Spitzensport in der DDR. Sportlicher Ehrgeiz oder Prestigeobjekt?


Facharbeit (Schule), 2019

26 Seiten, Note: 1,7

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Entwicklung und Struktur der staatlichen Institutionen im Spitzensport

3. Der Weg zum Spitzensportler
3.1 Talentsichtung
3.2 Talentförderung

4. Sport und Politik
4.1 Sport unter Einfluss der SED
4.2 Manfred Ewald: Chef des Sportsystems
4.3. Sportliche Zielvorgaben
4.4 Sportliche Erfolge des Systems

5. Maßnahmen zur Leistungssteigerung
5.1 Prämienanreize
5.2 Doping

6. Unterschiedliche Laufbahnen der Sportler im System
6.1 Sportlerflucht
6.2 Katarina Witt

7. Strafrechtliche Konsequenzen nach der Wiedervereinigung

8. Fazit

9. Quellenverzeichnis
9.1 Literaturquellen:
9.2 Internetquellen:
9.3 Abbildungen:

1. Einleitung

Jedes Jahr werden die deutschen Bürger am 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit, daran erinnert, dass das Land über 40 Jahre lang in Ost und West geteilt war. Über 40 Jahre lang wurde das Leben der Ostdeutschen von der Staatspartei der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands1 bestimmt. Auf alle Lebensbereiche wie Arbeit, Urlaub, Bildung und auch Freizeit hatte die SED Einfluss. Die Freizeit der jungen DDR-Bürger wurde vor allem durch die Jugendorganisation Freie Deutsche Jugend2 bestimmt. In diese musste man gezwungenermaßen eintreten, da man ansonsten auf Rechte, wie zum Beispiel das Recht auf einen Studienplatz, verzichtete. Es stellt sich die Frage, in wieweit die Partei den Sport und vor allem den Spitzensport beeinflusst hat, um ihn für eigene Zwecke zu nutzen.

In der folgenden Arbeit wird die Frage geklärt, ob Spitzensport in der Deutschen Demokratischen Republik3 als Mittel zum Zweck genutzt wurde. Um diese Frage zu beantworten, wird zu Beginn auf die Entwicklung und Struktur der Sportinstitutionen sowie auf den Weg eingegangen, den ein Sportler in der DDR durchlaufen musste, um ein Spitzensportler zu werden. Des Weiteren wird das Thema Sport und Politik mit Hilfe mehrerer Unterthemen ausführlich behandelt. Darüber hinaus werden Maßnahmen, welche zur Leistungssteigerung genutzt wurden genannt sowie auf die Sportlaufbahnen der Sportler Katarina Witt und Axel Mitbauer eingegangen. Schließlich werden die strafrechtlichen Konsequenzen nach der Wiedervereinigung aufgriffen, um die Frage zum Abschluss beantworten zu können.

2. Entwicklung und Struktur der staatlichen Institutionen im Spitzensport

Nach der Gründung der DDR stellte sich schnell die Frage, wie die Struktur des Sports in der DDR aussehen sollte. Man einigte sich darauf, dass es keine selbstbestimmte Organisationsbildung geben sollte und so wurden alle traditionellen Vereine abgeschafft. Ersetzt wurden diese von politischen Vereinen. Daraus bildeten sich Betriebssportgemeinschaften und Sportclubs, die dem jeweiligen Trägerbetrieb unterstellt waren und kein eigenes Vermögen besaßen.4

Auf der 26. Tagung des Zentralkomitees der SED waren die DDR-Politiker der Ansicht, dass der Kapitalismus des westlichen Systems scheitern würde. Sie beschlossen deshalb, den Sozialismus durch einen weiteren Fünfjahresplan zu sichern. Mit der 3. Parteikonferenz der SED 1956, begann man mit dem Aufbau der Körperkultur. Der Sport wurde durch mehrere Veränderungen in seiner Struktur sowie seinem politischen Auftrag angepasst. Dadurch konnte er die Ziele der neuen Politik der SED besser verfolgen. Walter Ulbricht und Manfred Ewald forderten, dass Sport als Verteidigungskraft angesehen werden müsse. Der Sport der DDR sollte seinem Inhalt nach sozialistisch werden. Des Weiteren entschied der Ministerrat am 9. Februar 1956 über die weitere Entwicklung des Sports. Der Beschluss war eine Grundlage für viele wichtige Aktionen im DDR-Sport. Der Sport sollte in allen Bereichen schneller entwickelt werden, auf eine höhere Stufe gebracht und somit auch von allen Organisationen verstärkt gefördert werden. Mit dem Beschluss wollte man die ideologische und patriotische Erziehung aller im Jugend-, Massen-, Wehr- und Leistungssport verbessern.

