In der Arbeit wird die Frage geklärt, ob Spitzensport in der Deutschen Demokratischen Republik als Mittel zum Zweck genutzt wurde. Um diese Frage zu beantworten, wird zu Beginn auf die Entwicklung und Struktur der Sportinstitutionen sowie auf den Weg eingegangen, den ein Sportler in der DDR durchlaufen musste, um ein Spitzensportler zu werden. Des Weiteren wird das Thema Sport und Politik mit Hilfe mehrerer Unterthemen ausführlich behandelt. Darüber hinaus werden Maßnahmen, welche zur Leistungssteigerung genutzt wurden, genannt sowie auf die Sportlaufbahnen der Sportler Katarina Witt und Axel Mitbauer eingegangen. Schließlich werden die strafrechtlichen Konsequenzen nach der Wiedervereinigung aufgriffen, um die Frage zum Abschluss beantworten zu können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Entwicklung und Struktur der staatlichen Institutionen im Spitzensport
3. Der Weg zum Spitzensportler
3.1 Talentsichtung
3.2 Talentförderung
4. Sport und Politik
4.1 Sport unter Einfluss der SED
4.2 Manfred Ewald: Chef des Sportsystems
4.3. Sportliche Zielvorgaben
4.4 Sportliche Erfolge des Systems
5. Maßnahmen zur Leistungssteigerung
5.1 Prämienanreize
5.2 Doping
5.2.1 Doping in der DDR
5.2.2 Dopingopfer Dörte Thümmler
5.2.3 Dopingopfer Andreas Krieger
6. Unterschiedliche Laufbahnen der Sportler im System
6.1 Sportlerflucht
6.1.1 Flucht des Axel Mitbauers
6.2 Katarina Witt
7. Strafrechtliche Konsequenzen nach der Wiedervereinigung
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit der Spitzensport in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) gezielt als politisches Instrument zur Systemstabilisierung und internationalen Anerkennung genutzt wurde. Dabei wird analysiert, wie staatliche Strukturen und ideologische Vorgaben den gesamten Lebensweg der Sportler dominierten.
- Entwicklung und staatliche Organisation des DDR-Spitzensports
- Instrumentalisierung des Sports durch die SED-Politik
- Systematische Leistungssteigerung und staatlich organisiertes Zwangsdoping
- Biografische Auswirkungen des Systems am Beispiel prominenter Sportler
- Strafrechtliche Aufarbeitung der DDR-Dopingpraktiken nach der Wiedervereinigung
Auszug aus dem Buch
5.2.2 Dopingopfer Dörte Thümmler
Die Weltmeisterin am Stufenbarren 1987 Dörte Thümmler war ebenfalls ein Opfer dieses Systems und muss auf eine Jugend mit Doping und Demütigung im Trainingsalltag zurückschauen. Dörte Thümmler wollte eigentlich immer Eiskunstlaufen, doch durch Kontakte ihrer Mutter ist sie in eine Kinder- und Jugendsportschule gekommen, um zu Turnen. Mit elf Jahren hat sie klar und deutlich gesagt, dass sie aufhören möchte. Doch durch Druck seitens der Trainer, Physiotherapeuten und Funktionären blieb sie und turnte weiter. Nach den Olympischen Spielen 1988, bei denen sie mit der DDR-Mannschaft Bronze holte, war ihr Rücken stark geschädigt. Es war klar, dass sie eine Pause machen musste und ihre Karriere somit beendet war.
Auch in ihrem späteren Leben gab sie immer 100 Prozent, egal ob Haushalt, Beziehung, Kinder oder Job. Sie kannte keine Grenzen, weder körperliche noch seelische. Die Grenzen wurden durch das Training früher immer überschritten und so lernte sie selbst nie Grenzen zu setzen. Nach der Geburt ihrer zwei Söhne war sie völlig ausgebrannt, sie hatte einfach keine Kraft mehr. Dieses chronische Erschöpfungssyndrom hat sie seit 2006. Es wurde diagnostiziert, dass sie nur noch 30 von 100 Prozent Kraft besitzt. Diese Erkrankung kam von den Dopingmitteln, welche auch Dörthe Thümmler genommen hatte. Sie erinnert sich daran, dass Oral-Turinabol immer in Eiweißpralinen oder Kaugummi drin war. Beim Essen und beim Trinken von Eiweißshakes wurden sie überwacht. Die Turnerinnen mussten ständig Urin, Blut und Laktat zur Analyse abgeben. Für welche Zwecke die Abgaben untersucht wurden, wurde nicht gesagt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Einbettung des Sports in der DDR ein und formuliert die zentrale Forschungsfrage nach dem Spitzensport als Mittel zum Zweck.
