Filesharing - Das Ende der Musikindustrie?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008
41 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundlagen
2.1 Definition Filesharing
2.2 Entwicklung des Filesharing
2.2.1 Vorraussetzungen
2.2.2 Von Napster zu Bittorrent

3. Auswirkungen auf die Musikindustrie
3.1 Die Situation der Branche (Analyse der Wettbewerbskräfte)
3.2 Die unterschiedlichen Sichtweisen
3.2.1 Kontra
3.2.1.1 Filesharing als Ursache für Umsatzverluste
3.2.1.2 Lösung: Bekämpfung des Filesharing
3.2.2 Pro
3.2.2.1 Ursachen für die Umsatzverluste
3.2.2.2 Fehler der Musikindustrie
3.2.2.3 Argumente für Filesharing

4. Lösungsvorschläge: Filesharing als Chance begreifen
4.1 Die Kulturflatrate

5. Ergebnis

Literaturverzeichnis

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Die 5 Wettbewerbskräfte nach Porter

Abbildung 2: Das Lebenszykluskonzept

Abbildung 3: Singles Shipped

Abbildung 4: Gesamtumsatz des Phonomarktes in Deutschland, 1997-2006

Abbildung 5: Bittorrent: Anzahl der getauschten Dateien, Deutschland, Oktober 2006

Abbildung 6: P2P-Protokollverteilung nach Volumen, Deutschland 2007

Abbildung 7: Mit Musik bespielte Rohlinge und verkaufte CD-Alben, 2000-2006

Abbildung 8: Musikdownloads, 2000-2006

Abbildung 9: Reichweite legaler/illegaler Musikdownloads, 2005/2006

1. Einleitung

Der Wechsel vom Industrie- zum Informationszeitalter hat zu starken Veränderungen in der Musikbranche geführt. Durch das Internet und die zunehmende Digitalisierung nutzen Konsumenten Musik mehr als je zuvor. Sie wird nicht mehr nur konsumiert, sondern auch immer mehr untereinander getauscht. Laut einer Studie der ipoque GmbH verursachen Tauschbörsen in Deutschland mittlerweile bis zu 70% des gesamten Internetverkehrs.[1] Knapp ein Viertel der Dateien, die heruntergeladen werden, sind Musikdateien.[2] (Abb. 5). Diese Zahlen werden von der Musikindustrie in Verbindung gebracht mit den starken Umsatzrückgängen, die die Plattenfirmen im Tonträgergeschäft seit Jahren zu verzeichnen haben und die auch durch den Aufbau von Online-Music-Stores bisher nicht ausgeglichen werden konnten.

Ob - und wenn ja, inwieweit - die Peer-to-Peer-Netzwerke tatsächlich den Musikmarkt zerstören, wie von Vertretern der Musikindustrie befürchtet wird, oder ob sich die Branche infolge der Digitalisierung nur neu strukturieren muss, soll in dieser Arbeit untersucht werden. Fokussiert wird hierbei der deutsche Musikmarkt, da aufgrund der unterschiedlichen Urheberrechtsgesetze eine weltweite Betrachtung zu komplex für diese Arbeit wäre.

Nachdem ein kurzer Überblick über die grundlegenden Begriffe sowie die Entwicklung des Filesharing basierend auf der Digitalisierung gegeben wird, soll anschließend festgestellt werden, welche Auswirkungen diese Entwicklung auf die Musikindustrie hat. Dies ist nur möglich, wenn zunächst die Situation der Branche analysiert wird, damit die konkreten Probleme, mit der der Musikmarkt konfrontiert ist, sichtbar gemacht werden. Die Branchenanalyse beruht auf Michael Porter, dessen Ansatz in dem Werk „Strategisches Management - Analyse, Entwicklung und Implementierung von Unternehmensstrategien“ (2006) von Robert Grant und Michael Nippa ausführlich dargestellt wird und aus dem in dieser Arbeit zitiert wird.

Um zu einer objektiven Beurteilung gelangen zu können, soll sowohl die Sichtweise der Musikindustrie dargestellt werden, die das Filesharing aufgrund der Umsatzverluste, für die sie es verantwortlich macht, bekämpfen will, als auch die entgegengesetzte Sichtweise, nach der das Filesharing nicht die Ursache für die rückläufigen Umsätze sein kann. Da die Forschungslage in Bezug auf die Auswirkungen der kostenlosen Downloadplattformen auf die Musikindustrie nicht eindeutig ist, werden unterschiedliche Studien zu diesem Thema vorgestellt.

