Nutzung Wissenschaftlichen Wissens als Grundlage von Unternehmensentscheidungen. Vor- und Nachteile


Hausarbeit (Hauptseminar), 2020

13 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

0 Einleitung zum Thema der Arbeit

1 Über den Begriff „Wissen“
1.1 Prozess und Inhalt als Aspekte von Wissen
1.2 Abgrenzung der Begriffe „Wissen“ und „Wissenschaftliches Wissen“
1.2.1 Wissen
1.2.2 Wissenschaftliches Wissen
1.3 Unterschied zwischen Wissen und Wissenschaftlichem Wissen

2 Wissens-Management

3 Wissens-Transfer

4 Fazit

Literaturverzeichnis

Literatur und Internet-Quellen

Verzeichnis der genutzten Internet-Quellen

0 Einleitung zum Thema der Arbeit

In dieser Arbeit soll beleuchtet werden, ob und in welcher Form Wissenschaftliches Wissen die Grundlage für Unternehmensentscheidungen sein kann und in welcher Form auch das Themenfeld Wissens-Management mit tragfähigen Konzepten relevant für Unternehmen ist. In diesem Bezugsrahmen werden die Vor- und Nachteile der Nutzung von Wissenschaftlichen Wissen diskutiert und auf die folgenden Aspekte Bezug genommen:

- Systematik und Nachvollziehbarkeit von wissenschaftlichen Erkenntnissen und daraus abgeleitetem Wissen im Vergleich zu „Alltagswissen“ und „Ratgeberwissen“
- Zugänglichkeit zu Wissenschaftlichem Wissen, das inhaltlich sehr komplex ist und im Rahmen einer formalen Struktur vorliegt und meist nur in einem fachspezifischen Umfeld konkret bzw. „limitiert“ verfügbar ist.
- Widerspruchsfreiheit bzw. Widersprüchlichkeit des Wissenschaftlichen Wissens; Erkenntnisse werden immer in einem wissenschaftlichen Diskurs dynamisch eingebunden und anfechtbar bzw. revidierbar sein.
- Kommunizierbarkeit von Erkenntnissen und wissenschaftlich erzeugten Informationen1.

Basierend auf der Betrachtung der oben genannten Aspekte wird im Nachgang ein persönliches Fazit formuliert und geklärt, ob und wie Unternehmen von wissenschaftlichem Wissen profitieren können. Dabei werden die Vor- als auch die Nachteile bei und für die Nutzung von wissenschaftlich erarbeiteten Informationen, Studien und speziellen Inhalten als Wissengrundlage für unternehmerische Prozesse und Entscheidungen diskutiert und aufgeführt.

1 Über den Begriff „Wissen“

1.1 Prozess und Inhalt als Aspekte von Wissen

Wissen hat zwei Aspekte:

- den Wissensinhalt
- den Wissensprozess

Der Wissensprozess „stellt eine Beziehung zu Dingen, Personen und Fakten dar“ (Stehr, 2001, S. 56), d. h., er braucht die persönliche und individuelle Teilhabe und beschäftigt sich mit dem, was gewusst werden kann. Über etwas Bescheid zu wissen, bedeutet, dies „in den eigenen Orientierung- und Erfahrungsbereich aufzunehmen.“ (ebd.: S. 56).

Der Wissensinhalt hingegen ist die Zusammenfassung von Informationen und Beobachtungen zu einem abgegrenzten Sachverhalt und damit „nur“formal2 verständlich.

1.2 Abgrenzung der Begriffe „Wissen“ und „Wissenschaftliches Wissen“

Um zu betrachten, ob sich Wissenschaftliches Wissen als Grundlage für Entscheidungen nutzen lässt, ist es notwendig den allgemein geführten Begriff Wissen - der sowohl kulturell als auch informationsbasierend geprägt ist - gegen den Begriff Wissenschaftliches Wissen abzugrenzen.

1.2.1 Wissen

Der Soziologe und Kulturwissenschaftler Nico Stehr charakterisiert Wissen als die „Fähigkeit zum sozialen Handeln“ (Stehr, 2001, S. 62), um die Befähigung zu erlangen „etwas in Gang zu setzen“ (ebd.: S. 62), und somit handlungsfähig zu werden oder zu sein.

