Das Thema dieser Arbeit lautet Anthropologische Themen im Geschichtsunterricht – Ein Längsschnitt am Beispiel des alltagsgeschichtlichen Themas Kindheit. Auf Grund der Stofffülle und der Forderung nach didaktischer Reduktion wird in diesem theoretisch geplanten Längsschnitt der Unterrichtsgegenstand auf Kinderarbeit eingeschränkt. Zuerst wird der Ansatz der Historischen Kulturanthropologie näher erläutert. Daraufhin folgt eine kurze Beschreibung der Methode des Längsschnitts. Sodann folgt der Längsschnitt am Beispiel Kindheit - Kinderarbeit. In diesem Abschnitt wird als erstes die Themenfindung beschrieben, dann die Relevanz für die Schüler dargelegt und es folgt die Einordnung in den Lehrplan. Es schließt sich die Aufstellung einer Hauptleitfrage und eines Hauptleitziels an. An diesen orientiert sich der Stundenaufbau des Längsschnittes. Nach der Sachanalyse, in der die Unterthemen kurz wissenschaftlich dargestellt werden, setzt sich die Verfasserin mit der didaktischen und methodischen Analyse des Themas auseinander. Es werden bestimmte Aspekte der einzelnen Unterrichtsstunden ohne Anspruch auf Vollständigkeit überblicksartig vorgeschlagen. Am Ende der Arbeit wird eine Bilanz gezogen, welche u. a. beinhalten soll, welche Schwierigkeiten sich mit der Entwicklung dieses Längsschnittes ergaben und worin Vor- und Nachteile einer solchen Unterrichtsgestaltung in der Praxis bestehen könnten.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Ansatz der Historischen Anthropologie
III. Längsschnitt - Methode und Ziel
IV. Längsschnitt am Beispiel Kindheit - Kinderarbeit
(1) Thema der Unterrichtssequenz/ Didaktische Überlegungen (Relevanz für die Schüler)
(2) Klassenstufe und Lehrplanbezug
(3) Hauptleitfrage und Hauptlernziel
(4) Sachanalyse
(5) Didaktische und methodische Analyse - Aspekte der einzelnen Unterrichtsstunden/ Unterrichtsverlauf
V. Schlussteil
VI. Literaturverzeichnis
VII. Anhang
Anhang A: Chronologische Übersicht über die Quellen
Anhang B: Quellen
Quelle 1: Bauernkinder
Quelle 2: Kinderarbeit in der Buntpapierfabrik Dessauer Aschaffenburg, 1858 – Holzstich
Quelle 3: Kinderarbeit in einer Baumwollspinnerei
Quelle 4: Gesetz zur Einschränkung der Arbeit von Kindern und Jugendlichen in Preußen
Quelle 5: Verteidigung der Kinderarbeit durch einen schleswig-holsteinischen Unternehmer (1867)
Quelle 6: Schwabenkinder
Quelle 7: Zeitzeugenbericht
Material : Der Film: „Die Schwabenkinder“ – Filmausschnitte
Quelle 8: Kinderarbeit um 1900
Quelle 9: Verbot der Kinderarbeit - RGBl. 1903 - Auszug
Quelle 10: Gesetz zum Schutz der arbeitenden Jugend (1976)
Quelle 11: Statistik Kinderarbeit in Entwicklungsländern
Anhang C: tabellarischer geplanter Unterrichtsverlauf
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, anthropologische Themen in den Geschichtsunterricht zu integrieren, indem sie beispielhaft einen Längsschnitt zum Thema Kindheit und Kinderarbeit theoretisch plant. Dabei soll der historische Wandel der Wahrnehmung von Kinderarbeit – von einer gesellschaftlichen Selbstverständlichkeit hin zum gesetzlichen Verbot – für Schüler einer achten Klasse nachvollziehbar gemacht werden.
