(1) Persönliche Steuern beeinflussen regelmäßig den Unternehmenswert und sind bei der objektivierten Unternehmensbewertung auf der Ebene der Anteilseigner zu erfassen. Ein Unternehmenswert nach Steuern unterscheidet sich von einem Un-ternehmenswert vor Steuern.
(2) Aufgrund der Bewertungsäquivalenz müssen Zähler und Nenner bei der Un-ternehmensbewertung gleich behandelt werden. Dies bedeutet konkret, dass Net-tozahlungsüberschüsse (Cashflows) mit Nettorenditen zu diskontieren sind. Das Standard CAPM abstrahiert von persönlichen Steuern, weshalb das IDW zur Er-mittlung der Kapitalkosten das Tax-CAPM empfiehlt.
(3) Das Brennansche Modell zeigt die gleichgewichtige Bruttorendite auf, die Investoren aufgrund differenzierter Steuern von Kursgewinnen, Zinsen und Divi-denden fordern. Persönliche Steuern beeinflussen den Preis und die Rendite der WP. Allerdings müssen die Grenznutzen, Grenzsteuern und Erstausstattungen der
Marktteilnehmer bekannt sein, damit sich aus den Bruttorenditen, Nettorenditen ableiten lassen.
(4) Das Halbeinkünfteverfahren wird nach acht Jahren Bestand im deutschen Steuersystem gegen die Abgeltungssteuer ersetzt. So soll zu Beginn des Jahres 2009 die differenzierte Besteuerung von Dividenden, Zinsen und Wertpapierver-äußerung gegen aufgehoben werden.
(5) Wesentliche Neuerung ist die pauschale Abgeltungssteuer in Höhe von 25% mit der die unterschiedlichen Kapitaleinkünfte besteuert werden sollen. Zudem wird die Veranlagungsoption vor steuerlicher Benachteiligung schützen. Dies be-trifft Anleger, deren persönlicher Steuersatz unter 25% liegt. Die Spekulationsfrist außerhalb derer Wertpapiere steuerfrei veräußert werden konnten wird wegfallen.
(6) Wiese hat das Tax CAPM von Brennan auf das deutsche Steuerrecht mit dem Halbeinkünfteverfahren angepasst. Aufgrund der neuen steuerlichen Rahmenbe-dingungen hat er das Tax-CAPM von Brennan unter Berücksichtigung der ein-heitlichen Besteuerung der Abgeltungssteuer erneut angepasst.
(7) Im einperioden Fall weist das Nachsteuer CAPM im künftigen Steuersystem eine relativ einfache Struktur auf. Die Ausschüttungspolitik nimmt keinen Ein-fluss auf die Gleichgewichtsrendite des Tax-CAPM.
Inhaltsverzeichnis
1. Problemstellung
2. Die Herleitung des Tax CAPM
2.1. Das Capital Asset Pricing Modell (CAPM) nach Linter und Sharpe
2.2. Berücksichtigung von Steuern bei der Unternehmensbewertung
2.3. Das Tax-CAPM nach Brennan
3. Das Tax CAPM unter Berücksichtigung der Abgeltungssteuer
3.1. Begriff und Auswirkungen der Abgeltungssteuer
3.2. Modellierung nach dem Einperioden Fall
3.3. Modellierung nach dem Mehrperioden Fall
4. Thesenförmige Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die Anpassung des Tax-CAPM zur Ermittlung von Kapitalkosten unter Berücksichtigung der Einführung der Abgeltungssteuer im deutschen Steuerrecht. Ziel ist die Entwicklung eines Nachsteuer-CAPM-Modells, das den veränderten steuerlichen Rahmenbedingungen für die objektivierte Unternehmensbewertung gerecht wird.