Es hieß: „ Durch den Sport und das Wandern werden alle die Heimat besser kennen und lieben lernen. Die Fähigkeiten und die Kräfte, die Heimat zu schützen und mit ganzer Hingabe gegen die Feinde unseres Volkes zu verteidigen, werden wachsen “ (Pabst, 1980) .5

Die planmäßige und kontrollierte Entwicklung des Sports begann mit der Gründung des Deutschen Sportausschusses durch das Politbüro.6

Das Politbüro war das höchste Verwaltungsorgan und verabschiedete so genannte Leistungssportbeschlüsse. In Leistungsportbeschlüssen wurden langfristige Ziele und Konzepte festgelegt, wodurch organisiertes, planvolles und zielgerichtetes Handeln der im Sport Beteiligten gewährleistet werden sollte. Als Kontrollgremium entstand die Abteilung Sport des Zentralkomitees der SED.7 Die Leistungssportkommission galt als zweithöchste Einrichtung des Sports. Zu ihren Hauptaufgaben zählte das Organisieren der Zusammenarbeit zwischen Trainern, Sportwissenschaftlern und Sportärzten. Außerdem sollte es die Wissenschaft in das Training miteinbeziehen sowie die Planung, Leitung und Kontrolle im Bereich des Leistungssports durchsetzen.8 Eine weitere sportliche Institution war das Staatssekretariat für Körper und Kultur, dessen Aufgabe in der Durchsetzung der Leistungssportbeschlüsse und in der Bereitstellung technischer Voraussetzungen bestand. Der so genannte Wissenschaftliche Rat setzte zusammen mit dem Staatsekretariat für Körper und Kultur die Beschlüsse zur Entwicklung des Leistungssports durch.9 Der Deutsche Turn- und Sportbund10 sollte die Jugend für Sport und Körperkultur begeistern, aber auch die Bildung und Erziehung fördern. Ihm waren die Betriebssportgemeinschaften und die Sportclubs11 der Sicherheitsorgane, in denen die olympischen Sportarten trainiert wurden, unterstellt.12

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Hierarchie der Sportinstitutionen (persönlich erstellt)

3. Der Weg zum Spitzensportler

3.1 Talentsichtung

Die Talentsichtung war aufgrund der geringen Bevölkerungszahl besonders wichtig. Man schuf deshalb ein einheitliches System zur Sichtung und Auswahl. Dabei wurden Daten von Schülern aller Altersklassen gesammelt. Dieses System wurde ab 1973 in der ganzen DDR angewandt. Die Talentfindung vollzog sich durch sportartspezifische Sichtung in Vorschulen und Schulen. Hierbei mussten die Kinder unter Aufsicht von erfahrenen Trainern Bewegungen machen. Die talentiertesten Kinder wurden ausgewählt und bei jeglichem Zweifel fand eine erneute Sichtung statt. Dabei wurden hauptsächlich Sportarten ausgesucht, die in der Schule nicht betrieben werden konnten oder einen großen materiellen Aufwand verursachten. Zu diesen Sportarten zählten zum Beispiel Eiskunstlauf, Rudern, Fechten und Turmspringen. Darüber hinaus wurden die Ergebnisse aus dem Schulsport und der Wettkämpfe zum Beispiel die der Spartakiaden ausgewertet. Zusätzlich wurde die Leistungsentwicklung der Kinder, welche in den Trainingszentren trainierten, beobachtet. Wenn keine Leistungsentwicklungen nachgewiesen wurden, versuchte man die Kinder in andere Sportarten umzulenken. So sollten alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden.13 Wie bereits erwähnt, waren die Sportspartakiaden ebenfalls eine Möglichkeit, talentierte Kinder zu sichten.1965 rief der DTSB das erste Mal zu den Spartakiaden auf, welche in allen Bezirken der DDR stattfinden sollten. Nach Vorwettkämpfen in den Schulen durften die besten Schüler aller Altersklassen an den Spartakiaden teilnehmen. Diese Veranstaltung wurde eingeführt, um eine möglichst große Anzahl von Kindern und Jugendlichen zum regelmäßigen Sporttreiben zu bringen und um talentierte Kinder gegeneinander antreten zu lassen. Die Spartakiaden fanden im Zweijahresrhythmus statt und trotz einer hohen Teilnehmerzahl gab es nur einen geringen quantitativen Zuwachs für die Leistungszentren.14

