Entwicklungen in der Lexikographie des lateinamerikanischen Spanisch


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007

21 Seiten, Note: 2,5


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Geschichtlicher Überblick zur Lexikographie des lateinamerikanischen Spanisch
2.1 Vom 15. Bis ins 19. Jahrhundert
2.2 Das 20. Jahrhundert

3. Die hauptsächlichen Mängel der Lexika des lateinamerikanischen Spanisch

4. Aktuelle Projekte
4.1 Das Proyecto de Augsburgo
4.2 Das Diccionario académico de americanismos
4.3 Das Diccionario del Español de Mexico
4.4 Das Diccionario de Regionalismos de la Lengua Española

5. Konklusion

Bibliographie

1. Einleitung

Um über die Lexikographie des lateinamerikanischen Spanisch sprechen zu können, müssen wir zuallererst definieren, worauf wir uns beziehen, wenn wir über das lateinamerikanische Spanisch sprechen. Mehr als fünf Jahrhunderte nach der Eroberung durch die Spanier hat sich die Sprache der ehemaligen Kolonien unabhängig vom Spanischen der iberischen Halbinsel weiterentwickelt und von ihm entfernt. Die Sprache der einzelnen Regionen Lateinamerikas weicht in Aussprache, Orthographie, Morphosyntax und Wortschatz vom peninsularen, oder europäischen Spanisch, das in Spanien gesprochen wird, ab. Die Unterschiede in der Lexik spielen hierbei die größte Rolle.

Die spanische Sprache wird gegenwärtig von circa 360 Millionen Menschen in als Muttersprache gesprochen, über 300 Millionen davon leben in Lateinamerika. Dennoch wurde die Geschichte der Lexikographie der spanischen Sprache stark vom Spanisch der iberischen Halbinsel dominiert, und der Begriff „lateinamerikanisches Spanisch“ meist lediglich kontrastiv oder komplementär zum „peninsularen Spanisch“ betrachtet und dokumentiert. Der Großteil der lexikographischen Werke zum lateinamerikanischen Spanisch durch die letzten Jahrhunderte beschäftigt sich infolgedessen mit so genannten Amerikanismen, das heißt mit lexikalischen Einheiten, die entweder wegen ihres Ursprungs oder ihrer Verwendung als irgendeiner Region Lateinamerikas eigen betrachtet werden.

Es ist natürlich fragwürdig, ob eine lexikalische Einheit, die nur in einem oder wenigen Ländern des lateinamerikanischen Subkontinents gebräuchlich ist, als „Amerikanismus“ bezeichnet werden kann. Von einer lexikalischen Homogenität Lateinamerikas kann keine Rede sein. Die Unterschiede in der Lexik sind teilweise zwischen den verschiedenen Ländern und Regionen Lateinamerikas immens. Der Anteil der tatsächlich panhispanoamerikanischen Worte, die in ganz Hispanoamerika verwendet werden, ist verschwindend gering im Vergleich zur Anzahl der gesammelten „Amerikanismen“ in ihrer Definition als lexikalische Einheiten, die auf der spanischen Halbinsel ungebräuchlich oder unbekannt sind, aber in mindestens einer Region Amerika verwendet werden.

Des Weiteren muss in Betracht gezogen werden, dass das lateinamerikanische Spanisch keineswegs nur aus „Amerikanismen“ besteht, sondern dass der größte Anteil des in Amerika gesprochenen Spanisch aus panhispanischen[1] lexikalischen Einheiten besteht, die in der gesamten spanischsprachigen Welt gebräuchlich sind.

In dieser Arbeit soll die Bezeichnung „das lateinamerikanische Spanisch“ als Gesamtheit aller lexikalischen Einheiten, die heutzutage in irgendeiner Region Lateinamerikas gebräuchlich sind verstanden werden. Ein vollständiges integrales Lexikon des lateinamerikanischen Spanisch gemäß dieser Definition existiert noch nicht.

Diese Arbeit gibt eine kurze Einführung in die Geschichte der Lexikographie des lateinamerikanischen Spanisch, zeigt die hauptsächlichen Mängel auf, stellt eine Auswahl an aktuellen Projekten vor und setzt sich damit auseinander, auf welche Weise diese Projekte zur Erstellung ein solches Lexikons des amerikanischen Spanisch beitragen können, und wie ein solches Werk gestaltet sein sollte.

2. Geschichtlicher Überblick zur Lexikographie des lateinamerikanischen Spanisch

2.1 Vom 15. Bis ins 19. Jahrhundert

Die Geschichte der Lexikographie Lateinamerikas begann zu Ende des 15. Jahrhunderts, in den frühen Jahren der Entdeckung und Kolonisierung großer Teile des amerikanischen Kontinents durch die Spanier. In den Tagebüchern des Christoph Kolumbus sind die ersten Worte aus der Sprache der Taínos überliefert, die teilweise heute im Spanischen sehr gebräuchlich sind. Beispiele dafür sind: Barbacoa, Cacique, Canoa, Caribe, Hamaca, Huracán, Tiburón, etc .

Diese ersten rudimentären Lexika und Glossare aus Lateinamerika waren zweisprachiger Art (Spanisch- indigene Sprachen), wie z.B. das Vocabulario de la lengua mexicana von P. Andrés de Olmos aus dem Jahr 1547, oder Lexicón o vacabulario de la lengua general de Perú des Fray Domingo de S. Thomas aus dem Jahr 1560, viele der darin enthaltenen Wörter und Beyeichnungen flossen jedoch später als Indigenismen in die spanische Sprache ein.

