Diese Arbeit widmet sich der Analyse der Besonderheiten und Verfahren bei der Bewertung kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU). Um ein Bewusstsein für die Problemstellungen der Unternehmensbewertung zu schaffen, wird dafür auf die theoretischen Grundlagen der Unternehmensbewertung und die in Praxis und Literatur gängigen Bewertungsverfahren eingegangen. Anschließend werden die bewertungsrelevanten Spezifika von KMU erläutert, um daraus praxisrelevante Anwendungshinweise abzuleiten. Es soll die Forschungsfrage beantwortet werden, inwiefern spezifische Merkmale von KMUs zu Besonderheiten bei einer Unternehmensbewertung führen und welche Verfahren sich für die Bewertung von KMU eignen.
Die Bewertung von kleinen und mittleren Unternehmen ist relevanter denn je. Bis zum Jahr 2022 steht bei über 500.000 deutschen kleinen und mittleren Unternehmen eine Nachfolgeregelung an. Es handelt sich dabei um 13,7% der deutschen mittelständischen Unternehmen. In Ihrer Gesamtheit repräsentieren die KMU einen Anteil von 99,5% aller deutschen Unternehmen und beschäftigen gleichzeitig 57,6% aller sozialversicherungspflichtigen Angestellten in Deutschland.
Selbst wenn nicht jedes einzelne Unternehmen von einer Nachfolge betroffen ist, besteht zukünftig dennoch ein großer Bedarf an Unternehmensnachfolgen. Die Gestaltungsmöglichkeiten der Nachfolgeregelung sind vielfältig. Das Unternehmen kann an Familienmitglieder, externe Käufer, Mitarbeiter oder Miteigentümer übergeben werden. Durch diesen Generationenwechsel entsteht eine große Nachfrage an Unternehmensbewertungen.
Hinzu kommt die ansteigende Bedeutung der Unternehmensbewertung für Steuer- und Finanzierungszwecke. Die KMU rücken dadurch weiter in den Fokus der Unternehmensbewertung. Die Unternehmensbewertung beschäftigt sich mit der Ermittlung von Werten und potenziellen Preisen für Unternehmen unter Berücksichtigung aller darauf einwirkenden Einflüsse. Die Wertermittlung setzt einen Zukunftsbezug voraus. Zudem ist der Zweck der Unternehmensbewertung maßgeblich für eine zielführende Wertermittlung. Trotz des hohen Bedarfs an Bewertungen für kleine und mittlere Unternehmen, liegt der Forschungsschwerpunkt der Unternehmensbewertung dennoch auf kapitalmarktorientierten Großunternehmen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Merkmale und Besonderheiten von kleinen und mittleren Unternehmen
2.1 Definition von kleinen und mittleren Unternehmen, Möglichkeiten und Grenzen
2.1.1 Quantitative Merkmale
2.1.2 Qualitative Merkmale
2.2 Volkswirtschaftliche Bedeutung
3 Grundlagen der Unternehmensbewertung
3.1 Wert und Preis
3.2 Werttheorien
3.2.1 Objektive Werttheorie
3.2.2 Subjektive Werttheorie
3.2.3 Funktionale Werttheorie
3.3 Funktionen der Unternehmensbewertung
3.3.1 Hauptfunktionen
3.3.2 Nebenfunktionen
3.4 Anlässe der Unternehmensbewertung
3.4.1 Transaktionsbezogene Bewertungsanlässe
3.4.1.1 Dominierte Bewertungsanlässe
3.4.1.2 Nicht dominierte Bewertungsanlässe
3.4.2 Nicht transaktionsbezogene Bewertungsanlässe
4 Bewertungsverfahren
4.1 Einzelbewertungsverfahren
4.1.1 Substanzwertverfahren
4.1.2 Liquidationswertverfahren
4.2 Gesamtbewertungsverfahren
4.2.1 Ertragswertverfahren
4.2.2 Discounted Cashflow-Verfahren
4.2.3 Multiplikatorverfahren
4.2.4 Realoptionsverfahren
4.2.5 Schwartz/Moon Modell
4.3 Mischverfahren
4.3.1 Mittelwertverfahren
4.3.2 Übergewinnverfahren
5 Bewertung von kleinen und mittleren Unternehmen
5.1 Grenzen der Aussagefähigkeit eines Unternehmenswertes von kleinen und mittleren Unternehmen
5.2 Besonderheiten bei der Bewertung von KMU
5.2.1 Besonderheiten bei der Prognose künftiger Cashflows