- Grundlagen des Capital Asset Pricing Modells (CAPM)
- Einfluss persönlicher Steuern auf den Unternehmenswert
- Wirkungsweise der Abgeltungssteuer auf Kapitaleinkünfte
- Modellierung des Tax-CAPM im Einperioden- und Mehrperiodenfall
- Sensitivitätsanalyse des effektiven Kursgewinnsteuersatzes
Auszug aus dem Buch
3.1. Begriff und Auswirkungen der Abgeltungssteuer
Mit der Verabschiedung der Unternehmenssteuerreform 2008 (UStr) findet ein erneuter Paradigmenwechsel im Steuerrecht statt55. Ziel der UStr ist es, Deutschland im internationalen Vergleich in Bezug auf die Steuern wettbewerbsfähiger zu machen56. Durch die UStr geht auch die Einführung der AbgSt einher, die ab dem 01.01.2009 zur Geltung kommen wird57. Künftig soll die differenzierte Besteuerung der unterschiedlichen Einkunftsarten die sich aus Zinsen, Dividenden und Kursgewinnen58 ergeben, mit einer pauschalen einheitlichen Steuer i.H.v. 25%59 besteuert werden60. Im noch gültigen HEV werden Dividenden und Zinsen unterschiedlich behandelt. Dividenden unterliegen der hälftigen Besteuerung, dagegen werden Zinsen voll besteuert 61 . Wo Kursgewinne noch steuerfrei vereinnahmt werden konnten62, wird auch die Spekulationsfrist von einem Jahr abgeschafft. Konkret bedeutet dies, dass unabhängig von der Haltedauer die Veräußerungsgewinne der privaten Anleger belastet werden63. Die Steuerzahlung auf die Kapitaleinkünfte gilt durch den Quellenentzug als abgegolten 64 . Eine Neuerung der AbgSt ist im Hinblick auf die Veranlagungsoption zu sehen. So werden Steuerzahler, deren persönlicher Steuersatz unter 25% liegt benachteiligt werden65. Unter diesen Aspekten ist davon auszugehen, dass die AbgSt einen erheblichen Einfluss auf die oUB ausüben wird66.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Problemstellung: Die Einleitung erläutert die Bedeutung der Kapitalkostenermittlung mittels des CAPM im Kontext der objektivierten Unternehmensbewertung und begründet die Notwendigkeit einer steuerlichen Anpassung des Modells.
2. Die Herleitung des Tax CAPM: Dieses Kapitel behandelt die theoretischen Grundlagen, beginnend beim Standard-CAPM über die allgemeine steuerliche Problematik bis hin zur Herleitung des Tax-CAPM nach Brennan.
3. Das Tax CAPM unter Berücksichtigung der Abgeltungssteuer: Hier wird die Einführung der Abgeltungssteuer detailliert analysiert und in mathematische Modelle für den Einperioden- sowie den Mehrperiodenfall überführt.
4. Thesenförmige Zusammenfassung: Die zentralen Erkenntnisse der Arbeit werden in prägnanten Punkten zusammengefasst, wobei sowohl steuerliche Implikationen als auch die Grenzen der Modellierung hervorgehoben werden.
Schlüsselwörter
Tax-CAPM, Kapitalkosten, Unternehmensbewertung, Abgeltungssteuer, Steuereffekte, Brennan-Modell, Kapitalmarktmodell, Einkommensteuer, Kursgewinnsteuersatz, Investitionsentscheidung, Diskontierung, Bruttorendite, Nettorendite, Steuerkorrekturfaktor, Unternehmenssteuerreform.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Anpassung des Capital Asset Pricing Modells (Tax-CAPM) an das deutsche Steuerrecht, insbesondere unter Einbeziehung der ab 2009 geltenden Abgeltungssteuer für die Unternehmensbewertung.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen sind die theoretische Herleitung des Tax-CAPM, die Auswirkungen persönlicher Steuern auf Unternehmenswerte und die spezifische Modellierung von Kapitalkosten unter der neuen pauschalen Besteuerung von 25%.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, ein Nachsteuer-CAPM zu entwickeln, das in der Lage ist, die veränderten steuerlichen Rahmenbedingungen (Abgeltungssteuer) korrekt in die Berechnung der Kapitalkosten zu integrieren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine modelltheoretische Analyse durchgeführt, die auf den mathematischen Ansätzen von Brennan aufbaut und diese durch die Arbeiten von Wiese für das deutsche Steuersystem weiterentwickelt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des Tax-CAPM, die explizite mathematische Modellierung für Einperioden- und Mehrperiodenbetrachtungen sowie die Analyse der Sensitivitäten von Steuersätzen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Tax-CAPM, Kapitalkosten, Abgeltungssteuer, Steuereffekte und Unternehmensbewertung charakterisiert.
Wie wirkt sich die Abgeltungssteuer auf die Kapitalkostenberechnung aus?
Die Abgeltungssteuer führt zu einer pauschalen Besteuerung von 25%, was die Modellierung im Vergleich zu vorherigen Systemen (wie dem Halbeinkünfteverfahren) vereinfacht, jedoch bei der Mehrperiodenbetrachtung stochastische Dividenden erfordert.
Was besagt die Arbeit zum Problem der stochastischen Dividenden?
Bei einer mehrperiodigen Betrachtung zeigt sich, dass deterministische Dividenden nicht ausreichen; die Arbeit führt daher Ansätze zur Berücksichtigung stochastischer Dividenden ein, weist jedoch auf die hohe Komplexität und die empirische Schwierigkeit der Kovarianzschätzung hin.
- Quote paper
- Sit Balci (Author), 2008, Das Tax CAPM zur Ermittlung der Kapitalkosten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93960