Das Projekt der logischen Sprache von Gottfried Leibniz bis Gottlob Frege.

Ein Kurzessay


Essay, 2019

5 Seiten, Note: 1,9


Leseprobe

Kurzessay

Von Leibniz bis Frege: Das Projekt einer logischen Sprache

Logik ist nicht die Lösung für alles. Und trotzdem ist die Idee der Entwicklung einer rein logischen wissenschaftlichen Sprache nicht nur ein einmalig auftretendes Hirngespenst einer einzelnen Person. Von Leibniz bis Frege beschäftigten sich zahlreiche Vertreter der Wissenschaften mit diesem Projekt. Die Frage nach der Priorität einer rein logischen Sprache in den Wissenschaften ist somit durchaus berechtigt. Jedoch denk ich, dass die eigentliche Frage ist: Sollte man einer rein logischen Wissenschaftssprache trotz ihrer evidenten Vorteile, so viel anmaßen, dass sie der Gebrauchssprache vorzuziehen ist? Sollten wir die vielen Stilmittel und mit ihr einhergehenden oftmals humoristischen oder ausdrucksstarken Raffinessen am Altar der Präzision und Unmissverständlichkeit opfern?

Wie schon allgemein bekannt beginnt mit der Sprache häufig auch das Missverständnis. Diese Häufigkeit dürfte durch eine logische, rein wissenschaftliche Sprache zumindest verringert wenn auch nicht ganz ausgeschlossen werden. Dieser Aufgabe widmete sich Gottlob Frege bereits im vergangenen Jahrhundert. Obwohl diese ( Lebens-) aufgabe von seinen Zeitgenossen eher gering geschätzt wurde, so muss man sagen, dass sie die Möglichkeit zur Feststellung von fehlerhaften Schlüssen durchaus voran trieb. Natürlich muss man an diesem Punkt auch gleich sagen, dass eine rein logische Sprache, gerade im Bereich der Philosophie, vollkommen utopisch wäre, selbst wenn Missverständnisse dadurch verringert werden würden. Vielleicht war genau dieser meiner Ansicht nach doch wesentliche Kritikpunkt für Leibniz ein Grund, weshalb er seine Auseinandersetzungen und Experimentierfreudigkeit mit den Materien der Logik, Sprache und besonders der logischen Sprache zu Lebzeiten nicht veröffentlichte. Und das obwohl seine Entwicklungen der Syllogistik heute noch in der Philosophie gerade im Bereich der formalen Logik hoch geschätzt werden. Der wahre Segen der Logik für die wissenschaftliche Disziplin der Philosophie liegt nämlich nicht darin, die Unvollkommenheiten der Sprache, wie es Frege stets nannte, zu eliminieren, sondern meiner Ansicht nach ist es viel mehr die syllogistische Form die speziell die Geisteswissenschaften voranbringen. Das Werkzeug der Philosophie ist die Gebrauchssprache. Also genau, diese unvollkommenen Sprache, diese öfter als sie sollte zu Missverständnissen führende Sprache, diese „ nicht- begriffliche Sprache“. Doch deren Anwendung und Überzeugungsarbeit liegt in der Logik, da Argumente die vom Fundament der Logik gestützt sind viel eher Anerkennung finden als ohne. Ganz einfach deshalb, weil sie nachvollziehbarer werden und somit auch von anderen Bereichen der Wissenschaft Anerkennung erhalten. Schließlich ist allgemein bekannt, dass gerade in der Naturwissenschaft enorm viel Wert auf die Nachvollziehbarkeit und noch viel mehr auf die Beweisbarkeit von Aussagen gelegt wird.