Zuletzt sollen Lösungsvorschläge erarbeitet werden, die beiden Seiten entgegenkommen. Außerdem soll die Ausgangsfrage beantwortet werden, ob Filesharing das Ende der Musikindustrie bedeutet oder aber neue Chancen bietet.

Als Leitfaden für den Untersuchungsgegenstand werden die frei verfügbare Online­Ausgabe des Buches „Mix, Burn und R.I.P. - Das Ende der Musikindustrie“ (2003) von Janko Röttgers sowie die wissenschaftliche Arbeit „Digitale Musikdistribution - Grundlagen, Potenziale, Strategien“ von Frank Oepkemeier verwendet.

2. Grundlagen

2.1 Definition Filesharing

Mit Filesharing wird der anonymisierte Austausch von Dateien zwischen Nutzern im Internet bezeichnet. Mit Filesharing können z.B. Musikdateien oder Filme ausgetauscht werden. [...]. Technisch wird das Filesharing regelmäßig über peer2peer-Software realisiert.[3]

„Peer“ bedeutet soviel wie „Gleichgestellter“ oder „Ebenbürtiger“. Eine Peer-to-Peer- Software stellt daher eine Kommunikation zwischen Gleichgestellten dar, bezogen auf ein Netzwerk von Computern. Die einzelnen Teilnehmer können in diesem Netzwerk sowohl Dienste in Anspruch nehmen (Download) als auch Dienste zur Verfügung stellen (Upload).[4] Damit ist es möglich, über die so genannten Tauschbörsen beliebige Dateien unbegrenzt zu vervielfältigen. Hierbei müssen die geltenden Urheberrechtsbeschränkungen beachtet werden. Zu unterscheiden ist zwischen legalen Tauschbörsen, bei denen für den Download einer Datei bezahlt wird, und illegalen Tauschbörsen, die sich seit Jahren immer größerer Beliebtheit erfreuen. Die meist getauschten Dateien sind Filme, Musik und Software, wobei sich diese Arbeit ausschließlich auf den Austausch von Musikdateien und die daraus resultierenden Veränderungen für die Musikindustrie beschränkt.

Nachfolgend soll erklärt werden, wie die Entstehung von Tauschbörsen überhaupt möglich werden konnte und warum sich diese in kürzester Zeit so stark verbreitet haben.

2.2 Entwicklung des Filesharing 2.2.1 Vorraussetzungen

In der modernen Welt, in der der Einfluss von Computertechnik immer mehr zunimmt, hat sich die Digitalisierung als eine der nachhaltigsten Veränderungen erwiesen.

Die Digitalisierung ist der Schlüssel für den Zugang zu den nahezu unbegrenzten Bearbeitungsmöglichkeiten mit Computern. Diese Vielfalt findet ihre Entsprechung in der Nutzung von Computernetzen.[5]

Da Musik ein Produkt ist, das im Gegensatz zu anderen Produkten in digitalisierter Form auf einfache Weise verbreitet werden kann, ist die Musikwirtschaft von dieser Veränderung besonders stark betroffen. Große Teile der mit Musik zusammenhängenden Medientechnologien sind bereits von der Digitalisierung erfasst und diese Entwicklung wird in den nächsten Jahren voraussichtlich noch stark zunehmen.[6] Die Digitalisierung bildet die Grundlage für die Distribution über elektronische Massenmedien. Hinzukommende begünstigende Faktoren sind die exponentiell steigende Anzahl von Internetnutzern, das zunehmende Angebot an kostengünstigen und schnellen Internetanschlüssen sowie verbesserte Methoden zur Datenkomprimierung.[7]

Diese Vorraussetzungen führten zu einem „gigantischen Umwälzungsprozess“[8], von dem die Musikindustrie besonders stark betroffen ist. Während Musik früher ein privates Gut darstellte, indem beispielsweise eine CD nur einer Person zur Verfügung stand und sich nicht ohne Qualitätseinbußen vervielfältigen ließ, ist sie zu einem öffentlichen Gut geworden, bei dem etliches Kopieren ohne Qualitätsverlust auf dem digitalen Weg ohne weiteres möglich ist. Das Kriterium der Ausschließbarkeit für ein privaten Gutes ist daher nicht mehr gegeben.[9]

