Die Analyse der Nebenfigur Férula


Hausarbeit, 2007

21 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Betrachtung der lateinischen Bedeutung des Namens Férula

3. Charakterisierung

4. Beziehung Férulas zu den Romanfiguren
4.1 Beziehung zwischen Férula und ihrer Mutter
4.2 Beziehung zwischen Férula und Esteban
4.3 Beziehung zwischen Férula und Clara

5. Analyse des Todes der Nebenfigur

6. Schluss

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit der Analyse der Nebenfigur Férula des Romans La casa de los espíritus der chilenischen Autorin Isabel Allende und möchte hauptsächlich die Frage klären, welchen Einfluss ihr tragischer Lebenslauf auf ihren Charakter und ihre Lebensweise nimmt und in welcher Beziehung die Nebenfigur Férula zu den anderen Romanfiguren steht.

Das Thema der Hausarbeit wurde bewusst gewählt, um zu verdeutlichen, dass die Nebenfigur eine sehr bedeutende und interessante Figur im Roman darstellt.

Um einen ersten Einstieg in das Thema zu erleichtern, beginnt die Arbeit mit der Betrachtung des Namens Férula. Es werden anhand von Beispielen die beiden Bedeutungen des lateinischen Wortes untersucht und geklärt, ob sich die Übersetzungen auf den Charakter und die Lebensweise der Nebenfigur beziehen lassen. In diesem Kapitel sollen ebenfalls inhaltliche Aspekte des Romans erläutert werden, um die Nebenfigur in der weiteren Analyse verstehen zu können.

In dem darauf folgenden Kapitel wird der Charakter der Nebenfigur unter Betrachtung des chronologischen Handlungsverlaufes des Romans untersucht. Es folgt eine Darstellung der verschiedenen Charakterzüge, die anhand von Beispielen verdeutlicht und analysiert werden. Ziel dieses Kapitels ist es aufzuklären, welche Faktoren den Charakter der Nebenfigur beeinflussen und welches Ziel Férula bei der Interaktion mit ihren Mitmenschen verfolgt. Dieses Kapitel beschäftigt sich zudem mit den Fragen, warum Férulas Charakter von Angst vor dem Alleinsein geprägt ist und welche Personen dazu beigetragen haben.

Schließlich soll anhand der Beschreibung der Beziehungen zur Mutter, zu Esteban und zu Clara geklärt werden, inwieweit die Personen für Férulas Lebensweg mit verantwortlich sind. Warum hasst Férula ihre eigene Mutter? Wer trägt die Schuld an Férulas gehassten Lebensumständen? Durch wen – und vor allem wodurch – wird sie kurzzeitig doch zu einem glücklichen Menschen?

Im ersten Teil dieses Kapitels wird besonders auf die Veränderung des persönlichen Verhältnisses zu Esteban eingegangen. Welche Aspekte spielen eine bedeutende Rolle für den entwickelten Hass zwischen den Geschwistern?

Die Beziehung Férulas zu Esteban kann nicht separat von der Entwicklung der Beziehung Férulas zu Clara betrachtet werden und wird daher im folgenden Kapitel weiter ausgeführt und analysiert. Schwerpunkt dieses Kapitels liegt in der Betrachtung der wachsenden Zuneigung gegenüber Clara, deren Umstände und Konsequenzen. Es wird ebenfalls erörtert, warum Férula nicht auf dem Land leben möchte. Abschließend wird beschrieben, wodurch die Beziehung endgültig eskaliert und zerbricht.

Im letzten Kapitel der Hausarbeit liegt der Schwerpunkt in der Analyse des Todes. Es wird auf die letzten Lebensjahre Férulas eingegangen und die Frage analysiert, warum sie die letzten Jahre freiwillig in Armut verbracht hat. Des Weiteren wird der Tod Férulas beschrieben. Hierbei soll der Grund für das Erscheinungsbild des Leichnams genauer untersucht werden. Warum hat Férula sich für ihren Tod kostümiert? Was hinterlässt sie nach ihrem Tod für Gefühle bei Clara und Esteban? Diese Fragen werden abschließend geklärt, da dieses Kapitel zum wesentlichen Teil dazu beiträgt, die Nebenfigur zu begreifen.

Zum Aufbau der Hausarbeit ist anzumerken, dass diese in jedem Kapitel einen chronologischen Verlauf bezüglich der Handlung aufweist und in sich ebenfalls eine chronologische Ordnung hat.

In Bezug auf die Literaturlage ist anzumerken, dass sich fast keine Quelle mit der Nebenfigur befasst hat und ansonsten wenige Interpretationsansätze zu finden sind, die wissenschaftlichen Ansprüchen genügen können. Die einzige Autorin, die einige Analyseansätze zur Nebenfigur gegeben hat, ist Frau Weiß-Pawliska, auf die sich die Hausarbeit mehrfach stützt.