Natürlich sollte man auch bedenken, dass die Begründung einer rein wissenschaftlich, logischen Sprache, denkt man diese im Sinne von Begrifflichkeit, nicht tatsächlich immer in Bereichen des wissenschaftlichen Schreibens und Denkens angewandt werden kann. Man stelle sich nur einen Universitätsalltag vor, in dem wir uns Mitthilfe von Operatoren wie Quantoren, Junktoren etc. verständigen. Wohl ebenso beschwerlich wie langweilig, denn auch wenn die „unlogische“ Sprache häufig Missverständnisse mit sich bringt, so bringt sie auch manche Erheiterung in den grauen Alltag und zuzüglich lässt sich ein Artikel, ein Buch oder ein sonstiges Skriptum wesentlich beschwingter lesen, als durch eine Aneinanderreihung von Operatoren. Dieses Argument gegen eine rein logische, wissenschaftlich Sprache soll nicht die Überzeugungsarbeit leisten, dass die Logik unbrauchbar wäre, sondern es soll lediglich veranschaulichen, dass obwohl wir diese „ Sprache des Logik“ in unserer Kommunikation eher selten anwenden, diese in gewissen Bereichen der wissenschaftlichen Kommunikation, gerade in den Naturwissenschaften, doch zu nicht wegzudenkenden Vorteilen führt.

Somit ist also klar zwischen der Möglichkeit einer rein logisch, wissenschaftlichen Sprache, im Sinne von „ Kommunikation durch Operatoren“ und einer von der Logik gestützten Kommunikation, im Sinne der Syllogistik, zu unterscheiden. Die Auseinandersetzung mit syllogistischen Formen der Logik auf die Sprache zeigt sich bei Leibniz viel mehr als bei Frege. Meiner Ansicht nach wurde Frege von Leibniz inspiriert und ging einen Schritt weiter (vielleicht zu weit) in der Idee einer logisch reinen Wissenschaftssprache. Wenn bei Leibniz auch stets metaphysische Tendenzen zu erkennen sind, so verstand er es, eine Logik der Form zu entwickeln, mithilfe derer es erleichtern werden soll, sich sprachlich nachvollziehbar, also unlogische Schlüsse vermeidend, auszudrücken, während Frege, trotz meiner Bewunderung ihm gegenüber für seinen Enthusiasmus bezüglich eine Sache , versuchte, eine Ausdrucksweise durch Formeln etc. zu entwickeln, mit dem man sich präziser und logischer verständigen könnte, als es Worte je könnten. (Frege 1879: S.97) Somit kann man sagen, dass Leibniz’ Versuch, mithilfe verschiedener Modi die zur sog. Syllogistik zählen, die Schlüsse die wir aus Sätzen der Gebrauchssprache bilden, schon einen eher wichtigerer und für uns in der Philosophie auch nützlicheren Versuch darstellen. Genau deshalb nützlich, weil die eigentliche Modernisierung der Logik im Gebrauch der vorhandenen Sprache liegt, und nicht in der neu Erfindung einer Begriffssprache. Jede Sprache hat ihre Eigenheiten, meiner Logik nach ist es sinnvoller, allgemein Regeln für den Gebrauch der Sprache zu entwicklen und verbreiten, als eine neue, und meiner Meinung auch beschränkte Sprache aus Operatoren etc. zu entwicklen.