3.2 Talentförderung

Die Sportförderung war damals in der DDR in Stufen organisiert. Es gab insgesamt drei Förderstufen, in die die Kinder delegiert wurden, die nach der Sichtung und nach der Auswahl auch das Probetraining bestanden hatten. Die erste Förderstufe war das Training in den Trainingszentren, welche ab 1964 entstanden. Die Trainingszentren kooperierten mit den Verbänden und Sportklubs. In Gebieten, in denen es keine Trainingszentren gab, trainierten die Kinder in Trainingsstützpunkten und Schulsportgemeinschaften. In diese Förderstufe wurden jährlich ca. 26 000 Kinder aufgenommen. Trainingszentren wurden gebaut, um eine Abteilung zwischen dem Schulsport und den Kinder- und Jugendsportschulen zu schaffen. Beim Training wurde darauf geachtet, dass das Leistungsniveau der Kinder- und Jugendsportschulen erreicht wird, um die Kinder dann in diese zu überführen.15 In der zweiten Förderstufe waren die Kinder- und Jugendsportschulen, die meist an Internate angeschlossen waren. Die Aufnahme in solche Schulen war nur durch eine Delegierung möglich. Nur die talentiertesten Kinder der ersten Förderstufe durften hier trainieren. Diese Art von Schulen wurden primär geschaffen, um die Schule und das Training besser koordinieren zu können und dem Training einen gewissen Vorrang einräumen zu können. Unmittelbar in der Nähe der Schulen befanden sich Standorte der jeweiligen Sportclubs. Dadurch konnte die schulische, sportliche und medizinische Betreuung besser abgestimmt werden. Ein großer Teil der Eltern waren positiv gestimmt, dass ihr Kind in eine Kinder- und Jugendsportschule delegiert wurde, da dies soziale und finanzielle Bevorzugungen mit sich zog. Dennoch waren die sportlichen Anforderungen an die Kinder sehr hoch. Sie waren je nach Sportart großer Belastung ausgesetzt.16 Die letzte Förderstufe waren die Sportclubs des DTSB. Hier trainierten die besten Sportler und Sportlerinnen des Landes. Sie erhielten durch den jeweiligen Trägerbetrieb einen Studien- oder Ausbildungsplatz. Wie sehr ein Athlet unterstützt wurde, hing von seinen sportlichen Leistungen ab. Um diese zu bestimmen wurden seine Leistungen jedes Jahr mit dem internationalen Niveau seiner Sportart verglichen. So konnten die Sportler in drei Kaderstufen eingeteilt werden. Sportler, die sich in der dritten Kaderstufe befanden, wurden nur teilweise von ihrer Ausbildung freigestellt. Es handelte sich meistens um Reservesportler, Athleten aus Mannschaftssportarten, die kein Teil des Nationalmannschaftskaders waren oder Trainingspartner für Kampfsportarten. Die besseren Nachwuchssportler waren in der zweiten Kaderstufe untergebracht. Sie wurden pro Woche ca. 16 Stunden freigestellt. In der ersten Kaderstufe waren die besten Athleten, welche Teil der Nationalmannschaft waren. Trotz Freistellung von der Berufsausbildung erhielten sie ihren vollständigen Lohn. Teilweise wurden auch Spezialstundenpläne für Hochleistungssportler, die studierten, erstellt. Außerdem wurden Verlängerungen für das Studium und die Berufsausbildung mit eingeplant. Unter professionellen Bedingungen wurden die Athleten in den Sportclubs betreut. Zusätzlich bekam jeder Sportler eine Wohnung sowie eine sportmedizinische und psychologische Betreuung bereitgestellt.17 Die Verbandstrainer und Institutionen sollten eine problemlose Überleitung in die nächste Förderstufe gewährleisten.18

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: System der Sportförderung (persönlich erstellt)

4. Sport und Politik

4.1 Sport unter Einfluss der SED

Nach Ende des Nationalsozialismus wollten die westlichen Siegermächte in ihren Besatzungszonen die Demokratie durchsetzen. Die Sowjetunion hatte jedoch die Vorstellung in der Sowjetischen Besatzungszone den Kommunismus einzuführen. Mit diesem politischen Werdegang entwickelte sich auch der Sport in der DDR.19 Die gesamte sportliche Abteilung wurde schließlich vom Deutschen Turn- und Sportbund geleitet. Er wurde vollständig von der Partei kontrolliert, da er nur aus SED-Funktionären bestand. Die Beschlüsse des Politbüros der SED nahmen direkten Einfluss auf den Deutschen Turn- und Sportbund. So sollte beispielsweise der Beschluss vom 27.03.1973 die Funktion des Leistungssports definieren.