- Methodik des historischen Längsschnitts im Unterricht
- Ansatz und Bedeutung der Historischen Anthropologie
- Historische Entwicklung von Kinderarbeit vom Mittelalter bis zur Gegenwart
- Analyse von Fallbeispielen wie den "Schwabenkindern"
- Didaktische Umsetzung und Einordnung in den Lehrplan
Auszug aus dem Buch
Quelle 7: Zeitzeugenbericht
Willi D. Ich bin 1930 weggekommen, da war ich zehn Jahre alt. Daheim waren wir acht Kinder. Ich kam nach Wangen im Allgäu. Mein Bauer hatte zwei Töchter und zwei Söhne – aber mit denen hatte ich praktisch keinen Kontakt. Um vier Uhr morgens musste ich aufstehen. Nie, überhaupt nie konnte ich ausschlafen! Ich habe auch nicht in einer richtigen Schlafkammer geschlafen, sondern in der angebauten Kornkammer, zusammen mit einem Tagelöhner. Der Bauer hatte siebzig Stück Vieh im Stall. Die musste ich immer wieder putzen. Er hat das Putzen nachgeprüft, indem er extra helle Handschuhe angezogen hat und damit über die geputzten Tiere fuhr. Und wehe, sie waren nicht sauber! Wenn ich mit meinen siebzig Kühen da allein im Regen auf der Weide stand, da hab ich maßlos Heimweh gekriegt. So furchtbar, das kann ich gar nicht erzählen. Abends gings dann heim und einfach in die kalte Kornkammer, auch wenn man durch und durch nass war. Da gabs kein Pardon. Ich war ein Ausländer. Und ich war arm. Mehr muss man doch nicht sagen, oder? Zweimal war ich im Schwabenland. Beim zweiten Mal bin ich zusammen mit meiner Schwester und einem anderen Buben abgehauen. Unser Bauer hat schwarze Magie im Stall betrieben, da hatten wir solche Angst, dass wir auf und davon sind. Die Polizei hat uns dann aufgegriffen und in den Zug gesetzt. So sind wir wieder heim. Danach musste ich nicht mehr fort.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung umreißt das Ziel, anthropologische Themen mittels eines Längsschnitts zum Thema Kinderarbeit für den Unterricht aufzubereiten.
II. Ansatz der Historischen Anthropologie: Dieses Kapitel definiert die Historische Anthropologie als interdisziplinäre Forschungsrichtung, die das Menschliche in der Geschichte in den Mittelpunkt rückt.
III. Längsschnitt - Methode und Ziel: Es wird der Längsschnitt als diachrones Verfahren erläutert, das historische Phänomene über lange Zeiträume vergleicht und so ein Bewusstsein für Wandel schafft.
IV. Längsschnitt am Beispiel Kindheit - Kinderarbeit: Dieser Hauptteil entwickelt die konkrete Unterrichtssequenz, umfasst didaktische Überlegungen, die Sachanalyse sowie die methodische Planung.
V. Schlussteil: Das Fazit bilanziert die Chancen und Herausforderungen der Methode und betont, dass der Erfolg der Unterrichtsgestaltung den hohen Vorbereitungsaufwand rechtfertigt.
VI. Literaturverzeichnis: Auflistung der wissenschaftlichen Quellen.
VII. Anhang: Enthält eine chronologische Quellenübersicht, Quellentexte, Abbildungen sowie einen tabellarischen Unterrichtsverlauf.
Schlüsselwörter
Historische Anthropologie, Geschichtsunterricht, Längsschnitt, Kindheit, Kinderarbeit, Industrialisierung, Mittelalter, Schwabenkinder, Didaktik, Bildanalyse, Lehrplan, Jugendarbeitsschutzgesetz, Sozialgeschichte, Alltagsgeschichte, Quellenarbeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Integration anthropologischer Themen in den Geschichtsunterricht, konkret am Beispiel des historischen Wandels von Kinderarbeit.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit beleuchtet die Historische Anthropologie, die Methode des Längsschnitts im Geschichtsunterricht sowie die konkrete Entwicklung der Kinderarbeit vom Mittelalter bis in die Gegenwart.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, den Schülern den Wandel der Wahrnehmung von Kinderarbeit zu vermitteln – von der gesellschaftlichen Akzeptanz bis zum heutigen Verbot.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird die Methode des historischen Längsschnitts angewandt, ergänzt durch einen anthropologischen Ansatz und eine didaktische Unterrichtsplanung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Sachanalyse der Kindheit und Kinderarbeit in verschiedenen Epochen sowie in eine didaktische Planung der einzelnen Unterrichtsstunden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Historische Anthropologie, Geschichtsunterricht, Längsschnitt, Kindheit, Kinderarbeit und didaktische Reduktion.
Welche Rolle spielen die sogenannten „Schwabenkinder“ in diesem Konzept?
Die Schwabenkinder dienen als spezifisches Fallbeispiel für Kinderhandel und Kinderarbeit im 19. und 20. Jahrhundert, um den Schülern die Lebensrealität dieser Kinder lebensnah zu verdeutlichen.
Wie bewertet die Verfasserin den Einsatz von Spielfilmen im Geschichtsunterricht?
Der Einsatz wird als motivierend und mit hohem Erlebniswert eingestuft, wobei den Schülern gleichzeitig die fiktive Natur von Spielfilmen gegenüber historischer Realität vermittelt werden soll.
- Citation du texte
- Cora Wenzel (Auteur), 2006, Längsschnitt am Beispiel des alltagsgeschichtlichen Themas „Kindheit“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93818