Die Ökonomisierung und die damit verbundenen Instrumente der Finanzierung haben in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen. Zu Beginn der neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts vollzogen sich grundlegende Veränderungen in der Organisation und Finanzierung Sozialer Arbeit. Diese wirkten sich nachhaltig auf die Angebote und Leistungen aus. Ursachen für diese Veränderungen sind unter verschiedensten Gesichts-punkten zu finden. ...
Diese gewinnen dann auch für den Bereich der Sozialen Arbeit an Gültigkeit. Daneben kam es in den letzten Jahren zunehmend zu einer Vernetzung von Trägerstrukturen und einer Dezentralisierung der Angebotsstrukturen. Aus sozial-pädagogischer, fachlicher Sicht unterstützt u.a. das Konzept der Lebenswelt- oder Sozialraumorientierung die genannte Entwicklung. ...
Neben den eben beschriebenen äußeren Faktoren bestehen auch Defizite innerhalb der Organisation und der Struktur der Kommunen selbst. Diese Mängel beziehen sich auf das klassische Steuerungsmodell, insbesondere auf die Inputorientierte Steuerung kommunalen Handelns. Kennzeichen des alten Modells ist die Trennung der Verantwortung für die Ressourcen der Querschnittsämter von der Fachpolitik. Das bedeutet, dass die voneinander getrennten Verantwortungsbereiche für die personalpolitischen und finanziellen Entscheidungen auf der einen Seite und die für die Ausführung der Fachaufgaben auf der anderen Seite, eine Kooperation behindern. ...
Nach der Darstellung maßgeblicher Gründe für die Notwendigkeit einer Verwaltungs-reform soll in der folgenden Podiumsdiskussion das „Neue Steuerungsmodell“ als Konzept einer Neugestaltung der Kommunalverwaltung mit einer Auswahl seinen Kernelementen skizziert werden. Diese soll die Diskussionsgrundlage bezogen auf mögliche und konkrete Auswirkungen auf die Arbeit der Jugendhilfe sein. Das sogenannte Sozialraumorientierte Budget soll dabei als Finanzierungsform im Bereich Jugendhilfe im Anschluss von unseren beiden Gästen kritisch betrachtet werden. ...
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Einführung in das Thema
1 Instrumente der Neuen Steuerung
1.1 Kontraktmanagement
1.2 Dezentrale Ressourcenverantwortung
1.3 Outputorientierte Budgetierung
1.4 Produkt, Produktbeschreibungen – Ergebnissteuerung
1.5 Controlling und Berichtswesen
1.6 Personalentwicklung und Fortbildung
2 Outputorientierte Budgetierung in der Jugendhilfe
2.1 Argumente für das Sozialraumbudget
2.2 Argumente gegen das Sozialraumbudget
3 Kommentar zum Diskussionsinhalt
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht in der kritischen Auseinandersetzung mit dem Neuen Steuerungsmodell sowie dessen Anwendung in Form einer sozialraumorientierten Budgetierung innerhalb der Jugendhilfe unter Berücksichtigung ökonomischer und pädagogischer Aspekte.
- Grundlagen und Instrumente der Neuen Steuerung
- Strukturwandel der Kommunalverwaltung zu Dienstleistungsunternehmen
- Herausforderungen und Potenziale der Budgetierung in der Jugendhilfe
- Kritische Analyse der Argumente für und gegen ein Sozialraumbudget
- Wechselwirkung zwischen Verwaltungsreform und pädagogischer Qualität
Auszug aus dem Buch
1.3 Outputorientierte Budgetierung
Im engen Zusammenhang mit der dezentralen Ressourcenverantwortung steht das Verfahren der Budgetierung, d.h., dass die öffentliche Verwaltung bislang über Inputgrößen gesteuert und gelenkt wurde. Bestimmten Aufgabenfeldern werden verschiedene Inputs, wie beispielsweise finanzielle Mittel, Personal oder Ausstattung, zugeteilt. Dabei gaben zum einen die kommunalen Haushaltspläne den finanziellen Rahmen für die einzelnen Bereiche vor, denen auf der anderen Seite jedoch keine Definition von Leistungen bzw. Produkte gegenüber stand. So führten effiziente und effektive Arbeitsweisen zu einer Verringerung des Ressourcenverbrauchs, was häufig eine entsprechend geringere Mittelzuweisung im folgenden Haushaltsjahr zur Folge hatte. In der Konsequenz gaben Behörden zum Ende des Budgetjahres unabhängig vom tatsächlichen Bedarf die ihnen zustehenden Haushaltsmittel aus, um eine geringere Budgetierung im Folgejahr zu verhindern.
