Etymologie und Geschichte des französischen Wortschatzes


Seminararbeit, 1999

29 Seiten, Note: 2-


Leseprobe

Inhalt

Teil I: Etymologie
1. Einleitung
2. Text-Editionen und Glossare
3. Wörterbücher
4. Die etymologische Phase
5. Die Wortbildung
6. Etymologische Wörterbücher in Frankreich und Deutschland
7. Lexikographische Auswertungen und Aufteilung in Wortfelder
8. Das "Französische Etymologische Wörterbuch” (FEW)
9. Schlußwort

Teil II: Geschichte des französischen Wortschatzes
1. Substrateinflüsse
1.1. Griechisch
1.2. Gallisch
2. Der germanische Superstrateinfluß
3. Der Einfluß des Arabischen
4. Kontakte mit dem Okzitanischen und Italienischen
5. Das lateinische Kultursuperstrat
7. Einfluß der Französischen Revolution
8. Der Einfluß des Englischen
9. Ausblick

BIBLIOGRAPHIE
1. Lexika
2. Linguistische Werke

Teil I: Etymologie

1. Einleitung

Um die Etymologie überhaupt verstehen zu können, muß man sich erst einmal ein Bild davon machen, was Etymologie eigentlich ist. Das Wort Etymologie kommt aus dem Griechischen und setzt sich zusammen aus etymos, das Wahre, und logos, die Lehre, bezeichnet also die "Lehre vom Wahren". In der Antike diente die Etymologie dazu, aus der Herkunft der Wörter die "wahre" Bedeutung zu erkennen. Tatsächlich beschäftigt sich die Etymologie mit der Entwicklungsgeschichte der Wörter. Sie geht von der Beobachtung aus, daß ein und dasselbe (etymologisch identische) Wort in verschiedenen Sprachen und in verschiedenen Zeiten verschiedene Bedeutungen gehabt und verschieden gelautet hat. Sie schließt die Wörter zu etymologisch verwandten Wortsippen zusammen und erschließt für diese die gemeinsame Basis. Sie arbeitet die Regelmäßigkeiten der Lautentwicklung (Lautgesetze) heraus und muß den Bedeutungswandel der Wörter nachzeichnen und durch kulturgeschichtliche Bezüge einsichtig machen. Wissenschaftlich gesehen ist sie derjenige Teil der (diachronischen) Wortkunde, der mit Mitteln der vergleichenden Grammatik die Wörter untersucht, und zwar vorzugsweise in den Zeitabschnitten, die noch nicht durch kontinuierliche schriftliche Überlieferung beleuchtet sind, ist somit gleichsam die Vorgeschichte der Wortgeschichte. Als Wissenschaft existiert die Etymologie erst seit der systematischen Erforschung der Lautgesetze (19.Jhd.) und ist begründet durch F. Bopp, A.F. Pott, J. Grimm, C.F. Diez (von dem wir im Zuge dieses Referats noch mehr hören werden) und die sogenannten "Junggrammatiker".

Das Französische bietet dem Linguisten ein breites Feld der Sprache, das vom 12. bis zum 20. Jahrhundert reicht. Es gibt noch lebendige Sprachen, die älter sind (z.B. Griechisch, Deutsch) oder eine größere Dialektvielfalt bieten (Italienisch), aber keine von ihnen kann so viele verschiedene Materialien zu ihrer Erforschung bieten. Es gibt aus dem Mittelalter eine Vielzahl verschiedenster Texte, auch einige wenige Zeilen aus früherer Zeit (9.,10.,11. Jhd.), doch ist nur ein Bruchteil von ihnen schon wirklich erschlossen. Das wird die Aufgabe der Etymologen sein.