2. Betrachtung der lateinischen Bedeutung des Namens Férula

Wenn die beiden lateinischen Bedeutungen des Namens Férula zur Betrachtung gezogen werden, fällt auf, dass die Autorin Isabel Allende bewusst das lateinische ferula, ae als Namen der Nebenfigur gewählt hat, denn schon die erste Bedeutung „Stab, Stock als Stütze, Züchtigungsmittel, als chirurgische Schiene“[1] ist auf die Romanfigur zu übertragen.

Bereits bei der ersten Erwähnung Férulas im Roman dient sie als chirurgische Schiene, also im übertragenen Sinne als Hilfsmittel Estebans. „Mi hermana Férula me ayudó a acercarme a la familia Del Valle [...]“[2]. Ohne Férula hätte Esteban nie den Kontakt zu seiner zukünftigen Frau Clara gefunden.

Des Weiteren lässt sich das Aussehen Férulas mit der Erscheinung eines Stabes vergleichen, denn ihre Bewegungen werden als brüsk und linkisch[3] beschrieben, wobei ein Stab in sich ebenfalls unbeweglich ist. Außerdem wird sie als sehr schlank und groß beschrieben,[4] was dem Erscheinungsbild eines Stabes entspricht.

Auch die Bedeutung „Stock als Stütze“ trifft auf die Figur zu, denn Férula hilft im Laufe ihres Lebens verschiedensten Personen, wie beispielsweise ihrer Mutter, Esteban, den Bedürftigen aus den Armenviertel, Clara sowie Blanca. Dabei bedient sie sich unterschiedlicher Mechanismen, ihren Bruder und ihre Mutter, wie später auch Clara „durch ihre persönliche Opfer in Abhängigkeit zu sich zu halten und durch eine uneinlösbare Dankesschuld für immer an sich zu binden“[5]: „Lo había cuidado y servido como ahora lo hacía con la madre y también a él lo envolvió en la red invisible de la culpabilidad y de las deudas de gratitut impagas.”[6] Ohne die Nebenfigur würden die Personen hilflos sein.

Auch der Begriff „Züchtigungsmittel” ist als Beschreibung der Person zutreffend, denn Férula züchtigt indirekt die Beziehung zwischen Esteban und Clara, indem sie sich zwischen die Beiden stellt und versucht sie durch ihren dominanten Charakter zu beherrschen.

Die zweite Bedeutung weist auf einen graden, „mit einem Kreuz abschließenden Hirtenstab des Papstes“[7] hin. Dieses könnte auf den Glauben Férulas übertragen werden, denn sie ist eine sehr religiöse Person, welches sich an vielen Stellen im Roman zeigen und beweisen lässt.

In den Jahren, in denen sie ihr Leben für das ihrer Mutter opfert, da sie glaubt, sich damit den Himmel zu verdienen[8], verlässt sie nur das Haus, um mit ihrer Mutter sonntags in die Kirche zu gehen.[9]

Zudem denkt Férula, dass Gott den Menschen straft, wenn eine Person in ihren Augen eine Sünde begeht. Als Esteban sein erstes Gehalt für einen Kaffee im Hotel Francés ausgibt, um sich einen Kindheitstraum zu verwirklichen, anstatt Medikamente für seine Mutter zu kaufen und er versehentlich das Glas zerstört, ist Férula fest davon überzeugt, dass dieses ihm nur aufgrund der Sünde geschehe.[10] „Dios te castigó.“[11]

Auch als Esteban sein erwirtschaftetes Geld für den Bau eines neuen Hauses ausgibt, sieht Férula die Verschwendung des Geldes als Todsünde an und wartet auf die Strafe Gottes. Sie möchte, dass das Geld lieber den Armen gespendet wird. „[...] Dios los iba a castigar a todos [...].”[12]

Férula praktiziert nicht nur für sich selbst ihren Glauben obsessiv, sondern drängt diesen auch anderen Personen, wie ihrem Bruder oder Blanca auf.

3. Charakterisierung

Schon am Anfang erwähnt der Roman, dass Férula eine verquälte Seele sei und Gefallen an Selbsterniedrigung fände.[13] Diese Eigenschaften ziehen sich durch die ganze Lebensgeschichte der Nebenperson, da sie sich zuerst für ihre kranke Mutter aufopfert und später auf andere Weise diese Aufopferung Clara und Blanca gegenüber bringt.

Außerdem werden Parallelen zu Esteban erwähnt. „Era de gestos bruscos y torpes, con el mismo mal carácter de su hermano, pero obligada por la vida, y por su condición de mujer, a dominarlo y a morder el freno.”[14] Damit ist sicherlich nicht gemeint, dass Férula einen schlechten Charakter hat, sondern dieser durch Dominanz bestimmt ist, da ihre Rolle als Frau diese benötigt.