Dort hieß es: „ Der Leistungssport der DDR trägt dazu bei, die Überlegenheit des Sozialismus weiter auszubauen und seine Ausstrahlungskraft zu vergrößern. Der Leistungssport unterstützt die Festigung des Staats- und Klassenbewusstseins der DDR [ … ] “ (Röder, 2008).20

In der DDR sollte der Sport von politischer Wichtigkeit sein. Er sollte bei der Bevölkerung Begeisterung für den neuen Staat hervorrufen und zugleich beim Neuaufbau der Gesellschaft helfen. Dadurch ließ sich nicht vermeiden, dass sich die westlichen und östlichen Staaten mit ihren unterschiedlichen politischen und sportlichen Ansichtsweisen gegenüberstanden. So kam es zum deutsch-deutschen Duell. Es ging nicht nur darum, wer das überlegenere System hat, sie kämpften auch darum, wer die Deutsche Nation repräsentieren durfte. Bis 1969 hatte nur die Bundesrepublik Deutschland21 das Recht auf internationalen Wettkämpfen aufzutreten. Doch auch die DDR wollte als eigener Staat bei internationalen Wettkämpfen teilnehmen dürfen. Dadurch versuchte der SED-Staat internationale Anerkennung zu erlangen. Das Ansehen der DDR versuchte man mit sportlichen Erfolgen zu erhöhen. Folglich bestimmte der SED-Staat den Sport und baute ihn als Staatssport aus. Die DDR konnte viele Erfolge feiern und erkannte es als Sieg an, wenn die westdeutschen Sportler die DDR-Flagge gehisst wurde oder die ostdeutsche Hymne erklang. Auch während des Kalten Krieges nutzten die DDR-Führer den Sport, um die Überlegenheit des Sozialismus gegenüber dem Kapitalismus zu beweisen.22 Darüber hinaus versuchte man auch den Jugendlichen einzuprägen, dass der Westen als Feind angesehen werden muss. Dieser sollte bekämpft und verachtet werden. Wenn Auslandsreisen in nichtsozialistische Wirtschaftsgebiete bevorstanden, fanden parteiideologische Belehrungen der Spitzensportler statt. Außerdem wurden spontane Interviews geprobt. So konnte die DDR-Führung sichergehen, dass die Sportler den Staatsrichtlinien folgten. Der Staatsvorsitzende Walter Ulbricht nannte die DDR-Sportler damals „Diplomaten“ im Trainingsanzug. Durch diese Bezeichnung wird klar, welchen Wert der Sportler in der DDR hatte. Wenn wieder einmal ein Spitzensportler in seinem blau-weißen Sportdress auf dem ersten Platz stand, so hatte nach Ansicht der SED-Funktionäre nicht der Sportler als Mensch, sondern der Sozialismus als politisches System gesiegt. Mit der gezielten Förderung des Spitzensports konnte die DDR teilweise sogar die USA übertrumpfen wie zum Beispiel bei den Olympischen Spielen 1972 in München. Für die Bevölkerung war das eine angenehme Ablenkung vom sonst so enttäuschenden Alltag der DDR. Ein weiterer Punkt, warum der Sport für politische Zwecke genutzt wurde, war, dass die DDR bis 1973 weltweit nicht als eigenständiger Staat anerkannt wurde. Da sie nicht auf einer Augenhöhe mit anderen Staaten waren, war man in der DDR der Ansicht, dass das kapitalistische System einen Vorrang hatte, den man aufholen musste. Mit den Sportlern wollte man sich so im internationalen Ausland beweisen und dazu war den Funktionären jedes Mittel recht. Gewonnene Medaillen sollten die Überlegenheit des Sozialismus signalisieren.23