Die ersten Manifestationen der Lexikographie des Spanischen Lateinamerikas waren einige kurze Glossare, die dazu dienten, dem europäischen Leser spezifisch amerikanische Realitäten, später als „exotismos“ bezeichnet, zu erklären. Es handelt sich hierbei um kulturspezifisches Vokabular, das sich auf in Europa unbekannte Objekte oder Erscheinungen bezog, wie etwa Begriffe aus der Flora und Fauna, aus dem kulinarischen Bereich, oder aus der traditionellen Musik. Meist waren diese frühen Glossare eher enzyklopädischer als linguistischer Art. Das frühste überlieferte Glossar dieser Art stammt von Pedro Fernández Castro de Andrade aus dem Jahr 1608 und enthält lediglich 18 Wörter. Ein besonders bekanntes Beispiel ist auch das zu Ende des 17. Jahrhunderts in Panamá veröffentlichte Glossar im Anhang des Gedichts Alteraciones del Dariel von Juan Francisco de Páramo y Cepeda.

Auch nach der Emanzipation der spanischen Kolonien in Amerika wurde die Beibehaltung des Spanischen, wie es auf der spanischen Halbinsel gesprochen wurde, favorisiert, auch wenn sich die linguistische Realität in vielen Gebieten zu dieser Zeit schon sehr unterschied. Diese eurozentristische Einstellung führte dazu, dass Amerikanismen häufig als umgangssprachlich und minderwertig betrachtet wurden, und daher nicht oder nur selten in lexikographischen Werken dokumentiert wurden.

Mit der Romantik erwachte in Europa eine begeisterung für das Ländliche, Folkloristische und Regionale. Die Welle schwappte auch nach Amerika über, und aus diesem Interesse heraus entstand dort im 19. Jahrhundert ein neuer Typ Lexikon, das Diccionario de provincialismos oder die voces provinciales, welche die Eigentümlichkeiten der Lexik bestimmter Regionen sammelte und heraushob. Die Autoren dieser Werke stellten die dominante Stellung des Spanisch der iberischen Halbinsel jedoch nicht in Frage. Ihre Lexika waren vielmehr als folkloristische Ergänzung existierender Wörterbücher gedacht.

Etwa zur selben Zeit wurden eine Reihe von normativen Wörterbüchern herausgegeben, die darauf hin zielten, die vermeintlich inkorrekten Gebräuche des lateinamerikanischen Spanisch zu verbessern. Verbformen, lexikalische Einheiten und grammatikalische Konstruktionen, die in Lateinamerika gebräuchlich verwendet wurden, wurden als „barbarismos“ behandelt, und durch die korrespondierenden Einheiten, Formen oder Konstruktionen der spanischen Halbinsel ersetzt.

Diese „puristische“ Tendenz zieht sich durch die gesamte Geschichte der Lexikographie des lateinamerikanischen Spanisch, und ist bis heute nicht vollkommen ausgelöscht. Die selbe Haltung spiegelt sich in den Titeln der Lexika der Epoche wieder, deren Autoren das amerikanische Spanisch als „vulgo criollo", „voces corrompidas" und „incorrecciones" bezeichnen, wie zum Beispiel das Diccionario de chilenismos y de otras voces y locuciones viciosas von Manuel Antonio Román, oder das Diccionario de provincialismos y barbarismos centro-americanos von Salomón Salazar García.

Ebenfalls im 19. Jahrhundert tauchten erste Lexika mit einem spezifischen Zweck auf, wie etwa Neologismen, diastratische Werke oder fach- und themenbezogene Sprache. Beispiele dafür sind: Neologismos y americanismos von Ricardo Palma, El idioma del delito von Antonio Dellepiane, oder Diccionario botánico de nombres vulgares cubanos y puertorriqueños von Manuel Gómez de la Maza.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts kam angesichts des Konzepts des „barbarischen“ Provinzialismus und des spanischen „Purismus“ in einigen Ländern Lateinamerikas eine neue Strömung auf: Der linguistische Nationalismus.

So ging etwa in Argentinien der politische Nationalismus mit einem linguistischen und literarischen Kreolismus als Element der nationalen Selbstbestätigung einher. Dieser linguistische Nationalismus erreichte in Argentinien seinen Höhepunkt 1900 mit El idioma nacional de los argentinos von Luciano Abeille, in dem das Argentinische als eigene, vom Spanisch unabhängige Nationalsprache bezeichnet wird. Eine ähnliche Entwicklung ließ sich auch in Kuba beobachten, beispielsweise an den Werken des José Martí. Andere Länder, wie etwa Kolumbien, richteten sich weiterhin mehr nach dem linguistischen Ideal der iberischen Halbinsel.

[...]


[1] Der Begriff „panhispanisch“ ist Gegenstand vieler Diskussionen. In dieser Arbeit ist er als „den gesamten spanischsprachigen Raum betreffend“ zu verstehen, und trägt keinerlei politischen Konnotationen.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Entwicklungen in der Lexikographie des lateinamerikanischen Spanisch
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Romanische Philologie)
Note
2,5
Autor
Jahr
2007
Seiten
21
Katalognummer
V94087
ISBN (eBook)
9783638073387
ISBN (Buch)
9783640244188
Dateigröße
513 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Entwicklungen, Lexikographie, Spanisch
Arbeit zitieren
Melanie Walser (Autor), 2007, Entwicklungen in der Lexikographie des lateinamerikanischen Spanisch, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/94087

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