Herausforderungen der Telearbeit für das psychische Wohlbefinden


Essay, 2020

14 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Hauptteil
2.1 Definition wichtiger Begrifflichkeiten
2.1.1 Telearbeit
2.1.2 Belastung und Beanspruchung
2.1.3 Stressoren und Stress
2.2 Modelle zur Stresserklärung
2.2.1 Transaktionales Stressmodell
2.2.2 Job Demands-Resources Model
2.3 Literaturüberblick: Arbeitszeit und Arbeitsort – (wie viel) Flexibilität ist gesund?

3 Abschluss

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Das Arbeitsanforderungen-Arbeitsressourcen Modell nach Demerouti & Nachreiner (2019)

Dieser Scientific Essay hat einen Umfang von 2271 Wörtern. Grundlage ist der Leitfaden zum wissenschaftlichen Arbeiten in der Wirtschaftspsychologie in der Version 1.1 vom 01.08.2019.

1 Einleitung

Der Ausbruch des globalen COVID-19-Virus führte schlagartig zu Veränderungen in jederlei Hinsicht. Am 22. März 2020 verkündete die Bundesregierung in Deutschland die Kontaktbeschränkung für die Bürger, die einzuhaltende Abstandsregelung von 1,5 Metern, sowie die weitere Schließung von Gastronomie- und Dienstleistungsbetrieben (Was bedeuten die neuen Leitlinien?, 2020).

Auch alle anderen Betriebe müssen sich aufgrund neuer Leitlinien an Hygienekonzepte halten und haben für den Schutz ihrer Mitarbeiter zu sorgen. So wurde die Arbeitswelt von heute auf morgen umstrukturiert und viele Erwerbstätige kamen zum ersten Mal mit Homeoffice in Berührung (Baert, Lippens, Moens, Sterkens & Weytjens, 2020; Schröder et al., 2020; Was bedeuten die neuen Leitlinien?, 2020). Auch wenn dies für viele Arbeitnehmer anfangs eine Umstellung bedeutet, bietet das Arbeiten von zu Hause auch den Vorteil, dass sich viele Arbeitnehmer konzentrierter fühlen und dadurch produktiver sind. Zudem spart man sich den Weg zur Arbeit und ist oftmals flexibler in der zeitlichen Gestaltung des Arbeitsalltags (Michel & Wöhrmann, 2018; Schröder et al., 2020; Tavares, 2017).

Produktiver und flexibler zu sein, kann sich allerdings auch schnell als Schattenseite der Telearbeit aufzeigen: Es werden vermehrt Überstunden gemacht und dadurch, dass das eigene Zuhause und der Arbeitsplatz derselbe Ort sind, ist es für Arbeitnehmer oft schwieriger, die Grenze zwischen Privatem und Beruflichem zu ziehen (Höge & Hornung, 2015; Kossek, Ruderman, Braddy & Hannum, 2012; Michel & Wöhrmann, 2018). Hinzu kommt, dass während der Corona-Pandemie auch Schulen und Kindertagesstätten geschlossen bleiben und Kinder während des Homeoffices zu Hause betreut werden müssen. Durch eine Integration beider Lebensbereiche (Privates und Arbeit) aufgrund flexiblerer Arbeitszeiten kann es zu Konflikten und zu erhöhtem Stressempfinden kommen (Michel & Wöhrmann, 2018; Schröder et al., 2020). Anlässlich der Zunahme an Homeoffice-Arbeitenden soll in diesem Scientific Essay aufgezeigt werden, welche psychischen Herausforderungen die Telearbeit mit sich bringt. Es werden hierfür zwei wissenschaftliche Theorien aus der Stressforschung und eine aktuelle Studie zu diesem Thema vorgestellt.

2 Hauptteil

Im folgenden Kapitel werden zu Beginn grundlegende Begriffe erläutert. Hierdurch soll eine Verständnisgrundlage geschaffen werden. Anschließend werden zwei Theorien zur Stressforschung dargestellt, um die Thematik auch vor dem psychologischen Kontext zu beleuchten. Am Ende wird eine Studie aus dem Jahr 2019 vorgestellt, welche die Herausforderungen des Homeoffices thematisiert.

2.1 Definition wichtiger Begrifflichkeiten

Zu Beginn dieses Kapitels werden wesentliche Begriffe dieses Forschungsbereichs erklärt, um Fehlinterpretationen und Missverständnisse zu vermeiden.

2.1.1 Telearbeit

„Telearbeitsplätze sind vom Arbeitgeber fest eingerichtete Bildschirmarbeitsplätze im Privatbereich der Beschäftigten, für die der Arbeitgeber eine mit den Beschäftigten vereinbarte wöchentliche Arbeitszeit und die Dauer der Einrichtung festgelegt hat.“ (§ 2 Absatz 7 Satz 1, ArbStättV). Das englische Synonym für Telearbeit ist Homeoffice. Weder Telearbeit noch Homeoffice als Überbegriff definieren exakt, wo und zu welcher Zeit die Arbeit stattzufinden hat (Tavares, 2017). Die Teleheimarbeit findet zum Beispiel ausschließlich von zu Hause statt. Die alternierende Telearbeit ist die häufigste Form der Telearbeit. Sie ist ein Wechsel zwischen Arbeiten im Betrieb und Zuhause. Beide Varianten finden mittels informationstechnologischer Unterstützung statt (Reichwald, Möslein, Sachenbacher & Englberger, 2000).