Durch die Simplizität der digitalen Vervielfältigung stieg auch die Zahl der Pirateriedelikte[10] erheblich an und wird durch die wachsende Vernetzung noch weiter zunehmen.[11] Einer von Ipoque im Jahr 2007 durchgeführten Studie zufolge erzeugt das Peer-to-Peer-Filesharing mit etwa 70% im Internet mehr Verkehr als alle anderen Anwendungen zusammen.[12] Ob - und wenn ja welche - Auswirkungen dies auf die Umsätze der Musikindustrie hat, soll später in dieser Arbeit untersucht werden.

2.2.2 Von Napster zu Bittorrent

Die neuen Möglichkeiten, die das Internet offenbarte, interessierten 1999 auch den damals 19jährigen Informatikstudenten Shawn Fanning. Besonders der Download von MP3-Musikdateien über Websites oder Suchmaschinen faszinierte ihn. Angeregt durch die schnelle Internetanbinung seines Studentenwohnheimes an der Bostoner Universität, kam ihm die Idee, man müsse doch auch ohne zentrale Instanzen wie das Web oder Suchmaschinen auskommen können, um MP3s miteinander auszutauschen. Dabei sollten die Nutzer direkt auf die Festplatten der anderen Nutzer zugreifen können. Aus diesem Gedanken heraus entstand die weltweit erste Tauschbörse Napster, die innerhalb weniger Wochen zu einem der am schnellsten wachsenden Netzangebote aller Zeiten wurde.[13]

Mitte 2000 konnte Napster bereits über 37 Millionen Nutzer weltweit verzeichnen.[14] Dieser Boom hatte jedoch ein jähes Ende, als einige Musikbands, unter anderem die Heavy Metal Band Metallica, begannen, Klage gegen Napster wegen Vervielfältigung urheberrechtlich geschützter Werke einzureichen.[15] Daraufhin musste die kostenlose Tauschbörse geschlossen werden. Dies war vor allem so problemlos möglich, da Napster mit einem zentralen Server funktionierte, auf dem die Angebote und Suchanfragen aller Teilnehmer eingingen. Dieser Server konnte nach dem verlorenen Klageprozess einfach abgeschaltet werden, was das sofortige Ende von Napster bedeutete. Aus diesem Grund entwickelte sich 2000 der erste File-Sharing-Client, der mit dezentralen Servern arbeitete (Gnutella). Die Suchanfragen liefen hierbei nicht mehr auf einem zentralen Server zusammen, sondern wurden direkt an die einzelnen Teilnehmer weitergeleitet.[16] So war ein einfaches Abschalten der Server nicht mehr möglich. Durch die Denzentralisierung wurde zudem das Lokalisieren eines rechtlich Verantwortlichen für illegalen Datenverkehr verkompliziert. Das Problem bei Gnutella war jedoch, dass die Menge an Suchanfragen, die immer stärker anstieg je größer Gnutella wurde, irgendwann zum Datenstau führte und damit zum Zusammenbruch des Netzwerks.[17] Um dieses Problem zu umgehen, nutzte die 2001 entwickelte Tauschbörse Kazaa temporäre - also schnelle und zuverlässige - Server wie die von Universitäten oder großen Firmen um die Suchanfragen weiterzuleiten.

Mit dieser Architektur war Kazaa so verlässlich wie Napster und gleichzeitig so wenig kontrollierbar wie Gnutella. Es gab keinen zentralen Schalter mehr, mit dem das gesamte Netzwerk heruntergefahren werden konnte.[18]

Andere Weiterentwicklungen waren edonkey2000, welches sowohl noch anonymer als auch schneller war als seine Vorgänger, da es die Dateien von verschiedenen Teilnehmern gleichzeitig herunterladen konnte, sowie Emule, das auf der Technologie des edkonkey2000- Netzwerkes beruht.