5.2.1.1 Personenbezogene Einflüsse und Besonderheiten
5.2.1.2 Besonderheiten bei der Unternehmensanalyse
5.2.2 Besonderheiten bei der Ableitung der Kapitalkosten
5.2.3 Berücksichtigung von Insolvenzrisiken
5.2.4 Berücksichtigung einer mangelnden Fungibilität
5.3 Bewertungsverfahren für KMU in der Praxis
6 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert die spezifischen Besonderheiten und Herausforderungen bei der Unternehmensbewertung kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU). Das Ziel besteht darin, ein tieferes Verständnis für die Problemstellungen zu schaffen, die sich durch die KMU-spezifischen Merkmale ergeben, und praxisrelevante Anwendungshinweise für die Wahl und Durchführung geeigneter Bewertungsverfahren abzuleiten.
- Charakterisierung von kleinen und mittleren Unternehmen durch quantitative und qualitative Kriterien.
- Theoretische Fundierung der Unternehmensbewertung (Werttheorien, Funktionen, Anlässe).
- Detaillierte Darstellung gängiger Bewertungsverfahren (Einzel-, Gesamt- und Mischverfahren).
- Analyse von KMU-spezifischen Besonderheiten (Prognoseunsicherheit, Kapitalkosten, Insolvenzrisiken, Fungibilität).
- Beurteilung der Eignung verschiedener Bewertungsverfahren für KMU in der Praxis.
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Objektive Werttheorie
Die objektive Werttheorie besagt, dass Gegenstände ungeachtet subjektiver Nutzenpräferenzen einen eigenen Wert haben. In Bezug auf die Unternehmensbewertung entsteht dieser Wert durch die individuellen Erfolgspotentiale von Unternehmen, welche für jede Person enthalten sind. Dabei wird kein Bezug auf die jeweiligen Käufer oder Verkäufer genommen. Da die in eine Unternehmensbewertung involvierten Parteien Käufer und Verkäufer allerdings subjektive Normen und Grundsätze für die Bewertung heranziehen können, wurden Gründe formuliert, welche die Existenz der objektiven Werttheorie rechtfertigen.
Dabei wird unter anderem die mangelnde Fähigkeit eines Subjektes zur Beurteilung der bewertungsrelevanten Eigenschaften angeführt. Die objektive Werttheorie berücksichtigt keine individuellen und subjektiven Interessen und strategischen Vorstellungen von Käufer und Verkäufer. Da es sich bei einem ermittelten Unternehmenswert allerdings um eine Subjekt-Objekt-Beziehung handelt, ist ein objektiver Unternehmenswert nicht ermittelbar. Zur Sicherung der Existenzberechtigung der objektiven Werttheorie, hat das IDW den objektivierten Unternehmenswert als Ausgangslage zur Ermittlung subjektiver Unternehmenswerte etabliert.
Dabei handelt es sich um einen Zukunftserfolgswert, unter Annahme eines unveränderten Unternehmenskonzeptes und Berücksichtigung aller realistischen Zukunftserwartungen. Mit der Berücksichtigung wertrelevanter steuerlicher Verhältnisse der Anteilseigner fließen hierbei jedoch subjektive Eigenschaften in die Bewertung mit ein. Der objektivierte Unternehmenswert wird häufig als Informationsgrundlage durch neutrale Wirtschaftsprüfer ermittelt. In Ihrer Gesamtheit besagen alle objektiven Werttheorien, dass jeder Sache oder jedem Ding Eigenschaften zugeordnet werden, wobei der „Wert“ eine dieser Eigenschaften darstellt. In Bezug auf die Unternehmensbewertung entsteht daraus die Schlussfolgerung, dass für jedes Unternehmen ein objektivierbarer und allgemeingültiger Wert bestimmbar ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung unterstreicht die Relevanz der Unternehmensbewertung für KMU im Kontext anstehender Generationenwechsel und definiert das Ziel der Arbeit, spezifische Bewertungsbesonderheiten zu analysieren.