Mit der Einführung der outputorientierten Budgetierung soll im stärkeren Ausmaß die Kompetenz und Verantwortung der einzelnen Mitarbeiter genutzt werden. Neu ist bei dieser Finanzierungsform, dass den einzelnen Organisationsbereichen und/oder Fachbereichen ein Budget in Form von Zuschussbedarfen vorgegeben wird. Damit soll die Verantwortung für diese Finanzmittel auf die jeweiligen Organisationseinheiten mit dem Ziel eines effektiven und effizienten Ressourceneinsatzes delegiert werden. Durch die Ausweitung der Deckungsfähigkeit erhalten die Bereiche größere und autonomere Entscheidungsspielräume, um so die Kräfte der Eigensteuerung zu mobilisieren. In der Konsequenz bedeutet dies, dass die Gefahr, durch die Verwaltung unkontrolliert Reserven zu bilden und somit benötigte Ressourcen zu binden, minimiert wird.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Diskussionsreihe zum Neuen Steuerungsmodell und Darlegung der Zielsetzung des Beitrags.
Einführung in das Thema: Darstellung der ökonomischen Ursachen und des Modernisierungsdrucks, der zur Anwendung betriebswirtschaftlicher Instrumente in der Sozialen Arbeit geführt hat.
1 Instrumente der Neuen Steuerung: Erläuterung der zentralen Steuerungsinstrumente wie Kontraktmanagement, dezentrale Ressourcenverantwortung und Controlling.
2 Outputorientierte Budgetierung in der Jugendhilfe: Gegenüberstellung von Argumenten für und gegen die Einführung eines Sozialraumbudgets im Kontext der Jugendhilfe.
3 Kommentar zum Diskussionsinhalt: Kritische Reflexion der Möglichkeiten einer qualitativen Weiterentwicklung der Jugendhilfe durch zielorientierte Steuerungsinstrumente.
Schlüsselwörter
Neues Steuerungsmodell, Sozialraumbudget, Jugendhilfe, Outputorientierte Budgetierung, Sozialraumorientierung, Verwaltung, Kontraktmanagement, Dezentrale Ressourcenverantwortung, Controlling, Effizienz, Soziale Arbeit, Verwaltungsreform, Prävention, Finanzierung, Leistungsgewährung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Implementierung des Neuen Steuerungsmodells in der Kommunalverwaltung und dessen Auswirkungen auf die Struktur und Finanzierung der Jugendhilfe.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Modernisierung der Verwaltung, die Einführung von Wettbewerbs- und Marktmechanismen in sozialen Dienstleistungen sowie die spezifischen Chancen und Risiken von Sozialraumbudgets.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die kritische Prüfung, ob und unter welchen Voraussetzungen Steuerungsinstrumente wie die outputorientierte Budgetierung die fachliche Qualität und Effektivität der Jugendhilfe verbessern können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse sowie die theoretische Aufbereitung von Diskussionsergebnissen einer Podiumsdiskussion zu fachpolitischen Reformansätzen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Instrumente der Neuen Steuerung und wendet diese konkret auf das Finanzierungsmodell des Sozialraumbudgets in der Jugendhilfe an, wobei Pro- und Contra-Argumente abgewogen werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Sozialraumbudget, Neue Steuerung, Jugendhilfe, Effizienzsteigerung und Verwaltungsreform.
Welche Bedenken bestehen rechtlich gegenüber dem Sozialraumbudget?
Es bestehen Bedenken hinsichtlich der Kollision mit dem SGB VIII, insbesondere bezüglich der Einschränkung individueller Rechtsansprüche und der Wahrung des Wunsch- und Wahlrechts.
Wie verändert das Sozialraumbudget die Arbeit der freien Träger?
Es verlagert administrative und betriebswirtschaftliche Aufgaben auf die pädagogische Ebene, was die Anforderungen an die Fachkräfte erhöht und ein professionelles Controlling erforderlich macht.
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- Thomas Schneider (Author), 2008, Neues Steuerungsmodell - Sozialraumorientierte Budgetierung der Jugendhilfe, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/94109