4.2 Manfred Ewald: Chef des Sportsystems

Manfred Ewald war einer der Hauptverantwortlichen und einflussreichsten Sportfunktionäre der DDR. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde er Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands und war schon bei der FDJ als Funktionär tätig. Seine Karriere begann 1948. In diesem Jahr bekam er das Amt des Sekretärs im Deutschen Sportausschuss, welches er bis 1952 behielt. Danach war er bis 1960 Vorsitzender des Staatlichen Komitees für Körperkultur und Sport. Ab 1961 fungierte er schließlich als Präsident des DTSB und zusätzlich ab 1973 als Präsident des Nationalen Olympischen Komitees24. Auf politischer Ebene war er ab dem Jahr 1963 Mitglied des Zentralkomitees der SED. Für Manfred Ewald stand der leistungssportliche Aufstieg des DDR-Sports immer an erster Stelle. Dafür nahm er die Benachteiligung der nichtmedaillenträchtigen Sportarten sowie den Einsatz aller verfügbaren sportmedizinischen Mitteln und Möglichkeiten in Kauf, egal ob diese nun legal oder illegal waren. Er galt als treibende Kraft des systematischen und planmäßigen Dopings. Ewald verfügte über hohes sportliches Fachwissen und große Detailkenntnisse. Die Erfolge des DDR-Sports unter seiner Führung bestätigen ihn in seiner Arbeit. Unter seiner Leitung gewannen die DDR-Athleten 160 Gold-, 153 Silber- und 141 Bronzemedaillen. So wuchs auch mit jeder weiteren Medaille die Rolle Manfred Ewalds im Staats- und Parteigefüge der DDR. Nach der Wende veröffentlichte er seine Biographie mit dem Titel „ Manfred Ewald – Ich war der Sport“.25

Während der Zeit als mächtigster Sportfunktionär der DDR, standen ihm große Mengen an finanziellen Mitteln zur Verfügung. Mit diesen baute er einen immensen Personalapparat auf. So waren kurz vor der Wende ca. 10 000 Personen bei dem DTSB beschäftigt, die Hälfte davon waren Trainer. Weitere 8 000 waren bei den Sportvereinigungen Vorwärts und Dynamo angestellt. Knapp 600 hauptamtliche Trainer hatte allein der Deutsche Verband für Leichtathletik in der DDR. Der gesamtdeutsche Leichtathletik-Verband heute hat gerade mal 24 Trainer.26

4.3. Sportliche Zielvorgaben

1952 gründete die SED das Staatliche Komitee für Körperkultur und Sport. Dieses sollte den schwachen Leistungsstand verbessern, indem es den Betrieb der wichtigsten Sportarten bis Ende 1956 sicherte. Die Erfolge blieben jedoch aus. Deshalb wurde es zur Aufgabe des DTSB, auf internationaler Ebene erfolgreich zu werden. Die SED sah ein, dass man am Anfang nicht alle Rekorde für die DDR erobern konnte. Man beschränkte sich 1958 darauf, mehr Sportler in der gesamtdeutschen Olympiamannschaft zu haben sowie mehr Medaillen zu erlangen als Sportler aus der BRD. Beide Ziele konnten erreicht werden. Aufgrund der Förderung von den starken Mannschaftssportarten, kam die Mehrzahl der Sportler in der gesamtdeutschen Olympiamannschaft 1964 aus der DDR. Das Ziel, mehr Medaillen als die BRD zu erlangen, wurde schließlich 1968 erreicht. Das Leistungsziel für die Olympischen Spiele 1972 lautete, die Position, welche 1968 erreicht wurde, zu sichern und sich vor Westdeutschland zu platzieren. Nach der Olympiade 1976, bei der man im Medaillenspiegel den zweiten Platz hinter der Sowjet Union belegte, blieben die Hauptziele, die Überlegenheit des DDR-Leistungssports gegenüber der BRD zu beweisen und besser als die USA zu sein. Auch bei den darauffolgenden Spielen, welche aufgrund zweier Boykotte nicht wie üblich mit allen Nationen stattfinden konnte, sollten diese Ziele erreicht werden. Für die Spiele in Seoul 1988 waren es ebenfalls dieselben Zielvorgaben wie bei den Spielen davor.27

