Grundlagen der Wertanalyse


Hausarbeit, 2002

20 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffsdefinitionen und Erklärungen
2.1 Der Begriff Wertanalyse
2.2 Der Begriff Wert
2.2.1 Der Kostenwert
2.2.2 Der Gebrauchswert
2.3 Der Begriff Funktion

3 Anwendungsgebiete der Wertanalyse

4 Der Arbeitsplan in der Wertanalyse

5 Die Funktionsanalyse

6 Die Systemelemente der Wertanalyse

7 Fazit

Literaturangaben

1 Einleitung

In den vergangenen Jahren machten immer wieder Schlagworte wie Value Engineering, Value Assessment, Value Analysis oder aber auch Value Control in Unternehmen die Runde. Ihren Ursprung fanden die Begriffe im Jahre 1947 in Amerika. Sie wurden geprägt von dem Chefeinkäufer L.D. Miles von General Electric, der damals die Aufgabe hatte, den Einkaufsbereich seines Unternehmens auf mögliche Kosteneinsparungen hin zu untersuchen. Das Ergebnis einer 5-jährigen Forschungsarbeit war eine systematische Vorgehensweise zur gezielten Kosteneinsparung, die in den späten sechziger Jahren auch im europäischen Raum unter dem Begriff Wertanalyse Einzug hielt. Trotz alledem war die Entwicklung in Europa eine andere als in Amerika. Aufgrund des zu Ende gegangenen Krieges herrschte ein Nachholbedarf für eine ganze Generation, was Konsumgüter anging. Die Kosten der Produktion spielten eine eher untergeordnete Rolle, man wollte nicht mehr sparen und die Methodik der Wertanalyse war nur vom Namen her bekannt.[1]

Im Jahre 1964 war es dann soweit. Man kann das Jahr als Geburtsjahr der Wertanalyse in Deutschland bezeichnen. Um endlich wieder konkurrenzfähig zu werden, griffen deutsche Ingenieure der Automobilindustrie erstmalig auf die Methoden der Wertanalyse zurück und machten die Wertanalyse binnen 6 Jahren zu einer der bedeutendsten Rationalisierungstechniken für die Zukunft der deutschen Industrie.[2]

Aber auch heutzutage, in Zeiten sinkender Gewinnspannen, der Globalisierung und dem daraus resultierenden höheren Konkurrenz- und Preisdruck, müssen Unternehmen Ideen und Methoden entwickeln, wie sie am Weltmarkt weiterhin bestehen können.[3] Es ist Aufgabe des Managements geworden, Veränderungen in der betrieblichen Umwelt zu erkennen, diese mit in seine Entscheidungen einzubeziehen und zu berücksichtigen.

Im engeren Sinne sind dies:

- Ein Wechsel in unserer Gesellschaft und eine daraus resultierende Veränderung der Nachfragegewohnheiten von Konsumenten.
- Die Aufgabe für Unternehmen, mit neuen und innovativen Produkten auf den Markt zu treten.
- Die Fähigkeit, als Unternehmen qualitativ hochwertige Produkte oder Dienstleistungen anzubieten und einen nachhaltigen Gewinn zu erwirtschaften.[4]

2 Begriffsdefinitionen und Erklärungen

2.1 Der Begriff Wertanalyse

Es ist die Aufgabe der Industrie, Produkte zu planen und zu entwickeln. Die Wertanalyse spielt dabei eine entscheidende Rolle, um Kosten zu senken, Prozesse zu optimieren und um Dienstleistungen anbieten zu können. Entscheidend bei dieser Methode ist, dass im Gegensatz zu anderen Kostensenkungsmethoden hier nicht durch Kostendrückung und Verbilligung der Gebrauchswert des Endprodukts verschlechtert wird.

Der Begriff Wertanalyse bedeutet in dem Zusammenhang zu versuchen, die Nützlichkeit, den Wert der Produkte zu erhöhen bei gleichzeitiger Berücksichtigung der Kosten auf jeder Stufe entlang des Wertschöpfungsprozesses und sogar darüber hinaus. Ziel muss es dabei sein, z. B. Herstellkosten, Verwaltungskosten, Gemeinkosten, aber auch andere anfallende Kosten zu erfassen, zu quantifizieren und zu minimieren. Die Wertanalyse ist also eine ganzheitliche Betrachtungsweise, bei der ein planmäßiges Vorgehen zur Anwendung kommt. "Jede Arbeit kann besser ausgeführt werden, wenn man systematisch vorgeht."[5]

