Die Außenkrypta ist als eigene Form der mittelalterlichen Baukunst lange Zeit nicht erkannt worden. Dieses Stichwort fehlt in manchen alten Lexikonen und es gibt Probleme, Außenkrypten zu identifizieren, weil sie im 9. Jahrhundert „Oratorium“ heißen. Noch in der Mitte des 11. Jahrhundert wird manchmal die Essener Außenkrypta „Oratorium“ genannt.
Der Begriff „Außenkrypta“ wurde von Wilhelm Effmann gefunden und entwickelt1. Im
Unterschied zu einer Krypta ist die Außenkrypta eine Anlage, die nicht unter dem Altarraum
sondern hinter steht. Diese Baukunst hat sich nur während der Karolingerzeit (751-887) und
der Ottonenzeit (936-1024) in Frankenreich entwickelt und in besonders in Ostfrankreich
und Nord Deutschland, am Maas und Rhein. Mein Thema, das karolingische und ottonische
„Außenkrypta“ ist, zielt ein besseres Verständnis der Entwicklung der Außenkrypten.
Welcher Einfluss hat die Liturgie über diese besondere Architekturform? Welche Bedeutung
und Funktion trägt eine Außenkrypta und warum wurde sie nur während dieser kurzen Zeit
gebaut?
Zuerst möchte ich die verschieden Formen einer Außenkrypta zeigen. Dann benutze ich ein
besonderes Beispiele, das die Abteikirchen Essen und Werden ist, um die Entwicklung der
Außenkrypta zu zeigen. Endlich verbinde ich die Form mit der Nutzung einer Außenkrypta.
[...]
Inhaltsverzeichnis
II. Einleitung
III. Architektur
A. Definition
B. Rechteckige „Außenkrypta“
1. Karolingische zentrale Kammer
2. Ottonische Hallenaußenkrypta
3. Das Vorbild: das Mausoleum des Probis und Saint-Denis
C. Rundbau
1. Saint‐Germain in Auxerre
2. Saint‐Pierre in Flavigny‐sur‐Ozérain
3. Crypta inferiores und crypta superiores
D. Kreuzförmige Bauten
1. Der Halberstädter Dom
2. Corvey an der Weser
E. Ein besonderes Beispiel: Essen‐Werden
1. Essen
2. Werden an der Ruhr
3. Die Beeinflussung Liudgers und der Bischöfe
IV. Die Nutzung
A. Eine Grabstätte für geistliche Würdenträger
1. Werdener Abteikirche
2. Essener Münster
3. Saint‐Germain in Auxerre
B. Ein Raum mit Altären und Reliquien
1. Sankt Maximin von Trier
2. Essener Abteikirche
3. Sankt Emmeran von Regensburg
4. Die Besonderheit der Scheitelrotunde
C. Die Außenkrypta als Teil der Benediktsregel
1. Die Entwicklung einer neuen Liturgie
2. Die Entwicklung der Wallfahrt und der Reliquienverehrung
V. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die architektonische Form und liturgische Funktion der „Außenkrypta“ während der Karolinger- und Ottonenzeit. Ziel ist es, die Entwicklung dieser spezifischen Bauform im fränkischen Raum zu verstehen und aufzuzeigen, wie sie als Antwort auf veränderte Anforderungen bei der Reliquienverehrung und der Pilgerführung entstand.
- Architektonische Differenzierung zwischen Krypta und Außenkrypta
- Die Außenkrypta als Ort für Altäre und Reliquienverehrung
- Bedeutung für die Bestattung geistlicher Würdenträger
- Einfluss der benediktinischen Reform auf die Kirchenbaukunst
- Analyse von Fallbeispielen wie Essen-Werden, Auxerre und Trier
Auszug aus dem Buch
Die Außenkrypta als Raum für Altäre und Reliquien
Im 4. Jahrhundert setzte das Konzil von Auxerre fest, dass mehrere Gottesdienste an einem gleichen Altar verboten waren. Die Lösung für dieses Problem war die Vermehrung der Altäre. Jedoch störten die zahlreichen Altäre im Mittelschiff oder in den Nebenschiffen und behinderten den Gang der Gläubigen. Also wurden die Altäre in der Außenkrypta, als Raum für die ungestörte Verehrung des Heiligen, gezogen. Die Außenkrypta ist, als ein Kultraum, in Verbindung mit dem Heiligengrab, das üblicherweise in der Confessio unter dem Altarraum liegt. Die Außenkrypta musste sichtbar für die Pilger sein und auch nutzbar, deshalb musste sie zahlreiche Altäre haben. Die Zahl der Reliquien ist durch Schriftquellen wie Weihe- oder Festbeschreibung bekannt.
Zusammenfassung der Kapitel
II. Architektur: Dieses Kapitel definiert die Außenkrypta als halb unterirdische Erweiterung des Altarraums und analysiert ihre verschiedenen architektonischen Ausprägungen von der einfachen Kammer bis zu komplexen mehrschiffigen Hallenanlagen.
III. Die Nutzung: Dieser Abschnitt beleuchtet die Außenkrypta als Grabstätte für geistliche Würdenträger und als liturgischen Raum, der durch die Vermehrung von Altären und die Notwendigkeit der Pilgerführung geprägt wurde.
IV. Schluss: Das Fazit fasst zusammen, dass die Außenkrypta keine eigenständige Architekturform ist, sondern eine funktionale architektonische Antwort auf die benediktinische Reform und die gesteigerte Reliquienverehrung darstellt.
Schlüsselwörter
Außenkrypta, Karolingerzeit, Ottonenzeit, Reliquienverehrung, Benediktsregel, Liturgie, Pilgerwesen, Architekturgeschichte, Stiftskirche, Abteikirche, Essen-Werden, Krypta, Confessio, Heiligengrab, Baugeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die karolingische und ottonische „Außenkrypta“ als eigenständige Form der mittelalterlichen Baukunst.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die architektonische Entwicklung dieser Form, ihre Nutzung als Grabstätte und ihre Funktion im Kontext der mittelalterlichen Liturgie.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist ein besseres Verständnis für die Entstehung der Außenkrypta und deren Rolle innerhalb der kirchlichen Architektur unter dem Einfluss der benediktinischen Reform.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine kunsthistorische Analyse, die Bauformen, historische Quellen und archäologische Befunde kombiniert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine architektonische Bestandsaufnahme verschiedener Krypta-Typen und eine Untersuchung der funktionalen Nutzung für Reliquien und Grabstätten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Begriffe wie Außenkrypta, Reliquienverehrung, Benediktsregel und Pilgerwesen sind zentral für den Inhalt.
Welche Bedeutung hatte das Konzil von Aachen für das Thema?
Das Konzil verbreitete die Benediktsregel, was den Bau vieler Abteikirchen mit komplexer Liturgie und entsprechenden räumlichen Anpassungen wie der Außenkrypta nach sich zog.
Warum wird Essen-Werden als Beispiel hervorgehoben?
Essen-Werden dient als Fallbeispiel, um die Entwicklung der Außenkrypta als Memorialkapelle für die Familie der Liudgeriden und als religiös-kulturelles Zentrum aufzuzeigen.
- Quote paper
- Pauline Mercier (Author), 2008, Zur karolingischen und ottonischen "Außenkrypta", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93965