2.1.2 Belastung und Beanspruchung

Da die Begriffe Belastung, Beanspruchung und Stress oft synonym verwendet werden, scheint hier eine klare Abgrenzung unabdingbar. Der Begriff der psychischen Belastung ist zunächst neutral zu verstehen und bedeutet das Ergebnis einer Fülle an äußeren Einflüssen auf das Individuum (Bamberg, Busch & Ducki, 2003). Als Einflüsse in der Arbeitswelt können zum Beispiel der Arbeitsplatz, die Organisation der Arbeit, die Aufgabe an sich oder die Arbeitsumgebung verstanden werden. Die psychische Beanspruchung stellt die Auswirkung der Belastung auf den Menschen dar. Abhängig von den individuellen psychischen und gesundheitlichen Ressourcen wird eine Belastung wahrgenommen. Auch die Dauer ist entscheidend. Ressourcen können unter anderem Bewältigungsstrategien, Selbstvertrauen oder Fertigkeiten sein. Bei einer Unter- oder Überforderung der Ressourcen kann es zu einer Fehlbeanspruchung kommen. Findet eine individuelle Beeinträchtigung statt, kann diese langfristig zu gesundheitlichen Beschwerden führen, wie z.B. psychosomatische Störungen (Kopfschmerzen, Verdauungsprobleme etc.), Fehlzeiten oder Burnout (Bamberg et al., 2003; Joiko, Schmauder & Wolff, 2010).

2.1.3 Stressoren und Stress

Stressoren sind Faktoren, die im Regelfall eine Stressreaktion auslösen. Stressoren kommen hier dem Begriff der Belastung nach, Stressreaktionen dem Begriff der unter Punkt 2.1.2. definierten Beanspruchung. Stress ist für das Individuum ein unangenehmer Spannungszustand. Dieser Zustand entsteht aus einer Angst heraus, eine Situation (bereits eingetreten oder in der Zukunft liegend) nicht kontrollieren zu können. Eine Situationsvermeidung scheint dem Individuum wichtig (Richter, 2000, zitiert nach Greif, 1991, S. 23-24).

2.2 Modelle zur Stresserklärung

Im folgenden Abschnitt werden zwei bedeutende Theorien aus der Stressforschung dargelegt, um Erklärungs- und Bewältigungsansätze für die Entstehung von Stress zu veranschaulichen. Es werden das transaktionale Stressmodell nach Lazarus und Launier (1981) und das Job Demands-Resources Model nach Bakker & Demerouti (2007) vorgestellt.

2.2.1 Transaktionales Stressmodell

Nach Lazarus und Launier (1981) ist für Stress das Zusammenspiel zwischen Mensch und Umwelt entscheidend. Ausgangspunkt für das Entstehen von Stress ist ein Reiz aus der Umwelt, welcher auf den Menschen einwirkt. Je nachdem, wie dieser individuell kognitiv beurteilt wird, kann Stress entstehen oder nicht. Dabei durchläuft das Individuum drei automatisch ablaufende Bewertungsprozesse. Im primären Bewertungsprozess findet eine Beurteilung der Situation und des einwirkenden Reizes statt. Wird der Reiz als angenehm bewertet, unternimmt die Person nichts weiter; wird er als stressig empfunden, kann Stress in drei unterschiedlichen Formen auftreten: Als Schädigung, Bedrohung oder Herausforderung (Lazarus & Launier, 1981). Die Schädigung meint einen bereits entstandenen Schaden oder Verlust aufgrund des Stresses. Bei der Bedrohung hat noch keine Schädigung stattgefunden, allerdings sieht das Individuum den Verlust bereits. Bei der dritten Form, der Herausforderung, findet eine positivere Bewertung statt und die erfolgreiche Meisterung oder der Nutzen der Situation stehen im Fokus (Lazarus & Launier, 1981). Empfindet die Person den Reiz als Bedrohung, erfolgt zusätzlich eine sekundäre Bewertung der Situation. Die sekundäre Bewertung findet nicht zwingend nach der ersten Bewertung statt, sondern kann auch zeitgleich dazu ablaufen. Es wird überprüft, welche individuellen Ressourcen zur Stressbewältigung vorhanden sind und dementsprechend wird mit den Stressoren zur Situationsbewältigung umgegangen. Hat das Individuum das Gefühl, keine ausreichenden Fähigkeiten zur Bewältigung der bedrohlichen Situation zu haben, entsteht Stress. In der anschließenden Neubewertung wird die gesamte Situation und Bewältigungsstrategie zusammenfassend betrachtet. Je nachdem, wie erfolgreich mit der Situation umgegangen wurde, wird der Ausgangsreiz bewertet. Diese Erfahrung kann für künftige Bewertungen von ähnlichen Situationen entscheidend sein (Lazarus & Launier, 1981). Nach Lazarus und Launier (1981) ergibt sich Stress somit aus einer subjektiven Beurteilung der Situation und der eigenen Ressourcen.

[...]

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Details

Titel
Herausforderungen der Telearbeit für das psychische Wohlbefinden
Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, München früher Fachhochschule
Note
1,3
Autor
Jahr
2020
Seiten
14
Katalognummer
V939267
ISBN (eBook)
9783346303912
ISBN (Buch)
9783346303929
Sprache
Deutsch
Schlagworte
herausforderungen, telearbeit, wohlbefinden
Arbeit zitieren
Kristina Schwabl (Autor), 2020, Herausforderungen der Telearbeit für das psychische Wohlbefinden, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/939267

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