Die heute am weitesten verbreitete Technologie zum Datenaustausch sind so genannte Bittorrent-Systeme, bei denen eine Datei zunächst in sehr kleine Teile zerlegt wird, die von verschiedenen Computern herunter geladen werden können und am Ende wieder zu einer Datei zusammengesetzt werden. Man muss daher nicht über die gesamte Datei verfügen um einzelne Stücke bereits weitergeben zu können. Durch die Zerstückelung der einzelnen Dateien in winzige Teile wird eine völlige Dezentralisierung erreicht, die eine Strafverfolgung sehr schwierig macht.[19]

Zudem gibt es beim Bittorrent-System keinen Betreiber oder Server, auf dem die Suchanfragen eingehen, sondern lediglich Internetseiten, auf denen Links zu einer Datei zu finden sind. Über einen solchen Link und eine spezielle Software wird man mit allen Personen verbunden, die die gewünschte Datei zurzeit anbieten. Die Tauschbörse lebt also allein von den Nutzern, die die Dateien austauschen. Eine Schließung ist damit unmöglich.

Mit 66,7% ist das Bittorrent-System nach eDonkey mit 28,59% in Deutschland das mit weitem Abstand meistgenutzte Peer-to-Peer-Netzwerk (Abb. 6)

3. Auswirkungen auf die Musikindustrie

3.1 Die Situation der Branche (Analyse der Wettbewerbskräfte)

Bevor die Auswirkungen des Filesharing auf die Musikbranche analysiert werden können, muss zunächst die Struktur der Branche genauer untersucht werden.

Dies ist möglich mit der von Michael Porter entwickelten Branchenstrukturanalyse, welche die fünf Wettbewerbskräfte, die auf eine Branche einwirken, analysiert, und damit zugleich die Rentabilität der Branche aufzeigt. Diese Wettbewerbskräfte sind:

(1) Die Rivalität zwischen den etablierten Wettbewerbern, (2) der Wettbewerb durch Anbieter von Substituten, (3) der Wettbewerb durch potentielle neue Anbieter, (4) die Verhandlungsmacht der Käufer und (5) die Verhandlungsmacht der Lieferanten.[20] Übertragen auf die Musikbranche werden diese Wettbewerbskräfte in folgender Reihenfolge betrachtet: (1) Die traditionelle Musikindustrie, (2) Bedrohung durch Substitute sowie (3) potentielle Konkurrenten, (4) die Macht der Konsumenten (5) und die Macht der Urheber.

Durch die Analyse dieser Wettbewerbskräfte ist eine Betrachtung der durch das Internet veränderten Wettbewerbssituation möglich. Erst mit diesem Wissen kann es den Musikunternehmen gelingen, aktiv auf die Branchenstrukturen einzuwirken und sich den Veränderungen zu stellen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Die 5 Wettbewerbskräfte nach Porter
Quelle: selbstgestaltet, in Anlehung an GRANT/NIPPA (2006), S.105-125.

Die traditionelle Musikindustrie

In den meisten Branchen stellt der Wettbewerb zwischen Unternehmen innerhalb einer Branche den wesentlichen Einflussfaktor auf die Wettbewerbsintensität und das allgemeine Rentabilitätsniveau dar.[21]

Die Faktoren Konzentrationsgrad, Heterogenität der Wettbewerber und das Ausmaß der Produktdifferenzierung spielen hierbei eine starke Rolle und sollen im Folgenden kurz untersucht werden.[22]

Die traditionelle Musikindustrie besteht zurzeit aus den vier großen Major-Labels Sony BMG, Warner Music Group, Universal Music Group und EMI Group, die mit einem Marktanteil von rund 80% den Weltmarkt beherrschen.[23] Marktführer ist die Universal Music Group bei einem Weltmarktanteil von 25,5 Prozent.[24] Es liegt also ein hoher Konzentrationsgrad vor, was laut Porter oft zu gemeinsamen Preisabsprachen der Konkurrenten führt.[25] Diese Annahme bestätigt Oepkemeier in seiner Studie zur digitalen Musikdistribution: „Preiskämpfe innerhalb der Preispolitik sind - durch immer wieder plausibel vermutete Absprachen - kaum vorhanden.“[26] Hinzu kommt eine starke Produktdifferenzierung, da jedes Label andere Musiker unter Vertrag hat, weswegen erst recht keine Preiskämpfe notwendig werden.