2. Entwicklung und Struktur der staatlichen Institutionen im Spitzensport: Hier wird der Aufbau des zentralistischen Sportsystems beschrieben, das traditionelle Vereine durch staatlich gelenkte Sportclubs ersetzte.
3. Der Weg zum Spitzensportler: Dieses Kapitel erläutert das zweistufige System der Talentsichtung und die anschließende Förderung in spezialisierten Trainingszentren und Jugendsportschulen.
4. Sport und Politik: Diese Sektion analysiert die enge Verzahnung von sportlicher Leistung und politischer Ideologie sowie die zentrale Rolle von Funktionären wie Manfred Ewald.
5. Maßnahmen zur Leistungssteigerung: Dieses Kapitel beleuchtet das System der Prämienanreize sowie die systematische Implementierung von Zwangsdoping, ergänzt durch Fallbeispiele.
6. Unterschiedliche Laufbahnen der Sportler im System: Hier werden die gegensätzlichen Wege der Sportler untersucht, von der Flucht in den Westen bis zur systemkonformen Karriere von Katarina Witt.
7. Strafrechtliche Konsequenzen nach der Wiedervereinigung: Dieses Kapitel dokumentiert die späte juristische Aufarbeitung der DDR-Dopingverbrechen durch das Berliner Landgericht.
8. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass der Spitzensport primär der Sicherung des Sozialismus diente und individuelle Bedürfnisse dem Staatsziel unterordnete.
Schlüsselwörter
DDR, Spitzensport, SED, Leistungsgesellschaft, Zwangsdoping, Manfred Ewald, Talentsichtung, Sportpolitik, DDR-Sportler, Systemstabilisierung, Stasi, Olympia, Katarina Witt, Andreas Krieger, Wiedervereinigung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht die politische Instrumentalisierung des Spitzensports in der ehemaligen DDR zur Festigung des sozialistischen Staates.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zu den Schwerpunkten gehören der institutionelle Aufbau des Sports, das staatlich verordnete Doping, die Überwachung durch die Staatssicherheit sowie die individuellen Schicksale der Athleten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Forschungsfrage klärt, ob der DDR-Spitzensport als Mittel zum Zweck eingesetzt wurde, um internationale Anerkennung zu gewinnen und die Überlegenheit des Sozialismus zu demonstrieren.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Untersuchung zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse, der Auswertung von Stasi-Unterlagen sowie der Untersuchung zeitgeschichtlicher Dokumente und Biografien.
Welche Inhalte dominieren den Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Sport-Institutionen, die Analyse der gezielten Leistungssteigerung durch Doping und den Vergleich unterschiedlicher Sportlerbiografien.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie staatlich verordnetes Zwangsdoping, politische Machtdemonstration, Sportinstitutionen der DDR und die juristische Nachbereitung nach 1990 geprägt.
Wie wurde die Talentsichtung in der DDR konkret organisiert?
Die Talentsichtung erfolgte systematisch durch Datensammlungen bei Schülern und sportartspezifische Sichtungstests in Schulen und Vorschulen, um Talente frühzeitig für das staatliche Fördersystem zu gewinnen.
Welche Rolle spielte das Doping für die sportlichen Erfolge der DDR?
Doping war eine flächendeckend organisierte und vom Staat forcierte Maßnahme, um in olympischen Sportarten internationale Wettbewerbsvorteile zu erzielen, wobei die gesundheitlichen Folgen für die Athleten bewusst in Kauf genommen wurden.
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- Anonym (Author), 2019, Spitzensport in der DDR. Sportlicher Ehrgeiz oder Prestigeobjekt?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/940980