Aus den ermittelten Kosten der Einzelteile (Einzelstufen) wird festgestellt, welche Kosten für die Erfüllung der Gesamtfunktion eines Produkts oder einer Dienstleistung und die damit verbundenen Teilfunktionen anfallen. Dies bildet dann die Grundlage für die Beurteilung verschiedenster Lösungsmöglichkeiten, da Gesichtspunkte aus allen Bereichen des Unternehmens mit einfließen und kritisch betrachtet werden. So wird zum Beispiel im Bereich des Vertriebs überprüft, ob wirklich alle Funktionen notwendig sind. Es wird versucht, die Kosten zu eliminieren, die im Verhältnis zu ihrer Bedeutung zu hoch sind (Wertverbesserung). Im Bereich der Konstruktion liegt das meiste Kosteneinsparungspotenzial vor, da das betreffende Produkt in seiner Entstehung noch nicht weit fortgeschritten ist. Die hier noch abstrakt vorliegenden Ideen können wertanalytisch untersucht und überprüft werden. Man spricht in dem Zusammenhang von einer Wertgestaltung. Das heißt, Kostenziele einzelner Funktionen können in Abhängigkeit vom Gesamtkostenrahmen und der Bedeutung für den Anwender festgelegt werden.

Im Bereich der Fertigung setzt die Wertanalyse an der Gestaltung der Einzelteile bzw. Bauteile auf. In der Regel ergeben sich aus solchen Betrachtungen Hinweise für Alternativen, die ein merkliches Kosteneinsparungspotenzial mit sich bringen.

Gemäß ÖNORM A 6750 wird die Wertanalyse wie folgt definiert: Sie ist eine "Methode zum systematischen Untersuchen von Funktionsstrukturen mit dem Ziel einer Wertsteigerung für den Hersteller, den Anwender und/oder die Allgemeinheit".

Neben dem Begriff der Wertanalyse im Deutschen gibt es noch eine ganze Reihe Begriffe aus dem amerikanischen Sprachgebrauch, die im wesentlichen das gleiche meinen, sich voneinander aber nur in Nuancen unterscheiden. Das Wirksystem Wertanalyse bleibt in jedem Fall identisch.

Unter Value Engineering wird dabei die Vorgehensweise der Wertanalyse am entstehenden Produkt verstanden. Man versucht gezielt den Wert von neuen Produkten noch in der Entwicklungsphase zu erhöhen. Als Value Analysis hingegen betrachtet man die Wertanalyse an schon bestehenden Produkten.[6] Untersucht ein Unternehmen im Rahmen einer Rationalisierungsmaßnahme die Preise seiner Erzeugnisse hinsichtlich Wert und Funktionen, so spricht man von Value Control.[7]

2.2 Der Begriff Wert

Im Mittelpunkt der Bemühungen durch die Wertanalyse steht unter anderem der Begriff vom Wert einer Sache und nicht der Preis eines bestimmten Erzeugnisses. Unter Wert wird im Allgemeinen die Fähigkeit eines Produktes verstanden, bestimmte Bedürfnisse zu befriedigen. Dies ist sowohl aus Konsumenten- als auch aus Herstellersicht möglich. Der Begriff Wert weist folgende Merkmale auf:

- Er ist relativ anzusehen.
- Er kann nur durch Vergleichen gemessen werden.
- Er bildet das Verhältnis vom erwarteten Nutzen und dem, was man dafür zu geben bereit ist.[8]

Wert (Value) wird in dieser Arbeit als Maß für die subjektive Befriedigung von Nutzenserwartungen aufgefasst. Nutzen stellt dabei einen Indikator für die Wertschätzung von Gütern für einzelne Wirtschaftssubjekte dar. Der Wert ist somit ein Maß der Wichtigkeit eines Gutes. Theoretisch kann der Wert aus der betreffenden Präferenzordnung der jeweiligen Subjekte abgeleitet werden und spiegelt sich unter anderem in der Zahlungsbereitschaft von Nachfragern für Güter wider.[9]

2.2.1 Der Kostenwert

Unter Kostenwert versteht man die Summe aller Ressourcen (Arbeitskräfte, Material, Know-how etc.), die aufgewendet werden müssen, um ein bestimmtes Erzeugnis entstehen zu lassen.[10] Aus Sicht des Herstellers ist derjenige Wert eines Produkts von Bedeutung, welcher den niedrigsten Kostenwert aufweist bei gleichzeitiger Erfüllung aller geforderten Funktionen.