Stattdessen ist jedoch ein starker Kampf um Marktanteile zu beobachten, der zu immer wieder neuen Fusionsverhandlungen zwischen den Major-Labels führt. 2004 schlossen sich Sony und die Bertelsmann Music Group (BMG) zu einem Jointventure zusammen und wurden damit zur zweitgrößten Plattenfirma der Welt.[27]

Während bei den Majors der Wettbewerb stets von Konsolidierungen durch Fusionen oder Auslagerungen sowie dem Verkauf von Geschäftseinheiten und daher von der Rivalität um Marktanteile bestimmt war, sind die bedeutenden Einflüsse der Musikwirtschaft nicht interner, sondern externer Natur.[28]

Der Wettbewerb zwischen den etablierten Unternehmen ist also nicht das entscheidende Problem in der Branche.

Bedrohung durch Substitute

Im Wettbewerb mit Substituten sieht die Musikbranche den Hauptgrund für die Umsatzrückgänge der letzten Jahre, wobei sich der Substitutionscharakter heute größtenteils auf den Distributionsaspekt bezieht. Es steht also weniger eine Produkt- als vielmehr eine Verfahrensinnovation im Mittelpunkt. Während der indirekte Wettbewerb mit anderen Produkten und Dienstleistungen der Unterhaltungsindustrie seit jeher gegeben ist[29], findet nun eine primäre Bedrohung durch Peer-to-Peer-Netzwerke sowie durch illegales Kopieren statt.[30] Der Jahreswirtschaftsbericht des Bundesverbandes Musikindustrie zeigt, dass im Jahr 2006 in Deutschland ca. 486 Millionen CD-Rohlinge mit Musik bespielt worden sind, während nur 149,5 Millionen CD-Alben verkauft wurden. (Abb. 7) Dieses Verhältnis verdeutliche laut einer Medienstudie der Stadtsparkasse Köln, „dass CD-Käufe durch illegales Kopieren ersetzt wurden“.[31] Auch Hubert Jacob ist der Meinung, dass „starke Substitution legaler Verkäufe durch nicht autorisiertes CD-Brennen, starker Wettbewerb um die knapper werdenden Freizeitbudgets sowie generell unsichere wirtschaftliche Rahmenbedingungen“[32] die Hauptgründe für die Krise der Musikindustrie seien.

Besonders die Peer-to-Peer-Tauschbörsen spielen hier eine entscheidende Rolle, da „ein Musiktitel, welcher als kostenloser Download illegal bezogen wurde, [...] selten ein zweites Mal auf Basis eines Tonträgers oder legalen Downloads neu erworben [wird].“[33] Die Konsumenten wechseln vor allem zu den kostenlosen Substitutangeboten, weil sie die Preise, die die Plattenfirmen ansetzen, als überhöht empfinden, weil die gewünschten Songs im Internet sofort als Download zur Verfügung stehen und weil das Online-Angebot der illegalen Tauschbörsen wesentlich größer ist. Auf diese Gründe wird in Kapitel 3.2.2.3 näher eingegangen.

Genauere Lösungsvorschläge, wie dem Wettbewerb durch die genannten Substitute entgegengetreten werden kann, finden sich in Kapitel 4.

Bedrohung durch potentielle Konkurrenten

Substituiert wird aber nicht nur durch die illegalen Download-Angebote, sondern auch durch die sich langsam etablierenden Online-Music-Shops wie dem iTunes-Store von Apple. Neue Konkurrenten auch aus bislang branchenfremden Unternehmen stellen also eine Gefahr für die Musikindustrie dar.

Hinzu kommt die Bedrohung durch kleinere Labels, die bisher eher auf Nischenmärkten operierten. Während diese so genannten Independent-Labels früher kaum eine Chance gegen die Major-Labels hatten, zeichnet sich derzeit ein Strukturwandel ab, da das Internet eine attraktive und vor allem kostengünstige Vertriebsmöglichkeit darstellt.[34] Markteintrittsbarrieren sind daher kaum noch vorhanden. Jeder, der einen PC mit Internetanschluss besitzt, kann mittlerweile kostengünstig ein eigenes Unternehmen eröffnen, was die Musikbranche mit einer Vielzahl neuer Wettbewerber konfrontiert.