4.4 Sportliche Erfolge des Systems

Nach Ende des zweiten Weltkrieges gründeten beide deutschen Staaten ein Nationales Olympisches Komitee, um bei den Olympischen Spielen teilnehmen zu dürfen. Es wurde jedoch nur das zuerst gegründete westdeutsche NOK vom Internationalen Olympischen Komitee28 anerkannt. Das IOC forderte die Staaten auf, ein gemeinsames Team aufzustellen, doch die DDR weigerte sich. Dadurch nahmen bei den Sommerspielen 1952 in Helsinki nur westdeutsche Sportler teil. Schließlich veranlasste das IOC die deutschen Staaten, für die Spiele 1956 eine gemeinsame Mannschaft zu bilden. Man konnte sich jedoch weder auf eine gemeinsame Hymne noch auf eine Flagge einigen. Darum wurde als Nationalhymne ein Auszug aus „Ode an die Freude“ von Beethoven gewählt. Die Flagge, die man entwarf, bestand aus den deutschen Nationalfarben, auf denen die fünf olympischen Ringe abgebildet waren. So nahm die gesamtdeutsche Mannschaft bis 1964 an den Olympischen Spielen teil.29 Während dieser Zeit gab es harte Qualifikationswettkämpfe um die Olympiaplätze. Dennoch gefiel es der DDR nicht, mit dem kapitalistischen Feind eine Mannschaft gründen zu müssen, um bei den Spielen teilnehmen zu dürfen. Außerdem war die DDR schon bei vielen anderen internationalen Sportverbänden als gleichberechtigt angesehen. Deshalb entschied das IOC, dass die DDR 1968 mit einem eigenen Mannschaftsteil, welcher sich „Ostdeutschland“ nannte, antreten durfte. Die Bedingung, unter derselben Flagge und Hymne wie Westdeutschland anzutreten, blieb jedoch bestehen.

Die DDR erreicht bei ihrem ersten Auftreten bei den Olympischen Spielen den fünften Platz hinter Ungarn und konnte bereits mehr Medaillen als die BRD erkämpfen.

[...]


1 SED

2 FDJ

3 DDR

4 Vgl. https://www.mdr.de/damals/archiv/artikel75390.html (29.09.18)

5 Ulrich, Pabst: Sport–Medium der Politik. Bartels und Wernitz: Berlin 1980, 206f

6 Vgl. https://www.mdr.de/damals/archiv/artikel75390.html

7 Vgl. Reichelt, Frank: das System des Leistungssports. Tectum: Marburg 2006, 23

8 Vgl. Reichelt, 37f

9 Vgl. Reichelt, 33f

10 DTSB

11 SC

12 Vgl. Reichelt, 46f

13 Vgl. Reichelt, 114f

14 Vgl. Reichelt, 123ff

15 Vgl. Reichelt, 129f

16 Vgl. Reichelt, 134ff

17 Vgl. Reichelt, 139f

18 Vgl. Reichelt, 135

19 Vgl. Pabst, 57 nhaltsverzeichnisitbauers Systemraining zur Leistungssteigerung anboten.er erstützer zu stellen, welchen sie ihre Erfolge zu ve

20 http://www.sport-ddr-roeder.de/nachwuchsleistungssport_3.html

21 BRD

22 Vgl. Pabst, 23/93

23 Vgl. Pabst, 209f

24 NOK

25 Vgl. https://rp-online.de/sport/ex-ddr-sportchef-manfred-ewald-gestorben_aid-8577487

26 Vgl. http://www.spiegel.de/einestages/leistungssport-in-der-ddr-a-947003.html

27 Vgl. Reinartz, Klaus/Teichler, Hans Joachim: Das Leistungssportsystem in der DDR in der 80er Jahren und im Prozess der Wende.Hofmann: Schorndorf 1999, 27f

28 IOC

29 Vgl. https://www.ddr-museum.de/de/blog/archive/olympische-sommerspiele-und-die-ddr

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Spitzensport in der DDR. Sportlicher Ehrgeiz oder Prestigeobjekt?
Note
1,7
Jahr
2019
Seiten
26
Katalognummer
V940980
ISBN (eBook)
9783346270559
ISBN (Buch)
9783346270566
Sprache
Deutsch
Schlagworte
spitzensport, sportlicher, ehrgeiz, prestigeobjekt, DDR, SED, Drogen, Doping, Flucht, Strukturen, Institutionen
Arbeit zitieren
Anonym, 2019, Spitzensport in der DDR. Sportlicher Ehrgeiz oder Prestigeobjekt?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/940980

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