2.2.2 Der Gebrauchswert

Unter Gebrauchswert versteht man die Summe aller Mittel, die man aufwenden muss, damit ein Gegenstand seinen Zweck erfüllt und einen gewissen Nutzen stiften kann.[11] Für den Verbraucher bedeutet dies konkret: Die niedrigsten Mittel, die aufgewendet werden müssen, um den Gegenstand zu besitzen, zu nutzen und unterhalten zu können. Das bedeutet, dass weder das billigste noch das teuerste Produkt den größten Wert aufweist, sondern dasjenige, welches den meisten Nutzen zum niedrigsten Preis stiften kann. Der Gebrauchswert soll im Rahmen dieser Arbeit das Kriterium für die Funktionstüchtigkeit eines bestimmten Produktes sein. Der Begriff Prestigewert hingegen soll für das Aussehen, die Formschönheit oder die Bequemlichkeit eines Produktes stehen.

2.3 Der Begriff Funktion

Ein weiterer zentraler Begriff innerhalb der Wertanalyse ist der Begriff Funktion. Ziel ist es, das Verhältnis aus Kosten und Wert im Rahmen einer funktionellen Betrachtung zu optimieren. Herkömmliche Rationalisierungsmethoden sind eng mit dem Produkt verzahnt und befassen sich vordergründig mit der Form oder mit der Materialbeschaffenheit von Produkten und nehmen diese als Basis für Einsparungsmaßnahmen her. Die Wertanalyse zerlegt ein entsprechendes Analyseobjekt (Produkte, Dienstleistungen, Prozesse) in ihre unterschiedlichen Einzelfunktionen. Das heißt, die Betrachtung findet losgelöst vom Produkt selbst statt und geht sogar soweit, dass die Konstruktion in Form von Materialbeschaffenheit oder Gestalt nur von sekundärer Bedeutung sein kann. Hingegen rücken diejenigen Beweggründe in den Vordergrund, aus denen das Produkt sich am Markt überhaupt rechtfertigen kann.[12]

Funktionen lassen sich als typische Charakteristika eines Produktes auffassen, die für die Funktionstüchtigkeit notwendig sind, so dass man das Produkt verkaufen kann. Sie müssen nicht unbedingt technischer Natur sein, sondern können auch auf Image bzw. Geltung bezogen sein.

Unter den Charakteristika lassen sich die Begriffe wie Merkmale, Eigenschaften, Spezifikationen, Bestandteile, Besonderheiten, Qualitäten etc. verstehen.

So sind zum Beispiel "das Material eines Produkts eine Funktion, das Gewicht eines Produkts eine Funktion, Toleranzen des Produkts sind Funktionen".[13] Funktionen sind also Elemente, Merkmale sowie Eigenschaften eines bestimmten Objekts.

Zusammenfassend kann man sagen, Funktionen sind aus Kundensicht das, was ein Produkt können muss bzw. was für den Kauf ausschlaggebend war. Der Kunde vergleicht dann die Funktionen des Objektes mit dem Preis und leitet daraus seinen individuellen Nutzen ab.

[...]


[1] vgl. Hoffmann, (1993), S. 24.

[2] vgl. Hoffmann, (1993), S. 25.

[3] vgl. Hoffmann, (1993), S. 11.

[4] vgl. Hoffmann, (1993), S. 11.

[5] Hoffmann, (1993), S. 30.

[6] vgl. Hoffmann, (1993), S. 28.

[7] ebd.

[8] vgl. Hoffmann, (1993), S. 44.

[9] vgl. Gabler (2000), S. 3461 f. und Heertje und Wenzel (1997), S. 96 ff.

[10] vgl. Hoffmann, (1993), S. 45.

[11] vgl. Hoffmann, (1993), S. 47.

[12] vgl. Hoffmann, (1993), S. 31.

[13] Hoffmann, (1993), S. 59.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Grundlagen der Wertanalyse
Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Nürnberg früher Fachhochschule  (FB Wirtschaftswissenschaften)
Veranstaltung
Organisationsmanagement
Note
2
Autor
Jahr
2002
Seiten
20
Katalognummer
V9401
ISBN (eBook)
9783638161169
ISBN (Buch)
9783638939119
Dateigröße
497 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wertanalyse, Larry Miles, Wert, Funktionen
Arbeit zitieren
Alexander Lorenz (Autor), 2002, Grundlagen der Wertanalyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9401

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