2. Text-Editionen und Glossare

Schon 1617 hat A. Du Chesne die bearbeiteten Werke von Alain Chartier herausgebracht. Im 18. Jahrhundert erschienen dann schon wissenschaftlichere Abhandlungen von Lenglet-Dufresnoy (Roman de la Rose, 1735) und vor allem Barbazan (Fabliaux et contes, 1756). Im 19, Jahrhundert schließlich kamen dann viele Editionen auf, wie z.B. eine Neubearbeitung des Roman de la Rose von Méon (1814). Seitdem hat man eine große Zahl von Editionen literarischer Texte vom Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert, meistens mit Glossaren versehen, zur Verfügung. Die größte Auswahl an verfügbaren Texten (360 Titel aus Mittelalter und 16. Jahrhundert) hat die Librairie Droz (BP 389, 11 rue Massot, 1211 Genf, Schweiz).In Frankreich hat die Société des anciens textes français (erhältlich über Picard et Cie, 82 rue Bonaparte, 75006 Paris) über 100 der wichtigsten Texte präsentiert. Gleiches gilt auch für die Classique français du Moyen Age, herausgegeben von der Librairie H. Champion (7 quai Malaquais, 75006 Paris), die hauptsächlich aus Texten des 12. und 13. Jahrhunderts besteht. Was das 17./18. Jahrhundert betrifft, so ist die momentane Ausbeute eher dürftig, zu erwähnen wäre nur die Sammlung der Société des Textes français modernes (über Nizet, 3bis place de la Sorbonne,75005 Paris). Leider gilt dieselbe Vielfalt nicht auch für nicht­literarische Texte, hier kann nur die Sammlung Documents, Etudes et Répertoires des CNRS (15 quai Anatole France, 75700 Paris) angeführt werden, die vom Institut de Recherche et d'Histoire des Textes publiziert wurde. Insgesamt kann man sagen, daß die literarischen Texte ganz gut bearbeitet wurden, hier würde sich jedoch noch ein Blick auf das 17./18. Jahrhundert als fruchtbar erweisen. Doch leider kann man gleiches nicht von den nicht-literarischen Texten behaupten, zu allem Überfluß sind es zudem meist die Historiker, die diese Texte bearbeiten, natürlich unter einem völlig anderen Aspekt als die Linguisten.

3. Wörterbücher

Das erste Wörterbuch (lateinisch-französisch) hat bereits Thierry 1564 veröffentlicht, gefolgt von Nicot 1606, der Auszüge von Frissart, Villon und sogar Troubadouren zitiert. Auch andere folgten diesem Beispiel, bis mit Borels Trésor de recherches et antiquitéz (1655) und vor allem Ménages Les origines de la langue française (1650) und Dictionnaire etymologique (1694) mehr System in die Nachforschungen Einzug hielt. Das bemerkenswerteste Werk aber schuf der Gelehrte La Curne de Saint-Palaye (*1697, gestorben 1781), wobei das unter seinem Namen publizierte Dictionnaire historique de l'ancien langue francois (10 Bde, L. Favre 1875-1882) ihm nicht gerecht wird. La Curne hat sehr genaue Forschungen an einer Vielzahl von Manuskripten angestellt. Da er nicht mehr die Zeit hatte, seine Aufzeichnungen zu ordnen, hat er sie teils der Nationalbibliothek, teils der Arsenalsbibliothek vermacht; Favre nutzte nur einen Teil, um sein altmodisches, zwischen Littré und Godefroy gefangenes, Dictionnaire herauszubringen. Dennoch gehört sein Name zu den vorwissenschaftlich zu nennenden.

Littré ist eine Koryphäe. Sein Wert bestand nicht in der Nomenklatur oder den Definitionen, sondern in der Reichhaltigkeit seiner Beispiele sowohl für die klassische (17./18. Jhd) als auch für die alte Sprache. Er hat dem Studium der Sprache seine historische Dimension gegeben und damit P. Larousse und F. Godefroy inspiriert.

Man muß nicht erstaunt sein, den als Enzyklopädisten bekannten Larousse hier zu treffen, sein Werk des 19. Jahrhunderts enthielt mindestens eine Enzyklopädie und ein Wörterbuch, das sogar aktueller war als das Littrés, mit Illustrationen, leider aber ohne die Referenzen der Zitate, die Littré so auszeichneten, was aber kein Grund ist, ihn zu vergessen. Mit der Überarbeitung verschwindet auch dieser Aspekt des Wörterbuchs.

Ein weiterer wichtiger Platz in dieser Reihe gebührt F. Godefroy. Sein Dictionnaire de l'ancienne langue francaise ist von einer für diese Zeit überragenden Reichhaltigkeit und Tiefe der Studien. Noch fast ein Jahrhundert nach seinem Tod 1897 ist dieses ein unübertreffliches Referenzwerk für weiterführende Studien.

In diese Linie passen auch das Altfranzösische Wörterbuch von A. Tobler und das Dictionnaire de la langue francaise du 16e siècle von E. Huguet, die beide den Philologen große Dienste erwiesen haben. Toblers Wörterbuch (herausgegeben von E. Lommatzsch) ist eine unverzichtbare Ergänzung zu Godefroys Werk, ohne es jedoch ersetzen zu können. Huguet hat sich mit verschwundenen Wörtern und Sinnen beschäftigt.

Komplettieren könnte man die Liste großer (historisch begründeter) Wörterbücher vor der etymologischen Phase mit diversen Glossaren, so z.B. J. Renson: Les Dénominations du visage en français und J. Picoche: Le vocabulaire psychologiques dans les Chroniques de Froissart.