Des Weiteren ermöglicht Wissen nach einer Definition von Niklas Luhmann „das Erkennen von Variationen, Neuheiten und Überraschungen“ (Luhmann, 2002, S. 99) und unterstützt damit direktes soziales Handeln in einem interpersonellen Kontext. Das Wissen um soziale Zusammenhänge und persönliche Abhängigkeiten kann in einem solchen Fall beispielsweise helfen beziehungsrelevante, politische oder aber auch unternehmerische Entscheidungen zu treffen, die nicht unbedingt problembezogen und faktenbasiert sein müssen.

1.2.2 Wissenschaftliches Wissen

Wissenschaftliches Wissen behandelt eine konkrete Problemstellung und einen faktenbasierten Lösungsweg auf Basis von speziell für die Problemstellung erhobener Daten und Informationen, um spezielle Erkenntnisse zu erzielen. Bei wissenschaftlichem Handeln ist immer ein Problem die Basis für daraus abzuleitendes Wissen (vgl. Popper; in Burkart, 2002, S. 408).

Wissenschaft wird durch die Tätigkeiten Entdecken und Erklären geprägt. Hypothesen und Erklärungen werden in einer auf das Problem bezogenen Theorie verdichtet. So erzielte Erkenntnisse und nicht zuletzt auch daraus erwachsendes Wissenschaftliches Wissen behalten solange Gültigkeit, bis es einen neuen Forschungs- und Wissenstand gibt, der die vorher gefasste Theorie mit neuen Informationen ablöst oder umstößt.

Im Regelfall ist dieser Vorgang durch fachspezifisches Wissen und forschendes Handeln getrieben und lässt sich Außenstehenden nur schwer vermitteln.

1.3 Unterschied zwischen Wissen und Wissenschaftlichem Wissen

Wissen im Allgemeinen betrachtet, nutzt unter anderem die Ressource persönlich geprägter (affektiver) Erfahrung. Diese Komponente fließt bei wissenschaftlich generiertem Wissen nur sehr sekundär – oder gar nicht - in das Datenmaterial mit ein. Es werden konkrete, valide gemessene Erfahrungswerte genutzt. Daher ist zu beachten, dass die Verfügbarkeit und der Zugriff auf diese beiden Formen von Wissen unterschiedlich erfolgt und andere Interpretationsmöglichkeiten - je nach Vorwissen, Bildung und Situation - möglich sind. Daher ist die Ausgangslage für das Finden von Entscheidungen je nach Wissensart und -Vermittlung jeweils eine andere.

2 Wissens-Management

Die im Kapitel 1 betrachteten Aspekte rund um das Verständnis von Wissen und auch die Abgrenzung der Begriffe Wissen vs. Wissenschaftliches Wissen haben gezeigt, dass es verschiedene Formen beim und mit dem Umgang von Wissen in einer Informationsgesellschaft und im Rahmen betrieblicher sowie unternehmerischer Prozesse gibt bzw. geben muss. Es ist daher notwendig, Informationen und den Umgang mit Ressourcen auf genau diese Aspekte hin zu beleuchten und dabei auch den persönlichen Aspekt bei der Vermittlung und Aneignung von Wissen in einem (Wissens) Management-Prozess zu betrachten.

„Um das Wissen anderer zu managen oder andere dazu zu bringen, ihr eigenes Wissen zu managen, bedarf es grundlegender Kenntnisse darüber, wie es beim Menschen zum Aufbau von Wissen kommt, was dabei förderlich und was hemmend ist.“ (Wiater, 2007, S. 135)

Übergeordnet lässt sich festhalten, dass Wissen - sei es nun allgemein verfügbar oder wissenschaftlich erzeugt bzw. konnotiert - primär an die mentalen Systeme von Personen gebunden und für Außenstehende damit eine unsichtbare Ressource ist (vgl. Wiater, 2007, S. 135).

Auf diese persönliche Komponente muss im Rahmen eines Wissens-Management Bezug genommen und im besten Fall auch positiv verstärkend eingewirkt werden.

Letzten Endes kann kein Beteiligter gezwungen werden, sich zum einen Wissen aktiv anzueignen und zum anderen erworbenes Wissen anderen Beteiligten zur Verbesserung der Produktivität oder dem Zugewinn von Erkenntnissen durch Kommunikation neuer Informationen zugänglich zu machen (vgl. ebd.).

In diesem Zusammenhang muss man Rezipienten und Kommunikatoren gleichermaßen betrachten, da auf beiden Seiten individuelle Lern- und Vermittlungskompetenzen in Bezug auf Informationsaufnahme und Informationsverarbeitung mit in die Kommunikation sowie den Transfer von Wissen einbezogen werden müssen, denn „Wissen ist das Ergebnis eines Lernprozesses, der in die Phasen „Informationsaufnahme“, „Informationsverarbeitung“ und „Informationsspeicherung“ aufgegliedert werden kann.“ (Wiater, 2007, S. 135).