Ihre einzige Aufgabe bestand in dem Erziehen ihres Bruders und der Pflege der Mutter. Sie konnte nie Freundschaften oder partnerschaftliche Beziehungen aufbauen. „Férula había rechazado a dos novios con el pretexto de la enfermedad de su madre.“[15]

Nach dem Tod der Mutter steht sie ohne nützliche Lebensaufgabe alleine da. Ihre einzige innere Pflicht ist es, täglich die Armensiedlung zu besuchen. Jedoch erfüllt diese Tat nicht ihr Leben. Estebans Vorschlag, sie solle auf Reisen gehen, sich neue Kleider kaufen und zum ersten Mal in ihrem Leben ihrem Vergnügen nachgehen, lehnt sie aus den verschiedensten Gründen ab. Férula scheint nicht in der Lage zu sein ihr Leben zu genießen, weiß nicht, was ihr Freude bereiten könnte und fühlt sich völlig nutzlos. Außerdem hat sie Angst in ein Heim abgeschoben zu werden, da sie nicht mehr gebraucht wird.[16] Hier ist erkennbar, dass sie sich nur eingesteht gemocht zu werden, wenn sie dieses an Erfüllungen von Bedürfnissen anderer und Aufopferung den anderen gegenüber bindet.

Férula hat jahrelang das Haus nicht verlassen und hat nun Angst das zu realisieren, wonach sie so lange Jahre verlangte. Obwohl Esteban nur fünf Jahre jünger ist, fühlt sie sich zu alt, ihre eigene Familie zu gründen und denkt, sie könne jetzt an ihrem ruinierten Leben nichts mehr ändern. „Al morir su madre, Férula se encontró sola y sin nada útil a lo cual dedicar su vida, a una edad en que no tenía ilusión de casarse.”[17]

Férula hat bis zum Tode ihrer Mutter nie die Chance genutzt, etwas an ihrer Lebensweise zu ändern. Daher ist sie unglücklich über ihr Leben, was sich ebenfalls anhand des Aussehens belegen lässt.[18] „[...] sus ojos llenos de sombras, ya se adivinaba la fealdad de la resignación.”[19]

Die Heirat ihres Bruders ist für sie mit der Angst des nicht mehr Gebrauchtwerdens verbunden, da der Bruder nach der Hochzeit Clara hat, die seine Bedürfnisse erfüllt. „Temía terminar sus días haciendo ganchillo en un asilo para solternas de buena familia [...].”[20] Sie dachte, dass sie bislang die einzige „Stütze[21] ihres Bruders sei. „[...] que era su único sustento.”[22]

Férulas Angst vor dem Alleingelassenwerden ist dadurch zu begründen, dass ihr Vater die ganze Familie im Stich gelassen und innerhalb weniger Jahre ihre Mitgift und ihren Erbanteil ausgeben hat. Nur wegen ihm, musste sie sich alleine um Alles kümmern. Später projektiert sie ihren Hass gegenüber ihren Vater auf Esteban, als auch er die Familie verlässt und sie mit der Mutter alleine lässt.

[...]


[1] Langenscheidt (2001: 502).

[2] Allende (2003: 34, Z. 8).

[3] Vgl: Allende (2003: 53).

[4] Vgl: Allende (2003: 96).

[5] Weiß-Pawliska (1993: 126).

[6] Allende (2003: 53, Z. 36).

[7] Langenscheidt (2001: 502).

[8] Vgl: Allende (2003: 53).

[9] Vgl: Allende (2003: 51).

[10] Vgl: Allende (2003: 54-55).

[11] Allende (2003: 55, Z. 1-2).

[12] Allende (2003: 105, Z. 1-2).

[13] Vgl. Allende (2003: 53).

[14] Allende (2003: 53, Z. 27-29).

[15] Allende (2003: 53, Z. 23-24).

[16] Vgl: Allende (2003: 106).

[17] Allende (2003: 106, Z. 7-9).

[18] Vgl: Allende (2003: 53).

[19] Allende (2003: 53, Z. 6).

[20] Allende (2003: 106).

[21] Vgl. Lateinische Bedeutung ferula, ae.

[22] Allende (2003: 106, Z. 17).

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Die Analyse der Nebenfigur Férula
Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Veranstaltung
„Der chilenische Roman des 20. Jahrhunderts“
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
21
Katalognummer
V93809
ISBN (eBook)
9783640098101
ISBN (Buch)
9783640325535
Dateigröße
439 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Analyse, Nebenfigur, Férula, Roman, Das Geisterhaus, La casa de los espiritus, Isabel Allende, Chile, chilenischer Roman
Arbeit zitieren
Daniela Witt (Autor), 2007, Die Analyse der Nebenfigur Férula , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93809

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