2 Merkmale und Besonderheiten von kleinen und mittleren Unternehmen: Dieses Kapitel differenziert KMU anhand quantitativer und qualitativer Merkmale und erläutert deren volkswirtschaftliche Bedeutung.
3 Grundlagen der Unternehmensbewertung: Hier werden theoretische Grundlagen wie Werttheorien, Funktionen der Bewertung sowie die für die Praxis relevanten Bewertungsanlässe fundiert.
4 Bewertungsverfahren: Das Kapitel bietet eine strukturierte Übersicht und methodische Herleitung der in der Praxis gebräuchlichen Einzel-, Gesamt- und Mischverfahren.
5 Bewertung von kleinen und mittleren Unternehmen: Dieses Kernkapitel diskutiert kritisch die Herausforderungen bei der Bewertung von KMU, insbesondere in Bezug auf Cashflow-Prognosen, Kapitalkosten, Insolvenzrisiken und Fungibilität.
6 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und betont, dass keine KMU-spezifischen Verfahren existieren, sondern eine Anpassung etablierter Methoden an die spezifischen Risiken und Merkmale der KMU notwendig ist.
Schlüsselwörter
Unternehmensbewertung, KMU, Ertragswertverfahren, Discounted Cashflow-Verfahren, Multiplikatorverfahren, Kapitalkosten, CAPM, Betafaktor, Insolvenzrisiko, Fungibilität, Personenbezogenheit, Unternehmensnachfolge, Bewertungsanlass, Unternehmensanalyse, Cashflow-Prognose.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den theoretischen Verfahren und den praktischen Besonderheiten der Bewertung von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU).
Welche zentralen Themenfelder deckt die Thesis ab?
Sie umfasst die begriffliche Einordnung von KMU, die theoretischen Grundlagen der Unternehmensbewertung, die gängigen Bewertungsmethoden sowie die spezifischen Problemfelder wie Datenqualität, Personenbezogenheit und Risikoberücksichtigung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, ein Bewusstsein für die Problemstellungen bei der Bewertung von KMU zu schaffen und aufzuzeigen, wie vorhandene Verfahren durch Anpassungen für diesen Unternehmenssektor nutzbar gemacht werden können.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin oder der Autor?
Es handelt sich um eine systematische Analyse auf Basis aktueller Fachliteratur, wissenschaftlicher Publikationen, gesetzlicher Vorgaben (z.B. HGB, IDW-Standards) und empirischer Studien.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen der Bewertungslehre dargelegt, gefolgt von einer detaillierten Analyse und kritischen Diskussion der KMU-spezifischen Faktoren, die den Unternehmenswert maßgeblich beeinflussen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Unternehmensbewertung, KMU, Ertragswertverfahren, DCF-Verfahren, Multiplikatoren, Risikoanpassung und Personenbezogenheit.
Warum sind Standardverfahren wie das CAPM bei KMU problematisch?
Da KMU meist nicht börsennotiert und häufig nicht ausreichend diversifiziert sind, stoßen auf Kapitalmarktdaten basierende Modelle wie das CAPM auf Anwendungsprobleme, die alternative Ansätze erforderlich machen.
Welche Rolle spielt der Unternehmer bei der Bewertung eines KMU?
Aufgrund der engen Verbindung zwischen Inhaber und Betrieb ist die Ertragskraft oft personenbezogen und nicht ohne weiteres übertragbar, was bei der Prognose zukünftiger Cashflows und der Planung zwingend berücksichtigt werden muss.
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- Anonym (Autor), 2020, Bewertung von kleinen und mittleren Unternehmen. Verfahren und Besonderheiten bei der Unternehmensbewertung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/941124