Dieser Bedrohung können die Plattenlabels nur entgehen, wenn sie selbst bessere Angebote bereitstellen und ihr Preis-Leistungs-Verhältnis durch Differenzierung verbessern.[35]

Die Macht der Konsumenten

Die Macht der Konsumenten setzt sich zusammen aus der Preissensitivität der Konsumenten sowie aus ihrer relativen Verhandlungsmacht.[36]

Gerade die Zielgruppe der Jugendlichen und jungen Erwachsenen zeichnet sich aufgrund ihres geringen Einkommens durch ein hohes Preisbewusstsein aus. Daher sucht diese Gruppe besonders stark nach günstigen Alternativen. Original-CDs werden ohnehin als zu teuer empfunden[37] und auch bei legalen Online-Shops wird der Preis aufgrund der vermeintlich niedrigen Produktionskosten über den Internetvertrieb als nicht gerechtfertigt angesehen.[38] Die Preissensitivität ist also hoch, was die Macht der Konsumenten stärkt, da diese auf billigere - oder kostenlose - Alternativen ausweichen. Auf die psychologische

[...]


[1] Vgl. Ipoque GmbH (Hg). Internetstudie 2007. Online im Internet.

[2] Downloads über das Bittorrent-Netzwerk.

[3] O.V. (Lexeakt.de, o.Jg.): Filesharing. Online im Internet.

[4] Vgl. o.V. (Wikipedia, 2008): Peer-to-Peer. Online im Internet.

[5] BUROW (1998), S. 165.

[6] Vgl.: BUROW (1998), S.264.

[7] Vgl. SCHÖNER (2001) , S.93.

[8] RÖTTGERS (2003), S.166.

[9] Vgl. OEPKEMEIER (2007), S.9; vgl. DETERS (Inprekorr, 2001): MP3, Napster und die Folgen. Online im Internet.

[10] Definition Piraterie: „Heute wird der Begriff Piraterie [...] verwendet für die Bezeichnung von Imitationen von Handels- oder Gewerbegütern ohne Zustimmung des Berechtigten.“ (KRUG (2000), S.19).

[11] Vgl. SCHÖNER (2001), S.93.

[12] Vgl. Vgl. Ipoque GmbH (Hg). Internetstudie 2007. Online im Internet.

[13] Vgl. RÖTTGERS (2003), S.18f.

[14] Vgl. DETERS (Inprekorr, 2001): MP3, Napster und die Folgen. Online im Internet.

[15] Vgl. o.V. (Wikipedia, 2008): Napster. Online im Internet; vgl. DETERS (Inprekorr, 2001): MP3, Napster und die Folgen. Online im Internet.

[16] Vgl. RÖTTGERS (2003), S.64.

[17] Vgl. RÖTTGERS (2003), S.25

[18] RÖTTGERS (2003), S.26.

[19] Vgl. LINHART (2007), S. 53.

[20] Vgl. GRANT/NIPPA (2006), S.105.

[21] GRANT/NIPPA (2006), S.111.

[22] Vgl. GRANT/NIPPA (2006), S.111

[23] Vgl. o.V. (Tagesspiegel, 19.01.2008): Vier Labels teilen sich 80 Prozent Marktanteil. Online im Internet.

[24] Vgl. KUCHINKE/LENKE (2007), S.62.

[25] Vgl. GRANT/NIPPA (2006), S.112.

[26] OEPKEMEIER (2007), S.19.

[27] Vgl. o.V. (Die Welt, 14.07.06): Tiefschlag für die Musikbranche. Online im Internet.

[28] OEPKEMEIER (2007), S.19.

[29] Vgl. OEPKEMEIER (2007), S.17.

[30] Vgl. OEPKEMEIER (2007), S.18; vgl. STADTSPARKASSE KÖLN (2003), S.62.

[31] STADTSPARKASSE KÖLN (2003), S.62.

[32] JACOB (2005), S.24.

[33] OEPKEMEIER (2007), S.18.

[34] Vgl. o.V. (Wikipedia, 2008): Major Label. Online im Internet.

[35] Vgl. EMES (2004), S.85.

[36] Vgl. GRANT/NIPPA (2006), S.115.

[37] Vgl. LINHART (2007), S.129.

[38] Vgl. KIEL (2007), S.23.

Ende der Leseprobe aus 41 Seiten

Details

Titel
Filesharing - Das Ende der Musikindustrie?
Hochschule
Universität Paderborn
Veranstaltung
Medienökonomie
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
41
Katalognummer
V94024
ISBN (eBook)
9783640098118
ISBN (Buch)
9783640658176
Dateigröße
828 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Filesharing, Ende, Musikindustrie, Medienökonomie
Arbeit zitieren
Janina Richts (Autor), 2008, Filesharing - Das Ende der Musikindustrie?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/94024

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