Ein weiterer Punkt, warum die moderne Logik, trotz ihrer Einschränkungen durch die Mehrdeutigkeit der Sprache entkräftet wird, gerade für die Philosophie als Wissenschaft von enormer Wichtigkeit ist, ist die Kommunikation mit anderen wissenschaftlichen Disziplinen. Es dürfte ein allgemein bekanntes, offenes Geheimnis sein, dass gerade den Naturwissenschaften, die sich häufig den Geisteswissenschaften als erhaben gegenüberstellen, da sie doch alles präzise nachvollziehbar darstellen können, oder auch anderen Geisteswissenschaften, für die die Philosophie aus einem mir unverständlichen Grund stets als eine „ unwissenschaftliche“ oder „ fragwürdige wissenschaftliche“ Disziplin angesehen wird, durch moderne formale Logik gezeigt werden soll, dass auch die Philosophie fähig ist, schlüssige und von Präzision geradezu strahlende Argumente zu entwickeln. Aus der einen oder anderen Logik-Vorlesung weiß ich, dass niemand in der Ausarbeitung und Auseinandersetzung mit Syllogismen so geübt ist wie Philosophinnen und Philosophen. Da die Philosophie eine der wenigen oder vielleicht sogar die einzige Wissenschaft ist, die ohne eigentliche Praxis auskommen muss. Natürlich kann man die Ethik als praktische Philosophie bezeichnen, doch richtige Praxis per Definition im Wörterbuch, nämlich eine Tätigkeit zur Theorie gibt es nicht. Jedoch könnte man somit aber durchaus die Praxis des korrekten und wahren Schließens von Argumenten als philosophische Praxis bezeichnen. Im Hinblick dieses Arguments erwiesen sowohl Frege als auch Leibniz der Philosophie einen großen Dienst. Man kann durchaus auch sagen, dass die Idee einer rein logisch, wissenschaftlichen Sprache stets zwischen dem Vorteil als Mittel zur Verteidigung für die eigenen Argumente, anhand der Demonstration des richtigen logischen Schließens, und der Anklage ein Erschwernis für die Freiheit der Sprache zu sein, steht.

Nun ist schon klar zu erkennen, dass die Idee einer rein logischen, wissenschaftlichen Sprache nicht vollkommen nutzlos aber auch nicht die beste Idee seit langem ist. In der Debatte um eine rein logisch Wissenschaftssprache verdichtet sich früher wie heute de Frage, welche „Sprache“ für die Wissenschaft nun angemessen sei. Die missverständliche und häufig als mangelhaft bezeichnete Gebrauchssprache, oder die wesentlich präzisere, aber ebenfalls nicht perfekte logische Begriffssprache. Die Antwort ist, dass beide nicht unfehlbar sind, und dass sowohl die eine als auch die andere ihren Platz hat in den Wissenschaften hat. Vermutlich finde ich Zustimmung wenn ich sage, dass es ein Desaster für alle Naturwissenschaften wäre, die reine logische Wissenschaftssprache zu verlieren. Man denke nun an Mathematikerinnen und Mathematiker die ihre Formeln mithilfe von Worten ausdrücken müssten. Aber genauso absurd ist die Vorstellung, Philosophinnen und Philosophien müssten sich ausschließlich in dieser rein logischen Sprache ausdrücken. Logisches Denken kann den Geist beflügeln, doch niemals kann man diese Gedanken im Bereich der Geisteswissenschaften gänzlich mittels logischen Kalkülen ausdrücken. Das Denken in Begrifflichkeit ist also etwas anderes, als die sprachliche Ausdrucksweise mittels dieser. Allerdings sollte man zur Verteidigung Fege’s auch sagen, dass die Gebrauchssprache, unser wichtigstes Werkzeug, durch seinen Versuch einer rein logischen Wissenschaftssprache wesentlich präziser und genauer wurde. Also auch wenn es zunächst so scheinen mag, als würde besonders die Geisteswissenschaften ohne Logik auskommen, so möchte ich dieses Missverständnis sogleich vermeiden zu versuchen, denn das korrekte logische Schließen ist für alle sich auf der Suche nach der Wahrheit befindenden Wissenschaften von Bedeutung, und somit wohl am aller meisten für die Philosophie. Nur eben nicht mithilfe einer ausschließlich logischen Sprache.

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Ende der Leseprobe aus 5 Seiten

Details

Titel
Das Projekt der logischen Sprache von Gottfried Leibniz bis Gottlob Frege.
Untertitel
Ein Kurzessay
Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck
Note
1,9
Autor
Jahr
2019
Seiten
5
Katalognummer
V940906
ISBN (eBook)
9783346271037
Sprache
Deutsch
Schlagworte
projekt, sprache, gottfried, leibniz, gottlob, frege, kurzessay
Arbeit zitieren
Julia Deutschmann (Autor), 2019, Das Projekt der logischen Sprache von Gottfried Leibniz bis Gottlob Frege., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/940906

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