4. Die etymologische Phase

Die Linguistik begann mit der Etymologie und der Gründung der romanischen Philologie in Bonn durch Diez. Er wollte damit ein romanisches Äquivalent zur vergleichenden Grammatik der Indoeuropäischen Sprachen schaffen. Sein Etymologisches Wörterbuch der romanischen Sprachen spielte auch für Littré eine Rolle, änderte doch Diez seine ursprüngliche Idee für ein etymologisches Wörterbuch in ein historisches, das sich in Sachen Etymologie auf Diez stützt. Auch die Begründer der französischen Sprachwissenschaft, A. Darmesteter, G. Paris, P. Meyer, nutzen Diez Erbe, um ihren Einfluß auf die französische Philologie auszuüben, namentlich durch zwei Werke: Dictionnaire Général de la langue francaise du commencement du XVIIe siècle jusqu'à nos jours (DG) und die Histoire de la langue francaise des origines à nos jours (HF).

Das DG erschien 1890-1900 in Zusammenarbeit von A. Hatzfeld mit A. Darmesteter. Es orientiert sich stark an Littré, hat aber eine eigene Struktur der Artikel. Hier befindet sich eingangs eines jeden Artikels eine etymologische Rubrik, die sich bei Littré am Ende fand, hier als Autoritätsbeweis für die Richtigkeit der Artikel. In der Einleitung , ein umfangreiches Werk mit dem Titel Traité de la formation de la langue (über 300 S.), heißt es dazu, die Etymologie sei am Kopf, weil sie die wahre Bedeutung aufzeigen solle und dann zur Definition und zum Wortfeld führe (S.11). Um die Richtigkeit der Artikel zu unterstreichen, wird immer wieder auf Paragraphen aus dem Traité verwiesen. Als das Werk in den Druck ging, starb Darmesteter, und A. Thomas sollte das Werk vervollständigen, das Bemerkenswerteste von ihm waren aber drei Bände mit Anmerkungen zum DG.

Zur gleichen Zeit begann F. Brunot, was einmal die HF werden sollte. Sie erschien 1905 in 11 Bänden und wurde durch C. Bruneau mit zwei Bänden komplettiert, die den Zeitraum von 1815-1886 abdecken. Ein weiterer, neuer Band führt bis ins Jahr 1914. Brunot läßt jedoch jegliche Etymologie beiseite und betreibt eine rein historische Arbeit, die eine Schule begründet, in der die lexikographischen Studien eng mit dem sozialen Umfeld verknüpft sind, in dem sie sich entwickeln. Mittlerweile kann man diese Schule jedoch als erloschen bezeichnen, was aufgrund der historischen Beleuchtung des Wortschatzes schade ist.

Auch die deutsche Romanistik (<- Diez) entwickelte sich und brachte ein nunmehr vergessenes Wörterbuch zustande, das jedoch wichtig in der Geschichte der romanischen Linguistik ist, das Lateinisch-Romanisches Wörterbuch von G. Körting (3.Auflage 1907), das auch W. Meyer-Lübke zu seinem monumentalen Romanischen etymologischen Wörterbuch (REW, 3. Auflage 1935) inspiriert hat. Er wiederum läßt die historische Entwicklung völlig außer acht und beschränkt sich auf die Darstellung der etymologischen Seite.

Die Opposition der Herangehensweise Brunots und Meyer-Lübkes macht aufs schärfste deutlich, daß der Wortschatz kein homogenes Gebilde ist, sondern aus drei Arten von Wörtern zu bestehen scheint: 1. Erbwörter, 2. Lehnwörter und 3. Wörter, die sich innerhalb der Sprache entwickelt haben. Zum ersten Typ gehören wohl seit dem Mittelalter die meisten Wörter, als anschauliches Beispiel kann hier der Text Le Chevalier de la Charrete von Chrétien de Troyes (1. Viertel 13. Jhd) angeführt werden:

Für diese Erbwörter interessierten sich insbesondere auch die Phonetiker, die anhand ihrer die Lautgesetze aufstellten, ohne sich völlig klar über den Teufelskreis zu sein, der sich entwickelte: Die Wörter wurden Erbwörter genannt, wenn sie mit den Lautgesetzen übereinstimmten, zu deren Entwicklung sie beigetragen hatten.

[...]

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Etymologie und Geschichte des französischen Wortschatzes
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Romanisches Seminar)
Note
2-
Autor
Jahr
1999
Seiten
29
Katalognummer
V94031
ISBN (eBook)
9783638067102
Dateigröße
520 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Etymologie, Geschichte, Wortschatzes
Arbeit zitieren
Ralv Wohlgethan (Autor), 1999, Etymologie und Geschichte des französischen Wortschatzes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/94031

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