Es gibt aktuell keine einheitliche Form oder ein Konzept im Wissen-Management, da dieses immer individuell, personenbezogen und dem jeweiligen thematischen Bezugsrahmen angepasst werden muss. Was es allerdings gibt sind zahlreiche technologische Lösungen und Plattformen, die als Wissens- und Themenspeicher fungieren und den kollaborativen Austausch von Wissen ermöglichen.

3 Wissens-Transfer

Wissens-Transfer erfolgt auf verschiedenen Ebenen und auch in verschiedene Richtungen. So kann der Transfer von Wissen sowohl nach innen gerichtet sein als auch nach außen. Für beide Fälle gelten unterschiedliche Formen der Aufbereitung und der Rezeption, die sich ebenfalls an der jeweiligen Form bzw. inhaltlichen Art des Wissens (Professionswissen, Handlungswissen, Ratgeberwissen, Wissenschaftliches Wissen etc.) orientieren müssen.

Folgt man der Definition von Michael Thiel (2002) so versteht man unter dem Wissenstransfer „die zielgerichtete Übertragung von Wissen von einem Transferpartner (Sender) zu einem anderen Transferpartner (Empfänger) […], wobei die Transferpartner Individuen oder Kollektive sein können und die Rollen Sender und Empfänger in einer Transfersituation wechseln können.“

Diese Situation macht die Kommunikation zu einer schwierigen Aufgabe, da hier zu Tage tritt, wie dynamisch der Prozess der Vermittlung sowohl intern wie extern ausgestaltet sein kann. Somit ist dieser Aufwand im Rahmen des Wissens-Management operativ und effektiv abzubilden.

Grundsätzlich lassen sich für einen allgemein erfolgreichen Transfer von Wissen folgende Parameter definieren:

- Sender und Empfänger müssen bereit sein Wissen zu teilen und Neues erlernen zu wollen
- Sender und Empfänger sollten sich thematisch auf Augenhöhe begegnen / bewegen
- Bereitgestellte Informationen müssen so übertragen werden, dass sie gut verständlich und nicht kodifiziert sind
- Um Wissen nachhaltig zu installieren muss auf den individuellen Kontext des Empfängers eingegangen werden

Die oben genannten Punkte machen klar, dass es gerade beim Wissenstransfer von z. B. Forschung in Richtung Gesellschaft zu Problemen kommt, wenn sich beispielsweise eine zu große Kluft zwischen Theorie und Praxis ergibt, es ethische Bedenken oder emotionale Teilhabe gibt oder Inhalte falsch vermittelt werden, was zu Verunsicherungen führt. Zudem besteht gerade in hoch beforschten Feldern der Wissenschaft (z. B. Pharma, Medizin) oftmals eine hohe Frequenz bei der Veröffentlichung von Publikationen3.

Das wirkt sich dann nicht nur auf die externe und interne Wissenschaftskommunikation aus, sondern erschwert damit auch zusätzlich die Entscheidungsfindung bzw. - fähigkeit.

[...]


1 Hier spielen die Form sowie der Inhalt wissenschaftlicher Publikationen in Bezug auf die Komplexität eine Rolle bei der Bereitstellung und Kommunikation.

2 im durch die Situation und Problemstellung definiertem Bezugsrahmen

3 Siehe dazu ein Beispiel aus der Lungenforschung. Online verfügbar unter https://doi.org/10.1007/s15033-017-0717-6 (letzter Abruf 01.09.2020)

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Nutzung Wissenschaftlichen Wissens als Grundlage von Unternehmensentscheidungen. Vor- und Nachteile
Hochschule
Universität Koblenz-Landau
Note
1,0
Autor
Jahr
2020
Seiten
13
Katalognummer
V939008
ISBN (eBook)
9783346272003
ISBN (Buch)
9783346272010
Sprache
Deutsch
Schlagworte
nutzung, wissenschaftlichen, wissens, grundlage, unternehmensentscheidungen, vor-, nachteile
Arbeit zitieren
Oliver Tissen (Autor), 2020, Nutzung Wissenschaftlichen Wissens als Grundlage von Unternehmensentscheidungen. Vor- und Nachteile, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/939008

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