeitswelt. Das Entscheidungsverhalten kann man in passiv-aktiv, rational-irrational und autonom-abhängig unterteilen (vgl. Köck 2018: 161).

Didaktisch kann man in der Schule hier wie folgt vorgehen. Beispielsweise mit Hilfe der Entscheidungsmatrix. Die SuS stehen vor dem Ziel Entscheidungskompetenz zu erlernen. Dabei wird den SuS die Struktur der Entscheidungsvorgänge erläutert. Dies besteht aus der Problemwahrnehmung, Informationssuche, Entwicklung von Alternativen, Entscheidung und Realisierungsphase. Die angesprochene Entscheidungsmatrix unterscheidet zwischen Entscheidungskriterien (Ausbildungszeit, Ausbildungsvergütung u.ä.) und Entscheidungsalternativen (Berufe). Beides wird in eine Spalte und eine Zeile in einer Tabelle eingetragen. Nun wird jede Entscheidungsalternative anhand der Kriterien bewertet. So kann die beste Entscheidungsalternative bestimmt werden (vgl. Köck 2018: 161).

5.2 Der entwicklungstheoretische Ansatz

Hier wird davon ausgegangen, dass die Berufswahl ein lebenslanger Entwicklungsprozess ist. Dies geschieht im Rahmen der Entwicklung der Gesamtpersönlichkeit. Durch das Selbstkonzept der SuS sind besonders Werthaltungen und Interessen von Bedeutung. Einflüsse können dabei das Milieu, Eltern oder Lernerfahrungen bilden. Dabei gibt es verschiedene Entwicklungsschritte und dessen Abfolge, beispielsweise jene nach Ginzberg 1951. Hier wird zwischen Phantasiewahl (7-11 Jahre), Probewahl (11-17 Jahre) und der realistischen Wahl (ab 17 Jahre) unterschieden (vgl. Köck 2018: 162f.).

Didaktisch sind Beratungen wegen der Stabilität der Persönlichkeitsmerkmale nur von geringer Bedeutung. Vielmehr haben konkrete Erfahrungen mit der Arbeitswelt eine Bedeutung. Dies kann auch durch Erkundungen und Praktika in der Schule geschehen. Dabei kann ein Abgleich zwischen der Erwartung und der Wirklichkeit für einen Berufswunsch ausschlaggebend sein (vgl. Köck 2018: 162f.).

5.3 Der allokationstheoretische Ansatz

Dieser Ansatz beschreibt die Berufswahl als einen lebenslangen, gesellschaftlichen Zuweisungsprozess. Besonders regionale Umstände, oder gesellschaftliche Erwartungen oder Schichtzugehörigkeit wirken sich hier besonders aus. Dabei existiert die direkte und die indirekte Zuweisung. Direkte Zuweisung geschieht beispielsweise durch Beschränkungen wie Abschlüsse oder Auswahltests. Indirekte Zuweisung geschieht über Normen, Motive und Werte ihrer selbst oder ihrer Umgebung. So ist die soziale Herkunft der SuS oft ein Indikator für die Berufswahl (vgl. Köck 2018: 165).

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Berufsorientierung in der Schule. Der Weg zum Beruf für Schüler der Sekundarstufe I
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Note
1,7
Autor
Jahr
2020
Seiten
14
Katalognummer
V937788
ISBN (eBook)
9783346266705
ISBN (Buch)
9783346266712
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Berufswahl, Berufsfeld, Berufsorientierung, Schule, Beundesagentur, Ausbildung, Zukunftswerkstatt, Arbeitsmarkt, Vermittlung, Schüler, Unterricht, Stunde, Didaktik, Ansatz, Berfswahltheorie, Theorie
Arbeit zitieren
Chris K. (Autor), 2020, Berufsorientierung in der Schule. Der Weg zum Beruf für Schüler der Sekundarstufe I, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/937788

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